Die Gerüche Roms

Dass Gerbereien stinken, weiß ich und das wusste man auch im Mittelalter, wo sie am Rande oder gar außerhalb der Stadt und am Flussufer unterhalb dieser angesiedelt waren. Dass die Römer das nicht genauso gehandhabt hätten, ist schwer zu glauben.

Wenn man sich die Lage der fullonicae, der Tuchwalkereien, in Pompeji anschaut, dann liegen die durchaus auch an großen Durchgangsstraßen im Zentrum, wie z. B. die fullonica des Stephanus an der Via dell'Abbondanza. In den fullonicae wurde in großen Mengen menschlicher/tierischer Urin zur Reinigung der Stoffe eingesetzt. Wenn der Befund denn richtig gedeutet wird, gab es sogar am Forum im Eingangsbereich des Gebäudes der Eumachia eine öffentliche Sammelstelle für Urin. Zwischen der Repräsentativität des öffentlichen Bauwerks und dem dort wehenden Lüftchen scheint es zumindest für den modernen 'Riecher' kräftig zu knirschen ...
 
Ich interessiere mich ja für die nachgewiesene Produktion von Purpur aus Purpurschnecken und auch für die zumindest sehr wahrscheinliche Produktion von Garum auf der dem kanarischen Fuerteventura östlich vorgelagerten Insel Isla de Los Lobos (= Insel der Mönchsrobben).

Die von Euch schon erwähnte hervorragend erhaltene Garummanufaktur unweit des südspanischen, Cádiz, in der Stadt Baelo Claudia, ist in einer sehr beeindruckenden und realistischen Rekonstruktion zu sehen:



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Die Industrie für Garum und gesalzenen Fisch: Baelo Claudia
Balawat.com

An der Küste von Cádiz, wo der Atlantik auf die Geschichte trifft, entpuppt sich Baelo Claudia als eine der faszinierendsten Enklaven der römischen Welt. Die im 2. Jahrhundert v. Chr. gegründete und im 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. blühende Stadt war nicht nur ein strategischer Hafen, sondern auch ein industrielles Epizentrum, das sich der Herstellung von gesalzenem Fisch und der berühmten Garum-Sauce widmete.

Baelo Claudia war das Zentrum der Salzherstellung [Salación: eher der Einsalzung / Pökelindustrie] im Römischen Reich.

Die Pökelfabriken: Technologie und Tradition​

Diese als cetariae bezeichneten Fabriken befanden sich im südlichen Viertel der Stadt, in der Nähe des Strandes, innerhalb der Stadtmauern. Mindestens zehn von ihnen wurden ausgegraben, die alle eine gemeinsame Struktur aufweisen:

  • Pökelbecken: Steinbecken, in denen Fisch in Salz eingeweicht wurde. Einige waren rechteckig, andere kreisförmig mit einem kegelstumpfförmigen Profil, was auf technologische Innovationen oder die Anpassung an neue Arten wie Blauflossenthunfisch und sogar Wale hindeutet.
  • Offene Höfe: zentrale Räume zum Schneiden, Reinigen und Lagern von Fisch.
  • Brunnen und Zisternen: Hydraulische Elemente zur Wasserversorgung der Anlagen.
  • Angeschlossene Räume: Verwaltungs- oder Lagerräume, wie in den Industriekomplexen IV und VI dokumentiert.

Diese Fabriken konnten zwischen 80 und 200 m² groß sein, mit einer Produktionskapazität von bis zu 90 m³, was sie zu echten Verarbeitungsbetrieben von imperialem Ausmaß machte.

Der Garrum-Laden: Handel und Kultur

Der einzige Garum-Laden, der in Baelo Claudia identifiziert wurde, sticht bei dem kürzlich eröffneten Rundgang durch die Stätte hervor. Dieses Geschäft, das sich im Decumanus Maximus befindet, stellt die Verbindung zwischen Produktion und Konsum, zwischen Industrie und Alltagsleben dar. Garum, eine fermentierte Fischsauce, die in der römischen Gastronomie sehr geschätzt wurde, wurde hier verkauft und von Baelo aus in den gesamten Mittelmeerraum exportiert.

