Frauen des Sultans - Sultanin ???

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Tasha, 21. Oktober 2006.

  1. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Kenize Mourad, Nachfahrin Sultans Murats V. erzählt im Roman "Im Namen der toten Prinzessin" das Leben ihrer Mutter Selma. Interessant dabei ist die genaue Schilderung des Hoflebens der letzten Sultane des osmanischen Reiches. Laut diesem Buch war der Titel Sultanin den Töchtern der Sultane vorbehalten, währen die Frauen "Kadin" (mit unterschiedlichen Rangstufen) genannt wurden. Lediglich die (Sultanin) Valide, die Mutter des Sultans hatte eine Sonderstellung inne, sie galt sogar als zweitmächtigste Person des Reiches.
     
  2. Tasha

    Tasha Neues Mitglied

    Ab dem 15./16. Jh. nannte sich der Sultan auch offiziel Kaiser, er hatte die Machtfülle und den Titel "Kaiser von Konstantinopel, Adrianopel und Bursa. Im diplomatischen Verkehr wurde er auch als "Kaiserliche Majestät" tituliert.
     
  3. Tasha

    Tasha Neues Mitglied

    In diesem buch sind die titel nicht richtig übernommen worden. außerdem ist kenize mourads buch ein roman und kein tatsachenbericht. die titel kann ich euch aufzählen:
    valide sultan = mutter des sultans, kaiserin mutter
    sultan z.b. fatma sultan = prinzessin fatma, ist keine sultanin im sinne einer herrscherin, damit ist gemeint das die titel trägerin die tochter des sultans ist. diesen titel trugen auch die enkellinnen des sultans.
    schehzade = prinz, sohn oder enkel des sultans
    veli ahd = Kronprinz
    kadin efendi = frau des sultans, direkt übersetzen könnte man es mit herrin oder auch großherrin
     
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  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hi,

    2 Antworten, bzw. Ergänzungen:


    1. Sultan

    Als der Großseldschuke Toğril Beg 1055 in Bagdad einzog, erhielt er kurz darauf den Titel Sultan (islam. Souverän, "Herrschervollmacht") vom Kalifen verliehen.

    Der Osmane Murat I. war der erste, der den titel Sultan ständig trug, oder mit dem pers. Hudavendigar (Herrscher) führte. (Sein Vorgänger Orhan erst am Ende sporadisch)

    desweiteren trugen die osman. Herrscher (z.b. ab Mehmet II.) noch die Titel

    - padişah (Padischah) Großkönig
    - Han (Khan) Befehlshaber, Anführer, Herrscher, Imperator
    - Schahinschah König der Könige
    - Gazi Glaubensstreiter, Eroberer, Ritter, Herrscher, Held
    - Schah König
    - Befehlshaber der Gläubigen
    - Nachfolger des Propheten als Beherrscher der Welt
    - Beschützer der Heiligen Städte von Mekka und Medina
    - gelegentlich auch Kalif, besonders später
    mehr fällt mir momentan nicht ein...


    2. Sultanin

    Der Harem war streng hierarchisch organisiert. An der Spitze stand die Mutter (valide sultan) des jeweiligen Sultans, dieser folgten seine bis zu vier Gattinnen (kadın), die die Sultane seit 1574 nicht mehr religionsgesetzlich heirateten, sondern in diese Würde erhoben. Zu sog. Favoritinnen (haseki sultan) avancierten diejenigen Sultansfrauen, die ihm einen Sohn geboren hatten. Manche Sultane hatten zudem dutzende Konkubinen, die ebenfalls zum Harem gehörten. Ihm gehörten ferner solche Frauen an, die den Sultan, seine Mutter, seine Gattinnen und seine Kinder zu betreuen hatten. Diesem höhergestellten Personenkreis folgten die Haremsschülerinnen. Dann die Skavinnen. In der 2. Hälfte des 17. Jh. waren mehr als 2000 Frauen im Harem!

    Nicht nur der Sultan, sondern auch die hohen und höchsten Würdenträger hingen besonders im 17. Jh. in erheblichen Maße von den höhergestellten HAremsdamen ab. Die besetzung wichtiger Ämter ging meisten auf ihre Initiative zurück. Auch bei politischen Entscheidungen sprachen sie ein gewichtiges Wort mit, obwohl sie dafür in keiner Weise qualifiziert waren, da ihre Ausbildung nur auf die Erfüllung ihrer Aufgaben im Harem ausgerichtet war. Als Sklavinnen aus fremden Ländern waren sie zudem über die osm. Verhältnisse nur unzulänglich unterrichtet. Aufgrund ihres Einflusses auf die Staatsangelegenheiten erhielt die damalige Ära des 17. Jh. in der osmanischen Geschichtsschreibung den Namen "Weiberherrschaft" (kadınlar saltanatı).

