Demnach ist Krieg nichts anderes wie Politik
Jain. Der besagte Satz ist durchaus wörtlich zu nehmen. Clausewitz stellt das Militär unter den Primat der Politik. Das Militär ist also das Mittel, dessen sich die Politik bedient, um das von ihr vorgegebene Ziel, welches mit diplomatischen oder handels-/wirtschaftspolitischen Maßnahmen nicht erreicht werden konnte, zu verwirklichen.
Dies ist in mehrerlei Hinsicht bedeutsam.
Einmal ist die Unterordnung des Militärs unter die Politik nicht selbstverständlich. Die politischen und die militärischen Kräfte können ja durchaus unterschiedlichen Zielen zugeneigt sein, wenn das Militär als eigenständige Kraft verstanden wird. In diesen Fällen droht ein Konflikt mit den politischen Kräften.
Weiterhin ist festzustellen, dass Clausewitz den Krieg als legitimes Mittel ansieht. Hierzu muss man aber bemerken, dass zu seiner Zeit noch keine UNO bestand und kein international anerkanntes Verbot des Angriffskrieges existierte. Zu seiner Zeit war rechtlich anerkannt, dass jeder Staat jedem Staat jederzeit den Krieg erklären konnte. Es galt ein unbeschränktes Recht zum Krieg.
Ist man sich dessen bewusst, so kann man in Clausewitz Satz noch eine weitere Bedeutung erkennen. Der Krieg muss den politischen Mitteln folgen. Dies bedeutet dreierlei. Einmal muss der Krieg, damit er der Politik dienen kann, politisch vorbereitet werden. Wie das auszusehen hat, kann man etwa anhand der Bad-Emser Depesche aufzeigen. Aber auch wie Lincoln den Bürgerkrieg einleitete, indem er die Südstaatler zwang, den ersten Schritt unternehmen zu müssen, stellt ein Beispiel für eine gelungene politische Kriegsvorbereitung dar. Dieses Muster wiederholte sich im 2.WK bei den Japanern, indem man ihre Versorgung mit Öl gefährdete. Dann muss der so vorbereitete Krieg eine klar umrissene Zielvorgabe bekommen, wofür gekämpft wird und welches Ergebnis der Einsatz des Militärs haben soll.
Die Nordstaaten hatten im amerikanischen Bürgerkrieg geraume Zeit erhebliche Probleme, weil das ausgegebene Ziel, die Einheit der Union wieder herzustellen, ein zu schwammiges Ziel war. Warum sollte man denn für die Einheit der Union kämpfen? Erst mit der Proklamation der Sklavenbefreiung bekam der Norden eine Zielsetzung, die zu überzeugen vermochte. Es gab und gibt weitere Beispiele hierfür. In Vietnam war der politische Auftrag ebenfalls zu unpräzise. Ein positives Beispiel aus der antike wäre der Feldzug der Römer gegen die Illyrer zwischen dem 1. und dem 2. Punischen Krieg. Dieser Feldzug hatte eine überzeugende Begründung und ihm lagen klare und realistische Vorstellungen darüber zugrunde, was wie zu erreichen sei. Es folgte eine Operation aus einem Guss. Der Krieg wurde vorbereitet, die Ziele eng umrissen und überzeugend begründet, die zur Erreichung der Ziele notwendigen Mittel bereit gestellt, nicht mehr und nicht weniger, und anschließend wurde der Plan ausgeführt.
Drittens, und dies ist vielleicht die wesentliche Neuerung, liegt diesem Satz die Idee zugrunde, dass das Militär die ultima ratio der Politik darstellt. Folglich soll die Politik alle ihre Möglichkeiten in einem vernünftigen Rahmen erschöpfen, bevor sie ihr Ziel mit anderen Mitteln weiter verfolgt. Diese Aussage ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass damals ein unbeschränktes ius ad bellum bestand.