Die Shoa als Rechtfertigung

Damit schließt man allerdings auch die Besiedlung des amerikanischen Westens oder das Verhältnis zwische Buren und Afrikanern aus dem Komplex "Kolonialismus" aus.
Ist das so? Stellten die Kolonisten im amerikanischen Westen jemals infrage, das die Metropole des Landimperiums USA an der Ostküste lag und die Gebiete im Westen Washington und der Bundesregierung prinzipiell untergeordnet waren?

Bei den Buren ist das ja insofern komplex, als dass die Herrschaft in Südafrika von den Niederlanden auf Großbritannien überging und ein Großteil der Buren erst danach nach Norden abwanderte, weil man die Briten als Oberherren nicht schätzte, während man aber mit der Vorrangegangenen niederländischen Herrschaft am Kap und der Akzeptanz der Oberhoheit von Amsterdam über die ganze Veranstaltung wenig Probleme hatte oder täusche ich mich da?
 
Hmm, die Siedlungsbewegung als Massenbewegung begann schon um 1890 herum und zwar hauptsaechlich durch russische und cirkassische Juden. Man muss dabei bedenken, dass nur diese Juden das physische und psychische Zeug dazu hatten, die Knochenarbeit in der gottverlassenen Landschaft und seinem Klima in Angriff zu nehmen. Manche scheiterten dabei und ausserdem verschlangen diese Unterfanken viel Geld , dass diese ersten Pioniere nicht hatten, schnell auslief oder nicht verdienen konnten. In diese Luecke sprang dann seit ~ 1830 der englische Baron Rothchild mit massiven Finanzunterstuetzungen und eigenen settlements/Kibbutzims die von seinen Angestellten professionell und erfolgreich verwaltet wurden.
Die Zahl ist wohl ein Fipptehler, gemeint ist sicher um 1930 (tatsächlich ab 1924, laut Wikipeida, Baron Edmond de Rothschild).
Bevor wir hier aneinander vorbei reden: Die Einwandererzahlen nach 1880 lagen im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich (ca. 20.-30.000, davon viele nicht dauerhaft). Die Einwandererzahlen seit 1930 bis 1939 lagen zehn Mal so hoch. Die Einwandererzahlen nach dem WKII 20 Mal so hoch. Die Mehrheit der Juden, insbesondere die religiösen Juden, standen dem ganzen Projekt skeptisch gegenüber (Messias-Problematik) und die sekulären Juden in Westeuropa sahen sich auf dem Weg in die Integration in die Gesellschaft, eine Hoffnung, die dann mit dem Holocaust brutalstmöglich enttäuscht wurde.
 
Damit schließt man allerdings auch die Besiedlung des amerikanischen Westens oder das Verhältnis zwische Buren und Afrikanern aus dem Komplex "Kolonialismus" aus.
Ist das so? Stellten die Kolonisten im amerikanischen Westen jemals infrage, das die Metropole des Landimperiums USA an der Ostküste lag und die Gebiete im Westen Washington und der Bundesregierung prinzipiell untergeordnet waren?
Ich danke für die Verteidigung, aber dieser Punkt von Reinecke ist zumindest in Bezug auf die USA und die lateinamerikanischen Siedlungskolonien nach der Unabhängigkeit nicht ganz von der Hand zu weisen.

Auch verorteten sich die Vordenker des Zionismus wie Theodor Herzl selbst im Rahmen des europäischen Kolonialismus und nutzten diesen Begriff.
Im Judenstaat finde ich den Begriff Kolonie, Kolonisation oder Kolonialismus nicht. Es mag sein, dass es da andere gab. Nun müssen wir unseren Sprachgebrauch aber von dem des 19. Jhdts. separieren. Im frühen 19. Jhdt. wurden teilweise noch bäuerliche Siedlungen als Colonie bezeichnet, Bauern mit dem lateinischen Colonus, insbesondere solche, die sich in bis dahin unerschlossenen Moor- und Heidegebieten ansiedelten. Da müssen wir also vorsichtig sein, dass wir heutige und 200 Jahre alte Sprachgebräuche sauber differenzieren. (Die organische und anorganische Chemie, die Düngemittel entwickelte, denen wir heute eher skeptisch gegenüber stehen, die aber damals quasi ertraglose Böden ertragreich machten, spielten da ebenso eine Rolle, wie Meliorisierung des Bodens durch Entwässerung).
 
