Deutung des Namens Andalusien

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von Valao, 29. August 2005.

Schlagworte:
  1. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Obwohl aus linguistische Sicht, ich dem Herrn Halm zustimme bin ich doch auch für die Vandalen-These .

    Ich denke ,wie auch Herr Steinach ,dass sie überwiegend Beliebt waren in der Bevölkerung NA.
    Die Vandalen lebten ja überwiegend in Àfrica und die Geschichte von Hannibal haben sie bestimmt auch von den Àfricanern zu hören bekommen .Und die Eroberung Roms der Vandalen ist bestimmt in die Geschichten der Leute eingegangen sodass man noch lange von Vandalen sprach auch noch bei der Ankunft der Araber.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist nun eine völlig absurde Aussage. Entweder du stimmst der Aussage zu, oder nicht, ein Zwischending gibts nicht, da die Aussagen im krassen Widerspruch zueinander stehen.

    Was Roland Steinacher (nicht Steinach) schreibt, ist völlig unbelegt, wissenschaftlich betrachtet eine pseudoetymologische Herleitung.

    Und weil die Vandalen in Africa lebten - welches die Araber dann Ifriqiyya nannten - deshalb haben sie dann Spanien nach den Vandalen benannt? Das ist ja mal ne feine Logik...
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein aus Alexander wird das al- als Artikel missverstanden. Deshalb wird aus Alexander al-iskander und aus Alexandria al-iskanderiyya. Dass aus -ks- ein -sk- wird, nennt man in der Linguistik Metathese.
    Dasselbe wie mit Alexander passiert mit Lawrence von Arabien ('awrins), Leucante (Alicante, Alacant), der Lombardei (Ankubardia) etc. Noch mal ganz langsam: d e r # n i c h t a r a b i s c h e # A n l a u t # al - #
    o d e r # l- # a u s # d e r # G e b e r s p r a c h e # w i r d # m i t # d e m # A r t i k e l # a u s # d e r #
    E m p f ä n g e r s p r a c h e # (eben dem Arabischen) # v e r w e c h s e l t.
     
  4. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Du verstehst das falsch. Weil die Vandalen in Afrika von Hannibal hörten, und der lebte ja auch lange in Spanien und war quasi Ehrenvandale, wurde Spanien danach benannt.
     
  5. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Ja, so langsam kriegen wir es erklärt! :cool:
     
  6. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Dann macht das Sinn, das das "L" in Landlos verwechselt wird mit dem "al-" und zu "Al-Andalos" wird.
    Habe nur spekuliert ,darf man doch oder ist das hier gegen die Forumsregeln ?.Muss sie mir mal durchlesen ,ob hier alles belegt werden muss.
     
  7. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Nein, muss es sicher nicht. Aber für den Gedankenaustaus hier wäre der Verzicht auf die Wiederholung von bereits widerlegten Spekulationen hilfreich, wenn nicht wenigstens neue Ideen hinzu kämen.
     
  8. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    In der ganzen Umayyaden zeit ,bis-750 gab es nur den arab.Begriff"al-Andalus" auf den Münzen und in lat."hispania".

    In ausschlägigen Wörterbüchern findet man für "ANDaLuS" die Bedeutung "Land,Pflanze die am Ende des Sommers grünt" klingt für ein Wüstenvolk sehnlicher als Hispania oder Baetica .Eine mögliche Erklärung ?
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt nur einschlägige Wörterbücher. In welchem einschlägigen WB soll man denn dieses Wort finden?

    Auf der lateinischen Seite der bilingualen Münze ist von Spania die Rede.
    FERIT(us) SOLI(dus) IN SPAN(ia) AN(no) XCI [XCVII]
    Die Münze liegt in zwei Varianten vor, eine aus dem Jahr AH 91 und eine aus dem Jahr AH 97/98, den im lateinischen Text gibt diese Münze merkwürdigerweise die Angabe 97, wohingegen die arabische Seite 98 angibt. Wahrscheinlich hat sich der Stempelschneider um ein -I- vertan (auf der lateinischen Seite wird das Alter in römischen Zahlen angegeben, auf der arabischen ist es ausgeschrieben: ḍuriba hādā d-dīnāru bil-Andalus sanata tamānin wa-tis'īna), es könnte aber auch sein, dass hier der Hinweis auf eine dritte Münze desselben Typs vorliegt. Da von ihr bisher nur eine recht überschaubare Anzahl von Exemplaren überhaupt gefunden wurde, lässt sich das nicht genau sagen.

    Von der "ganzen Umayyadenzeit" kann also nicht die Rede sein, es handelt sich um zwei bekannte, vielleicht auch drei Typen aus der absoluten Frühzeit der Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Muslime.
     
  10. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    In dem arabisch Dictionary von Francis Joseph Steingass auf s.369 ,was ich damit sagen wollte ist dass "Andalus" sich gegen Baetica,Gotica durch diesen bekannten arabischen Begriff vlt.durchsetzte.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dort stehen die Lemmata ǧalw (bzw. ǧalū) bis ǧam.
    Es gibt keinen "bekannten arabischen Begriff" Andls. Dementsprechend kann dein andls in dem genannten Lexikon überhaupt nicht vorkommen.

