Geschichte der Industriekultur

Mit der zunehmenden Technisierung des Bauens spitzte sich der Gegensatz zwischen Ingenieuren und Architekten zu. Baumeister und Bauherren setzten der als „radikale Abstraktion“ abgelehnten Funktionalität mit dem „Historismus“ Stilformen vergangener Epochen entgegen. Sie nutzten die funktionalen und kostengünstigen Materialien Eisen und Beton, verkleideten die Außenseite ihrer Bauten jedoch mit Werksteinen oder Ziegeln. Auch die Verwaltungsgebäude zahlloser Fabriken dieser Zeit haben Rundbogenfenster, Ecktürmchen und mit mehrfarbigen Ziegeln reich ornamentierte Fassaden.
Deutlich wird der Zwiespalt auch in Entwürfen des angesehenen französischen Architekten Eugène-Emmanuel Viollet-Le-Duc, der Konstruktionsprinzipien der Gotik mit modernen Materialien wiederbelebte. Auch Vertreter der britischen „Arts-and-Crafts“-Bewegung setzten sich für handwerkliche Qualität ein, kamen aber an industriellen Massenprodukten nicht vorbei. Und die geschwungenen, organischen Formen des in ganz Europa verbreiteten „Art Nouveau“ – in Deutschland „Jugendstil“ - wurden gern in Eisen und Glas realisiert – selbst im Industriebau, wie das Portal zur Maschinenhalle der Zechen Zollern in Dortmund bezeugt.
 
Kann man da jetzt wieder runterfahren?
Ich war als Student (Maschinenbau), vor ca 40 Jahren bei einer Exkursion dort und da ging es richtig ab in die Tiefe.
Vor etwa 10 Jahren war ich dort, und nur Klingeling, Glückauf, und..
kein runterbrettern in die Tiefe.

War das mal nicht möglich? Wie in meinem Artikel explizit beschrieben und bebildert ist das Anschauungsbergerk offen. Sonst hätte ich dort keine Aufnahmen machen können.

Als Kind des Ruhrgebiets darf ich euch verraten, dass der Fahrstuhl nicht wirklich unter Tage führt.
Wir waren mit dem Erdkunde-Grundkurs +/- 1996 mal in Bottrop in einer Zeche. Vorher würden wir gefragt, ob wir Platzangst hätten, ein Mitschüler hatte, der bekam Dispens. Wir sind dann runter gefahren, durch einen Schacht gekrochen (ca. einen halben Meter hoch, 200 m lang) und hatten das schwere Gerät neben uns. Das war schon ein Erlebnis. Am Ende des Tages hatten wir alle "Kajal" um die Augen....
 
[...] und dabei ggf. eine Diskussion anregen

Ich bedaure, das Thema erst jetzt »entdeckt« zu haben, und danke tegula (und den anderen Beiträgern) für die Texte und die Fotos. Als ich noch in der Nähe wohnte, habe ich einiges in Betrieb gesehen, was heute unter den Begriff »Industriekultur« fällt. [1]

Was gibt es zu diskutieren? Sicherlich auch die Frage, inwieweit die Wertschätzung der Industriekultur in den kommenden Jahrzehnten erhalten bleibt. Zitat:
»Bedingt durch den wirtschaftlichen Strukturwandel, der allgemein unter dem Begriff der Deindustrialisierung in der Öffentlichkeit beschrieben und diskutiert wird, gibt es derzeit und wird es zukünftig einen erheblichen Verlust an Zeugnissen der Industriekultur geben.« [2]​

Das Kapitel Bergbau ist je bereits seit einigen Jahren abgeschlossen, und gegenwärtig könnte man den Eindruck gewinnen, dass auch große Teile der eisenverarbeitenden Industrie »abgewickelt« werden. [3] Was folgt daraus für die Industriekultur?


[1] Da ich seit geraumer Zeit im Saarland wohne, welches – in kleinerem Maßstab – interessante Parallelen zum Ruhrgebiet aufweist – erlaube ich mir, das Industriekultur-Ensemble »Völklinger Hütte« zu erwähnen, das seit 1994 zum UNESCO-Welt(kultur)erbe gehört (Völklinger Hütte), ebenso wie die Zeche Zollverein.
[2] Preambel - Rheinische Industriekultur
[3] Die »große Zeit des Feuers« (so das 3-bändige Werk von Schwerin von Krosigk, das ich vor 50 Jahren erstmals las), ist wohl unwiderruflich vorbei.
 
Die industriell-politisch-militärische "Allianz der Moderne"
...ich bin ja aus skurrilen Hobbygründen eine Art "Fan" des Stahlbetons und mische mich mit meinem Spleen Festungsbau gerne gleichermaßen wie unqualifiziert ungefragt in allerlei Themen ein und habe folglich nicht grundlos den Spitznamen "Festungsfreak" :):):) und das ist auch hier mal wieder der Fall... bevor ich deswegen Schelte kriege:hin und wieder gelingt mir doch der eine oder andere Blick über den stupiden fortifikatorischen Horizont: mit der Industrialisierung hat dieses kunsthistorische Nischenthema zu tun Belle Epoque: Jugendstil in Stahlbeton und hier findet sich ein ganz exquisites monumentales Exempel en detail B ... wie Bäderarchitektur, Betonbunker: Borkum