Ich danke für die Verteidigung, aber dieser Punkt von Reinecke ist zumindest in Bezug auf die USA und die lateinamerikanischen Siedlungskolonien nach der Unabhängigkeit nicht ganz von der Hand zu weisen.
Im Bezug auf Lateinamerika wirst du das sicher besser wissen als ich, insofern würde ich dir da nicht widersprechen wollen, im Bezug auf die USA würde ich das nicht, oder wenn dann eher im Süden, als im Westen sehen, wo es ja immerhin mal den Versuch gab, sich von Washington qua Sezession abzusetzen und sein eigenes Ding zu machen.
 
Im Bezug auf Lateinamerika wirst du das sicher besser wissen als ich, insofern würde ich dir da nicht widersprechen wollen, im Bezug auf die USA würde ich das nicht, oder wenn dann eher im Süden, als im Westen sehen, wo es ja immerhin mal den Versuch gab, sich von Washington qua Sezession abzusetzen und sein eigenes Ding zu machen.
Ich denke da an Auswanderer, die ihr Heimatland (die Metropole) gewissermaßen zurücklassen und in einen anderen Staat ziehen (USA, Brasilien, Argentinien, Paraguay Chile...)
 
Ich denke da an Auswanderer, die ihr Heimatland (die Metropole) gewissermaßen zurücklassen und in einen anderen Staat ziehen (USA, Brasilien, Argentinien, Paraguay Chile...)
Aber vermengt das nicht zu sehr Kolonialismus mit bloßer Auswanderung oder stehe ich jetzt gerade auf dem Schlauch und habe irgendwas grundsätzlich missverstanden?
 
Nun müssen wir unseren Sprachgebrauch aber von dem des 19. Jhdts. separieren. Im frühen 19. Jhdt. wurden teilweise noch bäuerliche Siedlungen als Colonie bezeichnet, Bauern mit dem lateinischen Colonus, insbesondere solche, die sich in bis dahin unerschlossenen Moor- und Heidegebieten ansiedelten. Da müssen wir also vorsichtig sein, dass wir heutige und 200 Jahre alte Sprachgebräuche sauber differenzieren.

BTW, in Berlin gibt es noch heute zahlreiche Kolonien. Ich glaub allerdings nicht, dass heutige Kritiker des Kolonialismus was gegen Laubenpieper haben...

Im Ernst: Ich denke, dass man das getrost ausschließen kann.

Grad von Herzl gibt es auch Aussagen, die deine Sichtweise stützen (zB im Zusammenhang mit der jüdischen Kolonialbank). Natürlich ging es um die Unabhägigkeit von anderen Staaten, von Anfang an; das war ja er ganze Punkt des Projekts.

Dennoch, da man sich für die zukünftige Unabhängigkeit ein Gebiet aussuchte, was kolonialisiert war (als britisches Mandatsgebiet), und Methoden nutzte, die denen der Kolonialmächte ähnelten, kommt man aus diesem Zusammenhang nicht raus, trotz aller Unterschiede zum "klassischen" Kolonialismus.

Interessant ist hier tatsächlich der Blick auf Südafrika und die Geschichte der Burenrepubliken. Diese hatten kein Mutterland (mehr), die Verbindnung zu den Niederlade war spätenstens mit der britischen Übernahme des Kaps und dem Abzug ins Binnenland verloren. Dennoch kann man mE weder das Verhältnis mit den afrikanischen Einwohnern noch die spätere Geschichte Südafrikas verstehen, wenn man die Bezüge zum Kolonialismus ignoriert.
 
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Aber vermengt das nicht zu sehr Kolonialismus mit bloßer Auswanderung oder stehe ich jetzt gerade auf dem Schlauch und habe irgendwas grundsätzlich missverstanden?
Siedler aus Europa kommen in andere Kontinente, eignen sich das Land und die Ressourcen an, vertreiben, ermorden oder marginalisiern die bisherigen Einwohner, und errichten eine politische Herrschaft nach ihren Vorstellungen. Wie wichtig ist es für das Verständnis und die Analyse dieser Prozesse, ob die Regierung, die das absichert, noch in Europa sitzt?

ME sind die Gemeinsamkeiten sowohl materieller als auch ideologischer Natur groß genug, um es sinnvoll zu machen, beides unter dem Oberbegriff "Kolonialismus" zu fassen; und da sitzt Israel dann mit im Boot.
 
