Gedichte zur Geschichte

Dieses Thema im Forum "Geschichtsmedien und Literatur" wurde erstellt von Rafael, 2. Dezember 2004.

  1. Sasaki

    Sasaki Neues Mitglied

    Das ist lieb =)
    Nunja du hast schon recht, aber immerhin hab ich das mit 13 ganz ordentlich hingekriegt, mitlerweile siehts tatsächlich besser aus. Außerdem will ich keinesfalls Poet werden, ich verbinde nur gerne Geschichte mit Gedichten.

    Da ich aber sotoll motiviert werde kommt gleich die Nr. 2
    Vor einem Jahr entstanden:

    Xerxes


    Wenn die Nacht hereingebrochen,
    Die Sterne stehn am Firnament,
    Ein guter Mann wurd grad erstochen,
    Auf dass man seiner lang gedenkt.


    Seine Seele niemals ruhen,
    Spukt als Geiste nun umher.
    Ängstigt Leute, lautes buhen,
    Wenn da nur der Mörder wär.


    Ja wie dürstet er nach Rache,
    Suchet auf der ganzen Welt,
    Überall er tuet Wache,
    bis des fremdens Leben fällt.


    Doch die Jahre sie verstreichen,
    Und Geist hat schon vergeben,
    Doch ein Fluch lässt ihn nicht weichen,
    Ach, wie hasst er dieses Leben.


    Des Todes leid, ist dieser Mann,
    Einst Herrscher dieser großen Welt,
    Nutzen er es nicht mehr kann,
    übrig nichts von seinem Geld.


    Hät er sich nur nicht entschieden,
    Zur Rache weilen auf der Welt,
    So gern er diesen Weg gemieden,
    Der ihm nun nicht mehr gefällt.



    Kein sotoller Geschichtsbezug, die Idee ist mir gekommen als Ich Herodot und die Epoche der Perserkriege gelesen hab.

    So nun Quizfrage Nr. 2 und 3:

    Wer hat laut Herodot Xerxes umgebracht
    und wer war es nach heutiger (überwiegender) Ansicht? (bzw, Wieseöfer/Meyer)
     
    1 Person gefällt das.
  2. FrankRaw

    FrankRaw Neues Mitglied

    Ich habe heute beim Lesen über Bismarcks Bündnispolitik ein weiteres Gedicht gefunden:

    Franz Lehárs und Victor Léons Operette Die lustige Witwe (1905) spielt auf die politischen Entwicklungen seit 1879 an:
    Die Ehe ist für mich privat,
    ich rede nur als Diplomat,
    wahrhaftig nur ein Standpunkt,
    der längst überwunden.
    Ein Zweibund sollte stets sie sein,
    doch bald stellt sich ein Dreibund ein,
    der zählt oft,
    der zählt oft
    blos nach schwachen Stunden!
    Vom europäischen Gleichgewicht,
    wenn Einer sich verehelicht,
    von dem ist bald nichts mehr zu spüren.
    Der Grund liegt meistens nur darin:
    Es gibt Madam zu sehr sich hin
    der Politik der off'nen Türen!
     
  3. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Ein Gedicht von Konstantinos Kavafis, das mir sehr gefallen hat:

    Το 31 π. Χ. στην Αλεξάνδρεια

    Ἀπ' τὴν μικρή του, στὰ περίχωρα πλησίον, κώμη,
    καὶ σκονισμένος ἀπὸ τὸ ταξεῖδι ἀκόμη

    ἔφτασεν ὁ πραγματευτής. Καὶ «Λίβανον!» καὶ «Κόμμι!»
    «Ἄριστον Ἔλαιον!» «Ἄρωμα γιὰ τὴν κόμη!»

    στοὺς δρόμους διαλαλεῖ. Ἀλλ' ἡ μεγάλη ὀχλοβοή,
    κ' ἡ μουσικές, κ' ἡ παρελάσεις ποῦ ἀφίνουν ν' ἀκουσθεῖ.