    Die Sultansmütter und Sultansgatinnen waren einander meist nicht wohlgesonnen. Um der Macht willen waren ihnen selbst die übelsten Mittel recht, namentlich die Mütter der Osmanenprinzen bekämpften einander aufs heftigste, um den Thron einen ihrer eigenen Söhne, und damit sich selbst die Macht zu sichern. Man lebte verschwenderisch und luxuriös, während sich gleichzeitig die Staatskasse immer mehr leerte. Natürlich wuchs auch der Einfluß der schwarzen Eunuchen, der Vertrauenspersonen der Haremsdamen, denn sie waren ebenfalls bestrebt, ihre Macht auszubauen und Reichtümer anzuhäufen.
    In dem Maße, indem der Einfluß des Harems auf die politischen Entscheidungen an Gewicht gewann, verlor der Großwesir an Bedeutung. Zwischen 1604 und 1656 kam es in diesem hohen Amt 44 (!) mal zu einem Wechsel!!!! D.H. Halbwertzeit eines Großwesir nicht mal ein Jahr! Umständebedingt verlegten daher die Großwesire ihr Hauptinteresse auf die persönliche Bereicherung, jedoch ständig in der Gefahr, das Vermögen beschlagnahmt zu bekommen, oder gar gewaltsam zu enden.

    Machtverlust der Großwesire bedeutete MAchtgewinn für die Janitscharen (1648 rissen sie sogar für drei Jahre die Macht an sich). und so weiter, aber das führt nun zu weit, will hier ja nicht die ganze Geschichte erklären.... ;)

    Heute noch sieht man z.B. in Istanbul zu Stein gewordene Macht zahlreicher Stiftungsbauten einflußreicher Frauen (Moscheen, Krankenhäuser, Schulen, Bilbliotheken, Bäder, usw.).


    Ich hoffe, nun ist wieder ein bischen Licht ins Dunkel gekommen. :)

    ciao, lynxxx
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Dezember 2006
  5. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Nach islam. Recht durften zwar 4 Ehefrauen genommen werden, aus Gründen der Staatsräson heiratete ein Sultan aber nicht (eine Ausnahme, Soliman der Prächtige heiratete Roxelane "Churrem"), aber Frauen, die dem Sultan Kinder geboren hatten und in seiner Gunst standen (vier an der Zahl) erhielten den Rang einer Kadin, zu der Zeit Solimans konnte ihnen auch der Rang einer Sultana verliehen werden. Auch wäre für den Fall einer Heirat erforderlich gewesen, der Frau die Freiheit zu geben, die Frauen des Sultans aber blieben Sklavinnen, bis auf die o.g Ausnahme. Unter den vielen titeln des sultans, die er führte, deshalb auch der Titel - Sohn einer Sklavin. Der Rang Sultana hatte nichts mit der Stellung, 1. oder 2. Frau, zu tun, es war auf alle Fälle nur dann möglich, diesen Rang zu vergeben, wenn die entsprechende Frau dem Sultan einen sohn geboren hatte. Man konnte sie also nicht so nennen, der Titel wurde verliehen.
    In dem Punkt hat Kenize Mourad völlig recht, die Töchter und Schwestern des Sultans hatten von Geburt an den Rang der Sultana. Tasha, es ist zwar als Roman geschrieben, aber es ist die Lebensgeschichte der Mutter Kenizes u. man darf schon davon ausgehen, dass Kenize alle erdenklichen Informationen und Archive für ihre Recherchen zur Verfügung standen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Januar 2007
  6. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hier mal ein Link, den ich dank deSilva gefunden habe, mit anscheinend neueren Erkenntnissen des neuen Standardwerkes von Leslie Peirce: The Imperial Harem: Women and sovereignty in the Ottoman empire:

    Channel 4 - History - The sultanate of women

    Der schon im Roxelane-Thread gepostete Link zu der Seite mit den mir bekannten ausführlichsten Harem Infos ist leider down, aber im archive.org noch aufrufbar:

