Fragen zum Buch "Die Tricks der Pyramidenbauer" von E.Unterberger

Die Steine in den oberen Lagen waren kleiner und daher bestanden auch die Zugmannschaften aus weniger Arbeitern.
Werte Vermessung Petrie:
ist es in der Tabelle nicht genau umgekehrt, also je höher desto größer der Stein (was ich absonderlich finde)? Oder lese ich das falsch bzw kapiere was nicht?
 
Die Flanken der Cheopspyramide sind deutlich konkav (=eingedellt).
"konkav" bedeutet ja "rundlich eingedellt". Auf dem Foto sieht es mehr nach "eingeknickt" in zwei Dreiecke aus. Dann hätten alle Steine eines Dreiecks den gleichen komplizierten Winkel.

Dann müsste aber am Fuß der Pyramide in der Mitte ein deutlicher Rücksprung zu sehen sein. Das kann ich auf dem Foto nicht erkennen. Du warst doch vor Ort. Wie ist es?
 
Du musst halt die Zugmannschaften etliche Lagen früher auf die Pyramidenflanke stellen.
Sag ich ja:
"Das bedeutet, dass die Zugmannschaften nicht mehr auf der Pyramidenplattform stehen können. Mit diesem Problem werden die Mannschaf- ten natürlich schon vorher, bei den letzten Lagen, konfrontiert.
Die Mannschaft steht daher in der gegenüberliegenden Flanke knapp unterhalb der Spitze." (Seite 198)
 
vorab: von Steinmetzarbeiten habe ich absolut gar keine Ahnung.
was man bitte berücksichtigen möge.

Eine zunächst absurde Frage:
gibt es an den Pyramiden irgendwelche "Unfallspuren" (Schleifspuren, Bruchstellen außen etc), die während des Baus passiert sein müssen und evtl Rückschlüsse auf die Bauweisen geben können? (z.B. runter gekullerter tonnenschwerer Stein und seine Spuren)
 
Dann müsste aber am Fuß der Pyramide in der Mitte ein deutlicher Rücksprung zu sehen sein. Das kann ich auf dem Foto nicht erkennen. Du warst doch vor Ort. Wie ist es?
Unten ist sie augenscheinlich gerade. Hier müsste der Knick sein. Wäre mir nicht aufgefallen.
Du warst doch vor Ort. Wie ist es?
Ja ich war damals unten. Ich habe viele Pyramiden besucht: Sakkara, Knickpyramide, Rote Pyramide, Meidum, alle in Gizeh, ich war auch in der Cheopspyramide drinnen. Auch in eine Mastaba bin ich gekrochen. Schon beeindruckend. Die Chefrenpyramide ist übrigens nicht konkav.

Zum Gewicht: wenn man die auf der Pyramidenspitze liegenden Steine mit 50x50x50 cm nimmt, kommt man so auf etwas über 300 Kilo (eigentlich daN). Wichtig ist ja nur, dass sie nicht mehr Tonnen wogen.
Bildschirmfoto 2026-03-14 um 14.57.43.jpg
 
Unten ist sie augenscheinlich gerade.
Dann sind die Seiten tatsächlich halbwegs konkav. Mit Knick in der Optik ;)
Gibt es Theorien, warum?

Eine konkave Fläche hat auch einen Brennpunkt. Auf der Ost- und der Westseite zeigt der in den Himmel, aber im Norden und Süden könnte der Brennpunkt (eher -fläche) bei 51,5° Grundneigung im Sommer mittags auf den Erboden zeigen. Ist/war in der Richtung etwas, was man gerne besonders beleuchten möchte?

Fun fact: in London(IIRC) gab es mal ein Gebäude, bei dem der Architekt eine gewölbte, verspiegelte Glasfassade gezeichnet hat. Das Ding hat dann bei Sonne unten auf der Straße Plastikteile von Autos und Mülltonnen etc. verbruzzelt :)
 
Gibt es Theorien, warum?
Ich mutmaße, dass in der Mitte der Flanke eine Stiege verlief, um die Arbeiter auf die Pyramidenplattform zu bringen. Dadurch, dass die Stiege weiter innen verlief, konnte über die Kante gepeilt werden (Buch Seite 103).
Der Neigungswinkel ist nun wirklich interessant! Ich bin zu folgendem Ergebnis gekommen:
Bildschirmfoto 2026-03-14 um 16.24.45.png
 
Dadurch, dass die Stiege weiter innen verlief, konnte über die Kante gepeilt werden (Buch Seite 103).
Auf S.103 schreibst Du aber "Um das Verfahren durchführen zu kön-
nen, müssen die Flächen der Pyramide nach innen gewölbt, also konkav sein."
D.h. ob mit oder ohne Stiege. (ich brauche keine Stiege)

"Ich behaupte daher: Die Pyramiden waren Sonnenheiligtümer."
Völlig plausibel, aber auch keine bahnbrechende Erkenntnis. Afaik war der Pharao eh halbwegs mit der Sonne gleichgesetzt.