Die Zahl ist wohl ein Fipptehler, gemeint ist sicher um 1930 (tatsächlich ab 1924, laut Wikipeida, Baron Edmond de Rothschild).
Bevor wir hier aneinander vorbei reden: Die Einwandererzahlen nach 1880 lagen im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich (ca. 20.-30.000, davon viele nicht dauerhaft). Die Einwandererzahlen seit 1930 bis 1939 lagen zehn Mal so hoch. Die Einwandererzahlen nach dem WKII 20 Mal so hoch. Die Mehrheit der Juden, insbesondere die religiösen Juden, standen dem ganzen Projekt skeptisch gegenüber (Messias-Problematik) und die sekulären Juden in Westeuropa sahen sich auf dem Weg in die Integration in die Gesellschaft, eine Hoffnung, die dann mit dem Holocaust brutalstmöglich enttäuscht wurde.
"Fipptehler". *prust.
In der Tat es ist ein 'Fipptehler': es sollte "...dann seit ~ 1880 der englische Baron Rothchild mit massiven ..." da stehen.
gemeint ist sicher um 1930 (tatsächlich ab 1924, laut Wikipeida, Baron Edmond de Rothschild)
"Wikipeida" = "Fipptehler" N'est-ce pas?

Anyway, no, amoung others, Baron Rothchild's involvement with the pioneer movement to restitute that totally neglected, desolate land started around 1880 , raison d'etre to save bankrupt , failed or fed up pioneers and to foster new influx of willing pioneers.:

"The Rothschild family has been a mainstay in the development of the State of Israel for over a century. From the end of the 19th century up to the present day, they have played a significant role in the establishment and growth of the country." [1]​
Nicht vergessen, all das bedurfte der Einwilligung des Sultans, der aber sehr froh gewesen war seine Einwilligung zu geben, weil die Zionisten den damaligen Arabern gegenueber viel viel fortgeschrittener gegenueber gewesen waren. Und wer lkann es sich leisten ,Investments abzulehnen?
Die Einwandererzahlen nach 1880 lagen im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich (ca. 20.-30.000
Drum schrieb ich doch " anfaenglich". Ohne jetzt nachzuschlagen, halte ich die obige Zahl fuer uebertrieben. Ausserdem waren solche Zahlen immer in flux.
Bevor wir hier aneinander vorbei reden:
Du klammerst Dich zu sehr an 'Einwanderungswelle' , 1930 usw oder so. Sicher , natuerlich waren die Auswanderungszahlen von der gegebenen politischen Situation und Moeglichkeiten abhaengig gewesen.

[1] Rothschilds and Israel: A History of Influence and Legacy
 
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Siedler aus Europa kommen in andere Kontinente, eignen sich das Land und die Ressourcen an, vertreiben, ermorden oder marginalisiern die bisherigen Einwohner, und errichten eine politische Herrschaft nach ihren Vorstellungen. Wie wichtig ist es für das Verständnis und die Analyse dieser Prozesse, ob die Regierung, die das absichert, noch in Europa sitzt?
Wichtig wäre wer das mit dem Vertreiben, landnehmen und Marginalisieren genau betreibt, jedenfalls aus meiner Perspektive heraus.

Wenn die Personen die aus Europa ausgewandert sind, das selbst tun, wird man das durchaus kolonialistisches Verhalten nennen können. Wenn sie allerdings einfach nur in ein Land einwandern, in dem diese Dinge unabhängig von ihnen betrieben werden oder schon wurden?

Viele Personen aus den deutschsprachigen Ländern verschlug es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA. Aber betrieben sie da selbst koloniale Verdrängung der indigenen Gruppen oder profitierten sie als Einwanderer lediglich von den Verdrängungsmaßnahmen, die andere Einwohner der USA bereits vorher betrieben hatten und eigneten sich lediglich das Produkt dieses Prozesses an?

Außerdem:

Negiert eine Person, die in ein anderes Land oder die Kolonie einer anderen Macht auswandert tatsächlich die Metropole in dem sie das Heimatland verlässt oder wechselt sie lediglich ihre Loyalität und erkennt unabhängig vom eigenen weiteren Handeln ein anderes Machtzentrum als die für sie zuständige Metropole an?

Wie wichtig ist es für das Verständnis und die Analyse dieser Prozesse, ob die Regierung, die das absichert, noch in Europa sitzt?
Im Prinzip gar nicht.

