B ... wie Bäderarchitektur, Betonbunker: Borkum

Für die Isolierung war mMn eher die "Gutta Percha Company" zuständig. Mit der fusionierte Glass, Elliot & Co. 1864.
Ja und nein, die geben einen Herstellungsort an, da gab es 1858 nur "RS-Newall". Gateshead liegt am Tyne, "Glass, Elliott & Co" waren in London ansäßig.
Ich sehe eher eine Verbindung zu "Siemens Brothers".
 
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Als ich kürzlich zu den 1900 und 1904 gelegten transatlantischen Telegrafiekabeln von Deutschland nach Amerika recherchierte, suchte ich auf alten Karten nach einem Kabelhaus auf Borkum. Ich fand dann ein solches auf einer Karte von 1910 nördlich des sog. Quabben. Gleich daneben war aber auch ein «Raketenschuppen» und etwas östlich davon ein «Übungsplatz für den Raketen-Apparat» eingezeichnet.
Bildschirmfoto 2026-02-28 um 10.17.49.png

@Naresuan war das diese Karte? Der ausschnitt ist aus Home Alt-Borkum, Teil Borkum

Bzgl der Festung Borkum 1909-18 sind auf dieser Website die Karten interessant, welche die Bahnlinien enthalten.
 
Sollte es sich um Kartenmaterial aus dem Kaiserreich handeln, so bedeuten die Raketen in diesem Fall die damaligen Leinenraketen zur Seenotrettung, nix militärisches!, da damals nicht mit Raketen in diesem Sinne agiert wurde.
 
@Naresuan war das diese Karte? Der ausschnitt ist aus Home Alt-Borkum, Teil Borkum
Ja, von dort habe ich die Karte, jedoch die von 1910 (gross). Da ist das Kabelhaus und der Raketenschuppen auch schon eingezeichnet.
Ich gehe davon aus, dass von diesem Kabelhaus das Kabel nach Texel ging. In Texel war dann der Anschluss ans Hauptkabel Richtung Azoren.
Sollte es sich um Kartenmaterial aus dem Kaiserreich handeln, so bedeuten die Raketen in diesem Fall die damaligen Leinenraketen zur Seenotrettung, nix militärisches!, da damals nicht mit Raketen in diesem Sinne agiert wurde.
Die Rettungsraketen wurden auf der Basis von "Festungseitenstabraketen" der Artillerie von deren Feuerwerkslaboratorium in Spandau entwickelt. Etwas Militärisches war schon dran an diesen Raketen.
Siehe den Artikel Die preußische Artillerie im Dienste des Küstenrettungswesens von 1908 in:
 
In Texel war dann der Anschluss ans Hauptkabel Richtung Azoren.
super Info, wusste ich noch nicht.
Ich gehe davon aus, dass von diesem Kabelhaus das Kabel nach Texel ging.
Texel ist weit weg, da sind die anderen großen Inseln (Schiermonnikoog, Ameland usw.) dazwischen - ich hätte gedacht, die Kabelverbindung nach Texel liefe via Emden-Groningen und ab da übers niederländische Festland, aber ich weiß es nicht.
 
Texel ist weit weg, da sind die anderen großen Inseln (Schiermonnikoog, Ameland usw.) dazwischen - ich hätte gedacht, die Kabelverbindung nach Texel liefe via Emden-Groningen und ab da übers niederländische Festland, aber ich weiß es nicht.
Die Kabel von Emden führten zuerst nach Greetsiel, dann rüber nach Borkum, von wo aus ein dickes Küstenkabel nach Texel führte und dort ans Tiefseekabel anschloss.
Von demselben Kabelschiff [Britannia] ist das Küstenkabel dann noch weiter bis zu Haaks Leuchtschiff bei Texel verlegt worden. Hier fand am 11. Mai die Verbindung mit dem Tiefseekabel statt, dessen weitere Verlegung dann dem Kabelschiff Anglia von der Telegraph Construction and Maintenance Company in London obgelegen hat.
 
@Naresuan hier ein Ausschnitt des IMKK Plans der militärischen Telefonkabel (zeigt Stand 1918) Leider ist dieser Plan im Dossier "Recensement Place de Borkum" unvollständig (es fehlen die Verbindungen zum Hafen, wo noch die Artilleriebatterie Immelmann war) und ausgerechnet an einer interessanten Stelle zerrissen:
Bildschirmfoto 2026-02-28 um 13.01.50.png

(die kleinen Kreise sind Kabelbrunnen / puits de cables), die nummerierten großen Kreise sind Festungsanlagen)
Links unterhalb der Batterie Oldenburg, fast direkt am Strand: da dürfte das Kabelhaus sein bzw gewesen sein. Laut Festungsplan befand sich dort ab 1911 das Infanteriewerk Kinderheim und während des Kriegs kam noch die Flakbatterie (batterie de D.C.A) Quabben hinzu. Wahrscheinlich musste die Raketenstation dem Festungsbau weichen. Zum Vergleich der entsprechende Ausschnitt aus dem Festungsplan:
Bildschirmfoto 2026-02-28 um 13.17.17.png

(F.L.Zentr. rechts oberhalb der Batterie Oldenburg ist die Telefonzentrale der Festungstelefonverbindungen)
 
Die Kabel von Emden führten zuerst nach Greetsiel, dann rüber nach Borkum, von wo aus ein dickes Küstenkabel nach Texel führte und dort ans Tiefseekabel anschloss.

besten Dank für den tollen Fund!!!!

