germanischer Keil /Eberkopf/Hohlkeil

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Ariovist, 8. Mai 2005.

  1. sky-

    sky- Neues Mitglied

    Das mag ich aber bezweifeln, Caesars Legionen hatten mehr als nur Angst vor der ersten Begegnung mit den Germanen (Ariovist) und später griff er auch nur an, wenn er zahlenmäßig überlegen war.

    Dieser Taktik hätte er sicherlich nicht bedurft, wenn die Vorgehensweise und Kampfkraft der Germanen nicht sehr effektiv gewesen wären.

    Später getraute sich Germanikus seine Heere auch nicht in kleine Unterabteilungen zu teilen, da er der Überlegenheit des zusammengehaltenen Feldheeres bedurfte um nicht der Niederlage in die Augen zu sehen.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist für mich völlig unnachvollziehbar. Dann müssten ja alle zwanzig Mann den armen Kerl an der Spitze ganz gezielt stoßen. Das gibt allenfalls ein Übereinandergepurzel und die Römer werden besiegt, weil sie sich vom Lachanfall nicht rechtzeitig erholen.


    Eben weil sie die Germanen nur vom Hörensagen kannten. Hünen, alle ein bis zwei Köpfe größer als die Römer. Und es waren ja zunächst die unerfahrenen Patrizier, die aus Freundschaft mit Caesar nach Gallien gekommen waren, von denen laut Caesar die Furcht ausgegangen sein soll.
     
    1 Person gefällt das.
  3. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Man sollte nicht vergessen, daß die Germanen diese Formation nicht speziell gegen die Römer entwickelt und nur gegen diese eingesetzt haben.
    Sondern das war erst einmal eine Taktik, die über lange Zeit bei den Kämpfen der Germanen untereinander bzw. mit vergleichbaren Völkern verwendet wurde.

    Da geht es also in erster Linie darum, eine gegnerische formierte Linie (Schildwall) zu knacken.

    Ich glaube nicht, daß man das so rechnen kann - bei einer stehenden Formation mögen die Hintermänner die Vorderreihe stabilisieren helfen.
    Im Laufen dagegen nützt einem das Gewicht der Leute hintendran nicht viel.

    Der Knackpunkt der Keilformation ist m. E. ein anderer:
    In der gegnerischen Linie sind die Kämpfer normal verteilt. Wenn der Keil irgendwo einschlägt, dann trifft er im Zweifelsfall auf irgendeinen durchschnittlichen Kämpfer.
    Umgekehrt steht an der Spitze des Keils einer der besten/größten/stärksten Kämpfer des jeweiligen Heeres, auch mit bestmöglicher Ausrüstung. Und gleich hinter ihm kommen nochmal ein paar Kleiderschränke der Eliteklasse.

    Das ergibt dann am Ort des Zusammenpralls einen spürbaren Unterschied in der Kampfkraft, das kann reichen, die Linie aufzureißen.
    Daß hinten im Keil noch alle möglichen Durchschnittskämpfer mitlaufen, bzw. anderswo in der angegriffenen Linie auch tolle Elite-Gorillas stehen ist erst einmal nebensächlich: Die kämpfen erst deutlich später, wenn die Linienformation ihren Zusammenhalt verloren hat.

    Dazu kommt dann wohl noch ein psychologischer Faktor: Der vorderste Angreifer ist voll motiviert, auch mental auf das Risiko vorbereitet (wobei ich gar nicht glaube, daß seine Überlebenschancen so schlecht sind).

    Aber der angegriffene "durchschnittliche Krieger" ist mit "normaler Nervosität" in die Schlacht gegangen. Er weiß um das allgemeine Risiko, hat aber die Hoffnung, alles heil zu überstehen.
    Und plötzlich merkt er, daß der Keil genau auf ihn zukommt. Selbst wenn er den ersten Angreifer abwehrt (schon mal nicht so wahrscheinlich), wird er von einem der Folgenden erledigt. Egal ob der Keil insgesamt erfolgreich ist und egal wie die Schlacht sonst ausgeht - er selber ist eigentlich schon ein toter Mann.

    So ein Schock kann einen Krieger sehr zusetzen, seine Reaktionszeiten verlangsamen, seine Moral in den Keller gehen lassen. Wenn gleich darauf der Keil bei ihm einschlägt, ist die Linie an dieser Stelle schon halb besiegt.
     
    1 Person gefällt das.
  4. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Der "Eberkopf" wird auch bei Saxo Grammaticus erwähnt. Es sei eine von Odin gelehrte und eingeführte Schlachtordnung gewesen. Nirgends in den einschlägigen Quellen des Nordens wird aber ihre tatsächliche Anwendung beschrieben.

    Saxo beschreibt den Eberkopf in einer Unterrichtsstunde Odins ziemlich ausführlich. Der erste Kommentator der Gesta Danorum des Saxo, Stephan Stephanius, hat in seinem Kommentar die von Odin beschriebene Schlachtaufstellung grafisch dargestellt. Ich habe sie in Wikingerzeit ? Wikipedia im Abschnitt "Der Kampf zu Lande" wiedergegeben. Ob es sich um die gleiche Bedeutung von "Eberkopf" handelt, von der hier die Rede ist, weiß ich allerdings nicht.
     

Diese Seite empfehlen