    Τὸ πλῆθος τὸν σκουντᾶ, τὸν σέρνει, τὸν βροντᾶ.
    Κι ὅταν πιὰ τέλεια σαστιμένος, Τί εἶναι ἡ τρέλλα αὐτή; ρωτᾶ,

    ἕνας τοῦ ρίχνει κι αὐτουνοῦ τὴν γιγαντιαία ψευτιὰ
    τοῦ παλατιοῦ – ποὺ στὴν Ἑλλάδα ὁ Ἀντώνιος νικᾶ.


    In Alexandria, 31 B.C.

    From his village near the outskirts of town,
    still dust-covered from the journey in,

    the peddler arrives. And “Incense!” “Gum!”
    “The best olive oil!” “Perfume for your hair!”

    he hawks through the streets. But with all the hubbub,
    the music, the parades, who can hear him?

    The crowd shoves him, drags him along, knocks him around.
    And when he asks, now totally confused, “What’s going on here?”

    someone tosses him too the huge palace lie:
    that Antony is winning in Greece.

    (Übers. Edmund Keeley/Philip Sherrard)
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gedichte zur Geschichte können durchaus auch Bauchschmerzen machen. Das ist der Fall bei Holiday in the sun von Sex Pistols, die für sich - allerdings absolut nicht unumstritten - in Anspruch nehmen, die Urväter des Punk zu sein.
    In Holiday in the sun bezeichnen die Sex Pistols die DDR als "new Belson". Bei allem Unrecht der DDR und ihrem Grenzregime muss man das doch als Verharmlosung des KZ-Systems betrachten:

    A Cheap holiday in other peoples misery!

    I don't wanna holiday in the sun
    I wanna go to new Belsen

    I wanna see some history
    'Cause now I got a reasonable economy

    Now I got a reason, now I got a reason
    Now I got a reason and I'm still waiting
    Now I got a reason
    Now I got reason to be waiting
    The Berlin Wall

    Sensurround sound in a two inch wall
    Well I was waiting for the communist call
    I didn't ask for sunshine and I got World War three
    I'm looking over the wall and they're looking at me


    Now I got a reason, Now I got a reason
    Now I got a reason and I'm still waiting
    Now I got a reason,
    Now I got a reason to be waiting
    The Berlin Wall

    Well they're staring all night and
    They're staring all day
    I had no reason to be here at all
    But now I gotta reason it's no real reason
    And I'm waiting at the Berlin Wall

    Gotta go over the Berlin Wall
    I don't understand it....
    I gotta go over the wall
    I don't understand this bit at all....


    Claustrophobia there's too much paranoia
    There's too many closets so when will we fall
    And now I gotta reason,
    It's no real reason to be waiting
    The Berlin Wall

    Gotta go over the Berlin Wall
    I don't understand it....
    I gotta go over the wall
    I don't understand this bit at all...

    Please don't be waiting for me
     
  5. Georg C. Peter

    Georg C. Peter Neues Mitglied

    CICERO- Gedicht

    Cicero

    In Romes schwüler Hicero,
    da lebte einst der Cicero,
    der hatte Geistesblicero
    und machte ständig Wicero.

    Darauf wurde stibicero
    ihm sein Senatessicero,
    aus Rom musste er flicero
    und aus war’s mit dem Wicero.

    Dennoch:
    Es las sogar den Cicero
    noch gern der Alte Fricero!

    nachzuhören (Sprecher: T. Rübenacker, SWR2) unter:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. März 2017
  6. Georg C. Peter

    Georg C. Peter Neues Mitglied

    LUTHERS THESEN- Gedicht

    Luthers Thesen

    Einst im weit entfernten Rom
    ward gebaut der Petersdom,
    der - mit Marmor und mit Gold -
    künftig neu entstehen sollt‘.

    Leo, Papst von Gottes Gnaden,
    wandelte auf frommen Pfaden,
    flehte im Kapitelsaal,
    betete um Kapital.

    Ohne Beichte, ließ er künden,
    sei der Mensch befreit von Sünden
    und von künft’gen Höllenqualen:
    Nur ein Ablass sei zu zahlen.

    Frisch befreit von Gottes Strafen
    konnte mancher ruhiger schlafen,
    Doch es war ein wenig teuer:
    Buße ohne Fegefeuer.

    Wozu braucht, in aller Welt,
    der Hochwürden so viel Geld,
    fragte einst ein Gottesdiener:
    Martin Luther, Augustiner.

