Generalmajor Rudolf Eiswaldt, Dokumentation zu der Entstehung der Eiswaldtstraße sowie der historischen Kasernenanlage in Berlin-Lankwitz

vonHartdorf1

Neues Mitglied
Rudolf Eiswaldt (* 1839; † 1905) war ein preußischer Offizier, zuletzt im Rang eines Generalmajors, der insbesondere durch seine langjährige Führung im preußischen Nachschubwesen (Train) sowie als militärischer Fachbuchautor hervortrat.

Leben und militärischer Werdegang

Eiswaldt schlug die Offizierslaufbahn in der Preußischen Armee ein und spezialisierte sich früh auf die Logistik- und Nachschubtruppe (Train). Im Jahr 1887 ist er im Berliner Adresskalender als Rittmeister beim Stab des Garde-Train-Bataillons verzeichnet.

Im Jahr 1889 übernahm er, im Rang eines Majors, offiziell das Kommando über dieses prestigeträchtige Bataillon, welches zu dieser Zeit in Berlin-Tempelhof stationiert war. Unter seiner Führung zog die Garde-Train-Abteilung später in neue Kasernenanlagen um. Im Laufe seiner weiteren Dienstzeit stieg Eiswaldt über den Rang des Oberstleutnants (beförderte Signatur nachweisbar 1895) bis zum Generalmajor auf. Seine persönlichen Militär- und Versorgungsakten aus den Jahren 1901 bis 1913 werden heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz verwahrt.

Familiäre Beziehungen und Abgrenzung

Generalmajor Rudolf Eiswaldt gehörte einer Familie von führenden Juristen, Offizieren und Diplomaten an. Er stand in direkter familiärer Beziehung zu zwei weiteren Persönlichkeiten der deutschen Geschichte:

Dr. Rudolf Eiswaldt (1859–1930): Deutscher Diplomat und Generalkonsul sowie Neffe des Generalmajors Rudolf Eiswaldt. Dr. Rudolf Eiswaldt vertrat das Deutsche Reich um die Jahrhundertwende in politischen Schwerpunktregionen wie China (während der Abtretung der Kiautschou-Bucht) und in Sarajevo (während des folgenschweren Attentats im Juli 1914 sowie beim Beginn des Ersten Weltkriegs).

Dr. Erich Eiswaldt (1894–1974): Deutscher Botschafter sowie Großneffe des Generalmajors Rudolf Eiswaldt. Dr. Erich Eiswaldt wirkte zunächst als Generalkonsul in Afghanistan und bewirkte daraufhin, dass dort nach dem Zweiten Weltkrieg eine offizielle deutsche Botschaft in der Hauptstadt Kabul eingerichtet wurde, an der er als erster deutscher Botschafter akkreditiert wurde.

Autorenschaft und Nachwirkung

Eiswaldt verfasste eines der maßgeblichen preußischen Standard-Lehrbücher für das Nachschubwesen im späten 19. Jahrhundert. Sein Werk „Dienstunterricht für den Trainsoldaten“ (auch geführt als „Dienst-Unterricht für den Train-Gemeinen“) erschien im Berliner Militärverlag in zahlreichen, fortlaufend aktualisierten Ausgaben (darunter die 9. Auflage 1887 sowie die 11. Auflage 1889). Das Buch diente als offizielles Unterrichtswerk für Mannschaften und Unteroffiziere der Transportbataillone.

Die Schriften gelten in der modernen Forschung als primäre Quellendokumente mit einem außerordentlich hohen quellenkundlichen Nachweiswert für das preußisch-deutsche Militärwesen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das Werk vermittelte den Soldaten die Verbindung zwischen der praktischen Logistikausbildung und dem theoretischen Dienstunterricht über die Rechte, Pflichten sowie den Aufbau der Armee. Gleichzeitig spiegeln die Lehrbücher die exakten Strukturen und operativen Abläufe wider, mit denen die preußische Armee den Transport von Proviant, Munition und das Sanitätswesen organisiert hat.

Aufgrund der fortlaufenden Aktualisierungen im Berliner Militärverlag dokumentieren die verschiedenen Ausgaben zudem den technologischen und strukturellen Wandel bis zum Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die darin festgehaltenen Prinzipien und Ausbildungsmethoden bildeten das logistische Fundament für die spätere Mobilmachung und den Nachschubapparat des Deutschen Kaiserreichs ab 1914. Das Ausbildungssystem, die logistische Infrastruktur und den inneren Wandel der preußisch-deutschen Armee bis zum Ende des Kaiserreichs werden hierdurch im Detail abgebildet. Im Berliner Ortsteil Lankwitz, wo ab 1913 umfangreiche Kasernenbauten für das Nachschubwesen entstanden, wurde im Jahr 1932 die Eiswaldtstraße nach ihm benannt.

Der Kasernenbau in Berlin-Lankwitz

Die monumentalen Kasernenbauten in Berlin-Lankwitz stehen in direkter struktureller Kontinuität zur Dienstzeit von Rudolf Eiswaldt. Als Eiswaldt 1889 das Kommando über das prestigeträchtige Garde-Train-Bataillon übernahm, war die Truppe noch in Berlin-Tempelhof stationiert. Unter seiner aktiven Führung stiegen die Anforderungen an die Logistik massiv an, sodass die dortigen Kapazitäten für eine ordnungsgemäße Unterbringung und Ausbildung nicht mehr ausreichten. Das gesamte Lankwitzer Großprojekt entstand letztlich erst durch das persönliche Einwirken und die Initiative Eiswaldts: Trotz der bürokratischen und finanziellen Hürden innerhalb des Deutschen Reiches baute er das preußische Nachschubwesen organisatorisch so enorm aus, dass ein Umzug in eine völlig neue, moderne Großanlage zwingend erforderlich wurde. Obwohl die Fertigstellung der Gebäude an der Gallwitzallee/Eiswaldtstraße erst kurz nach seinem Tod erfolgte, geht die strategische Entscheidung und Standortplanung direkt auf diese von ihm vorangetriebene Expansionsphase zurück.