Ich argumentiere ja damit, dass das überhaupt unwichtig ist, wenn ich einwerfe, dass die Landnahme im amerikanischen Westen kein Lossagen von der Metropole der USA an der Ostküste beeinhaltete, im Gegensatz zur Sezession des Südens, die das tatsächlich infrage stellte.
 
Siedler aus Europa kommen in andere Kontinente, eignen sich das Land und die Ressourcen an, vertreiben, ermorden oder marginalisiern die bisherigen Einwohner, und errichten eine politische Herrschaft nach ihren Vorstellungen. Wie wichtig ist es für das Verständnis und die Analyse dieser Prozesse, ob die Regierung, die das absichert, noch in Europa sitzt?
Diese absurden Platituden sollen wohl witzig sein?
 
Wenn die Personen die aus Europa ausgewandert sind, das selbst tun, wird man das durchaus kolonialistisches Verhalten nennen können. Wenn sie allerdings einfach nur in ein Land einwandern, in dem diese Dinge unabhängig von ihnen betrieben werden oder schon wurden?

Viele Personen aus den deutschsprachigen Ländern verschlug es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA. Aber betrieben sie da selbst koloniale Verdrängung der indigenen Gruppen oder profitierten sie als Einwanderer lediglich von den Verdrängungsmaßnahmen, die andere Einwohner der USA bereits vorher betrieben hatten und eigneten sich lediglich das Produkt dieses Prozesses an?
Spielt das für die Vertriebenen eine Rolle? Oder für die Mechanismen und Methode, mit denen das ganze durchgeführt wird? Besonders die USA, aber auch andere Staaten, die aus ehemaligen Kolonien entstanden, hätten ohne massive Einwanderung die Erschließung ihres heutigen Territoriums nicht durchführen können. Und gleiches gilt für Israel: Ohne die massive Einwanderung aus Europa gäbe es keinen Staat Israel. Weder hätte die jüdische Bevölkerung des Mandatgebiets Palästina die dafür nötigen Zahlen gehabt, noch hat sie es angestrebt.
 
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Spielt das für die Vertriebenen eine Rolle?
Ist Kolonialismus ausschließlich aus der Perspektive der Vertriebenen zu definieren?

Was wäre dann z.B. wenn 1945 aus Osteuropa vertriebene Personen behaupteten, ihre Vertreibung sei im Rahmen einer kolonialen Landnahme erfolgt und zwar qua der Tatsache dass sie selbst das so sähen und als Betroffene das alleinige Recht hätten das zu definieren?
Schreibst du dann in die Schulbücher, dass z.B. Polen oder die Tschechoslowakei/ab 1993 Tschechische Republik qua kolonialer Landnahme anno 1945 imperialistische Staatsgebilde seien?

Oder wollen wir anerkennen, dass die Definition kolonialen Handelns sich nicht allein nach dem subjektiven Empfinden Betroffener richtet?
Besonders die USA, aber auch andere Staaten, die aus ehemaligen Kolonien entstanden, hätten ohne massive Einwanderung die Erschließung ihres heutigen Territoriums nicht durchführen können.
Das ist richtig, belegt aber noch lange nicht die Absicht jedes Einwanderes sich als Kolonisator betätigen zu wollen. Gerade die USA waren ja auch immer wieder einfach ein sicherer Hafen für aus religiösen oder politischen Gründen in Europa verfolgter Personen.

Die gingen in die USA und die gingen zum Teil auch in die relativ neu in die USA eingegliederten Gebiete im Westen in denen vor 2 Generationen noch die Indigenen gesessen hatten, bis man sie in die Reservaten getrieben hatte.

Aber hatten aus Europa flüchtende Personen, die nicht selbst unterwerfen wollten, sondern nur ihrer eigenen Unterwerfung (oder schlimmerem) zu entkommen suchten deswegen die Absicht selbst Kolonisatoren zu werden, oder nutzten sie einfach nur die Räume, die das Koloniale Handeln andere vor ihnen geschaffen hatte?

Und gleiches gilt für Israel: Ohne die massive Einwanderung aus Europa gäbe es keinen Staat Israel.
Zumindest nicht in der heutigen Form, dass ist sicherlich zutreffend.

Gleichwohl war die Absicht der meisten jüdischen Auswanderer aus Europa nicht irgendjemanden zu unterwerfen, sondern der eigenen Bedrängung zu entkommen, denn das waren selbst mehr oder weniger Vertriebene.

