Erzählungen indigener Völker

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Gneisenau, 14. April 2008.

  1. Gneisenau

    Gneisenau Neues Mitglied

    Im Thread "Custers Last Stand" waren wir uns über die Bedeutung von Erzählungen indigener Völker einig. Es lohnt sich, dieses Thema zu vertiefen.

    Dieser Thread soll Forum sein für Azteken, Inkas, Mohawks, Cheyennes, Aborigines, Zulus, Namas, Maoris u. a. sowie deren Geschichten. Vorgestellt werden können Erzählungen, Überlieferungen, Sagen, Spielfilme, Dokumentationen, Sachbücher, historische Romane u. ä., welche uns die Geschichte aus der Sicht „der anderen Seite" erzählen.

    Nachfolgend eine Darstellung des Gefechtes von Groß-Nabas im heutigen Namibia vom 02./04.01.1905 aus der Sicht von Samuel Isaak, einem Unterkapitän von Hendrik Witboi. Dessen Erzählung wird ergänzt durch das deutsche Generalstabswerk und Aussagen des deutschen Kommandanten Major Meister. Nachfolgender Beitrag macht deutlich, dass es sich bei den Namas nicht um „Flitzebogenwilde" gehandelt hat. Die Erzählung Samuel Isaaks zeigt vielmehr, über welch hohes militärisches Niveau die Namas verfügten.

    Zunächst schildert Major Maerker den Eindruck, welchen er von der Persönlichkeit Samuel Isaaks bei dessen Vernehmung gewonnen hatte: "Besonders interessant gestaltete sich die Vernehmung des Samuel Isaak, der einen außerordentlichen klugen Eindruck macht, und der auch als einziger die psychologische Seite der Kriegsführung unaufgefordert berücksichtigte. Samuel Isaak zeigt ein verblüffendes Gedächtnis. Im Lesen unserer Kriegskarte ist er ausgezeichnet bewandert. Bei seiner Vernehmung kam mehrfach auch der Humor zu seinem Recht. Als ich ihn fragte, wieviele Pferde die Witbois im August 1905 in Malta-Höhe gestohlen hätten, sagte er ernst: "Herr Major, im Kriege stiehlt man nicht, da nimmt man." Als er am nächsten Tag eine Aussage des Elias übersetzte, dieser habe irgendwo Ochsen gestohlen, und ich ihn verbesserte: "genommen", da sagte er nur: "Nein, d e r Kerl, der stiehlt."

    Über den Kampf von Groß-Nabas berichtet Samuel Isaak: "Die Wirkung der deutschen Artillerie war gering. Die Geschütze waren unserer Stellung zu nahe und wir konnten sie von zwei Seiten beschießen." Hierzu ist im deutschen Generalstabswerk zu lesen: "Die Verluste nahmen mehr und mehr zu. Insbesondere hatte die Artillerie, deren in der Schützenlinie aufgefahrene Gechütze ein nicht zu fehlendes Ziel boten, schwer zu leiden."

    Samuel Isaak berichtet weiter: "Mit unseren Ferngläsern konnten wir die deutschen Offiziere erkennen und sahen, dass sie nicht schossen, sondern Ferngläser benutzten. Die Stellen, an denen Offizier lagen, wurden dann unseren Schützen bekannt gegeben, die darauf lebhaft feuerten. Die Deutschen hatten viele Verluste, sie lagen viel tiefer als wir und hatten schlechte Deckung." Das Generalstabswerk bestätigt: "Im Laufe des Vormittags gestaltete sich die Lage immer ernster. Die Verluste steigerten sich, namentlich bei der 5. Kompanie und der Batterie."

    Auf deutscher Seite herrschte furchtbarer Wassermangel. Das Generalstabswerk berichtet: "Eine Anzahl Hitzschläge war eingetreten, einzelne Leute waren vor Durst wahnsinnig, hier und dort stürzten sie, delirierend und Gebete ausstoßend, vor, um die Wasserstelle allein zu stürmen." Höhnend riefen die Witbois zu den halbverdursteten deutschen Soldaten: "Deutschmann sehr durstig - gutes Wasser hier." Samuel Isaak berichtet: "Darauf kam Stürmann zu ihm (Hendrik Witooi) und sagte, die Deutschen seien schon halb verdurstet, sie hätten solchen Durst, daß sie sicher noch in dieser Nacht versuchen würden abzuziehen."

    Doch die Deutschen waren gar nicht mehr in der Lage, abzuziehen. Major Meister berichtet: "Ich bestellte den Oberleutnant Grüner, Leutnant Klewitz sowie Leutnant Zwicke zu mir. Oberleutnant Grüner mußte von zwei Mann getragen werden, von denen einer delirierte. Leutnant Klewitz fiel in eine schwere Ohnmacht. Leutnant Zwicke mußte von vier Mann gehalten werden, da er laut delirierend auf mich eindrang und mich erschießen wollte." Das Generalstabswerk berichtet: "Die Wasserstelle von Groß-Nabas mußte gestürmt werden, koste es, was es wolle. Gegen 11.00 Uhr vormittags wurden die Seitengewehre aufgepflanzt und nunmehr erhob sich die stark gelichtete Linie zum letzten Sturmlauf. Als der Feind die von wilder Entschlossenheit und Todesverachtung erfüllte Schar und deren zum Stoß gefällte Bajonette auf sich zukommen sah, brach seine Widerstandskraft zusammen. Mit einem letzten Kraftaufwand stürzte sich alles in die eroberte Stellung, um den im Flußtal fliehenden Gegner noch ein vernichtendes Feuer nachzusenden. Schwer waren freilich die Opfer, die der dreitägige Kampf gefordert hatte." Samuel Isaak berichtet: "Stürman eilte zu Hendrik; daß die Deutschen in ihrer hoffnungslosen Lage stürmen würden, hatte auch der Kapitän nicht erwartet."

    Nach der Niederlage bei Groß-Nabas kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Samuel Isaak und dem "Propheten" Stürmann: "Du tust nichts, was Du predigst. Du hast unseren Kapitän zum Krieg verleitet und betrogen. Du bist schuld an unserem Unglück."

    Gneisenau
     
  2. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Hallo Zusammen,

    neuerlich lass ich etwas über einen Hermann v. Wißmann der sich einen Namen als Afrikaforscher macht. Er war auch Major der Schutztruppe während der ostafrikanischen Aufstände Ender der 80iger, sowie Reichskomissar und Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. 1909 wurde Ihm in Daressalam ein Denkmal errichtet, das später nach Großbritannien kam und nach Ende des 1.WK an Deutschland zurückgegeben wurde. Es hatte seinen Platz vor der Universität in Hamburg und wurde dort 1969 von Studenten als "Koloniales Relikt" vom Sockel gestürzt. Die Regierung der jungen Republik Zambia erwarb es dannach, da Wißmanns Forschungen noch heute für die Entwicklung ihres Staates von Wichtigkeit sind.
    Aber warum ist dieser Mann so wichtig für Zambia. Welcher Zusammenhang bestand zwischen dem Deutschen und den Einwohnern vom heutigen Zambia?

    PS: Bitte keine Links von Wiki....
     
  3. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

  4. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Was Wißmann für eine Rolle in Zambia spielen soll, weiß ich nicht.

    Das bemerkesnwerte an Wissmann ist, dass er in den 1880er Jahren Afrika von West nach Ost durchquert hat, ohne dass er einen einzigen Schuss auf Menschen abgab.
    Wenn man da an die Geschichten von Carl Peters z. B. denkt, scheint das schon eine besondere Leistung gewesen zu sein.
     

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