Jetzt wird es spannend, danach zu suchen, wo ab 1911 die Kabelverbindung von Borkum aus gen Texel war. Ich vermute, dass Kabelhaus und Raketenstation dem Bau des Infanteriewerks und der Flakbatterie weichen musste. Es sei denn, dass das außerhalb des rot eingegrenzten Rayonbereichs (!!) eingezeichnete schwarz Gebäude ohne Markierung direkt hinter dem Infateriewerk das Kabelhaus ist! dass dieses Gebäude eine so markante Aussparung/Einbuchtung in den Festungsrayon ist, das ist schon auffällig; und Lage/Ausrichtung sind dem Plan vor dem Festungsbau sehr ähnlich.

Bildschirmfoto 2026-02-28 um 13.35.56.png
 
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Auf der Karte von 1900 sind die Kabel, jedoch nicht die Kabelhäuser, eingezeichnet. Es dürfte mehrere Kabelhäuser gegeben haben.

z.B. auch am Hoop/Hopp
Es nimmt von England aus denselben wie das vorhin beschriebene, wendet sich indeß auf Höhe von Borkum angekommen in großem Bogen Südost durchschneidet die Insel in der Richtung Nordwest nach Südost und erreicht das südlich vom Ostlande am sogenannten Hoop erbaute Kabelhaus, ist direct durch Löthstelle verbunden, geht von hier über Nordsteert die große Sandbank den sog Randzel Sand bis zur Oster Ems in die Leybucht, mündet bei kleinen Hafenorte Greetsiel unmittelbar am Deiche das dortige Kabelhaus, passirt die Blizableiter und in dem 10 Minuten entfernten Greetsiel mittelst Ueberführung in vier oberirdische Leitungen über welche Emdener Stadtthore an mittelst Landkabels in die Gesellschaftsstation zu Emden eingeführt sind.
Anonymous (1885/86): Mittheilungen aus den allgemeinen Versammlungen. – Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft in Emden – 71: 2 - 81.
 
Das Kabel nach Horta auf den Azoren ist bereits eingezeichnet und nimmt einen kuriosen Verlauf zuerst zurück und dann an den Nordstrand. Vielleicht war es dort einfacher oder die gezeichneten Linien sind nicht genau. Das Kabelhaus im Quabben scheint jedoch eine zentrale Rolle eingenommen zu haben.
 
Das Kabelhaus im Quabben scheint jedoch eine zentrale Rolle eingenommen zu haben.
so sieht es aus - aber mich macht doch eine Sache stutzig:
- hier sind drei Gebäude, links die (Rettungs)Raketenstation, daneben das Kabelhaus, darunter das langgestreckte Gebäude, um welches später im Festungsplan der Rayon so markant ausgespart ist:
Bildschirmfoto 2026-02-28 um 18.42.07.png

und hier sind eingezeichnet: das Infanteriewerk Kinderheim (blau markiert), darüber einer der Scheinwerferbunken (mit abzweigendem Gleis) und das langgestreckte Gebäude (darunter die Markierung für den Platz der Flakbatterie Quabben):
Bildschirmfoto 2026-02-28 um 18.43.07.png


Das sieht so aus, als seien Rakenstation und Kabelhaus um 1911 (da war das Infanteriewerk fertiggestellt) verschwunden, aber das langgestreckte Gebäude ist nach wie vor vorhanden. Vielleicht wechselte das Kabelhaus in diese?
 
Wie dem auch sei: die vielen Telegrafenkabel, die nach und über Borkum verlaufen, zählen natürlich auch zum "Hightech"Aspekt der Heilbad-BelleEpoque-Festungsinsel (a la #32-38)
 
1772302256371.png

1772302302406.png


Das ist das Infanteriewerk "Kinderheim", und es lag quasi eingequetscht zwischen der Nordstrandbahn und dem langgestreckten Gebäude.

@Naresuan eine andere Frage: waren die Telegrafenkabel denn nach 1911 noch aktuell, d.h. wurden die weiterhin genutzt?
 
@Naresuan eine andere Frage: waren die Telegrafenkabel denn nach 1911 noch aktuell, d.h. wurden die weiterhin genutzt?
Nichts weist darauf hin, dass nach 1911 die Kabel irgendwo sonst als über Borkum verliefen. 1909 kam noch das Kabel nach Teneriffa dazu und als dieses nach Monrovia und Pernambuco verlängert wurde, meldete die Elektrotechnische Zeitschrift 1912, dass das Ende des Kabels in Borkum wieder einmal tiefer gelegt werden musste, weil es freigespült war.
Screenshot 2026-02-28 211037.png

Diese Kabelhäuser dienten für einen bequemen Zugang zu den Verbindungen und für Messungen an den Leitungen. Ich gehe davon aus, dass sie nicht mehr unbedingt nötig waren oder durch unterirdische sog. Kabelbrunnen ersetzt werden konnten, wenn oben Platz für Wichtigeres gebraucht wurde.
 
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