Folgen der Kolonialpolitik

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von zwiel, 27. Mai 2008.

  1. zwiel

    zwiel Gast

    Hallo allesamt,

    Ich beschäftige mich momentan mit der Kolonialisierung Indochinas durch die Kolonialmacht Frankreich. - bis 1954

    Nun brauche ich konkrete Hilfestellung bezüglich der Auswirkungen und Folgen dieser auf Weltpolitische Geschehnisse. Ausbeutung und Unterdrückung der indigen scheint mir zu banal. In meinen Augen lässt sich auch ein Zusammenhang zur Blockbildung in der bipolaren Welt herstellen. (Eingreifen der USA zur Unterbindung eines kommunistischen Staats).

    Bitte um schnelle Hilfe,
    zwiel
     
  2. HeinrichCrassus

    HeinrichCrassus Neues Mitglied

    Als Antwort auf deine Frage könnte man ganze Abhandlungen schreiben. Ich versuche mich mal kurz zu fassen. Zur französischen Kolonialherrschaft selbst kann ich wenig berichten, außer dass sie sich von einer anfangs indirekt ausgeübten Herrschaft zu einer direkten Entwicklung (um 1900 wird der kaiserlichen vietnamesischen Regierung die letzte exekutive Macht entzogen und es wird ein der französischen Kolonialverwaltung verpflichteter Vizekönig eingesetzt). Bei der Kontrolle gab es aber auch Zusammenarbeit zwischen Franzosen und Vietnamesen (wenn das Eingeborenenregime auch relativ machtlos war). Um die Jahrhundertwende wurde die Repression gegenüber der Bevölkerung mittels Steuernerhöhungen verschärft. Die politischen Entwicklungen in Europa (1. WK, Oktoberrevolution) sowie diese führten in den Eliten sowie den unteren Schichten zur Entstehung von Widerstandsbewegungen, aus der auch die spätere Viet Minh hervorgeht. Die Kolonialherrschaft erzeugte Widerstand also einerseits durch die rücksichtslose Ausbeutung, andererseits durch die Vermittlung europäischer Bildung (die Rolle europäischer Ideen für den kolonialen Widerstand wird kontrovers diskutiert; besonders Wissenschaftler aus den ehemaligen Kolonien halten diese Sichtweise für eurozentristisch).

    Im 2. WK schaffte die Viet Minh es, die japansichen Besatzer, die die Franzosen 1941 abgelöst hatten, mit der finanziellen Unterstützung der USA (!) zu besiegen. Unter Berufung auf die amerikanische Unabhängigkeitserklärung proklamierten sie am 2. September 1945 die Demokratische Republik Vietnam. Britische und nationalchinesische Truppen fielen in der Folgezeit mit dem Auftrag der Entwaffnung japanischer Truppen in Vietnam ein. Da Frankreich auf einer Wiedererrichtung seines Kolonialreiches bestand, übergab man im Oktober französischen Truppen Vietnam. 1946 begann der Indochinakrieg zwischen den französichen Kolonialtruppen und den vietnamesichen Truppen.

    Die Franzosen erzwangen 1948 die Einsetzung einer Gegenregierung in Südvietnam unter dem vorher abgedankten Kaiser (die Viet Minh saßen im Norden). Der Kolonialkrieg wurde zu 80 % von den USA finanziert. Dennoch ging dieser 1954 verloren und ein Waffenstillstand zwischen der südvietnamesischen Regierung der von Ho Chi Minh geleiteten nordvietnamesichen Regierung, ebenso wurde die Teilung festgeschrieben (Genfer-Konferenz).

    Die chaotischen Zustände in Südvietnam in der Folgezeit führten zu einem immer größeren Engagement der Amerikaner, finanziell sowie durch Militärberater. Aus amerikanischer Sicht ging es darum, einem "Domino-Effekt" vorzubeugen: wenn ein Staat in der Region durch Kommunisten beherrscht werde, führe dies zwangsläufig zur Stärkung kommunistischer Bewegungen in den umliegenden Staaten und damit zur Stärkung des gegnerischen sowjetischen Blocks. 1964 fingierten die USA den Tonkin-Zwischenfall, der ihnen nun ein direktes Eingreifen in den Konflikt zwischen Süd- und Nordvietnam erlaubte. Die "Vergeltungsangriffe" der USA sorgten für den Ausbruch des Vietnamkriegs, der 1976 mit der Niederlage Südvietnams endete.

    Die neuentstandene Sozialistische Republik Vietnam wurde in den nachfolgenden Jahren mitlitärisch hauptsächlich von der Sowjetunion unterstützt. Problematisch blieb das Verhältnis dennoch zum eigentlichen kommunistischen Partner China. 1979 marschierte Vietnam aufgrund von Grenzkonflikten in Kambodscha ein, dessen Regime der Roten Khmer von China unterstützt wurde. Zwischen den "moskautreuen" Vietnamesen und den Chinesen kam es daraufhin zu vier wochenlangen Grenzscharmützeln mit hohen Verlusten beiderseits, der als Erziehungskrieg bekannt wurde.

    Bereits 1986 kam es zu wirtschaftlichen Reformen, die Mitte der 90er zu einem rapiden Wirtschaftswachstum führten. Seit den 90ern wurde Vietnam auch wieder in die Staatengemeinschaft aufgenommen. 1995 nahmen die USA und Vietnam wieder Kontakte auf.

    So, dass war jetzt recht viele Fakten, für die ich aber allesamt keine Belege anführen kann, jedenfalls keine wissenschaftlichen. Guck ansonsten mal beid Wikipedia, da steht recht viel. Zur Blockbildung in der bipolaren Weltordnung lässt sich mit Sicherheit einiges von diesen Fakten ausgehend sagen..
     

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