"In diesem Fall würde die Sonne von der Spitze reflektiert und leuchtete genau in den Totentempel,"
Kaufe ich sofort. Solche Spielchen haben sie damals in allen Kulturen gerne gemacht.
In NewGrange, Irland (3500 BC) scheint die Sonne am 22.12. (und nur dann) über eine Aussparung über dem Eingang bis in den zentralen Raum.

Die Sonnenwenden waren halt überlebenswichtig (Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für die Aussaat etc.)
 
Das Bild der Chefrenpyramide wird hier nur als Beispiel verwendet, weil dort die Verkleidung noch erhalten ist und so eine Peilung über die Fläche gezeigt werden kann.
Auf Seite 194 schreibe ich dann;
"In den früher und später gebauten Pyramiden wurde diese sehr aufwändige Form der Himmelsleiter aufgegeben, nichts deutet auf den Einbau größerer Verkleidungssteine hin. Bei diesen Pyramiden ist die Verwendung von Strickleitern zum Erreichen der Pyramidenplattform wahrscheinlicher."
 
Ich habe Fragen zu S.95 Peilung des Neigungswinkels:
- "An den beiden anderen Kanten wird der Vorgang mit demselben Stern wiederholt."
Wieso mit demselben Stern?? Da zeigen die Kanten doch auf einen völlig anderen Teil des Nachhimmels.
- Die Wasserbecken sind ja sowas bei 1x1 m groß(?). Der Stern sollte schon an der richtigen Stelle im Becken stehen. Wie erkennt man das aus 100 m Höhe?
- Um vernünftig zu spiegeln braucht das Becken ja beinahe Windstille. Flaut der Wind dort nachts ab?
 
An den beiden anderen Kanten wird der Vorgang mit demselben Stern wiederholt
Ein Beobachter steht unten an der Ecke und peilt den Stern direkt an, einer steht oben an der Ecke und sieht denselben Stern im Spiegel.
Wie erkennt man das aus 100 m Höhe
Die Ägypter kannten sich mit den Sternen sehr gut aus. Vor allem kann man die Helligkeit des Sternenhimmels in der Wüste und ohne Lichtsmog nicht mit unserem Sternenhimmel in Mitteleuropa vergleichen.
Als ich dort war, herrschte immer Windstille, was auch eine grauenhafte Luftverschmutzung zur Folge hatte.

Das Verfahren der Spiegelung wurde bis ins 17. Jahrhundert auch in Europa verwendet. Aus Giovanni Pomodoro "Geometria Pratica" 1599.
E ist vermutlich eine mit Quecksilber gefüllte Glaskugel.
Bildschirmfoto 2026-03-14 um 15.44.56.jpg
 
Die Helligkeit eines unverdreckten Sternenhimmels ist mir (als Segler) durchaus bekannt (einmal auch mitten in einem Dschungel in Südostasien).
Dass man den richtigen Stern erwischt ... auch ok.
Aber wie erkenne ich aus 100+ m Entfernung, ob sich der Stern gerade am idealen Punkt im Becken spiegelt oder 10 cm weiter links oder 20 cm weiter rechts? Da fehlt mir noch irgendeine Visiereinrichtung. Etwa ein Stab mit einem Ring obendrauf kurz vor dem Becken. Oder eine Art Fadenkreuz.
 
die andere Diagonale mit demselben Stern peilen
In derselben Nacht aber später. Zuerst peilt man den Stern um 21:00 Richtung SO an und dann denselben Stern um ca. 3:00 (Sterntag usw) Richtung SW. Im Programm Stellarium kann man das Schön nachvollziehen Die Pyramiden sind ja (fast!) genau nach den Himmelsrichtungen orientiert.
10 cm weiter links oder 20 cm weiter rechts
Wir wissen eigentlich nicht, wie präzise sich die Flanken oben getroffen haben. So ganz genau wurden die Pyramiden auch nicht eingemessen. Die Chefrenpyramide ist laut Petrie oben verdreht.
 
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