Das für das Nachschubwesen und die Kraftfahrtruppen erschlossene Areal umfasste eine monumentale Fläche von 5,43 Hektar, gelegen im Dreieck Gallwitzallee, Eiswaldtstraße und Malteserstraße. Der Deutsche Reichstag bewilligte im Jahr 1913 die enormen finanziellen Mittel für den zeitgleichen Bau zweier riesiger, autarker Kasernenkomplexe, bestehend aus der Kaserne für das Garde-Train-Bataillon und die Kaserne für die Kraftfahrtruppen. Die monumentalen Bauten wurden bewusst entlang der Straßenzüge gruppiert und umschlossen in ihrer Mitte weitläufige, zentrale Exerzierplätze für die Ausbildung mit schweren Pferdegespannen und Fuhrwerken. Ein architektonisches Wahrzeichen der Anlage ist der bis heute weithin sichtbare Kasernenturm.

Verantwortlich für die Architektur und die Gesamtplanung der beiden Lankwitzer Kasernenkomplexe war der preußische Baurat Duerdoth. Duerdoth brach mit dem damals oft üblichen, rein funktionellen und düsteren Militär-Ziegelstil und entwerf für Lankwitz hochmoderne Bauten mit hellen, lichtdurchfluteten Räumen und einer repräsentativen Fassadengestaltung. Die monumentale Anlage wurde von Duerdoth harmonisch inmitten der damals dort noch reichlich vorhandenen Wiesen und Felder errichtet, um trotz der militärischen Nutzung ein fortschrittliches und gesundes Umfeld für Mannschaften und Offiziere zu schaffen.

Schriften

Dienstunterricht für den Trainsoldaten. Zugleich ein Unterrichtsbuch für Unteroffiziere. (Mehrere Auflagen, u. a. 9. Auflage, Berlin 1887).

Einzelnachweise

  1. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin (GStA SPK); Offiziersakten der preußischen Armee: IV. HA Rep. 7, Nr. 850 (Laufzeit 1901–1913).
  2. Königliche privilegierte Berlinische Zeitung: Adreß-Kalender für die Königliche Haupt- und Residenzstadt Berlin. Berlin 1887, S. 314 (Eintrag beim Gard-Train-Bataillon).
  3. Gazette Verbrauchermagazin GmbH: Ein Kasernenturm in Lankwitz – In dem Ortsteil war einst die Garde-Train-Abteilung stationiert. In: Lichterfelde West Journal, Ausgabe Februar/März 2022.
  4. Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB): Garde-Train-Bataillon: Dienstzeugnis Berlin 1895, handschriftlich signiert vom Kommandeur Oberstleutnant Rudolf Eiswaldt.
  5. Eiswaldt (Rittm.): Dienstunterricht für den Trainsoldaten / Train-Gemeinen. 9. Auflage, Berlin 1887. Rezensiert in: Allgemeine Militär-Zeitung, Band 62, S. 381 (Digitalisat ETH Zürich).
  6. Arbeitskreis Historisches Berlin: Bunker Eiswaldtstraße in Berlin-Lankwitz – Zur Geschichte der Kasernenbauten an der Gallwitzallee.
 
Hier finden sich auf S. 3 & 4 zahlreiche Bilder der Kraftfahrer-Kaserne: Planung der Kasernen

@vonHartdorf1 vielen Dank für die detaillierte Darstellung des oft im Vergleich zur militärischen Ereignisgeschichte eher stiefmütterlich behandelten Bereichs der Logistik!

Duerdoth brach mit dem damals oft üblichen, rein funktionellen und düsteren Militär-Ziegelstil und entwerf für Lankwitz hochmoderne Bauten mit hellen, lichtdurchfluteten Räumen und einer repräsentativen Fassadengestaltung.
Hier kommt mir ein Einwand bzgl der architektonischen Gestaltung in den Sinn: gerade in Garnisonsstädten hatten Militärbauten (als Staatsbauten) oftmals neben ihrem Zweck (Kaserne, Magazin, Zeughaus) auch repräsentativen Charakter und waren entsprechend gestaltet (was zumindest die Fassaden betrifft) - wenn ich mich richtig erinnere, gibt es zu diesem kunsthistorischen Thema von Hartwig Neumann ein materialreiches Buch: "das Zeughaus". Historismus, Neugotik, "Palastcharakter" zeichnete nicht nur Kasernen aus; lediglich aus Kostengründen wurde an Fassadengestaltungen gespart, meist gegen die Absicht der Architekten*). Vorbildfunktion hatten dabei teilweise Kasernenbauten aus Berlin, und zwar aus der Mitte und 2. Hälfte des 19. Jhs.**) Was Ziegelbauten betrifft, so wurden diese gerne, wo aufwändige Gestaltung aus Ersparnis nicht genehmigt war, polychrom gestaltet.***) Das lässt mich daran zweifeln, dass Baurat / Architekt Duerdoth quasi der Vorreiter eines speziellen, nicht mehr rein zweckmäßigen und düsteren Baustils bei militärischen Zweckbauten gewesen sei.

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*) hierzu material- und bildreich:
Jens Rohde "Köln baut Kasernen" in "Festungsstadt Köln, das Bollwerk am Rhein" (hier exemplarisch die Deutzer Kavalleriekaserne und die "Kasernenstadt"
Henriette Meynen "Stilentwicklung, architektonische Gestaltung der Festungswerke" ebd.
**) Jens Rohde aaO
***) ebd
 
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