RafaelaRomanArroyo
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...nicht nur vielleicht: sie hat nicht. Es gab keinen byzantinischen Vogelweide, Wolkenstein oder Gottfried.
gerade die frühe "Byzantike" war sehr engagiert darin, die nichtchristliche Gelehrsamkeit zu verbieten und zu verjagen!
Natürlich überlebte einiges bei den byz. klerikalen Kopisten, aber die waren nicht die einzige "Sammelstelle": vergessen wir nicht, woher im Gefolge der Kreuzzüge die z.B. medizinische Gelehrsamkeit kam, nämlich aus dem arabischen Raum (wo man sie bewahrte) - letztlich hat das byz. "bewahren" wohl nur die kleinere Hälfte der Überlieferung ausgemacht.
Vielen Dank für diese detaillierten Exkurse in die Badestatistik und die Literaturgeschichte!...nicht nur vielleicht: sie hat nicht. Es gab keinen byzantinischen Vogelweide, Wolkenstein oder Gottfried.
gerade die frühe "Byzantike" war sehr engagiert darin, die nichtchristliche Gelehrsamkeit zu verbieten und zu verjagen!
Natürlich überlebte einiges bei den byz. klerikalen Kopisten, aber die waren nicht die einzige "Sammelstelle": vergessen wir nicht, woher im Gefolge der Kreuzzüge die z.B. medizinische Gelehrsamkeit kam, nämlich aus dem arabischen Raum (wo man sie bewahrte) - letztlich hat das byz. "bewahren" wohl nur die kleinere Hälfte der Überlieferung ausgemacht.
Aber erlauben Sie mir eine ganz naive Frage: Wenn wir feststellen, dass im 7. Jahrhundert weniger Thermen betrieben wurden als im 2. Jahrhundert, oder dass man in Konstantinopel lieber theologische Abhandlungen verfasste als höfische Epik – ist das wirklich ein Argument für einen Identitätswechsel des Staates?
Wenn ein Staat eine Krise durchläuft, seine Gewohnheiten ändert oder seine kulturelle Produktion verlagert, hört er dann auf, er selbst zu sein?
Nach dieser Logik wäre Frankreich heute nicht mehr Frankreich, weil dort niemand mehr Chansons de Geste schreibt oder im Versailles-Stil residiert.
Genau hier liegt das Problem der aktuellen Terminologie: Wir hängen die Identität der Römer an Zuständen der Antike auf. Sobald die Thermen schließen oder die Literatur christlicher wird, entziehen wir ihnen das 'Römertum' und stülpen ihnen das Kunstwort 'Byzanz' über.
Die Byzantike beendet dieses Spiel. Sie erlaubt es uns, den kulturellen Wandel (den ich gar nicht bestreite!) zu beschreiben, ohne die staatsrechtliche und identitäre Kontinuität der Römer künstlich abzuschneiden.
Oder kurz gefragt: Wenn ein Römer nicht mehr badet oder er keine Minnelieder singt, wird er dann automatisch zum 'Byzantiner' und verliert seine Staatsangehörigkeit?