Die Echtheit der Reliquien infrage zu stellen, war lange Zeit unvorstellbar. Erst im 19. Jahrhundert nahm das wissenschaftliche Interesse so weit zu, dass der Schrein wieder geöffnet wurde. Es war der 21. Juli 1864. Zu ihrem großen Erstaunen fanden die Forscher die fast vollständigen Skelette eines 12-jährigen Jungen und zweier etwa 30 und 50 Jahre alter Männer. Die drei Lebensalter, die auf zahllosen Darstellungen von den Heiligen Drei Königen symbolisiert worden waren, stimmten also mit dem Alter der drei Toten überein.
Eine Frage der Frömmigkeit
Und das war nicht die einzige Überraschung: Mehr als hundert Jahre später, 1979, wurden auch die Stoffe untersucht, mit denen die Knochen umwickelt waren. Das Ergebnis: Es handelte sich um syrischen Damast, Purpur und Seide aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. Die Kleidung war damit älter als gedacht – sie stammte tatsächlich aus der Antike, aber eben nicht aus der Zeit von Jesus.
Die Knochen selbst sind noch nie analysiert worden. Der Experte und Buchautor Manfred Becker-Huberti hat eine solche Untersuchung in den 90er-Jahren angeregt. „Technisch wäre es möglich“, sagt er. Aber das Domkapitel habe abgelehnt.