Für mich setzt Kolonialismus schon eine aktive Unterwerfungsabsicht vorraus und die kann ich in der Konzeption von jemandem, der sich selbst bedrängt fühlt, sich irgendwo ein Refugium zu schaffen erstmal nicht erkennen.
 
Ist Kolonialismus ausschließlich aus der Perspektive der Vertriebenen zu definieren?
Ausschließlich nicht, weswegen ich direkt danach nach Mechanismen und methoden fragte. Gegenfrage: Soll diese Perspektive völlig ignoriert, und nur die der Kolonisatoren eingenommen werden?

In Mechanismen und Methoden lägen dann auch der Unterschied zur Vertreibungen nach dem 2. Wk.

Das ist richtig, belegt aber noch lange nicht die Absicht jedes Einwanderes sich als Kolonisator betätigen zu wollen.
(...)
Aber hatten aus Europa flüchtende Personen, die nicht selbst unterwerfen wollten, sondern nur ihrer eigenen Unterwerfung (oder schlimmerem) zu entkommen suchten deswegen die Absicht selbst Kolonisatoren zu werden, oder nutzten sie einfach nur die Räume, die das Koloniale Handeln andere vor ihnen geschaffen hatte?
Darum geht es auch nicht. Individuelle Verantwortung können wir verteilen, wenn wir einzelne Personen betrachten. Interessant aber, dass du jetzt auf persönliche Schicksale abstellst, während du das scheinbar rigoros ablehnst, wenn es um die (auch individuelle) Sichtweise derjenigen geht, die den kürzeren bei dem Prozess zogen...
 
"Kolonialismus" scheint mir bereits begrifflich die Anbindung an ein Mutterland zu umfassen. In diesem Sinne könnte man den israelischen Siedlungsbau als Kolonialismus bezeichnen, nicht aber die Gründung des Staates Israel an sich.
 
Und gleiches gilt für Israel: Ohne die massive Einwanderung aus Europa gäbe es keinen Staat Israel.
Die Existenz des Staates Israel hat herzlich wenig mit der 'massiven juedischen Einwanderung aus Europa'zu tun, jedoch alles mit Diplomatie.
Es hatte damals schon before dem 1.W.K. angefangen: England hatte all sein Schiesspulver aus DEU imporiert, DEU stoppte noch vor dem Great War seine Schiesspulver-Exporte nach England, welches nur noch fuer ein paar Monate Reservevorraete besass.
Ein Manchester Chemiker mit Namen Chaim Weizmann besuchte den damaligen 'Munitions Secretary' Churchill und schlug ihm vor, dass er einen biochemischen Prozess erfunden habe der auch Schiesspulver ergibt [1]. Churchill gab sein 'go ahead', die neue Methode Schiesspulver relativ schnell und in grossen Mengen herzustellen, it turned out to be a great success und somit rettete Weizmann das UK vor eine fuerchterliche Niederlage.

Zu der Zeit schon lebten drei Generationen Zionisten in friedlichem und gutem Zusammensein mit Arabern und konnten bluende Felder, Seidenfabriken , Orangenfelder, Landwirtschaftsbetriebe usw vorweisen wo vorher nur barre Steinwueste gewesen war.
Wenig spaeter rief Churchill den Weizman zu sich in's Ministerium und fragte ihn , wie er ihm fuer seine Arbeit danken koenne.Weizman antwortete er wuensche sich nichts fuer sich selber, nur dass die UK Regierung sich dafuer einsetzen wuerde, eine Heimstaette in Palestine einzurichten. Churchill sagte zu , was dann zwei Jahre speater, 1917 als 'Balfour Declaration' bekannt wurde und diese drei Jahre spaeter, 1920, auf der San Remo Conference durch die ratifizierten Unterschriften vierer Hoher Parties - FRA; GB; JAP; ITA - voelkerrechtlich bindend wurde.
Dieses Dokument wurde und wird von Voelkerrechtlern als Israel's 'Geburtsurkunde' betrachte. Das sog. San Remo Agreement oeffnete auch die Schleusen fuer vermehrte 'Einwanderung aus Europa' , besonders auch Deutsche die sich dann in Haifa niederliessen, in der 1860 von Templars gegruendeten,sog. 'German Colony' die noch heute so heisst.
Zur Staatsgruendung Israel hat lediglich, aber nicht nur, das San Remo Agreement, also die Verwirklichung auf voelkerrechtlicher Basis der Balfour Declaration zu tun , nicht Einwanderungszahlen.