    Haremsfrauen
     
  7. inana

    inana Gast

    Wer war wessen Frau und wessen Mutter?
    Vielleicht hilft diese Übersichtstafel etwas, wobei keineswegs gesagt ist, dass das nun alles auch genau stimmt, habs nur überflogen ;)

    Osmanl? Valide sultanlar? - Vikipedi

    1. Spalte: Name der Frau
    2. Spalte: Name des Sohns und späteren Padişahs
    3. Spalte: Name des Mannes und aktuellen Padişahs
    4. Spalte: urspr. Name
    5. Spalte: Herkunft
    6. Spalte: Zeitraum der Position als Sultansmutter
     
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  8. Die Herkunft ist stimmt manchesmal nicht,denn Gülcemal Kadın Efendi war keine Albanerin,sondern Tscherkessin.
     
  9. Ein ganz besonderer Fall- die Tätigkeit einer christlichen Fürstin in der osmanischen Spitzendiplomatie!!! ist unter Mehmed II. zu verzeichnen.
    Es handelte sich um die Fürstin Mara,Tochter des großen Serbenfürsten Georg Brankovic (1427-1456),die Sultan Murad II. /1421-1451),Vater von Mehmed,1435 geehelicht hatte.Mehmeds II.leibliche Mutter war Mara jedoch nicht,diese war Hüma Hatun,deren Identität ist nicht ganz gesichert.
    Mara,diese ihrem Glauben trei gebliebene Serbisch/Orthodoxe Christin wurde von mehmed in die Wahrnehmung der Interessen des Reiches auf hoher Ebene einbezogen.Sie wurde hochoffiziell als Stiefmutter des Großtürken bezeichnet,sie verdankte weniger ihrer fürstlichen Herkunft und ihrer Ehe mit einem Sultan,als vor allem ihrer Intelligenz und ihrer diplomatischen Begabung.
    Die Gesandten des Abendlandes nahmen......gar manches mal den Umweg über den Witwensitz......,um den rat dieser staatsklugen weisen Fürstin einzuholen,bevor sie ihren Weg zur Pforte fortsetzten.Gar mächtig war der Schutz,den die gottesfürchtige Frau ihren christlichen Glaubensbrüder angedeihen ließ.(Babinger)
     
  10. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich habe nicht so viel Zeit, deshalb mal einige Zitate als Antwort und Buchseiten:
    Geschichte des Osmanischen Reiches - Google Buchsuche

    aus:
    Beck'sche Reihe, Geschichte des Osmanischen Reiches: Suraiya Faroqhi: Amazon.de: Bücher

    "Eines der spannendsten und einleuchtendsten Beispiele für den mittlerweile eingetretenen Wandlungsprozess der Osmanistik bietet das in der traditionellen Literatur als «Weiberherrschaft» titulierte Kapitel der osmanischen Geschichte. Gemeint ist der nach dem Tod Süleymans des Prächtigen (1566) gewachsene Einfluss des Harems, vor allem der Sultansmütter, auf die Staatsgeschäfte. Noch in dem bis heute an allen Universitäten gerne genutzten Standardwerk von Joseph Matuz, «Das Osmanische Reich. Grundlagen seiner Geschichte» (1985), finden sich dazu Ansichten, die mit einem unangenehmen Einschlag von Misogynie (und Rassismus) den osmanischen Quellen folgen:
    Nicht nur der Sultan, sondern auch die hohen und höchsten Würdenträger hingen in erheblichem Masse von den höhergestellten Haremsdamen ab [. . .]. Auch bei politischen Entscheidungen sprachen sie ein gewichtiges Wort mit, obwohl sie dafür in keiner Weise qualifiziert waren. [. . .] Um der Macht willen waren ihnen selbst die verwerflichsten Mittel recht. [. . .] Die Damen im Serail lebten verschwenderisch und luxuriös, während sich gleichzeitig die Staatskasse immer mehr leerte. Natürlich wuchs auch der Einfluss der schwarzen Eunuchen, der Vertrauenspersonen der Haremsdamen. Diese schwarzen Agas, so ihr Name, waren ebenfalls bestrebt, ihre Macht auszubauen und Reichtümer anzuhäufen.
    Zu einer Revision solcher Urteile, die nur den Gipfel des Eisberges darstellen, kam es dank der gender studies, die hier einen geradezu idealen Gegenstand vorfanden. Leslie Peirces bahnbrechende Studie «The Imperial Harem. Women and Sovereignty in the Ottoman Empire» (Oxford 1993) stellt heraus, dass die Herrschaft der Sultansmütter vielmehr einen stabilisierenden Faktor in einer Zeit intensiven Wandels und ständiger Machtvakuen darstellte, weil mehrere Generationen lang kein geeigneter Thronfolger im Amt und die Nachfolgeregelung unklar war. Ohne die vorübergehende Herrschaft des Harems hätte die osmanische Dynastie womöglich nicht überlebt.
    Konzis und nötig
    Die nun erschienene «Osmanische Geschichte» aus der Feder der Münchener Osmanistin Suraiya Faroqhi ist die erste Darstellung, die den Wandel in der Osmanistik an eine breitere, nicht spezialisierte Leserschaft weitergibt. Darin vor allem liegt die Bedeutung des zunächst unscheinbaren, denkbar knapp gehaltenen Buches. Am Beispiel «Weiberherrschaft» lässt es sich ablesen: Statt der Behauptung, die Sultansmütter seien «in keiner Weise qualifiziert», lesen wir bei Faroqhi: «Der Harem war eine komplizierte, stark hierarchisch gegliederte Institution; und es war kaum möglich, sich ohne beträchtliches politisches Geschick darin durchzusetzen.»"

