Geschichte Koreas

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von hanguk-german, 23. Mai 2008.

  1. hyokkose

    hyokkose Gast


    Mit der Verwandtschaft der koreanischen Sprache ist das so eine Sache. Mit der chinesischen Sprache ist das Koreanische in keiner Weise verwandt, obwohl es natürlich viele chinesische Lehnwörter im Koreanischen gibt. (Die klassische chinesische Schriftsprache war - ähnlich wie das Latein in Europa - 1500 Jahre lang die Schriftsprache der Gebildeten in Korea und anderen ostasiatischen Ländern.)

    Bezüglich der Verwandtschaft des Koreanischen sind diverse Theorien aufgestellt worden, darunter einige, die nicht weiter diskussionswürdig sind (z. B. Verwandtschaft mit den dravidischen Sprachen Indiens oder gar mit der indoeuropäischen Sprachfamilie).

    Eine weniger abwegige Theorie hat Mitte des 20. Jahrhunderts Gustav Ramstedt auf die Beine gestellt. Er meinte, vier Sprachgruppen zur sogenannten "altaischen Familie" zusammenfassen zu können:
    - Türkisch
    - Mongolisch
    - Tungusisch
    - Koreanisch

    Ein weiterer Unterstützer der altaischen Theorie, Nikolaus Poppe, hat allerdings wenig später die Zugehörigkeit des Koreanischen kritischer beurteilt.

    Von einigen Sprachwissenschaftlern (besonders profiliert Gerhard Doerfer) wurde die altaische Theorie komplett abgelehnt, d. h. nach ihrer Auffassung besteht überhaupt keine Verwandtschaft zwischen Türkisch, Mongolisch, Tungusisch und Koreanisch. Die unbestreitbaren Gemeinsamkeiten im Wortschatz werden als Lehnwörter angesehen, eine Folge langer und häufiger Sprachkontakte.

    Andere Sprachwissenschaftler haben die Ähnlichkeiten zwischen Japanisch und Koreanisch unter die Lupe genommen. Hier gibt es einige auffällige strukturelle Gemeinsamkeiten in der Grammatik, allerdings nur sehr wenige Gemeinsamkeiten im Wortschatz - und die gehen häufig auf Entlehnungen zurück. Bekanntlich stand die japanische Kultur zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert unter beträchtlichem koreanischen Einfluß.

    Es gibt auch Versuche, das Japanische den altaischen Sprachen zuzurechnen. Nach Roy Andrew Miller hätten wir also mit fünf altaischen Sprachgruppen zu rechnen:
    - Türkisch
    - Mongolisch
    - Tungusisch
    - Koreanisch
    - Japanisch

    Auf weitere Versuche, die altaischen Sprachen zu gruppieren (z. B. Tungusisch + Koreanisch + Japanisch als Sprachfamilie, Türkisch und Mongolisch bleiben draußen) möchte ich hier nicht näher eingehen, sondern nur folgendes zusammenfassen:

    Das Koreanische ist eine sehr eigenständige Sprache, die Gemeinsamkeiten mit anderen Sprachen sind so vage, daß es schwierig ist zu entscheiden, ob eine Verwandtschaft vorliegt oder ob die Gemeinsamkeiten auf langen - mehrtausendjährigen - Kontakt zurückgehen.

    * * *

    Zu den Sprachen, die im Altertum auf der koreanischen Halbinsel gesprochen wurden, läßt sich folgendes sagen:
    Es gab zwei Sprachgruppen, die sich ziemlich deutlich unterschieden. Die nördliche Gruppe wird als "Puyó-Sprachen" bezeichnet. Zu ihr gehörten wohl die Sprachen der Puyó (in der heutigen Mandschurei), der Koguryó, der Okchó, der Ye-(Maek) und vermutlich (zumindest eine Zeitlang) der herrschenden Schicht in Paekche. Alle diese Sprachen sind restlos ausgestorben. Vom Wortschatz der Koguryó-Sprache ist so viel erhalten, daß man sagen kann, daß diese Sprache große Gemeinsamkeiten mit dem Japanischen aufwies.
    Oft findet man die Behauptung, die Puyó und ihre Verwandten seien "Tungusen" gewesen. Diese Behauptung ist falsch. (Ebenso falsch ist auch die häufig anzutreffende Behauptung, das heutige Koreanische stelle einen Zweig der tungusischen Sprachen dar.)

