Ernst Haeckel

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von sakk, 7. Dezember 2004.

  1. sakk

    sakk Neues Mitglied

    habe bei http://de.wikipedia.org/wiki/Haeckel

    folgende formulierung gefunden:

    darüber muss ich mich jetzt wirklich wundern, denn ich habe eben einen text von ihm gelesen in dem es unter anderem heißt:

    "...Dies ist aber größtenteils nur Eigentum der höheren Menschrassen und bei den niederen nur unvollkommen oder gar nicht entwickelt. Diese Naturmenschen (z.B. Weddas, Australneger) stehen in psychologischer Hinsicht näher den Säugetieren (Affen,Hunden), als dem hochzivilisierten Europäer...."

    interpretiere ich das falsch? denn ich bin der meinung, dass sich das nicht so wirklich mit der oben gemachten aussage in einklang bringen lässt.....

    wie sehr ihr das bzw. gibt es andere "gute" quellen, anhand man das beurteilen kann...



    sakk :)



    ps: ich weiß, dass wikipedia keine "garantie" für richtigkeit sein kann und das dort nicht allein die wahrheit steht, aber finde das schon ein bisschen "krass"....
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast

    Der Satz findet sich in: Die Lebenswunder, Volksausgabe Stuttgart 1906, S. 159.

    Eine Seite weiter liest man dann:

     
  3. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Haeckel unterschied 10 oder 12 Menschenarten und 36 Menschenrassen.
    Besonders auffällig ist seine deutliche Abwertung der "Hottentotten", "Autralneger", "Tasmanier" und "Feuerländer". Dies muss durchaus im Kontext des europäischen Kolonialismus des 19. Jahrhunderts gesehen werden. Die Ureinwohner Feuerlands und Tasmaniens, wurden im 19. Jahrhundert innerhalb weniger Jahre fast vollständig ausgerottet, gerade ihnen unterstellte eine Nähe zu Affen oder Urmenschen - quasi eine Art Rechtfertigung.
    Haeckels "Erkenntnisse" über jene Bevölkerungsgruppen basierten vor allem die Gerüchte und Unterstellungen. Kaum erforschte Völker dienten als Projektionsfläche für darwinistische Phantasien vom Missing Link.

    Auf der anderen Seite müssen aber die Unterschiede zwischen Haeckel Rassetheorien und dem Nationalsozialismus beachtet werden. Haeckels Systematik unterschied sich in einigen Punkten fundamental von der NS-Ideologie. Für Haeckel waren Semiten Teil der mitteländischen oder mediterranen Spezies. Den Begriff Arier verwendete er nur für bestimmte indische Volksgruppen, die aufgrund ihrer Sprachfamilie zur arischen Rasse zusammengefasst wurden. Bei der Unterscheidung dieser Rassen bediente sich Haeckel keinen morphologischen Methoden der Biologie sondern denen der Sprachwissenschaft, entlehnte die Bezeichnungen und Gruppenbildung direkt von August Schleicher.

    Haekels These über Tierhaftigkeit der Papua wurden schon zeitgenössisch durch die ethnografische Forschung wiederlegt:
    https://www.uni-jena.de/200526_Miklucho_Maclay

    Zum Zusammenhang zwischen Stammbaum der Sprachen und Haeckels Stammbaum des Menschen:
    https://www.shh.mpg.de/63429/origin_evo_research_jena
     
    hatl gefällt das.
  4. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Auf seinen Forschungsreisen hat Haeckel sich Haeckel vor allem mit der Meeresbiologie beschäftigt und sehr viel über Quallen, Schwämme u.a. geforscht und diese Tiere auch fast fotorealistisch gezeichnet. Der Kontrast zu seinen seltsamen Zeichnungen zum Stammbaum des Menschen und zu den Menschenrassen könnte nicht höher sein. Der Widerspruch ist jedoch leicht erklärbar.

    Nur eine einzige seiner Reisen führte Haeckel ihn in die Tropen aus die Insel Ceylon (Sri Lanka), dort habe tatsächlich tamilische Teepflücker gesehen - wahrscheinlich die einzige Begegnung mit nicht-weißen Menschen.
    Er hat mit Sicherheit auch nie im Leben einen Gorilla und einen Tasmanier gesehen, geschweige denn untersucht - konnte daher kaum realistische Zeichnungen oder fundierte Theorien liefern. Gorillas wurden erst im 19. Jahrhundert von den Europäern entdeckt und waren seinerzeit noch so gut wie unerforscht. Auch Völkerschauen waren noch nicht in Mode. Seiner Behauptung, dass die "Naturmenschen" den Gorillas ähnlicher seien als denn Europäern, fehlt daher die Forschungsgrundlage.

    Bei der Unterscheidung der Menschenarten spielten Haare eine große Rolle - so unterschied er woll- und schlichthaarige Menschen. Die Haare der anderen kannte er aber nur vom Hören-Sagen. Erst nach der Niederschlagung des Herero-Aufstandes gelangten Skalps und Schädel der Herero als Kriegsbeute in die Sammlung der Universität Jena. Eine naturwissenschaftliche Erforschung der vermeintlichen Menschenrassen bzw. Menschenarten fand also erst statt, als Rassismus längst ein Herrschaftssystem war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. August 2020
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