Das Dollfuß-Regime in Österreich

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Andachtsjodler, 19. Juni 2008.

  1. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Das ist völliger Quatsch, diese Gesetze gab es nicht. Derartige Gesetze hätten auch einen Bruch mit der in der Verfassung garantierten Grundrechten bedeutet. Den Boden der Verfassung hat erst Dollfuss 1933 verlassen.

    Völkische Strömungen gabs natürlich, doch werden diese von den immer stärken Gegensätzen zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen überlagert die 1927 mit der Krise um die Schattendorfer Prozesse und dem Justizpalastbrand einen ersten Höhepunkt erreichten.
     
  2. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Würde ich sonst fragen?:D:D

    Ist aber vielleicht auch nicht so wichtig. Von den am Anfang gestellten Fragen nach den
    wäre jedenfalls, so mein momentaner Zwischenstand, die zweite zu bejahen: Sieht man mal von der fragwürdigen Etikettierung "Ständestaat" ab, so wies jedenfalls das politische Klima hüben und drüber derart große Affinitäten auf, dass es schwerfällt, sich Österreich als "Bollwerk" vorzustellen.

    Eine grundsätzliche Differenz sehe ich nur bezüglich des Verhältnisses zur Kirche: Die war für Hitler nur ein einstweilen vorhandener Machtfaktor, für die "Austrofaschisten" - jedenfalls vordergründig - ein Teil des Fundaments, auf dem der Staat errichtet war. Aber diese Differenz wurde ab dem Augenblick zunehmend wertlos, in welchem die Kirche zur Überzeugung gelangte, dass nur mit Hitler "die größte Gefahr für den europäischen Frieden und die christliche Kultur" erfolgreich bekämpft werden könnte:
    "Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat den Anmarsch des Bolschewismus von weitem gesichtet und sein Sinnen und Sorgen darauf gerichtet, diese ungeheuere Gefahr von unserem deutschen Volk und dem gesamten Abendland abzuwehren. Die deutschen Bischöfe halten es für ihre Pflicht, das Oberhaupt des Deutschen Reiches in diesem Kampf mit allen Mitteln zu unterstützen, die ihnen aus dem Heiligtum zur Verfügung stehen" (am 31.1.1937 von allen Kanzeln verlesener Hirtenbrief der deutschen Bischöfe, zitiert bei Lewy, Die katholische Kirche und das Dritte Reich, S. 231).
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Gföllner trennt zwischen dem jüdischen Volk, dass er gegen den Nationalsozialismus und seine Hetze, gegen Verfolgung und Progrome in Schutz nimmt,

    und dem "jüdischen internationalen Weltgeist", den er als "gottentfremdet" und als "entartetes Judentum" bezeichnet.

    Auszug:
    Erste Grundwahrheit: Die Menschheit ist eine einheitliche Familie
    ...
    Zweite Grundwahrheit: Der wahre christliche Nationalismus ist von Gott gewollt und wird von der Kirche gebilligt
    ...
    "Will darum der Nationalsozialismus nur diesen geistigen und ethischen Antisemitismus in sein Programm aufnehmen, so ist er durch nichts daran gehindert; aber dann vergesse der Nationalsozialismus nicht, dass vor allem die katholische Kirche das stärkste Bollwerk ist gegen den geistigen Ansturm auch des jüdischen Atheismus, und der Nationalsozialismus schüre nicht rassischen Antisemistismus durch seine überhebliche Vergötterung der arischen Rasse. Nicht "am deutschen Wesen wird die Welt genesen", sondern Heil und Genesung für die Völker der Erde gibt es nur in einem Namen, im Namen Jesu, wie schon Petrus es verkündet hat.

    Dritte Grundwahrheit: Nation und Staat sind verschieden und der Staat über der Nation
    ...
    Vierte Grundwahrheit: Über allem Nationalismus steht die Religion, die nicht national, sondern übernational ist.
    ...
     
  4. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Vielen Dank! Ich vermag nicht zu beurteilen, ob man hier von einem "verschärften A." sprechen kann, denn die zitierten Textbausteine hatten 1933 schon eine längere Tradition. Aber ich bin gern bereit, Gföllners Warnung vor dem "rassischen A." als Versuch zu würdigen, einen "letzten Deich" zu errichten.

    Wie dieser Deich unterspült wurde, zeigt ein Zitat aus dem "Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen", das 1937 von Erzbischof Gröber (Freiburg) herausgegeben wurde:
    "Die Rassengesetzgebung der Gegenwart kann daher nur darin ihren Sinn haben, daß die Heimrassigkeit und die Heimkultur vor Entartung bewahrt und gepflegt werden sollen. Will ein Volk seine Eigenart erhalten, so müssen die erbgesunden Söhne und Töchter heimrassiger Familien in gleichartige Familien hineinheiraten und die Ehen mit Fremdrassigen im obigen Sinne meiden." Natürlich kommt es beim Menschen "zuletzt auf das Seelische an [....] Allein wir dürfen nicht zugeben, daß der innere Wert und die Eigenart des deutschen Volkes, die doch grundlegend von dem geschichtlich gewordenen Erbstrom abhängen, Schaden leiden. So führt die Rassenforschung zuletzt zur Eugenik." (S. 536)
    Was die Unterscheidung zwischen dem jüdischen Volk "an sich" und dessen "internationalen, entarteten, atheistischen" Anteilen angeht, kann man sich bei "international" zwar die Rothschilds vorstellen, also das sog. "Finanzjudentum", aber die Frage, wo man denn die "entarteten, atheistischen" Juden sonst noch suchen (und unschädlich machen?!) müsste, bleibt ja bei Gföllner offen. Auch hier sieht man deutscherseits 1937 diagnostisch klarer:
    Im Artikel "Kunst" wird gesagt, man könne deren "deutschfremde Entwicklung" vor allem "jenen Kreisen aufbürden, die entweder jüdisch waren oder der jüdischen Suggestion unterlagen. Es war deswegen auch keineswegs ein kurzsichtiger und ungerechter Antisemitismus, als man schon vor drei Jahrzehnten auf die jüdische Verheerung in der deutschen Literatur, bildenden Kunst und Musik hinwies. [...] Auch die marxistische Politisierung der Kunst geht, wenn auch nicht ganz, so doch zum guten Teil auf die jüdische Werbung oder Ansteckung zurück, nicht minder jene Lüsternheit und verdeckte oder offene Bekämpfung des Gottesglaubens und der Kirche, die erfahrungsgemäß der entwurzelte und atheistisch entartete Jude mit der Betätigung seiner Feder oder anderer Kunstwerkzeuge fanatisch verbindet." (S. 372)
    Aber, wie schon gesagt: 1938 spielten mehr oder weniger subtile Unterschiede in der Auffassung des Antisemitismus ohnehin keine Rolle mehr. Da wuchs zusammen, was zusammen gehörte.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Richtig,

    aber 1933 ist - aus österreichischer Sicht - eine andere Situation. Die subtilen Unterschiede spielen da eine andere Rolle, der Hinweis Gföllners auf den "jüdischen internationalen Weltgeist" bedient gängige Klischees und ist wohl weniger von der klaren Vorstellung und Personifizierung gepägt.

    Man kann das so interpretieren, dass einerseits Strömungen "bedient" werden sollten, an denen man nicht (mehr) vorbeizukommen glaubte, andererseits eben gegengehalten wird in Bezug auf den Nationalsozialismus. Den ganzen Brief kann ich nicht abtippen (6 Seiten), aber aus den Stellen wird schon einiges klar, auch die Pressewürdigung "gegen Nazis und Juden".
     

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