    aus:
    Haremsfrauen

    "Im 16. und 17. Jh. deuteten die osmanischen Geschichtsschreiber den Einfluß der Haremsfrauen auf die Staatsführung als eine der Ursachen für den sich allmählich abzeichnenden ökonomischen, militärischen und politischen Verfall des Reiches (Naff / Owen 1977). Die herausragende neue politische Rolle des Harems zu dieser Zeit wurde als illegitime Usurpation der Macht während des moralischen und institutionellen Niedergangs gedeutet. Die persönliche Unfähigkeit der Nachfolger von Suleyman dem Prächtigen habe die Einmischung der Haremfrauen in die Politik und die Beeinflussung der Sultane mit schwacher Willenskraft durch sie ermöglicht.​
    Neuere Forschungen haben jedoch gezeigt, daß die Beteiligung der dynastischen Frauen an der osmanischen Herrschaft sehr wohl institutionalisiert und kein aus dem Machtvakuum der Zentralgewalt entstandenes, situationsbedingtes Phänomen war (Pierce 1996)"

    siehe:
    http://www.geschichtsforum.de/331207-post11.html

    darin: Donald Quataert: The Ottoman Empire, 1700-1922. Cambridge (New Approaches to European History) 2005.
    S. 99 ff. neuere Ansichten zu Verfall und Niedergang und Ursachen dafür

    Siehe auch S. 91 ff. im obigen Link,


    aus:
    sehepunkte - Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften - 8 (2008), Nr. 10
    "Die Geschichtsschreibung folgte lange Zeit dem Aufstiegs- und Niedergangsmodell, um die Geschichte von Imperien zu beschreiben und entsprechend dieser Konzeption wurden die Jahre zwischen 1683 und 1923 als eine Epoche des Verfalls betrachtet. Die neuere Imperienforschung weicht zusehends von diesem rise and fall Paradigma ab und bemüht andere Ansätze wie beispielsweise das Zyklenmodell [4], die eine genauere Darstellung der Geschichte von Reichen ermöglichen. Auch Donald Quataert folgt dieser Entwicklung und zeigt die unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und militärischen Transformationsprozesse auf, die das Osmanische Reich im Verlauf seiner Geschichte durchlief und die ihm trotz territorialer Verluste seit dem späten 17. Jahrhundert immer wieder Phasen der Konsolidierung ermöglichten."

    S. 37:
    "In marked contrast to the military and political successes of the 1300–1683 era, defeats and territorial withdrawals characterized this long eighteenth century, 1683–1798. The political structure continued to evolve steadily, taking new forms in a process that should be seen as transformation but not decline."

    aus:
    The Ottoman Empire and Early Modern ... - Google Book Search

    "Later Ottoman observers condemned such innovations in the workings
    of the imperial household as a principal cause for the enfeeblement
    of their state. More recently, historians have perceived them as a symptom
    rather than a direct cause of Ottoman decline. Either of these interpretations
    may be valid if one accepts that the only Ottoman principality
    that could thrive was one that was centralized, despotic, and aggressively
    expanding. Success, however, can be measured in other ways. In their
    diffusing of authority, these late sixteenth-century changes also removed
    power from the hands of a single man who was as likely to be inept
    as skilled. They also tended to bureaucratize governance, which helped
    shield the Ottoman state and society from the vagaries of personality,

    from a changing world trade, from the growing strength of rival states,
    and from shifting relationships within Ottoman society."

