Bedeutung der Napoleonischen Kriege

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von Gast, 20. April 2010.

Schlagworte:
  1. Gast

    Gast Gast

    Heyy :)

    Ich muss wissen, was die Bedeutung der Napoleonische Kriege für den Nationalstaatsgedanken am Beispiel Deutschlands waren.

    Könnt ihr mir bitte helfen?
    Also ich weiß nicht, aber Frankreich hat ja im Gegensatz zu anderen Ländern, nicht mehr Söldner zum Kämpfen bezahlt, sondern es waren alles Nationalmänner, die gerne für ihr Land gekämpft haben.

    Ach ich weiß nicht, kann mir jemand bitte helfen?
     
  2. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Zuerst wuerde ich mir mal ein paar Karten angucken:
    Vor, wæhrend und nach Napoleon. Was ist da mit Deutschland passiert?

    Dann wuerde ich mir angucken, was fuer konkrete Folgen hatten die napoleonischen Kriege und die Vormachtstellung Napoleons ueber weite Teile Deutschlands? Warum heisst es "Befreiungskrieg"?
    Stichwørter: Rekrutierungen, Kontinentalsperre, unmittelbare Kriegseinwirkungen, aber auch preuss. Reformen

    Danach siehst du schon viel klarer...:)

    Gruss, muheijo
     
  3. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    "Deutschland" gab es als geschlossenen Staat vor und während Napoleon nicht. Napoleon hat sogar den letzten Kaiser zur Abdankung gezwungen, der allerdings auch nur noch nominell Oberhaupt eines deutschen Reiches war, das schon längst in viele souveräne einzelne Staaten zerfallen war.

    Während der napoleonischen Kriege gab es sogar deutsche Staaten, die als Verbündete der Franzosen gegen andere deutsche Staaten kämpften.
    Erst, als sich die deutschen Staaten gegen Napoleon zusammen schlossen, gelang die "Befreiung" von der französischen Besatzung. In diesen Kämpfen entdeckte man - vereinfacht gesagt - dass man "gemeinsam stark" ist, dass der Bayer mit dem Württemberger mehr gemeinsam hat (aufgrund von Sprache, Geschichte und Kultur), als mit dem Franzosen und damit - ganz der "Mode" der Zeit entsprechend - erwachte auch der Wunsch, dass alle Deutschen wieder EINEN Staat haben sollten, weil sie ja irgendwie zusammen gehören (davon abgesehen kann ein deutscher Staat natürlich auch machtpolitisch mehr bewegen, als 34 und mehr einzelne Kleinstaaten).

    Frankreich hatte es ja auch vorgemacht: das geeinte Frankreich unter Napoleon war in der Lage, sich fast gegen ganz Europa lange Zeit zu behaupten.

    Die dt. Fürsten waren nicht so begeistert, denn bisher waren sie souverän gewesen, hatten nicht wirklich jemanden über sich gehabt. Ein einiges Reich mit einem Kaiser hätte bedeutet, dass man Macht an diesen Kaiser und das Reich hätte abgeben müssen.
     
    4 Person(en) gefällt das.
  4. excideuil

    excideuil unvergessen

    na, ja, ich halte es für einen Wunschtraum, "dass sich die deutschen Staaten zusammenschlossen", um Napoleon zu besiegen und um die "deutsche Einheit" zu vollziehen. Tatsache ist doch wohl, dass die deutschen Könige (Preußen ausgenommen, das schon Teil der Alliierten war) und Fürsten nach und nach in den Befreiungskriegen von Napoleon abfielen, der Sachsenkönig gar erst so spät, dass sein Land arg reduziert wurde. Und von deutscher Einheit keine Spur. Auf dem Wiener Kongress war das Gerangel um die eigenen Interessen alles andere als das Anstreben einer deutschen Einheit. Zudem hat meines Wissens kein deutscher Fürst oder gar König auf den von Napoleon verliehenen Titel verzichtet ...

    Grüße
    excideuil
     
  5. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    In meinem Text steht aber auch gar nichts davon, dass die deutschen Staaten sich zusammen schlossen, um die deutsche Einheit zu vollziehen und sogar die "Befreiung" habe ich in Anführungszeichen gesetzt. Ich schrieb von "man" und dem "Bayern" und dem "Württemberger".
    Bezüglich der Fürsten empfehle ich dringend, nochmal den letzten Absatz meines Beitrags zu lesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. April 2010
  6. excideuil

    excideuil unvergessen

    Sorry, wenn ich mich mißverständlich ausgedrückt habe.


    Auch die Anführungszeichen ändern nichts an der Falschheit deiner Aussage.

    Rußland und Preußen schlossen am 28.Februar 1813 den Vertrag von Kalisch. ... Am 27. Juni 1813 trat dieser Koalition auch Österreich bei. ... Erst am 8. Oktober 1813, also wenige Tage vor Leipzig fiel Bayern von Napoleon ab, Sachsen sogar erst während der Schlacht. Von einem Zusammenschluss deutscher Staaten kann nun wirklich nicht die Rede sein.

