Flussnamen

Dieses Thema im Forum "Historische Hilfswissenschaften mit Genealogie" wurde erstellt von Sepiola, 3. Juli 2020.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Angeregt durch eine Diskussion über tradierte romanische Namen in Bayern habe ich mir mal aus der Wikipedia-Liste die längsten Flüsse herausgesucht, die durch Ober- und Niederbayern fließen, und zur Namensherkunft vorzugsweise bei Albrecht Greule, Deutsches Gewässernamenbuch (Berlin/Boston 2014) nachgeschaut.*

    Donau: vorrömisch/vorkeltisch, häufig von antiken Autoren erwähnt als Danubius oder Danuvius, z. B. Tacitus ("Rheno et Danuvio fluminibus")

    Isar: vorrömisch (indogermanisch); indirekt im Itinerarium Antonini belegt: Iovisura (wohl aus "Iovis Isura")

    Inn: vorrömisch/vorkeltisch; sehr häufig von antiken Autoren erwähnt als Enus (oder Aenus), z. B. Tacitus ("ripam Aeni fluminis quod Raetos Noricosque interfluit"), im Itinerarium Antonini: Ponte Aeni, auf den Peutingertafeln: Ad Enum

    Amper: vorrömisch, wahrscheinlich keltisch. Indirekter Beleg im Itinerarium Antonini: Ambrae

    Lech: vorrömisch, wahrscheinlich vorkeltisch (indogermanisch); bei Ptolemaios als Likias (oder Likios)

    Paar: vorrömisch, vielleicht keltisch

    Rott: deutsch (sehr häufiger Flussname)

    Loisach: deutsch

    (Große) Laber: vorrömisch, wahrscheinlich keltisch

    Vils (zur Naab): wahrscheinlich germanisch

    Ilm: wahrscheinlich germanisch

    Vils (zur Donau): wahrscheinlich germanisch

    Isen: vorrömisch (indogermanisch)

    Abens: vorrömisch, wahrscheinlich keltisch

    Friedberger Ach: deutsch

    Alz: vorrömisch, wahrscheinlich keltisch

    Langenmühlbach: deutsch

    Salzach: deutsch (in römischer Zeit war der Name Ivavus)

    Mangfall: deutsch

    Pfreimd: germanisch

    Glonn: wahrscheinlich keltisch (Die Form glana existierte sowohl im Keltischen wie auch im Germanischen)


    Man sieht daraus, wie langlebig insbesondere die Namen der größeren Flüsse sind.
    Die Römer, die doch einige Jahrhunderte da waren, haben keinerlei lateinische Namen hinterlassen.

    * Ergänzend auch bei Harald Bichlmaier
    Bichlmeier BONF 46
    https://ul.qucosa.de/api/qucosa:12445/attachment/ATT-0/
    (Mitunter differieren die Ansichten, was eher als "keltisch" oder als "vorkeltisch" einzustufen ist.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juli 2020
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  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Hier noch eine Liste der zehn längsten Flüsse in den USA.
    Zur Herkunft habe ich nicht wirklich recherchiert, die indianischen Sprachfamilien sind aus Wiki-Artikeln:

    1 Missouri: Sioux

    2 Mississippi: Algonkin

    3 Yukon: Athabaskisch

    4 Rio Grande: Spanisch (Lehnübersetzung indianischer Namen)

    5 Colorado: Spanisch

    6 Arkansas: Sioux

    7 Columbia River: englisch (geht zurück auf eine Umbildung des italienischen Namens Cristoforo Colombo )

    8 Red River: englisch

    9 Snake River: englisch

    10 Ohio: Irokesisch
     
  3. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Diese sprachwissenschaftlichen Diskussionen sind für mich immer ein Buch mit sieben Siegeln. Aber wenn ich das recht verstanden habe, ging es ja darum, aus den Flussnamen auf die Bevölkerungsgruppen Rückschlüsse zu ziehen.