Im Zusammenhang mit Industrialisierung-Stahlbeton-Militärgeschichte bin ich über einen exzellenten Aufsatz gestolpert, den ich wärmstens empfehle, denn er verdeutlicht einiges an historischen Dimensionen:
und darin
Volker Mende Im Wesentlichen nach Clausewitz ? Das preußisch-deutsche Festungswesen zwischen Waterloo und Versailles . ....... 115
Und stop! Nicht aufschreien oder kopfschütteln, sondern lesen, und zwar ganz besonders:
ab S. 124 Julius Diener (1841.1921)
Man darf nunmehr davon ausgehen, dass das bisher bekannte Duo Krupp – Kaiser eigentlich ein Trio war: Krupp – Diener – Wilhelm II. Diener verstarb 1921 in Kassel.
Krupp-Industrialisierung-Artillerie-Kaiser-Stahlbeton (!) und das zog weitere Industrialisierungskreise:
ganz besonders ab S.135 Dr. Ing. h. c. Julius von Bailer (1853-1918)
Eisenbewehrter Zementbeton etablierte sich als Baustoff im Festungsbau. Er war in der Lage, die ungeheuren Gewichte der mit Stahlpanzern gedeckten Geschütztürme zu tragen. Zudem standen nunmehr neue Methoden der Betonherstellung, -verarbeitung und -nachbehandlung zur Verfügung. Die zivil-militärische Zusammenarbeit mündete schließlich in der vom Ingenieurkommitee um 1913 erstellten ‚Betonierungs-Anleitung‘. Diese Anleitung ist insofern beachtenswert, als dass sie deutlich macht, dass alle Panzertürme Deutschlands vom Krupp’schen Grusonwerk Magdeburg geliefert werden. Es wird zudem angewiesen, dass im Falle eine Festungsverwaltung die Betonprüfung nicht durchführen könne, die staatlichen Materialprüfungs-Ämter, unter anderem an der Technischen Hochschule Stuttgart, hinzuzuziehen seien.

Spätestens mit der zweiten Bauphase ab 1896 formierte sich im Festungsbauwesen des Deutschen Reiches ein gut vernetzter monarchisch-militärisch-industrieller-Block. Initialisiert durch direkten Eingriff Wilhelms II., an dessen Seite Julius Diener stand, hatte sich diese Melange zu einer parlamentarisch unkontrollierten Machtgruppierung im Staate vereint. Eingeweihten fiel dies durchaus auf, so etwa berichtet der sächsische Militärgesandten aus Berlin, das Militärkabinett ordne Festungsbausachen in „Allerhöchstem“ Auftrage an.87 Dass diese Struktur allerdings den Aufmarschplanungen des großen Generalstabes diametral entgegenstand, hat der Kaiser nicht wahrgenommen.

1907 als Oberst zur Disposition gestellt, ging von Bailer in die zivile Betonwirtschaft, als Generalbevollmächtigter der Eisenbetonbau-Firma W&F in Neustadt-Hardt. Kommerzienrat Freytag hatte 1884 Monierpatente erworben und holte den Berliner Zivilingenieur Wayß zur Umsetzung hinzu.69 Die Firma war einer der Giganten im europäischen Eisenbetonbau und agierte weltweit. Von Bailer war von 1909 an für W&F in St. Petersburg zur Einrichtung der Kanalisation und Trinkwasserversorgung tätig. Es ist nicht nachvollziehbar aus welchem Anlass ihm 1913 der Charakter eines Generalmajors verliehen worden war, möglicherweise wegen des deutschlandweit begangenen ‚Jubiläumsjahres‘ anlässlich des 25-jährigen Regierungsjubiläums Wilhelms II.70 Nicht auszuschließen ist, dass die, nach von Bailers Angaben auf seine Initiative hin,71 in Kummersdorf 1908 bis 1910 errichteten Eisenbeton-Versuchsbauten allerhöchstes Wohlgefallen auslösten. W&F entwarfen zudem für die deutschen Festungen erstmals präfabrizierte Betonelemente.

...klingt recht aktuell, oder? Nach dem ausscheiden in "die Wirtschaft"... und nebenbei wurde Bailer, der ohnehin Militärkarriere gemacht hatte, zum Dr.ing. für seine "Denkschrift über die Ergebnisse der Beschießung der Festung Lüttich, Namur, Antwerpen und Maubeuge, sowie des Forts Manoviller im Jahre 1914, Brüssel 1915."
Außergewöhnlich bedeutsam wird die Geschichte jedoch erst, wenn man betrachtet, wer in Brüssel von Bailers Assistent war und ihn bei der Besichtigung der zerschossenen belgischen Festungen und bei Abfassung der Denkschrift maßgeblich zur Seite stand, es war ein gewisser Leutnant Graf.77 Otto Graf ist im Zivilleben Ingenieur und Assistent des berühmten Materialforschers Carl von Bach an der Materialprüfanstalt der Technischen Hochschule Stuttgart. Seit 1911 bringen von Bach und Graf mehrere, im Auftrag des Deutschen Ausschusses für Eisenbeton erarbeitete Berichte zur Prüfung von eisenbewehrten Bauteilen heraus.78 Es war jenes Institut, welches Graf von 1927 bis 1950 leiten würde und das seit 1953 den ehrenden Beinamen ‚Otto-Graf-Institut‘ führt.
Seine Karriere zeigt, dass die komplizierter werdenden Bauaufgaben der in Beton ausgeführten Befestigungen ab 1902 letztlich zu einer nicht mehr voneinander zu trennenden und für die großen Baufirmen des Reiches einträchtigen ‚Allianz der Moderne‘ führten.
 
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Ist jetzt nicht mein Kernthema.

Wer sich für die Industriekulur in der Schweiz interessiert, da gibt es einige gute Projekte.
Hier gibt es eine interaktive Karte, da kann man nach Wirtschaftszweigen, Museum, Archiv etc. suchen.


Dann weitere informative Seiten:


Und für den Fall das jemand von euch zufälligerweise am 4.11 im Kanton Aargau ist:

 
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