    "The impression that S¨uleyman represented the zenith of Ottoman capacity,
    and that all that followed was decline, persists today
    ...
    Modern-day historians did not quickly repudiate this tale of decline;
    rather, they turned it on its head. In other words, poor leadership often
    has been envisioned as a symptom rather than a cause of more structural
    difficulties such as inflation caused by the influx of silver from the New
    World, changes in military technology, and the creation of a new type of
    state in western Europe. According to much of the scholarship of the late
    twentieth century, many Ottoman institutions – the janissary corps, the
    provincial leadership, the sultanate itself – suffered in the state’s efforts
    to react to such largely external and underlying transformations."

    "If not decline, then what?
    One tenet of the “decline paradigm,” as applied to monarchies, is that the
    realm reflects the ruler; in other words, a weak central government by definition
    denotes a feeble society, and an incompetent monarch must pull
    his kingdom down with him. Consequently, the rise of the decentralized
    state – that is, the emergence of tax farmers, provincial elites, and cities
    that rivaled Istanbul – becomes merely a symptom of a state and society in
    crisis because the “great man” who heads it lacks ability. In part because
    of the emergence of social history and its concern with long-term causation,
    in the 1950s and 1960s Ottoman historians began to question this
    precept, and looked beyond the sultan for causes of decline.30 Even more
    recently, and perhaps because of the widespread fear of big government
    and bureaucratization that marks modern society and its acceptance of
    devolution and privatization as viable options to centralization, historians
    have begun to question whether this early modern empire ever declined
    at all.31
    ...
    Some
    have argued that they manifested not decline at all, but rather a series of
    crises, many of which were resolved in ways that actually strengthened
    the empire.
    "

    "The canonical account of the imperial household during the early seventeenth
    century also has lately been amended.33 This period has long
    been referred to as “the sultanate of the women,” because of the apparently
    extraordinary power of the sultan’s mother, his sisters, his daughters,
    and other female members of his household that resulted from the
    seclusion of princes in the harem and a diffusion of power. The phrase
    was meant pejoratively; it was not overlooked that these women presided
    over the palace just as decline was considered to have settled in. The
    implication is clear: the empire rotted at its core when it relinquished
    authority into the hands of women (and especially “foreign” women, as
    so many of the wives, favorites, and servants were).
    ...
    The sultan’s mother may be seen as acting almost as a regent, simply
    continuing the service she had provided as trusted counselor while her
    son was a prince. Despite being condemned because it brought women
    to power, the system provided the state with stability and protected the
    throne far more effectively
    and reliably than did regents such as Mazarin
    and Richelieu during Louis XIV’s minority or ˙Ibrahim Pasha under the
    young S¨uleyman. Not only would no one doubt a mother’s loyalty to
    the monarch, but the scheme kept power within that most important
    of Ottoman social units – the family. Consequently, it has been argued,
    not only did the empire survive, but the state weathered such structural
    adjustments and grew more resilient because of them."
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Februar 2009
    1 Person gefällt das.
  11. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    @Dieter, Moin:

    Antwort von hier:

    Wie du hier sehen kannst, wurde das Thema der sog. "Weiberherrschaft" und des Wandels der Sicht von dem "Rise-and-Fall-Modell" von Reichen schon thematisiert. (Siehe auch die 10. Vorlesung hier:
    http://www.geschichtsforum.de/f36/dynastien-namen-und-begriffe-der-isl-welt-14238/#post372256 )

    Nun hatte ich heute nochmal was bei Klaus Kreiser in googlebooks gesucht, dabei stolperte ich über den wahrscheinlich gesuchten Abschnitt, den du nicht finden konntest: S. 155.
    Leider ist ausgerechnet diese Seite in googlebooks nicht einsehbar.
    Wäre es für dich möglich, diese Seite mal zu scannen, und mir per PN oder auch im Anhang hier als TXT-Datei uns/mir zukommen zu lassen?

    Du könntest natürlich auch lediglich den Inhalt wiedergeben.
    Wäre sehr nett, wenn du mit uns das Ergebnis deiner Suche teilen könntest.

