Carl von Clausewitz

Nakharar

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Der preußische General Carl von Clausewitz ist heutzutage ja hauptsächlich wegen seines militärtheoretischen Werkes "Vom Kriege" bekannt. Ein Zitat aus diesem Buch lautet „Krieg ist die Fortsetzung der Politik unter Einbeziehung anderer Mittel.“
Wie ist dieser Satz zu verstehen? Das Krieg ein völlig legitimes Mittel der Politik ist oder das man einen Krieg erst beginnen soll wenn die Diplomatie (die Politik) versagt hat?
 
Ich denke mal das es ein Ziel gibt das unbedingt erreicht werden muss.
[...] Das Ziel der Mlitärs ist allerdings das selbe wie das der POlitker [...].

-----------------------------Ultimatives Ziel---------------------------
-------------Politik--------------------------------------Militär
---------hat als Aufg. das -----------------------------wartet ab
--------Ziel zu erreichen

--------Ziel nicht erreicht --------------------------schaltet sich ein und
-----------------------------------------------------übernimmt Aufgabe

----------wartet jetzt ab --------------------------------Ziel erreicht

--------schaltet sich wieder ein-------------------------- tritt zurück


Demnach ist Krieg nichts anderes wie Politik
 
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[Mod] Diskutiert das Thema bitte in seinen historischen Aspekten, ohne Ausflüge in die Tagespolitik. Danke. [/Mod]
 
Demnach ist Krieg nichts anderes wie Politik

Jain. Der besagte Satz ist durchaus wörtlich zu nehmen. Clausewitz stellt das Militär unter den Primat der Politik. Das Militär ist also das Mittel, dessen sich die Politik bedient, um das von ihr vorgegebene Ziel, welches mit diplomatischen oder handels-/wirtschaftspolitischen Maßnahmen nicht erreicht werden konnte, zu verwirklichen.

Dies ist in mehrerlei Hinsicht bedeutsam.
Einmal ist die Unterordnung des Militärs unter die Politik nicht selbstverständlich. Die politischen und die militärischen Kräfte können ja durchaus unterschiedlichen Zielen zugeneigt sein, wenn das Militär als eigenständige Kraft verstanden wird. In diesen Fällen droht ein Konflikt mit den politischen Kräften.
Weiterhin ist festzustellen, dass Clausewitz den Krieg als legitimes Mittel ansieht. Hierzu muss man aber bemerken, dass zu seiner Zeit noch keine UNO bestand und kein international anerkanntes Verbot des Angriffskrieges existierte. Zu seiner Zeit war rechtlich anerkannt, dass jeder Staat jedem Staat jederzeit den Krieg erklären konnte. Es galt ein unbeschränktes Recht zum Krieg.
Ist man sich dessen bewusst, so kann man in Clausewitz Satz noch eine weitere Bedeutung erkennen. Der Krieg muss den politischen Mitteln folgen. Dies bedeutet dreierlei. Einmal muss der Krieg, damit er der Politik dienen kann, politisch vorbereitet werden. Wie das auszusehen hat, kann man etwa anhand der Bad-Emser Depesche aufzeigen. Aber auch wie Lincoln den Bürgerkrieg einleitete, indem er die Südstaatler zwang, den ersten Schritt unternehmen zu müssen, stellt ein Beispiel für eine gelungene politische Kriegsvorbereitung dar. Dieses Muster wiederholte sich im 2.WK bei den Japanern, indem man ihre Versorgung mit Öl gefährdete. Dann muss der so vorbereitete Krieg eine klar umrissene Zielvorgabe bekommen, wofür gekämpft wird und welches Ergebnis der Einsatz des Militärs haben soll.
Die Nordstaaten hatten im amerikanischen Bürgerkrieg geraume Zeit erhebliche Probleme, weil das ausgegebene Ziel, die Einheit der Union wieder herzustellen, ein zu schwammiges Ziel war. Warum sollte man denn für die Einheit der Union kämpfen? Erst mit der Proklamation der Sklavenbefreiung bekam der Norden eine Zielsetzung, die zu überzeugen vermochte. Es gab und gibt weitere Beispiele hierfür. In Vietnam war der politische Auftrag ebenfalls zu unpräzise. Ein positives Beispiel aus der antike wäre der Feldzug der Römer gegen die Illyrer zwischen dem 1. und dem 2. Punischen Krieg. Dieser Feldzug hatte eine überzeugende Begründung und ihm lagen klare und realistische Vorstellungen darüber zugrunde, was wie zu erreichen sei. Es folgte eine Operation aus einem Guss. Der Krieg wurde vorbereitet, die Ziele eng umrissen und überzeugend begründet, die zur Erreichung der Ziele notwendigen Mittel bereit gestellt, nicht mehr und nicht weniger, und anschließend wurde der Plan ausgeführt.
Drittens, und dies ist vielleicht die wesentliche Neuerung, liegt diesem Satz die Idee zugrunde, dass das Militär die ultima ratio der Politik darstellt. Folglich soll die Politik alle ihre Möglichkeiten in einem vernünftigen Rahmen erschöpfen, bevor sie ihr Ziel mit anderen Mitteln weiter verfolgt. Diese Aussage ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass damals ein unbeschränktes ius ad bellum bestand.
 
„Vom Kriege“ ist ein sehr schwieriges Werk, sowohl sprachlich als auch in seiner Gedankenführung.

