"Das Eis nach dem Werbeblock" - Gab es "Snackverkäufer" im Circus Maximus?

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von chris2508, 2. September 2022.

  1. chris2508

    chris2508 Neues Mitglied

    Wenn man ins "Kino" gehen wollte, kaufte man sich ein Ticket für eine tolle Vorstellung im Circus Maximus:D.
    Eine interessante Frage in diesem Zusammenhang: Gab es damals Stadionverkäufer, die Snacks feilboten?:cool:
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    [Mod]Kopiert aus anderem Thread[/quote]
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt da ein berühmtes Zeitdokument:

    BRIAN: Larks' tongues. Otters' noses. Ocelot spleens.

    REG: Got any nuts?

    BRIAN: I haven't got any nuts. Sorry. I've got wrens' livers, badgers' spleens--

    REG: No, no, no.

    BRIAN: Otters' noses?

    REG: I don't want any of that Roman rubbish.

    JUDITH: Why don't you sell proper food?

    BRIAN: Proper food?

    REG: Yeah, not those rich imperialist tit-bits.

    BRIAN: Well, don't blame me. I didn't ask to sell this stuff.

    REG: All right. Bag of otters' noses, then.

    FRANCIS: Make it two.

    REG: Two.

    FRANCIS: Thanks, Reg.

    BRIAN: Are you the Judean People's Front?

    REG: Fuck off!

    BRIAN: What?

    REG: Judean People's Front. We're the People's Front of Judea! Judean People's Front. Cawk.

    FRANCIS: Wankers.
     
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  4. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Also zumindest gab es kleinere Garküchen für Speisen "to go" (oder hieß es damals ad idendum?): Thermopolium – Wikipedia

    Ob analog wie heute Händler durch die Veranstaltungsorte zogen, die aus ihrem Bauchladen diverse Köstlichkeiten verkauften, ist eine andere Frage. Für denkbar und wahrscheinlich halte ich zumindest Verkaufsstände vor den Amphitheatern, Theatern oder Pferderennbahnen. Archäologisch dürften solche Einrichtungen allerdings kaum nachzuweisen sein. Da bliebe höchstens die Frage, ob diese in der antiken Literatur erwähnt wurden.
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Circus Maximus in der ÜS steht natürlich als Pars pro toto für alle Arenen und (Amphi)Theater. Ich denke, das ist in Chris' Sinn.
     
  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Der Eintritt war gratis.

    Zumindest manchmal wurde vom Veranstalter selbst für Verpflegung gesorgt. Statius beschreibt in seinen "Silvae" (I, 6) Feierlichkeiten zum 1. Dezember, bei denen Naschereien auf das Publikum "regneten" und außerdem herumgehende Personen Essen und Wein verteilten.
     
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  7. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Passgenau kann ich die Frage leider nicht beantworten, aber drumherum etwas anbieten, was auf "Snackverkäufer" bei den Spielen hindeuten könnte. Wie immer bei solchen Fragen ziehe ich W. Weeber zu Rate, Die Straßen von Rom.

    Fliegende Händler waren auf den Straßen wohlbekannt:
    Lebensmittel wurden also auch "fliegend" verkauft, die Verkäufer Circulatores genannt:
    Säulenhallen, Thermen, eventuell auch Amphitheater waren die bevorzugten Plätze solcher Händler:
    Ob jedoch die Circulatores durch die Reihen während der Vorstellung gingen... weiß ich nicht.
     
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  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    "Das bekannte Fresko aus der Casa di Anicetus (Reg. I 3, 23) zeigt Aufstände im und um das Amphitheater zwischen Pompejanern und Besuchern aus dem benachbarten Nuceria (Abb.184). Vor dem Theater sind Stände zu erkennen, die mit einer Plane überspannt sind und auf deren Tischen Gefäße zu erkennen sind. Hier wurden Erfrischungen für die Besucher angeboten. So gab es vielleicht bei vielen Theatern – wie auch auf Platzanlagen – ein ambulantes oder mobiles gastronomisches Angebot."

    https://d-nb.info/1050239180/34
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich würde mal sagen, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass es so etwas gab. Roms "Unterhaltungsindustrie" hatte recht große Ähnlichkeit mit heutigem Starkult. Es gab Fanartikel, Spielzeug, Accessoires, die mit Gladiatoren oder Wagenlenkern geschmückt waren, und rund um den Circus Maximus gab es eine Reihe von Schenken, Tavernen, Garküchen, wo sich Besucher mit kleinen Snacks eindecken konnten.