    :inlove: :anbetung: :kuscheln:

    :O
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Juni 2009
  12. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hier noch eine späte Antwort lieber Dieter - besser als keine... ;)

    Es geht darum, dass das Geburt-Blüte-Verfall-Paradigma seit einigen Jahrzehnten in Frage gestellt wird, und heute mehrheitlich eben nicht mehr blind den osman. Chronisten vertraut wird, die im 16. Jh./17. Jh. meinten, mit den "Weibsbildern" angefangen mit Roxelane / Hürrem Sultan fing der Niedergang der Osmanen an, und die seien die Ursache. Man fand inzwischen heraus, dass es z.B. im 18. Jh. einen Aufschwung in etlichen Bereichen gab, der so gar nicht zu dem unaufhörlichem Niedergang-Paradigma passt. und so weiter.

    Lies dir mal diese Schrift durch, die ich kürzlich wiederfand, und die die heutige Sicht erläutert:

    "Ottoman History Writing and Changing Attitudes
    Towards the Notion of “Decline”1


    Donald Quataert,
    Binghamton University, State University of NY, US

    Abstract
    The arguments presented below support, I hope, the following set of assertions. First, historical writing on the question of the “decline” of the Ottoman Empire presently is undergoing a sweeping, if incomplete, revision that vitally affects our perceptions not only of this now-defunct imperial system but also of the contemporary Middle East. Secondly, the debate over Ottoman decline only now is escaping from its thorough enmeshment in European norms of what constitutes political and economic development and the very concept of progress itself. Thirdly, from the later 18th century until about twenty years ago, notions of Ottoman “decline” had been a popular and unquestioned item in the intellectual inventory of Western academics and politicians alike. Fourthly, the challenges mounted to the decline paradigm reflect, among Ottomanists, an increasingly sophisticated sense of the past that owes much to the growth of global and comparative history. The collapse of the Soviet empire reinforced, but did not give rise to, these challenges.
    Here, in brief, is the decline paradigm regarding the Ottoman Empire. Let me be clear: I believe this paradigm to be incorrect and misleading. ..."
    http://www.fatih.edu.tr/~ayasar/HIST435/Quataert_Decline.pdf

    Nun folgt eine kurze Beschreibung bzw. Zusammenfassung der osm. Geschichte, die man so auch noch z.T. beim Matuz, und anderen findet, und die hier auch im Forum immer wieder gepostet wird. Diese Beschreibung ist hingegen durch Forschungen seit Mitte der 70er erst in Frage gestellt worden, dann seit den 90ern mehrheitlich zurück gewiesen worden.

    Check it.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2010
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Man kann lange und trefflich darüber streiten, wie osmanische Verfallsperioden aussahen und es dürfte zuweilen gleichfalls strittig sein, welche militärischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Entwicklungen nun als "Verfall" zu bezeichnen sind. Meine Kenntnisse des Osmanischen Reichs gehen nicht über 3-4 Publikationen von Kreiser über Matuz bis zu Faroqhi hinaus und ich halte es auch für sinnlos, nun über genaue Datierungen streiten zu wollen.

    Sicher ist jedenfalls, dass das Osmanische Reich einen Aufstieg, eine Blüte und einen Verfall - oder auch "Zerfall" - erlebt hat, wie das bei vielen untergegengenen Staaten der Fall war. Und dass es auch im Niedergang von Staaten wieder Stabilitätsperioden gibt, ist eine Binsenweisheit. So linear, dass daraus eine gerade absteigende Linie wird, sind staatliche Organismen eben nicht.

    In meinen Augen erlebte das Osmanische Reich seit dem 17. Jh. eine Periode des einmal langsamen, einmal sich beschleunigenden Niedergangs, was sich schon auf entsprechenden Territorienkarten leicht ablesen lässt, die ein ständiges Schrumpfen des Osmanischen Reichs zeigen. Im 19. Jh. schließlich war war die Pforte nur noch ein Spielball der europäischen Großmächte und der "kranke Mann am Bosporus".

    Das schließt freilich nicht aus, dass selbst in jener Zeit des Verfalls gesellschaftspolitische Hoffnungsträger erschienen, deren soziale und militärische Rezepte den weiteren Zerfall hätten verhindern, vielleicht sogar das Osmanische Reich zu einer neuen Blüte hätten bringen können. - Dazu ist es aber aus den verschiedensten Gründen nicht gekommen, sodass es schließlich zum Exitus des Staates kam, wobei der Erste Weltkrieg lediglich ein Beschleuniger, keineswegs aber ein Auslöser war.
     

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