Mit dem üblicherweise verwendeten Zitat „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, der Überschrift zu Ziffer 25. im ersten Kapitel (Was ist der Krieg?) des ersten Buches (Über die Natur des Krieges), wird sehr viel Schindluder getrieben.

Die vollständige Ziffer 25 lautet:
„So sehen wir also, daß der Krieg nicht bloß ein politischer Akt, sondern ein wahres politisches Instrument ist, eine Fortsetzung des politischen Verkehrs, ein Durchführen desselben mit anderen Mitteln. Was dem Kriege nun noch eigentümlich bleibt, bezieht sich bloß auf die eigentümliche Natur seiner Mittel. Daß die Richtungen und Absichten der Politik mit diesen Mitteln nicht in Widerspruch treten, das kann die Kriegskunst im allgemeinen und der Feldherr in jedem einzelnen Falle fordern, und dieser Anspruch ist wahrlich nicht gering; aber wie stark er auch in einzelnen Fällen auf die politischen Absichten zurückwirkt, so muß dies doch immer nur als eine Modifikation derselben gedacht werden, denn die politische Absicht ist der Zweck, der Krieg ist das Mittel, und niemals kann das Mittel ohne Zweck gedacht werden.“

Der Gedanke wird dann noch einmal behandelt im 8. Buch (Kriegsplan) im 6. Kapitel (B: Der Krieg ist ein Instrument der Politik) mit folgenden Worten:

„Man weiß freilich, daß der Krieg nur durch den politischen Verkehr der Regierungen und der Völker hervorgerufen wird; aber gewöhnlich denkt man sich die Sache so, daß mit ihm jener Verkehr aufhöre und ein ganz anderer Zustand eintrete, welcher nur seinen eigenen Gesetzen unterworfen sei.

Wir behaupten dagegen, der Krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel. Wir sagen mit Einmischung anderer Mittel, um damit zugleich zu behaupten, daß dieser politische Verkehr durch den Krieg selbst nicht aufhört, nicht in etwas ganz anderes verwandelt wird, sondern daß er in seinem Wesen fortbesteht, wie auch seine Mittel gestaltet sein mögen, deren er sich bedient, und daß die Hauptlinien, an welchen die kriegerischen Ereignisse fortlaufen und gebunden sind, nur seine Lineamente sind, die sich zwischen den Krieg durch bis zum Frieden fortziehen. Und wie wäre es anders denkbar? Hören denn mit den diplomatischen Noten je die politischen Verhältnisse verschiedener Völker und Regierungen auf? Ist nicht der Krieg bloß eine andere Art von Schrift und Sprache ihres Denkens? Er hat freilich seine eigene Grammatik, aber nicht seine eigene Logik.

Hiernach kann der Krieg niemals von dem politischen Verkehr getrennt werden, und wenn dies in der Betrachtung irgendwo geschieht, werden gewissermaßen die Fäden des Verhältnisses zerrissen, und es entsteht ein sinn- und zweckloses Ding.“

Wie man seiht, ist seine Gedankenführung etwas komplizierter als es die immer wieder zitierte kurze Überschrift insinuiert und selbst mit dem längeren Zitat nur unvollständig wiedergegeben.

Bemerkenswert ist, dass sich auch immer wieder Autoren an Clausewitz reiben, die selbst zugeben, sein Werk gar nicht gelesen zu haben, wie etwa der Pop-Historiker John Keegan.
 
Danke für die superausführlichen Antworten! :yes:

Und was Keegan angeht: Ich habe das Gefühl, das nicht nur einige Historiker das Buch nicht gelesen haben.....
 
Viel mit Clausewitz beschäftigt hat sich auch Sir Basil Henry Liddell Hart, einer der einflussreichsten Militärhistoriker und theoretiker der ersten Zweidrittel des vorigen Jahrhunderts.

Allerdings war seine Beschäftigung mit Clausewitz sehr ambivalent. Einerseits war er für ihn der "evil genius of military thought," der "apostle of total war," ein unerbittlicher Vertreter des Massenkrieges und der Offensive (Dies, obwohl Clausewitz ja die Defensive für die überlegene Kampfform hielt). Er warf ihm vor, an dem Blutbad an der Westfront 1914-1918 die Schuld zu tragen; in seinen nachsichtigeren Augenblicken meinte er allerdings, es seien seine Schüler gewesen, die Clausewitz missverstanden hätten.

Auf der anderen Seite berief sich Liddell Hart immer dann auf Clausewitz, wenn es ihm nützlich schien. So hat er sich auf Clausewitz und dessen Ausführungen zur defensiven Kriegführung berufen, um zu begründen, warum er 1939 die Ansicht vertreten habe, eine defensive Kriegführung werde letztlich im beginnenden Krieg die Oberhand behalten.

Sein grundsätzlicher Hauptvorwurf war aber Clausewitz’ „metaphysischer Ansatz“ bei der Behandlung des Problems und seine „abstrakten Generalisierungen“, die den Leser zum Irrtum über den Gehalt seiner Aussagen verführten. Wie es scheint, hat auch ein Liddell Hart es nicht vermocht, Clausewitz aus seinem historischen Kontext heraus richtig zu verstehen. Da muss man ja auch skeptisch hinsichtlich der heutigen Clausewitz-Rezeption sein, zumal Clausewitz im Ausland in sprachlich vereinfachten Übersetzungen verbreitet ist.
 
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