Virtuelle Rekonstruktion: Archäologie in High Definition

Dank der Arbeit von Balawat wurden diese Strukturen in 3D auf photogrammetrischen Netzen restauriert, so dass Besucher und Forscher in ein immersives Erlebnis eintauchen können. Die Bereiche XI und XV wurden beispielsweise mit wissenschaftlicher Präzision nachgebildet und zeigen Utensilien, verarbeitete Arten und das Arbeitsumfeld der damaligen Zeit.
 
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Dass Gerbereien stinken, weiß ich und das wusste man auch im Mittelalter, wo sie am Rande oder gar außerhalb der Stadt und am Flussufer unterhalb dieser angesiedelt waren. Dass die Römer das nicht genauso gehandhabt hätten, ist schwer zu glauben.

Für die Garumhersteller dürfte das gleiche gelten – Wikipedia spricht davon, dass „die Geruchsbelästigung während der Produktion beträchtlich [war], weshalb die Produktionsstätten für Garum außerhalb der Ortschaften lagen.“

Wenn man sich die Lage der fullonicae, der Tuchwalkereien, in Pompeji anschaut, dann liegen die durchaus auch an großen Durchgangsstraßen im Zentrum, wie z. B. die fullonica des Stephanus an der Via dell'Abbondanza. In den fullonicae wurde in großen Mengen menschlicher/tierischer Urin zur Reinigung der Stoffe eingesetzt. Wenn der Befund denn richtig gedeutet wird, gab es sogar am Forum im Eingangsbereich des Gebäudes der Eumachia eine öffentliche Sammelstelle für Urin. Zwischen der Repräsentativität des öffentlichen Bauwerks und dem dort wehenden Lüftchen scheint es zumindest für den modernen 'Riecher' kräftig zu knirschen ...
Ich kann das für Fās (Fès/Fèz) bestätigen. Die Gerbereien - und es stinkt dort höllisch, aber man bekommt als Tourist Minze gereicht, die man sich zu Kugel rollen und in die Nasenlöcher stecken kann - liegen zwar am Fluß, aber eben doch mitten in der Stadt
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Gerbereien Fas.jpg
 
Wenn man sich die Lage der fullonicae, der Tuchwalkereien, in Pompeji anschaut, dann liegen die durchaus auch an großen Durchgangsstraßen im Zentrum, wie z. B. die fullonica des Stephanus an der Via dell'Abbondanza. In den fullonicae wurde in großen Mengen menschlicher/tierischer Urin zur Reinigung der Stoffe eingesetzt. Wenn der Befund denn richtig gedeutet wird, gab es sogar am Forum im Eingangsbereich des Gebäudes der Eumachia eine öffentliche Sammelstelle für Urin. Zwischen der Repräsentativität des öffentlichen Bauwerks und dem dort wehenden Lüftchen scheint es zumindest für den modernen 'Riecher' kräftig zu knirschen ...
Der 'Riecher', ob modern oder antik, verfügt (glücklicherweise) über gehöriges Toleranzspektrum, was EQs marokkanisches Beispiel belegt.
und es stinkt dort höllisch, aber man bekommt als Tourist Minze gereicht, die man sich zu Kugel rollen und in die Nasenlöcher stecken kann
Ohne dieses Anpassungsvermögen des Gesichtserkers würde sich ein nicht unwesentlich veränderter Geschichtsverlauf präsentieren - wegen fortwährenden Nomadentums wären nach Urin stinkende Wehrerker ebenso wenig zu besichtigen wie diese entschärfte
Ich hätte auf Essensgerüche für die Bustour getippt. Es handelt sich aber offenbar um Weihrauch,Holzkohle und Myrre etc.
Geruchs-Bustour im Zentrum Roms buchbar oder eine verminzte Sightseeing-Erfahrung in Fās (Fès/Fèz) möglich.

Der einzig verbliebene Misthaufen hier im Ort erinnert mich gelegentlich an griffbereite Fliegenpatsche(n), zurechtgerückte Fliegenschutzhauben und wedelnde Handbewegungen über den Kuchentellern auf der Terrasse, als es noch weitaus mehr Misthaufen in der Nachbarschaft gab. Ein archäologisches Klein-Projekt auf dem Dachboden oder im Keller würde vielleicht eine der Fliegenpatschen zu Tage fördern. Das einrahmende Misthaufen-Odeur ist Erinnerung.

Individuelle Grenzen der Toleranz sind jedoch, zwar nicht stadtrömisch, belegt:
Grenzwert.jpg
 
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