Barcelonas Deputierte bei den Ständeversammlungen von Cádiz 1808 - 1814

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von El Quijote, 7. September 2019.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auf die Gefahr hin, dass niemand Bescheid weiß, weil die Frage doch zu speziell ist: Wie verhielten sich eigentlich die katalanischen bzw. explizit Barcelonas Deputierte in Cádiz?
    Wie fand die Wahl in Katalonien statt (immerhin grenzte dies direkt an Frankreich und war eines der umkämpftesten Gebiete)? Wie kamen die Deputierten gefahrlos nach Cádiz (wahrscheinlich mit Hilfe der britischen Flotte, nehme ich an, aber tatsächlich?)? Welche politischen Positionen vertraten sie? Vertraten sie einen katalanistischen Standpunkt?
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Esdaile (S. 31 ff) geht auf die "Cortes" in Cadiz ein. Durchaus vielschichtig, wie beispielsweise die Sicht der Deportierten aus den amerikanischen Besitzungen. Im Prinzip kontrastiert er zudem die Sicht der "Liberalen" zu den "Monarchisten". Dabei beschreibt er eine Vielzahl an Konfliktlinien, aber auf eventuelle separatistische Sichten der Katalanen geht er explizit nicht ein.

    Esdaile, Charles J. (2000): Spain in the liberal age. From Constitution to Civil War, 1808-1939. Oxford, Malden, Massachusetts: Blackwell Publishers
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja, die haben ja die - bis auf einen Punkt - liberalste Verfassung der damaligen Welt geschaffen. Das illiberale Moment dieser Verfassung war, dass der Katholizismus Staatsregeligion sein sollte und jeder Spanier (Europa-Spanier wie Amerika-Spanier) Katholik sein musste. Die mir bekannten Konfliktlinien waren vor allem die, zwischen Amerikanern und Europäern über die Unterscheidung von Liberalen und Konservativen hinaus, sowie zwischen Franzosenfreunden und anderen.
     
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  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Hatte noch ein wenig weiter gelesen, aber zu eigenständigen Position der Katalanen nichts gefunden.

    Bei der starken Fragmentierung der unterschiedlichen Blöcke und den damit zusammenhängenden ideologischen Überzeugungssystemen, also Traditionalisten mit katholisch monarchistischer Prägung vs Liberale mit einer aufklärerischen, wirtschaftsliberalen - auch teils pro französisch - Haltung, hätten es separatistische Katalanen schwer gehabt. Zumal die nicht-Separatisten die Überzeugung der Aufrechterhaltung des Staates als einen Staat einte.

    Vor diesem Hintergrund blieb den Katalanen eigentlich nur die Möglichkeit, taktisch zu koalieren und die Seite zu unterstützen, die entweder ihren Vorstellungen am nächsten kam oder die drohte der anderen zu unterliegen und somit die Gefahr einer starken zentralen Regierung die Autonomiebestrebungen konterkarierte.

    Zumal für mich in der bisher gelesenen Literatur nicht erkennbar war, welche Virulenz die Autonomiebestrebungen der Katalanen zu dem damaligen Zeitpunkt hatte.

    benutzte Literatur
    Esdaile, Charles J. (2003): The Peninsular War. A new history
    Gates, David (2011): The Napoleonic Wars 1803-1815. London: Vintage Digital.
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist gewissermaßen der Hintergrund meiner Frage. Es wird ja von separatistischer Seite immer behauptet, die Katalanen würden seit 500 Jahren vom Zentralstaat unterdrückt. Für die Diktaturen Primo de Rivera und Franco lasse ich das gerne gelten. Aber ansonsten kann ich eine derartige Unterdrückung der Katalanen nirgends erkennen. Das reduziert die 500 Jahre auf beträchtliche Teile des 20. Jhdts.
     

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