Benjamin Franklins Rassentheorie: "Deutsche sind dunkelhäutig"

Das Anliegen des Essays ist nicht in einer darin angedeuteten "Rassentheorie" zu sehen. Die diskutierten Passagen mit ihren absonderlichen Hautfarbenzuschreibungen finden sich erst im abschließenden letzten Absatz (den ich für misslungene Rhetorik halte)
Der ganze Schluss, angefangen mit den abfälligen Äußerungen über die Pfälzer, findet sich nur in der Erstveröffentlichung. In den Nachdrucken von 1760, 1761 und 1769 wurde er gestrichen. Vermutlich hat Franklin selber gemerkt, wie überflüssig bzw. sogar kontraproduktiv dieses Geschreibsel war.

Umso skurriler wirken auf mich die Versuche, den tieferen Sinn dieser Zeilen zu "dechiffrieren".
 
Vermutlich hat Franklin selber gemerkt, wie überflüssig bzw. sogar kontraproduktiv dieses Geschreibsel war.
jedenfalls nach 9 Jahren kam es dann zur Streichung des "Geschreibsels" - wer ihm böse will, wird annehmen, dass er 8 bis 9 Jahre das Geschreibsel für mitteilenswert gehalten haben muss (die Möglichkeit, schon deutlich früher zu redigieren und das Ergebnis zu publizieren hatte er)
 
Der ganze Schluss, angefangen mit den abfälligen Äußerungen über die Pfälzer, findet sich nur in der Erstveröffentlichung. In den Nachdrucken von 1760, 1761 und 1769 wurde er gestrichen. Vermutlich hat Franklin selber gemerkt, wie überflüssig bzw. sogar kontraproduktiv dieses Geschreibsel war.
Er scheint es sogar schon gespürt zu haben, als er seine Obeservations das erste Mal aufschrieb, denn der letzte Satz lautet:
But perhaps I am partial to the Complexion of my Country, for such Kind of Partiality is natural to Mankind.
 
... dann kommen wir nicht darum herum, Franklin zu unterstellen, dass er genau das gemeint hat, was er geschrieben hat. Es geht um vier Kategorien von Hautfarben, um nichts anderes:

pure white: richtig weiß
swarthy: nicht mehr richtig weiß, sondern schon deutlich dunkler
tawny: noch dunkler, schon bräunlich
black: schwarz
Naja, am geht es auch noch um "red", "complexion of my country" und natürlich darum, was die Außerirdischen (inhabitats of Mars and Venus) davon halten.;)

Die "Roten" scheint Franklin ebenfalls zu den Guten zu zählen.

Der Begriff "complexion" kann zwar durchaus mehrdeutig sein und etwas anderes als Hautfarbe bedeuten, letztlich geht es aber auch um eine Farbskala, selbst wenn er sich auf Complexion im Sinne der Temperamentenlehre bezieht. (Hautfarben und Temperamente im Sinne der Säftelehre sind später auch bei Linné und Kant auf verwirrende Weise vermengt!)

Im Text ganz eindeutig um die angeborenen Qualitäten und das Bevölkerungswachstum bestimmter Bevölkerungsgruppen in bestimmter Regionen und natürlich um weiße Überlegenheit. Wenn das kein Rassismus sein sollte, so ist es wenigstens eine Art Protorassismus, als Vorbote für die wenig später etablierte Ideologie.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der ganze Schluss, angefangen mit den abfälligen Äußerungen über die Pfälzer, findet sich nur in der Erstveröffentlichung. In den Nachdrucken von 1760, 1761 und 1769 wurde er gestrichen. Vermutlich hat Franklin selber gemerkt, wie überflüssig bzw. sogar kontraproduktiv dieses Geschreibsel war.
Die Frage ist nur, warum er das auf einmal überflüssig/kontraproduktiv fand? Lag das an weitergehender Einsicht darüber, dass er einfach in sich nicht stimmigen Bullshit geschrieben hatte, oder verschwindet das 1760 und 1761 aus dem Text, weil man gerade mitten im "Siebenjährigen Krieg"/"French and Indian war" war und die geschmähten "Pfälzer Bauern" in Pennsylvania für die Miliz gut brauchen konnte, während das Abqualifizieren der "Germans" mit Ausnahme der "Saxons" als Schmähung der verbündeten Preußen und Hessen hätte verstanden werden können, die in Europa auf der Seite Großbritanniens kämpften?
Ironischerweise unter anderem gegen einen Staat mit der Bezeichnung "Kursachsen"?
 
Vielleicht liegt es daran, dass trotz aller satirischen Spitzen der Adressat der Streitschrift die britische Krone ist.

Franklin argumentiert, dass nur bei gesicherter wirtschaftlicher Grundlage ein Bevölkerungswachstum möglich ist, er führt als Beispiel die Regionen an in denen die Nettoreproduktionsrate niedrig ist (z.B. in den Städten), wo die Kosten für Lohnarbeit hoch sind, aus wirtschaftlichen Gründen spät oder gar nicht geheiratet wird.

Und er erläutert, dass das Bevölkerungswachstum in den amerikanischen Kolonien schon in den letzten Jahrzehnten für England und die Krone demographisch wichtig war.

Um also Bevölkerungswachstum an (loyalen, zumindest kulturell englischen) Siedlern langfristig zu sichern, sollte die Prosperität, Ansiedlung und Entwicklung kapitalintensiver und effizienter Industrien nicht durch kontinentaleuropäische Monopole verhindert werden.

Andernfalls komme es zu einer Zunahme und wirtschaftlichen wie kulturellen Hegemonie der anderen und konkurrierenden Bevölkerungsgruppen, die er als swarthy, tawny oder dark vorgestellt und abfällig klassifiziert hatte.

Also nach dem Motto: "Gebt den Weißen eine wirtschaftliche Existenzgrundlage, oder Eure angelsächsische Kultur in den Kolonien geht den Bach runter!"
 
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