    Deine Aussage suggeriert, dass die deutsche Einheit damals ein auf der Tagesordnung liegendes Thema gewesen wäre. Zum Beispiel erklärt sich mir nicht, dass es der Befreiungskriege bedurft hat, um zu erkennen, dass es Gemeinsamkeiten in Sprache, Geschichte und Kultur gibt oder dass man gemeinsam stark ist. Eine simple Reise von München nach Stuttgart hätte dies doch auch vermocht, oder?

    In "Mode" waren die Ideen, die die Revolution in Frankreich über Europa gebracht hat. Diese Ideen ließen natürlich auch nationale Wünsche aufkeimen. Betrachtet man aber die Möglichkeiten derjenigen, die diese Ideen vertraten, diese auch umzusetzen, dann muss man wohl konstatieren, dass damals keine Chance bestand.

    Natürlich waren die deutschen Fürsten nicht begeistert von den aus Frankreich kommenden Ideen, mussten sie doch um ihre feudale Existenz fürchten. Ergebnis war die heilige Allianz.

    Sicher ließe sich über die inhaltliche Aussage trefflich streiten, auch das Beispiel ist unglücklich gewählt. Während sich Frankreich wirklich zentral organisiert und verwaltet präsentiert, ist in der Bundesrepublik die Kleinstaaterei noch immer nicht völlig beseitigt.

    Grüße
    excideuil
     
  7. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    a) Bayern trat am 8. Oktober 1813 aus dem Rheinbund aus und auf die Seite der Gegner Napoleons, die Völkerschlacht bei Leipzig fand eine gute Woche später statt. Dass hier noch keine bayerischen Truppen gegen Napoleon kämpften ändert nichts daran, dass Bayern sich zu diesem Zeitpunkt schon mit Österreich und Preußen zusammen geschlossen hatte (nicht im Sinne von "staatlich"). Es dürfte durchaus auch eine Schwächung Napoleons bedeutet haben, keine bayerischen Truppen zur Verfügung zu haben bzw. Truppen abzustellen, um sich gegen Bayern abzusichern.

    Schon vorher waren Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz aus dem Rheinbund aus- und auf die Seite Österreich/Preußens getreten. Mit Leipzig war der Krieg zwar wohl entschieden, aber wohl auch nur deshalb so eindeutig, WEIL die meisten deutschen Staaten von Napoleon abfielen und sich der Allianz der Gegner anschlossen. Eine Niederlage Napoleons bei Leipzig bei weiterer Treue Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens, Hessens etc. hätte das Ergebnis weniger eindeutig ausfallen lassen, zumal Preußen, Österreich und Russland bei Leipzig ebenfalls enorme Verluste erlitten.
    Napoleon selbst schätzte seine Lage nach Leipzig noch nicht hoffnungslos ein (er lehnte ein vergleichsweise mildes Friedensangebot Metternichs ab).

    b) Wo meine Aussage suggeriert, dass die Einheit auf der Tagesordnung irgend einer Konferenz o.ä. gestanden haben soll, kann ich nicht erkennen. Die Ursprungsfrage zielte darauf, was die Napoleonischen Kriege mit der Entstehung des Nationalstaatsgedanken in "Deutschland" zu tun hätten und ich halte es für unbestreitbar, dass dieses - selbstverständlich auch idealisierte - "Kampferlebnis" eine wichtige Rolle gespielt hat. In bestimmten Kreisen der Bevölkerung begann sich der Wunsch nach einer Einheit zu regen.

    c) In einem Krieg gegen jemanden, der "anders" ist, treten die Gemeinsamkeiten wieder viel stärker hervor. Die dt. Staaten hatten und haben oft genug Konflikte untereinander ausgetragen, der Kampf gegen einen Gegner von außen ließ meiner Ansicht nach ein Zusammengehörigkeitsgefühl in Teilen der Bevölkerung entstehen bzw. sorgte für eine Wiederentdeckung.

    d) Von einer Chance, sie umzusetzen habe ich ebenfalls nicht gesprochen - die Frage war, woher der Wunsch bzw. die Gedanken an sowas überhaupt kamen

    e) Die Frage war deutlich von einem Schüler gestellt, ich halte wenig davon, einen solchen Fragesteller mit einer langen, allen wissenschaftlichen Anforderungen genügenden und allen Streitpunkten Rechnung tragenden Antwort zu verwirren - deshalb auch mein "vereinfacht gesagt".

    f) Was das heutige Frankreich und die heutige Bundesrepublik mit den Gedankengängen damaliger Menschen zu tun hat, verstehe ich ebenfalls nicht.
     
    1 Person gefällt das.
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Genaugenommen war es nicht Sachsen, das von Napoleon abfiel, sondern sæchsische Soldaten - sie haben schlicht Tatsachen geschaffen, nachdem sich der Kønig nicht so recht entscheiden mochte.

    Es lag etwas in der Luft, bei Leipzig, das spuerten sogar die Franzosen, die um die zuverlæssigkeit "ihrer" Rheinbundtruppen sehr besorgt waren.

    Und das hat schon was mit "deutschen Ideen" zu tun!

    Und die konnten den herrschenden Fuersten und Kønigen nicht egal sein, sonst hætten sie sich den lockeren deutschen Bund geschenkt.

    Gruss, muheijo
     

Diese Seite empfehlen