    Al-Andalus
    kommt in dem Lexikon zwei Mal vor: einmal, um Spanien und einmal, um das "andalusische Meer" zu bezeichnen.
     
  12. Mfelix

    Mfelix Mitglied

  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich bin im falschen WB gelandet. :(
    Ich finde dort mit Dāl-Lām-Sīn dallas, adlās, tadlis, mudālasa, idlās, tadallus im zweiten Stamm mit der Bedeutung des 'Betrugs beim Verkauf' oder 'falsche/zweifelhafte Autoritäten zitieren' im dritten Stamm 'täuschen, betrügen, verstecken' und im vierten Stamm tatsächlich etwas mit Pflanzen; nämlich das etwas mit späten Sommerpflanzen bedeckt ist oder man späte Sommerpflanzen findet. Bzw. Dunkelheit.
    Daneben findet sich noch mit Dāl-Lām-Ṣād dalaṣ, daliṣ, dalīṣa, tadliṣ, indilāṣ, daliṣ, dilā und duluṣ mit der Bedeutung 'glatt, poliert, reflektierend' im ersten und zweiten Stamm, 'aus der Hand rutschen' bzw. als Passiv vom ersten Stamm der siebte Stamm und häufiges Fallen oder ebener Boden.

    Deiner Übersetzung entspricht in dem genannten WB adlās, die Pluralform von dalas, welche die Bedeutung trägt "Pflanzen die am Ende des Sommers wachsen" bzw. idlās, was "bedeckt sein mit Spätsommerpflanzen" oder "Spätsommerpflanzen finden" bedeutet. Von Land steht dort nichts, das ist im Arabischen balad (häufig ist vom balad al-Andalus die Rede) bzw. im Sinne der Erde arḍ, das verwandt ist mit hebräisch eretz (ereṣ). Ganz offensichtlich hat der Begriff adlās/idlās etwas mit dem Wieder-kürzer-Werden der Tage nach dem 21. Juni zu tun, da auch der Begriff der Dunkelheit hier mit reinspielt.
    Woher kommt das -n-? Was passiert mit dem Langvokal? Deine Übersetzung würde vielleicht einem balad idlās oder determiniert einem al-balad al-idlās entsprechen. Aber so heißt es nicht. Es heißt al-Andalus.
     
  14. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Man sollte der Fairness halber anfügen, dass Roland Steinacher solches weder geschrieben noch gesagt hat. Das Zitat ganz oben stammt von der Redakteurin.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. März 2019
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  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Okay, ich entschuldige mich bei Steinacher, dass ich das Zitat nicht geprüft habe, und korrigiere:

    Was Nadja Podbregar schreibt, ist völlig unbelegt, wissenschaftlich betrachtet eine pseudoetymologische Herleitung.
     
  16. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Nachtrag:
    Auf Seite 82 seines Standardwerkes "Die Vandalen" bevorzugt Steinacher eindeutig die Herleitung aus dem gotischen Landlos.
     
  17. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Ist wohl doch die plausibelste HThese, zumal nachdem die Araber ihr Kalifat in Spanien an die Almohaden verloren,blieben die Mauren bei "Al-Andalus".
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    „Die Araber“ verloren ihr Kalifat nicht an die Almohaden. Vereinfacht: Es gab ein Kalifat von Damaskus (Umayyaden). Dann gab es eine Revolution, der ein Großteil der Kalifenfamilie zum Opfer fiel. Eine neue Dynastie (Abbāsiden) etablierte dann das Kalifat von Bagdad. Überlebende der alten Kalifenfamilie (also der Umayyaden) flohen nach Nordafrika und erreichten schließlich al-Andalus, wo sie eine von Bagdād unabhängige Herrschaft etablieren konnten, ohne sich aber Kalif zu nennen, denn es konnten nur einen Kalifen geben. Dann entstand etwa 200 Jahre später ein neues Kalifat in Nordafrika, parallel zum Kalifat von Bagdād, das der Fāṭimiden, die bald von Tunis nach Kairo gingen. Damals, 927, ließ sich Abd ar-Rahman III. als Sproß der erstren Kalifendynastie zum Kalifen ausrufen. Sein Kalifat, das Kalifat von Córdoba hatte - je nach Betrachtungsweise bis 1008/09/31 bestand. 1009 beginnt die Herrschaft der Taifa-Könige, die zwischen 1090 und 1106 endet. 1090 kommen die Almoraviden nach al-Andalus, deren Hauptstadt in Marrakesh liegt, ihre Herrschaft bricht 1145/46 zusammen, weil die Almohaden sie besiegen, ab 1146 kommen die Almohaden auch nach al-Andalus, also 130 Jahre nach dem Ende des Kalifats.

    Der Zusammenhang zwischen den Almohaden und der Beibehaltung des Namens al-Andalus nach der Eroberung der iberischen Halbinsel bzw. was daran bemerkenswert wäre, erschließt sich nicht.
     

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