    Die südliche Gruppe wird als "Han-Sprachen" bezeichnet. Zu ihr sind die Sprache Sillas und die Sprache des Paekche-Volks zu rechnen, möglicherweise auch die Sprache Kayas (doch wird für die Kaya-Sprache, von der nur sehr wenige Wörter überliefert sind, auch eine Zugehörigkeit zur Puyó-Gruppe diskutiert.)

    Nachdem Silla zwischen 660 und 676 den größten Teil der koreanischen Halbinsel in sein Reich eingegliedert hatte, setzte sich die Silla-Sprache landesweit durch. Das heutige Koreanisch hat sich also aus der Silla-Sprache entwickelt.
     
  2. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    "Nicht sehr dick" ist noch geprahlt.
     
  3. 1ban4ram

    1ban4ram Neues Mitglied

    ist Koreanisch mit irgendwas verwandt?

    Hallo, ich bring' mich hier einfach mal ein....

    Mit der koreanischen Sprache ist das wirklich so eine Sache. Die ersten, denen gewisse Gemeinsamkeiten mit dem Japanischen auffielen, waren einige japanische Wissenschaftler am Anfang des vergangenen Jahrhunderts.

    Das eigentliche Problem, das man hat, wenn man die genetische Verwandtschaft der koreanischen Sprache mit den umliegenden Sprachen untersuchen will ist, dass es für frühe Sprachstufen nur sehr, sehr wenige Quellen gibt. Meist sind es alte Ortsnamen oder versteckte Überbleibsel älterer Sprachstufen in modernen Wörtern.
    Die Koreaner hatten bis Anfang des 15. Jh. keine eigene Schrift, haben daher alles, was sie so geschrieben haben, mit chinesischen Zeichen geschrieben. Die Aussprache des Chinesischen hat sich in den letzten 2000 Jahren allerdings stark verändert, und so bieten die alten koreanischen Quellen viele Möglichkeiten zum "Rumraten".
    Hinzukommt, dass sich die koreanische Sprache selbst in den letzten 1500 Jahren stark verändert hat - sollte keinen wundern, wenn man bedenkt, was in unserer Gegend im 5. Jh. gesprochen wurde, da hat sich bis heute auch einiges getan-. Umso überraschender ist es daher, dass man überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen Japanisch und Koreanisch findet.
    :winke:
     
  4. 1ban4ram

    1ban4ram Neues Mitglied

    ....

    Es Lassen sich übrigens noch bis ins 15. Jh. Puyô-Wörter im koreanischen Finden, erst dann kamen sie ausser Gebrauch. "Puyô" war eigentlich nur der Name des Königshauses des Stammes, der diese Sprache sprach. Die Herrscher des Kogurô-Königshauses und auch von Paekche stammen aus eben der selben Familie, haben also mit Sicherheit das Selbe gesprochen - und das zeigt viele Gemeinsamkeiten mit den anderen altaischen Sprachen und dem Japanischen. Die Han-Leute, - die mit der Silla Sprache- so weit ist die Forschung inzwischen, hat mehr mit Koguryô-isch gemein als mit Japanisch, so dass z.B. Yi, Ki-mun
    und andere koreanische Wissenschaftler überzeugt sind, dass Koguryô-isch ein Bindeglied zwischen Koreanisch und Japanisch ist.
    Ein Problem, das ich persönlich in diesem Forschungsgebiet sehe ist, dass viele Wissenschaftler eigentlich nicht tief genug in der Thematik stecken und so auf Sekundärquellen angewiesen sind, die sie nur schwer bewerten können.
    Es gibt da sogar Jungs, die Koryô und Koguryô verwechseln und so zu erstaunlichen Forschungsergebnissen kommen.