Weder hätte die jüdische Bevölkerung des Mandatgebiets Palästina die dafür nötigen Zahlen gehabt, noch hat sie es angestrebt.
Beides stimmt nicht. Das ultimative Ziel der Zionisten war es ja , wenn die Umstaende dazu reif genug sein wuerden, einen juedischen Staat zu proklamieren.



[1]Weizmann discovered a process to produce butyl alcohol and acetone from the bacterium Clostridium acetobutylicum in 1914. With England s urgent demand for acetone, Winston Churchill (1874-1965) enlisted Weizmann to develop the Weizmann process for acetone production on an industrial scale. Large industrial plants were established in Canada, India, and the United States to provide the allies with acetone for munitions. Weizmann, who is considered the father of industrial fermentation, obtained significant status from his war contributions and used this to further his political mission of establishing a Jewish homeland. Weizmann was a leader of the Zionist movement and campaigned aggressively until the nation of Israel was established in 1948. He was the first president of Israel....https://chempedia.info/info/weizmann_process/
 
ad El Q. #75:
De facto d'accord zu a) und c), aber:
Lt. Wikipediazahlen wanderten bis 1930 etwa eine Viertelmillion Juden und Jüdinnen nach Palästina ein. In den 30er Jahren bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges in Europa verdoppelte sich diese Anzahl auf eine knappe halbe Million (475.000). Bis zur Staatsgründung 1948 wuchs die jüdische Bevölkerung dann vergleichsweise wieder moderat auf ca. 650.000 (+175.000).
Die Shoa selbst hat offensichtlich nicht zu einer Massenbewegung geführt. Eher noch kann man danach die zunehmende Drangsalierung der jüdischen Bevölkerung in Mitteleuropa (besonders ab 1933 in D.) als einen besonderen Push-Faktor für die Immigration bezeichnen.
 
Da würde ich jetzt sagen nö, weil es im 19. Jahrhundert durchaus zionistische Aktivisten und Autoren gab, die zwar einen wie auch immer gearteten jüdischen Staat wollten, aber nicht unbedingt darauf bestanden, dass das auf dem Territorium des antiken Israel sein müsste.
Das stimmt. However, those expressions were done out of desperation to get after 2,000 years finally a protective home where none before existed. 'Anything is better than nothing' .
Not to forget, the first Zionist Congress in Basel in 1897 tossed up several proposed locations for a new home but it was finally, via the so called Basel Program decided, that Palestine is the 'ancient home of the Jews'. The Basel Program stated : "Zionism seeks for the Jewish people a publicly recognized legally secured homeland in Palestine."
Und dann würde ich es auch für falsch halten den Zionismus, auf das Projekt einer Staatsgründung zu reduzieren. Das war sicherlich Teil davon, letztendlich war der Zionismus aber auch ein Kontrapunkt zu eher liberalen jüdischen Strömungen, die ihr Ideal eher in der Assimilation an die Kultur/Gesellschaft derjenigen Länder in Europa sahen, in denen sie gerade lebten.
Meine Hervorhebung.
Das ist ein guter Punkt. Und gerade der spielte eine grosse Rolle bei den Beratungen prominenter Juden in London bzgl der Balfour Declaration. Sei es fuer Juden ratsam der Balfour Declaration zuzustimmen. Die Meinungen waren sehr verschieden und die 'yes' Leute gewannen nur knapp gegenueber der 'no' people. Hauptpunkt brachte zwangslaeufig die Frage der Loyalty und Assimilation auf; bist Du loyal to the Crown or to something else. Bist Du Brite, Franzose, Deutscher oder vornehmlich Jude. Du kannst nicht beides zugleich sein. Montefiorie z.B. war ganz gegen die Balfour Declaration.
Uebrigenz, der gesamte Text der Balfour Declarion wurde von Juden entworfen, geschrieben und vom Koenig akzeptiert.
Wobei man hier dazu sagen muss, dass zur Ablehnung dieser Bestrebungen im Zionismus sicherlich auch vielfach die Erfahrung beigetragen wird, von der anderen Seite nicht entsprechend den eigenen Wünschen angenommen zu werden.
Das ist generell vertraglich immer ein Risiko das einkalkuliert werden muss und dem man textuell mit der Floskel 'without prejudice to' begegnen kann.
 
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