    Müssten lange Flüsse nicht ursprünglich mehrere Namen gehabt haben, da sie Gebiete durchqueren, die voneinander unabhängige Sprachen haben?
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das ist bei der Donau tatsächlich der Fall. Es sind zwei antike Namen überliefert - Ister/Istros für den Unterlauf, Danubius/Danuvius für den Oberlauf.
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Und die Donau ist auch nicht der einzige Fluss, der zeitgleich mehrere Namen hat(te).
     
  6. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Hast du Beispiele dafür?
    Mir fallen noch gegenteilige Beispiele ein, in denen sich zwei Flüsse, bzw. Bäche einen Namen teilen: Die Elbe und die Ems existieren als Zuflüsse zur Nordsee und als Nebenflüsse zur Eder.
     
  7. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Mehrfache Namen gibt es ja nun häufig.
    Alleine in Hessen all diese Flüsse namens Wetter/Wettschaft/Wohra/Werra usw, was im Prinzip alles das gleiche ist.
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die gibt es haufenweise. Schon in der obigen Aufstellung aus Bayern haben wir genügend Beispiele:

    Parallel dazu gibt es einen gleichnamigen Bach, auch "Kleine Paar" genannt.

    Oft auch "Rot" geschrieben

    Heißt "Große", um sie von den anderen La(a)bern zu unterscheiden.

    ...

    Gibt es auch als Nebenfluss zur Saale.

    A(a)ch gibt es wie Sand am Meer...
     
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  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Auch Namensänderungen kommen nicht plötzlich, sondern brauchen ihre Zeit - wieder ein Beispiel aus obiger Liste:
    Auf die Zeit um 798/800 geht eine Notiz zurück, wo es heißt: "ad fluvium Iuvarum, qui alio nomine dicitur Salzaha" - "beim Fluss Iuvarus, der mit anderem Namen Salzach genannt wird". Damals waren zeitgleich die alte romanische (ursprünglich wohl keltische) Bezeichnung und die moderne althochdeutsche Bezeichnung in Gebrauch.
    Die Umbenennung betraf auch die Stadt Iuvavum, heute Salzburg genannt.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eigentlich hatte ich an Flüsse in Europa gedacht, aber mir fällt im Augenblick nur ein amerikanischer Fluss ein. Am La Raya-Pass in Perú entspringt der Vilcanota in der Steppe des Altiplano peruano. Der Vilcanota fließt in Richtung Norden durch das Heilige Tal (Valle Sagrado de los Incas), wo er beim Passieren der Stadt Urubamba schlagartig seinen Namen von Vilcanota in Urubamba ändert. Bei Ollantaytambo wird das Tal schmaler und fruchtbares Bauernland wird von Hoch- oder Nebelwald abgelöst, der Urubamba schlägt um Machu Picchu eine Schleife von annähernd 180° und fließt mit dem Tambo zusammen, ab hier trägt er den Namen Ucuyali, gemeinsam mit dem Marañon bildet der Ucuyali irgendwann den Amazonas und hier mündet das Schmelzwasser vom La Raya-Pass in den Atlantik.... So gesehen hätte der Fluss vier Namen, aber wenn wir ab dem Zusammenfluss mit dem Tambo nicht mehr gelten lassen, dass es sich immer noch um den Vilcanota/Urubamba handelt, zumindest der plötzliche Namenswechsel bei Urubamba wirkt ziemich unmotiviert. Vilcanota wird aus dem Aymara erklärt, wohingegen Urubamba aus dem Quechua kommt, aber eigentlich ist bis Puno die ganze Region quechuasprachig, Puno ist bi - bzw. trilingual, wenn man das Spanische mit einbezieht. Zudem hat der Vilcanota noch einen weiteren Namen: Wilkamayo.

    Also: Vilcanota = Urubamba = Wilkamayo (= Ucuyali = Amazonas).
     
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