    Jener lehrte früh bis spät
    an der Universität,
    konnte schreiben wie auch lesen:
    Er schrieb fünfundneunzig Thesen,

    welche er in großer Zahl
    heftete aus Kirchportal.
    Tat darin den Papst ermahnen
    nicht so kräftig abzusahnen.

    Seither war der Mönch bekannt,
    und vom Pontifex gebannt.
    Doch er war nicht aufzuhalten,
    und die Kirche war gespalten.

    Merke:
    Wär‘ Papst Leo’s Seele reiner
    und der Dom ein wenig kleiner,
    wär‘ womöglich heut‘ zu lesen:
    Außer Thesen nichts gewesen.

    nachzuhören unter:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. März 2017
    1 Person gefällt das.
  7. Georg C. Peter

    Georg C. Peter Neues Mitglied

    Odysseus und der Zyklop (heiteres Gedicht)

    Odysseus und der Zyklop

    Mit viel Wehgeschrei und Bangen
    ward die Kriegerschar gefangen
    bei der Jagd auf Antilopen
    von dem Einaugezyklopen,
    unter Jauchzen und Gegröle
    in des Polyphemus Höhle.

    Der gelegentlich zum Spaß
    einen Griechenkrieger aß,
    da er Menschenfleisch begehrte
    und mit Haut und Haar verzehrte.
    Angefüllt mit süßem Wein,
    schlief er später selig ein.

    Als der Riese lag im Schlafe,
    folgte gleich darauf die Strafe:
    Odysseus nahm einen Spieß,
    den er ihm ins Auge stieß.
    Der Zyklop musste erblinden
    und tat niemals Niemand finden.

    Sie entkamen der Bedrängnis
    Und verließen das Gefängnis,
    denn sie konnten bald entfleuchen
    festgezurrt an Tieresbäuchen,
    auf dass kein Zyklop sie fühle
    unter Schafes Wollgewühle.

    Doch im Wachen, wie im Schlaf,
    rochen sie seitdem nach Schaf.


    Eselsbrücke für Zyklopen:
    Willst Du nicht in Blindheit siechen,
    so verzehr‘ nicht sinnfrei Griechen!

    Zu hören (Sprecher: Thomas Rübenacker, SWR2) unter:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. März 2017
    1 Person gefällt das.
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    @ Georg C. Peter:

    Wer ist/sind denn der/die Verfasser der Gedichte?

    Gruss, muheijo

    Edit: Du bist es selbst, hab's grad gefunden. Na, dann warte ich mal auf ein Napoleon-Gedicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. März 2017
  9. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Sehr hübsch. I like! :yes:
     
  10. Georg C. Peter

    Georg C. Peter Neues Mitglied

    Freut mich! Merci!
     
  11. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Finde ich richtig gut :winke:Besonders die Eselsbrücke am Schluss gefällt mir.
     
  12. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Angeregt durch den Thread http://www.geschichtsforum.de/f328/geschichte-der-schreibmaschine-53365/ ein paar Zeilen von Tucholsky, ich vermute mal via Schreibmaschine niedergelegt - ahnsehnlichere Zeilengestaltung ging beim Kopieren via Smartphone leider verloren:

    Hände an der Schreibmaschine


    Meine Schrift kann niemand lesen,
    nicht mal ich. Nur noch Chinesen
    pinseln wichtig.
    Ich will kein solch Pinseler bleiben.
    Mit acht Fingern laßt mich schreiben!
    Aber richtig!
    Hebel rauscht, und Glöckchen klingt,
    und die Schreibmaschine singt:

    Firma Anton Eiermann
    sel. Nachfolger
    Würzburg an der Würze

    Berlin NW 87, den heutigen


    Sehr geehrter Herr!
    Auf Ihr gefl. wenn auch ausverschämtes Schreiben vom 16. d. M. erlauben wir uns, Ihnen mitzuteilen, dass von einer unpünktlichen Zahlung unsrerseits überhaupt keine Rede sein kann.
    Sie haben uns bisher erst 9mal (in vier Wochen) gemahnt, und kann das in Anbetracht der allgemeinen Geldknappheit nur als völlig
    normal

