Festungsspionage

dekumatland

Aktives Mitglied
wirklich lesenswert bzgl. Kiel (obwohl zu einer Zeit, da die Festung noch Zukunftsmusik war) und Helgoland (wo man erst kurz vorher zu fortifizieren begonnen hatte) ist dieser Aufsatz:

zur Spionageaffäre Borkum 1910 siehe B ... wie Bäderarchitektur, Betonbunker: Borkum

nebenbei, lange vor der Reichsgründung, wurde die Bundesfestung Koblenz von einem britischen Offizier ausspioniert und sein Spionagebericht wurde publiziert.

Vielleicht finden sich weitere solche Spionagefälle?
 
Von einem Roman zur Spionage inspiriert? Auch nicht übel.
@muck es kommt noch kurioser, was die Wirkung des Romans betrifft:
Die Wirkung des Romans war so stark, dass nach Aussage von Winston Churchill die britische Admiralität Flottenbasen in Invergordon, Firth of Forth und Scapa Flow einrichten ließ.
...wenn es denn stimmt (ich hab da Zweifel)

Beim rumstöbern im Netz speziell zur Borkum-Spionage 1910 finden sich Infos darüber, dass das britische Militär den 1908 proklamierten und 1909 begonnenen Festungsbau speziell auf Borkum (näher an brit. Gestaden als Wilhelmshaven, was via Jade-Ems Kanal mit Emden verbunden war und Emden zum potenziellen Kriegshafen machte, geschützt von Borkum) mit sehr großem Misstrauen beäugte - da wundert der Versuch, die Fortifikation auszukundschaften nicht. Absonderlich erscheint mir, trotz des muskelspielenden Flottenwettrüstens, die Befürchtung einer deutschen Invasion ausgehend von Cuxhaven, Wilhelmshaven und Emden.
 
Absonderlich erscheint mir, trotz des muskelspielenden Flottenwettrüstens, die Befürchtung einer deutschen Invasion ausgehend von Cuxhaven, Wilhelmshaven und Emden.
Daran war wohl auch ein Roman beteiligt:

The Invasion of 1910
, William le Queux, 1906, verkaufte sich in über einer Million Exemplaren und nennt Emden, Wilhelmshaven etc. als Ausgangspunkt der Invasion.
CHAPTER XI - GERMANS LANDING AT HULL AND GOOLE

On that memorable Sunday, when a descent had been made upon our shores, there were in German ports on the North Sea nearly a million tons gross of German shipping. Normally, in peace time, half a million tons is always to be found there, the second half having been quietly collected by ships putting in unobserved into such ports as Emden, Bremen, Bremerhaven, and Geestemunde, where there are at least ten miles of deep-sea wharves, with ample railway access. The arrival of these crafts caused no particular comment, but they had already been secretly prepared for the transport of men and horses while at sea.

Under the cover of the Frisian Islands, from every canal, river, and creek had been assembled a huge multitude of flats and barges, ready to be towed by tugs alongside the wharves and filled with troops. Of a sudden, in a single hour it seemed, Hamburg, Altona, Cuxhaven, and Wilhelmshaven were in excited activity, and almost before the inhabitants themselves realised what was really in progress the embarkation had well commenced.

At Emden, with its direct cables to the theatre of war in England, was concentrated the brain of the whole movement. Beneath the lee of the covering screen of Frisian Islands, Borkum, Juist, Norderney, Langebog, and the others, the preparations for the descent upon England rapidly matured.

In der (abgeänderten) deutschen «Übersetzung» ist es im Kapitel 26 zu finden: Die Invasion von 1910 – William Le Queux

Was «The Riddle of the Sands» anbelangt, war wohl eher die Verteidigung der Angeklagten vor Gericht davon «inspiriert», als die Angeklagten selbst. Auf die Frage des Richters, was es denn auf Wangerooge so interessantes zu sehen gegeben habe, antwortete Trench sinngemäss: «Einen einsamen Turm», worauf die Verteidigung den Roman präsentierte, in dem dieser Turm beschrieben war und Trench dabei erwähnte, dass er den Roman dreimal gelesen hätte. So jedenfalls die Berichterstattung des «Evening Express».

Trench und Brandon sollen schon 1909 bei «Erkundungsfahrten» auf der «Cornwall» gewesen sein, zusammen mit dem späteren Chef des Marinegeheimdienstes Reginald Hall.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zweieinhalb Geschichtchen dazu hätt ich noch:

Am 15. Okt 1907 schrieb die Rhein-Ems Zeitung, dass am Vortag zwei deutsche Torpedoboote eine Jacht mit spionierenden britischen Offizieren vor Borkum aufgebracht hätten.
Die gesamte deutschsprachige Presse übernahm diese Meldung am 16.. Das Dementi der Behörden, ihnen liege vor Ort keine derartige Information vor, wurde dann nicht mehr überall publiziert.

Im Juli 1914 wurde ein Feldwebel Pohl, Schreiber der 1. Ingenieur-Inspektion, verhaftet, weil er im Auftrag des russischen Militärattachés bereits Pläne von Festungen im Osten (Pillau, Boyen) verraten hatte und drauf und dran war, auch Pläne von Borkum auszuhändigen.

Schließlich kann man sich noch fragen, wieso der französische Ballonfahrer Georges Blondin im Juni 1911 in der Nähe von Borkum fahren durfte. Er stürzte ins Meer und kam dabei um.
 
Am 15. Okt 1907 schrieb die Rhein-Ems Zeitung, dass am Vortag zwei deutsche Torpedoboote eine Jacht mit spionierenden britischen Offizieren vor Borkum aufgebracht hätten.
das ist entweder kurios, weil es da 1907 noch nichts zu spionieren gab (Festungsbau erst ab 1909), oder eine damalige Zeitungsente
Im Juli 1914 wurde ein Feldwebel Pohl, Schreiber der 1. Ingenieur-Inspektion, verhaftet, weil er im Auftrag des russischen Militärattachés bereits Pläne von Festungen im Osten (Pillau, Boyen) verraten hatte und drauf und dran war, auch Pläne von Borkum auszuhändigen.
wie mag der Feldwebel an Pläne der drei Festungen gelangt sein? Gibt´s im Netz weitere Infos zu diesem aufgeflogenen Spionagefall?
 
oder eine damalige Zeitungsente
Höchstwahrscheinlich eine Zeitungsente, aber die Idee dazu stammt vielleicht vom bereits erschienenen Roman. Erstaunlich wie alle Zeitungen, diese Meldung aufnahmen.
wie mag der Feldwebel an Pläne der drei Festungen gelangt sein? Gibt´s im Netz weitere Infos zu diesem aufgeflogenen Spionagefall?

Er hatte in seiner Funktion wohl Zugang zu den Plänen. Siehe "Der Landesverräter Pohl vor dem Kriegsgericht" in

 
Zurück
Oben