    Zuweilen kam es vor, dass Spieleveranstalter den Besuchern eine Sportula, ein Fresspaket spendiert wurde. Üblicherweise wurden an einem Renntag 24 Rennen gefahren. Eine solche Veranstaltung dauerte daher recht lange, und natürlich bestand Bedarf an Erfrischungen und Snacks.

    Im Amphitheater dauerten verschiedene Kampfspiele in der Regel von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Meist begannen die Spektakel am Morgen mit Venationes, Tierhetzen. Es kämpften entweder wilde Tiere gegeneinander oder wurden von professionellen Venatores bekämpft. Es folgten Ballettaufführungen, Dressurvorführungen und Hinrichtungen, bis dann am Nachmittag der Höhepunkt kam: Gladiatorenduelle.

    Um die Mittagszeit, wenn viele Besucher das Amphitheater verließen, um etwas zu essen, wurden Hinrichtungen vollstreckt.

    Es gab ambulante Limonadenverkäufer, die Getränke wie Posca verkauften, eine Art Essig-Limo. In den Caesarenbiographien des Sueton, beriichtet der Autor in der Vitellius-Biographie, dass ein Sklave oder Freigelassener des Vitellius namens Asiaticus diesem entlief und sich in Puteoli als Limonadenverkäufer betätigte, weil er genug von Vitellius sexuellen Forderungen hatte. (Sueton, Vitellius 12).

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass Bedarf an Erfrischungsgetränken und kleinen Snacks während der Spiele gab und dass fliegende Händler Getränke, Früchte oder Nüsse während der Veranstaltung an Besucher verkauften. Es gab zwar nummerierte Eintrittskarten, und im Kolosseum konnten 50.000 Menschen in kurzer Zeit ihre Plätze einnehmen. Es war aber der Bedarf sich solche Veranstaltungen groß, und man wird durchaus davon ausgehen können, dass Besucher, die keinen Eintritt zu den Senatoren und Rittern vorbehaltenen VIP-Lounges hatten, ungerne während der Mittagspause ihre Plätze verließen, aus Sorge sie könnten besetzt werden.

    Rund um den Circus Maximus lag sozusagen das Amüsierviertel. Es gab Kramläden, die "Fanartikel" verkauften, und es gab Garküchen, sozusagen die Imbissbuden der Antike, wo man warme Mahlzeiten einnehmen konnte. Rund um den Circus lagen auch Bordelle, und die Gunstgewerblerinnen der Stadt boten sich dort auf dem Strich an.

    Manchen Besuchern waren die um die Mittagszeit vollstreckten Hinrichtungen zuwider und sie verließen das Amphitheater, um eine warme Mahlzeit einzunehmen.
    Seneca berichtet in seinen Epistulae morales, dass er unversehens in eine Veranstaltung der "meridiani" geriet und er war entsetzt über deren Brutalität.

    Ich wüsste jetzt nicht, dass ein antiker Autor namentlich Händler im Circus und Amphitheater erwähnt. Um eine warme Mahlzeit einzunehmen, wird man wohl die Pausen zwischen Veranstaltungen genutzt haben, sofern man sich nicht einen Picknickkorb mitgebracht hatte. Aus kurzen Zitaten römischer Autoren geht hervor, dass es bei Wagenrennen und Kampfspielen Pausen gab, die mehrere Zuschauer nutzten, sich um das leibliche Wohl zu kümmern.

    Sueton schreibt an einer Stelle, dass es üblich war, dass um die Mittagszeit das Volk Theater, Amphitheater und Theater verließ, um eine Mahlzeit einzunehmen.

    Sueton Claudius Kap 35:

    An den Tierkämpfern und Fechtern, welche um die Mittagszeit auftraten (Meridiani) hatte er (Kaiser Claudius) solche Freude, dass er schon frühmorgens sich zum Schauplatz aufmachte und sogar über Mittag, wenn das Volk zum Essen verließ, auf seinem Platz ausharrte."