    :winke:
     
  5. hyokkose

    hyokkose Gast

    Die Aussprache des Chinesischen ist für die letzten 2.000 Jahre ziemlich gut erforscht, da gibt es keinen Anlaß zum "Rumraten".

    Unklarheiten gibt es vielmehr bezüglich der Aussprache des Koreanischen.



    Angesichts des bedeutenden Kulturtransfers von Korea nach Japan sind Gemeinsamkeiten im Wortschatz eigentlich nicht überraschend. Natürlich ändert sich in 1.500 Jahren jede Sprache beträchtlich, andererseits bleibt im allgemeinen der größte Teil des Wortschatzes auch über einen so langen Zeitraum erhalten. Den romanischen Sprachen sieht man auch heute noch auf den ersten Blick ihre Herkunft vom Lateinischen an.
     
  6. hyokkose

    hyokkose Gast

    Es lassen sich auch heute noch Puyó-Wörter im Koreanischen finden, z. B. "sóri" (Reif), "manúl" (Knoblauch), "so" (Rind) etc.

    "Puyó" war zunächst ein Stammesname, vgl. Buyeo (Staat) ? Wikipedia

    Die Paekche-Könige benutzten diesen Namen als Familiennamen, doch war man sich auch in Paekche der ursprünglichen Bedeutung als Stammesname noch bewußt, wie ein Schreiben des Paekche-Königs an den Wei-Hof aus dem Jahr 472 zeigt:
    "Wie Koguryó sind wir ursprünglich aus den Puyó hervorgegangen."
     
  7. hyokkose

    hyokkose Gast

    Bei allem Respekt vor Yi Kimun, aber Sprachverwandtschaft funktioniert nicht über "Bindeglieder". Wenn eine Sprache A einen gemeinsamen Wortschatz hat mit einer Sprache B und diese Sprache B wiederum mit einer Sprache C, jedoch (bis auf einige wenige Entlehnungen) so gut wie kein gemeinsamer Wortschatz zwischen A und C existiert, dann besteht keine Verwandtschaft zwischen A und C.

    Um das mit einer anderen ostasiatischen Sprache zu zeigen: Das Vietnamesische hat einerseits einen gemeinsamen Wortschatz mit dem Chinesischen, andererseits mit dem Khmer. Die Schlußfolgerung, daß alle drei Sprachen verwandt seien und dem Vietnamesichen die Funktion eines "Bindeglieds" zukäme, wäre völlig verfehlt. Tatsächlich besteht keinerlei Verwandtschaft zwischen Chinesisch und Khmer, folglich kann das Vietnamesische nur entweder mit Chinesisch (so eine frühere, jetzt widerlegte Hypothese) oder Khmer (so der heutige, beweisbare Stand) verwandt sein.

    Und für die Sprache Koguryós gilt: Solange keine Verwandtschaft zwischen dem Koreanischen und dem Japanischen beweisbar ist, kann man sie entweder als mit dem Koreanischen oder als mit dem Japanischen verwandt ansehen...

    Was für "Wissenschaftler" sind das denn? Ein paar Namen und Belege würden mich da schon interessieren.
    Ich kenne nicht so viele Wissenschaftler, die darüber forschen, ohne sich mit der (eigentlich ziemlich überschaubaren) Quellenlage befaßt zu haben, Dein Problem kann ich daher im Moment nicht so recht nachvollziehen.
     
  8. 1ban4ram

    1ban4ram Neues Mitglied

    Christopher Beckwith...

    ...Der hat geglaubt, das Koryô pangon im Kyerimyusa sei ein Koguryô pangon ...:)

    Das Problem bei Koguryô ist wohl auch , dass wir kaum Textquellen haben, aber mit der A-B-C Geschichte gebe ich Dir natürlich prinzipiell Recht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juni 2008
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ich habe das Buch gelesen, aber das ist mir nicht aufgefallen. Nach meiner Erinnerung benutzt er das Koryó-pangón als das, was es ist, nämlich als Quelle zum Mittelkoreanischen - das, wie Du richtig schriebst, einige heute ausgestorbene Wörter der alten Koguryó-Sprache bewahrt hat.