    Übung kommt so mit den Jahren.
    Und ich schalte wie beim Fahren
    dritten Gang ein.
    Hoppla, Kurve! Achtung, Liebe!
    Und ich schalte wie beim Fahren
    jeden Klang ein.
    Hebel rauscht, und Glöckchen zirpt,
    und die Schreibmaschine wirbt:

    Dir nur sagen, dass ich Dich so leidenschaftlich liebe, dass es schon allen meinen Bekannten auffällt, wie schlecht ich aussehe. Ich habe im letzten Monat 8 (acht) Pfund abgenommen, und das alles auf Dich herauf. Mein kleines Mäuseschwänzchen, wenn Du es irgend einrichten kannst, dann komm doch Sonnabend schon ein bißchen früher, aber zieh Dir nicht die Schlüpfer an, weil ich Dir etwas Wichtiges

    Tausend Finger laufen eilig
    amtlich, dienstlich, polizeilich
    auf den Tasten.
    Aufgebote für die Heirat,
    das Gesuch beim Polizeirat,
    Steuerlasten.
    Hebel schnattern, Walze steht,
    und die Schreibmaschine fleht:

    An den Herrn
    Regierungspräsidenten
    Magdeburg

    In Erneuerung meines Gesuchs vom 5. 4. 23 erlaube ich mir ergebenst auf beregte Angelegenheit zurückzukommen und um eine Namensänderung nochmals dringendst zu bitten. Die Tatsache, dass ich Schlotterhose heiße, hat mir bereits im geschäftlichen sowie auch im privaten Leben außerordentlich geschadet, und bitte ich, mir wenigstens durch einen Gnadenakt das
    L

    zu erlassen, wovon ich mir eine wesentliche
    Besserung

    Unser Leben, eingefangen,
    ist durch dich hindurchgegangen,
    Guillotine!
    Unsere Freuden, unsere Sorgen,
    gestern, heute, übermorgen –
    o Maschine!
    Hebel wirbeln, Wagen knackt,
    und die Schreibmaschine tackt:

    Sie dämliches Luder nur davor warnen, sich noch einmal im Geschäft so mausig zu machen. Wo doch Ihre Tochter Lottchen in der ganzen Straße bekannt ist als Rumtreibersche und auch Ihre Frau abends immer sehr spät und nicht immer allein nach Hause komt wenn Sie mal auf Geschäftstuhr sind Dass Ihr Sauberer Herr Sohn ein Verfahren wegen der kleinen Wechselsache bei seiner Firma auf dem Hals hat, wird er Ihnen wohl nicht gesagt haben aber ich sage es Ihnen Sie Ochsenpantoffel!

    Ein Freund des Hauses!


    Alles weißt du, Maschine, immer stehst du startbereit!
    In dir ist unser Beruf, unser Leben und unsre ganze Zeit.
    Sogar auf Reisen kommst du mit, praktisch und gut verpackt,
    bis eines Tages zum letzten Male dein Hebel knackt.

    Millionen Konzerte steigen täglich auf aus Stahl und Papier.
    Was wären wir ohne dich, du Geschäftsklavier –!


    Theobald Tiger
    Uhu, 01.05.1928, Nr. 8, S. 40,
    wieder in: Lerne Lachen.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das folgende Gedicht kam gestern in einem Beitrag im Radio über den Mythos Trümmerfrauen von Thomas Klug, das Gedicht aus dem Jahr 1981 stammt von dem Ostberliner Kabarettisten Peter Ensikat:

    Ich steh vorm Roten Rathaus rum
    als Denkmal,
    also ziemlich stumm.
    Erkennnunsgszeichen: Schippe, Kluft,
    dann dieser dämliche Blick in die Luft,
    als sehe ich da die Zukunft schon liegen,
    nach tausend Jahren Pyrrhussiegen,
    wir lassen uns nicht unterkriegen.

    Wir waren doch unten, tief unten im Dreck.
    Nicht nur die Männer, auch der Glaube war weg.
    Jetzt waren wir plötzlich gleichberechtigt,
    zu jeder drecksarbeit ermächtigt.

    Wir haben den Krieg nicht geführt, nur verloren,
    irgendwie sind wir zur falschen Zeit geboren.
    Wir waren jung, unser einziges Glück,
    das war unser Pech,
    denn das kommt nie zurück.