    Es scheint eher üblich gewesen zu sein, dass man sich eher einen Snack in den umliegenden Garküchen holte, als direkt im Stadium. Es erscheint aber zumindest plausibel, dass auch während der recht langen Veranstaltungen, im Circus Getränke wie Posca (Essiglimo), Honigwein (mulsum) oder auch Knabbereien wie Maronen, Pinienkerne, Nüsse, Gebäck, Trockenfrüchte, Obst u. a. von fliegenden Händlern verkauft wurden.

    Auch wird man davon ausgehen können, dass Zuschauer auch während der Mittagspause im Circus oder Amphitheater blieben, um wie Kaiser Claudius auch ja nicht die Hinrichtungen zu versäumen. Oder einfach aus dem plausiblen Grund, die Plätze nicht im Stich zu lassen. Ein Bedarf war bestimmt da, und es würde sehr überraschen, wenn die fliegenden Händler, Limo-Verkäufer u. a., die überliefert sind, sich diese Gelegenheit hätten entgehen lassen.

    Die sogenannten "meridiani" waren keine regulären Gladiatoren oder Venatores, sondern Delinquenten oder verurteilte Kriminelle, die um die Mittagszeit exekutiert wurden.
     
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  10. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Hier noch ein Link mit Abbildung des Fresko:

    https://upload.wikimedia.org/wikipe...pompei_con_zuffa_tra_pompeiani_e_nocerini.jpg
     
  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Kaum jemand, der vielleicht Plinius Bericht an Tacitus vom Ausbruch des Vesuvs übersetzen musste und im Museum von von Neapel die Überreste von Pompeijanern die dabei ums Leben kamen sich ansieht, bleibt davon unberührt. In vielen Häusern weiß man ja sogar die Namen der Leute, die darin gewohnt haben. Es lassen sich Lebensläufe rekonstruieren. Es wirkt alles so allzumenschlich- kaum jemand, dem das nicht nahe geht.

    Für die Archäologie und Geschichtswissenschaft war der Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 dagegen ein einzigartiger Glücksfall. Als der Vesuv ejakulierte und Pompeji und Herculaneum unter Lava und Bimsstein begrub, entstand sozusagen eine Momentaufnahme einer römischen Stadt in den letzten Jahrzehnten des 1. Jahrhunderts.

    90% aller Originale von Gladiatoren-Rüstungen stammen aus Pompeji. Auch was Alltags- und Sozialgeschichte betrifft, war der Vesuvausbruch ein Glücksfall. Bestimmte Dinge sind viel zu profan, als dass man erwarten dürfte, dass darüber schriftliche Quellen etwas berichten.
     
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  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das ist zu einem Gutteil zufallsabhängig. An schriftlichen Quellen haben wir ja nicht nur systematische Abhandlungen, sondern auch z. B. Reden, Gedichte und Dramen (vor allem Komödien). Sie können uns viel über Alltags- und Sozialgeschichte verraten, aber auch über sonstiges. Unser Wissen über athenisches Erbrecht und auch Familienrecht haben wir z. B. zu einem Gutteil aus erhaltenen Reden aus athenischen Erbschaftsprozessen. Auch insofern ist bedauerlich, dass der Großteil der antiken Literatur verloren ist.
     
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  13. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Zwar nicht im Circus Maximus, sondern im Kolosseum in Rom fanden sich erstaunlicherweise Überreste von Snacks:

    Aber keine Otternasen oder Lerchenzungen, sondern...

    Archäologen haben in den Ruinen des Kolosseums Walnussschalen, Olivenkerne und Überreste von Obst gefunden - Essbares, das in der Nährwertpyramide bis heute vorbildliche Plätze einnimmt. So gesund haben die Zuschauer vor 2000 Jahren also gespeist.​


    Ausgrabung in Rom: Welche Snacks die Zuschauer im Kolosseum aßen


    Leider habe ich keine weitere Quellen dazu gefunden, nur diesen Tweet: https://twitter.com/DrJEBall/status/1543259954655571968

    Nachtrag: hier noch ein Artikel der BBC: Ancient Roman snacks found in Colosseum dig
     
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