    Kannst Du die Stelle zitieren, aus der hervorgeht, daß Beckwith Koryó und Koguryó verwechselt? Leider hatte ich damals das Buch nur ausgeliehen.
     
  10. Cunctator

    Cunctator Mitglied

    Taekwondo ist zur Geschichtsaufarbeitung denkbar ungeeignet. =)

    Das liegt daran, dass im Kampfsport und in anderen Bereichen, in denen man sich mit asiatischen Themen beschäftigt, ein mythisch-esoterisches und gleichzeitig (verdeckt) autoritäres Klima herrscht.

    Man versucht durch gespielte meditative Innerlichkeit und kulturellem Relativismus einer rationellen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen (Motto: "Das ist eine ganz andere Kultur, da gelten unsere Begriffe nicht").

    Dazu gehört einmal die Verherrlichung des Shaolin-Klosters, dann die Verherrlichung von Karate und schliesslich von Taekwondo.

    Kung-Fu/Wushu kann auch mit geistiger Kraft (Chi, Ki oder was auch immer) die Gesetze der Physik nicht ausser Kraft setzen. Viele Kämpfer glaubten tatsächlich, feindlichen Kugeln standhalten zu können. Sie waren also nicht innerlich weise, sondern dumm.

    In vielen Karate-Stilen werden unkritisch Grossmeister verehrt, die Anhänger des Überfalls auf ostasiatische Nachbarn im Zweiten Weltkrieg waren. Kyokushinkai-Karate gehört u. a. dazu.

    Das koreanische Taekwondo ist kein Nachfahre irgendwelcher jahrtausendealten Vorläufer, sondern einfach koreanisches Karate. Die ursprünglichen Stile wurden fast alle durch die japanischen Besatzer, aber auch durch Modernisierung ausgerottet. TKD beruht auf Karate, hat sich aber später eine eigenständige Tradition zurechtgedichtet. Geboomt hat TKD besonders unter der südkoreanischen Militärdiktatur. Die Kämpfe der verschiedenen Verbände waren übrigens äusserst autoritär. Die WTF hat sich dann weitgehend durchgesetzt.

    Also bitte keinen asiatischen Erkenntnisrelativismus betreiben - Traditionsbehauptungen müssen sich auf Quellen stützen, sonst gehören sie ins Reich der Legenden!
     
  11. Cunctator

    Cunctator Mitglied

    Die Koreanische Geschichte ist im Internet recht gut dargestellt. Besonders spannend ist die Episode mit der versuchten japanischen Intervention unter Hideyoshi Toyotomi im 16. Jhd.

    Ethnisch sind die Koreaner möglicherweise mit den Japanern verwandt. Sprachlich gibt es jedenfalls Parallelen.
     
  12. hyokkose

    hyokkose Gast

    Zur frühen Geschichte habe ich allerdings bislang nur wenig Brauchbares gefunden. Hast Du da mal einen Link?

    Da es in vor- und frühgeschichtlicher Zeit beträchtliche Einwanderungen von Korea nach Japan gegeben hat (die letzte größere Welle kam mit dem Untergang Paekches 663 n. Chr.), sollten gewisse Parallelen nicht verwundern.

    Allerdings sollte man sprachliche Gemeinsamkeiten nicht mit Sprachverwandtschaft verwechseln. Erstere sind unumstritten, letztere ist nicht nachweisbar.
     
  13. GAMBIT

    GAMBIT Neues Mitglied

    Gibt es eigentlich irgendwo eine ordentliche Abhandlung der koreanischen Sprache auf Deutsch – oder zumindest auf Englisch. Immerhin wird ja Koreanistik auch hier unterrichtet.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Siehe Literaturverzeichnis im Wikipedia-Artikel Koreanische Sprache, ein deutscher, drei englische Titel Darstellungen, plus einer ganzen Reihe an Lehrbüchern.
     
  15. GAMBIT

    GAMBIT Neues Mitglied

    Ahhh danke hab das hier gefunden

    Wird bestellt
     

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