    Ich bin so froh , dass es der Jugend heut besser geht.
    Für uns kam - kommt - so vieles zu spät.
    Oder zu früh.

    Alleinstehend waren wir ganz ohne Scheidung
    und trugen schon damals Omaskleidung.
    Wir waren so jung und schon so verdorben,
    mit den Menschen waren auch ihre Werte verstorben.

    Wir krochen zur Arbeit, um nicht zu krepieren,
    aber das Leben war eigentlich nur vegetieren.
    Von Mut und Zuversicht schrieben die Dichter.
    Wer den Karren aus dem Dreck zieht,
    der sieht so was schlichter.

    Mut war Verzweiflung, Zuversicht Not.
    Unsere einzigen Ideale waren Frieden und Brot

    Und wenn wir mal lachten,
    dann meist über Zoten
    Es war zum schreien,
    wie schnell damen verrohten.

    Denn da standen auch Damen im Staub und im Schmutz
    und wurden zu Weibern ohne männlichen Schutz
    und haben - was ihnen kein Kerl zugetraut -
    sie sich selbst auch nicht -
    die Basis von dem, was heut ist
    aufgebaut.

    Auf Bildern von damals wurde sehr viel gelacht.
    Ja sicher haben sich die Künstler dabei was gedacht.
    Das muss ja wohl unsere Siege größer machen,
    wenn wir beim Kämpfen unentwegt lachen.

    Warum wird eigentlich bei uns Kampf immer schön dargestellt?
    Als gäbe es nichts schöneres auf der Welt.
    Unser einziges Sehnen war die Sucht nach Genuss.
    Was ist denn schlecht an Luxus und Überfluss?

    Noch haben wir ein Denkmal, daas steht morgen noch da.
    Aber wir? Na ja, noch leben wir ja.


    Das Gedicht bezieht sich auf die Skulptur Aufbauhelferin von Fritz Cremer (Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR):
    [​IMG]


    Das Gedicht unterschlägt allerdings, dass es sich um eine Figurengruppe handelt:

    [​IMG]
     
  14. hatl

    hatl Premiummitglied

    Ich hatte mir vorgestellt dieses Gedicht von Erich Kästner wäre auf den Ausgang des Zweiten Weltkriegs gemünzt.
    Es wurde 1930 veröffentlicht.

    "
    Wenn wir den Krieg gewonnen hätten,
    mit Wogenprall und Sturmgebraus,
    dann wäre Deutschland nicht zu retten
    und gliche einem Irrenhaus.

    Man würde uns nach Noten zähmen
    wie einen wilden Völkerstamm.
    Wir sprängen, wenn Sergeanten kämen,
    vom Trottoir und stünden stramm.

    Wenn wir den Krieg gewonnen hätten,
    dann wären wir ein stolzer Staat.
    Und pressten noch in unsern Betten
    die Hände an die Hosennaht.

    Die Frauen müssten Kinder werfen,
    Ein Kind im Jahre. Oder Haft.
    Der Staat braucht Kinder als Konserven.
    Und Blut schmeckt ihm wie Himbeersaft.

    Wenn wir den Krieg gewonnen hätten,
    dann wär der Himmel national.
    Die Pfarrer trügen Epauletten
    Und Gott wär deutscher General.

    Die Grenze wär ein Schützengraben.
    Der Mond wär ein Gefreitenknopf.
    Wir würden einen Kaiser haben
    und einen Helm statt einem Kopf.

    Wenn wir den Krieg gewonnen hätten,
    dann wäre jedermann Soldat.
    Ein Volk der Laffen und Lafetten!
    Und ringsherum wär Stacheldraht!

    Dann würde auf Befehl geboren.
    Weil Menschen ziemlich billig sind.
    Und weil man mit Kanonenrohren
    allein die Kriege nicht gewinnt.

    Dann läge die Vernunft in Ketten.
    Und stünde stündlich vor Gericht.
    Und Kriege gäb's wie Operetten.
    Wenn wir den Krieg gewonnen hätten -
    zum Glück gewannen wir ihn nicht!

    "
     
    silesia gefällt das.

Diese Seite empfehlen