Vielen Dank für die weiteren Einblicke! Ich versuche, die Punkte einmal zusammenzuführen:
1. Licht und Schatten (Justinian):
Das Wort 'Licht' war weniger moralisch als strukturell gemeint. Natürlich war Justinian kein Pazifist und die
Frühbyzantike war von gewaltigen Erschütterungen geprägt. Aber im Gegensatz zu den 'Barbareneinfällen' (die das Ende markieren) steht die
Byzantike für den Versuch, die römische Ordnung, das Recht und die Zivilisation unter diesen extremen Bedingungen zu transformieren und zu erhalten. Es ist die Perspektive des
Staates, nicht des Schlachtfeldes. (Und danke für den Arno Schmidt-Tipp,
@dekumatland – das passt wunderbar zur Atmosphäre dieser Zeit!)
2. Zur 'Verschrobenheit' des Begriffs:
Ich kann den Einwand verstehen – jeder neue Begriff wirkt anfangs 'unbeholfen', weil er das gewohnte Sprachgefühl stört. Aber ist 'Oströmisches Reich' (eine Himmelsrichtung) oder 'Byzantinisches Reich' (eine fiktive Ethnie) weniger unbeholfen, wenn man die staatsrechtliche Realität betrachtet? Die
Byzantike ist ein funktionales Werkzeug. Sie ist vielleicht verschroben, wie eine neue Maschine verschroben wirkt, bis sie das Problem löst, für das sie gebaut wurde: Die nahtlose Benennung der römischen Kontinuität.
3. Archäologie und Migration:
Das ist der große Vorteil: Die
Byzantike muss die 'Migrationsepoche' oder die archäologischen Begriffe des Westens gar nicht ersetzen. Sie definiert lediglich den
römischen Raum neu. Während im Westen die 'Barbarenepoche' (mit all ihrem Heine’schen Humor) toben mag, existiert im Osten eben die
Byzantike. Beides kann nebeneinander stehen.
Ich danke Ihnen allen für diese ehrliche und lebhafte Diskussion. Dass ein Begriff polarisiert, ist oft das erste Zeichen dafür, dass er eine Substanz besitzt, an der man sich reiben kann. Ich nehme all diese Stimmen – das Lob wie die Schelte – als wertvolles Korrektiv mit in meine weitere Arbeit am Buch.