Giftgas im ersten Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von florian17160, 8. Februar 2005.

  1. florian17160

    florian17160 unvergessen

    In der Haager Landkriegsordnung, Artikel 23, Absatz a, wird die Verwendung von Gift oder vergiftete Waffen untersagt.
    Ja, zum Donnerwetter, warum unterschreiben Staaten so etwas, um es dann doch nicht einzuhalten.Ich habe gerade eine Dokumentation mit dem Titel- Gashölle Ypern- gesehen.
    Hat der Fritz Haber, der als erster Wissenschaftler überhaupt die Uniform anzog und sein Wissen voll und ganz dem " Vaterland" zur Verfügung stellte, seinen Nobelpreis für die Entwicklung von Giftgas bekommen?
    Die industriell vorbereitete Entwicklung und Produktion chemischer Kampfstoffe war ein eklatanter Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung und hatte den Einsatz von Giftgas durch alle kriegführenden Staaten zur Folge. Als am 22. April aus 5.730 Stahlflaschen 180 Tonnen flüssiges Chlor abgeblasen wurden, starben auf alliierter Seite rund 3.000 Soldaten, weitere 7.000 Gasgeschädigte waren zu beklagen. Vom Gasblasen ging Frankreich zum Gasschießen mit phosgengefüllten Granaten über. Deutschland weitete dann den Gaskrieg durch neue Kampfstoffe aus. Neben das lungenschädigende Grünkreuz trat hautschädigendes, Leder und Textil durchdringendes Gelbkreuz. Blaukreuz, ein die Atemfilter durchdringender Schwebestoff, zwang wegen seiner Reizwirkung zum Abnehmen der Gasmasken. Das Verschießen dieser "Maskenbrecher" - in Kombination mit Grünkreuz - wurde als "Buntschießen" bezeichnet: Atemnot und Hustenreiz steigerten sich zum Erstickungsanfall. Der Tod trat bei nahezu vollem Bewußtsein ein.
    Wenn es nicht so Makaber klingen würde, könnte man wieder aus der Feuerzangenbowle zitieren. ( Man, wat habt ihr für ne fiese Charakter )
    Zusammengestellt aus
    http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/gas/
    http://www.rk19-bielefeld-mitte.de/info/Recht/Haager_Landkriegsordnung/22-28.htm
    http://www.daserste.de/derersteweltkrieg/folge_2.asp
     
  2. Karl der Große

    Karl der Große Gesperrt

    Hat Fritz Haber wirklich für die Entwicklung des Giftgases, dass ja dann im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde, einen Nobelpreis erhalten??
    Hat er auch bewusst für das Einsetzten des Gases im Weltkrieg gearbeitet?
    Na ich weiß nicht, aber ich find es nicht in Ordnung wenn man für etwas einen Nobelpreis bekommt, das vielen Menschen das Leben kostete.
     
  3. florian17160

    florian17160 unvergessen

    ich weiss nicht, für was er den Nobelpreis bekam. Aber er hat bewusst an Giftgas zur Vernichtung des Feindes gearbeitet.
     
  4. Karl der Große

    Karl der Große Gesperrt

    Achso. Na dann schau ich mal nach für was er den Nobelpreis erhalten hat und korrigier mich bis dahin.
     
  5. M.A. Hau-Schild

    M.A. Hau-Schild Premiummitglied


    Dann kann man manchmal garnicht so leicht sagen Isabella ob es nun eine erfindung war den der Nobelpreis wert ist.
    Denke mal an Nobel was er erfunden hat und wieviele leute seine erfindung schon das Leben gekostet hat.
    Aber ohne diese erfindung wären viele große Projekte nich umsetztbar gewesen die auch vielen Menschen geholfen haben

    Ich weiß zwar nicht ob Fritz Haber für den Giftgas einsatz war, aber viele Chemischen Waffen werden heute noch großindustriel hergestellt und für Herbizide und Insektiziede benutzt (eben dann nicht hoch Konzentriert).
     
  6. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich habe es rausgefunden. Den Preis hat er für die Ammoniaksynthese bekommen.

    Seine Frau hat Selbstmord begangen und er wurde als Kriegsverbrecher abgestempelt
     
  7. Karl der Große

    Karl der Große Gesperrt

    "... für seine Methode der Synthese von Ammoniak aus den Elementen Stickstoff und Wasserstoff ..." dafür hat er den Nobelpreis bekommen.
     
  8. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Es ist Unsinn zu sagen, dass Haber einen Nobelpreis fuer die Herrstellung von Giftgas bekam. Das mit seinen Methoden auch Giftgas hergestellt wurde ist was ganz anderes, mit jeder technisch nutzbaren Entwicklung, fuer die es einen Nobelpreis bekam, kann man Menschen massenhaft toeten und seine es nur dei Mikrochips, dei heute in modernen Raketen sich befinden.

    Das er evtl. keine ablehnde Haltung zur Verwendung von Giftgas einnahm, ist was anderes, aht aber auch nichts mit dem Nobelpreis zu tun, dass sind zwei Paar Schuhe.
     
  9. M.A. Hau-Schild

    M.A. Hau-Schild Premiummitglied

    Isabella das vefahren für die Ammoniakherstelllung das du beschreibst ist das Haber Bosch verfahren.
    Zudem das Haber Bosch solltest du nicht als leichte sache abtun.
    Das ganze ist wesentlich komplexer als es zunächst scheint.
    Und es die herstellung von Ammoniak ist wirtschaftlich extrem wichitg
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2005
  10. Karl der Große

    Karl der Große Gesperrt

    Für die Unterstützung von Projekten, die der Menschheit helfen usw. ist gar nichts einzuwenden dafür dann einen Preis zu bekommen.
    Jedoch eine Auszeichnung dafür zu bekommen, dass man geholfen hat Menschen zu töten, find ich nicht akzeptabel.
     
  11. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich habe das ja nicht behauptet, sondern als Frage formuliert.
    Auf dem Schlachtfeld war er jedenfals dabei, als der Wind günstig stand.
     
  12. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Hier weitere nobelpreisgekrönte Naturwissenschaftler, die ebenso an militärischen Entwiklungen im Dunstkreis Habers mitwirkten:

    Otto Hahn, Mitglied der von Fritz Haber geleiteten Spezialeinheit für chemische Kriegsführung, 1944 Nobelpreis für Chemie

    Gustav Hertz, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Fritz Haber, 1925 Nobelpreis für Physik

    James Franck, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Fritz Haber, 1925 Nobelpreis für Physik

    Hier moralische Wertungen abzugeben, halte ich für sehr schwierig. Einem Ausspruch Habers zufolge sollten die Wissenschaften "Im Frieden der Menschheit, im Krieg dem Vaterland" zur Verfügung stehen. Er war sogar der Meinung, dass Gas eine "humane Waffe" sei und beim Todeskampf weniger Schmerzen verursachen solle als ein normales Geschoss. Sich bei sensiblen Themen wie dem Sterben zu solchen Vergleichen hinreißen zu lassen, zeugt sicherlich in einem gewissen Maße von Kaltblütigkeit. Darüber, ob er seinen schlechten Ruf in dem Maße wirklich verdient hat, kann ich kein Urteil fällen. Fakt ist, dass er ein erfolgreicher Chemiker war und dafür den Nobelpreis erhielt.
     
  13. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Es waere auch ein Witz die Vergabe des Nobelpreises fuer das grundlegende Verfahren moderner Chemie in Frage zu stellen.
     
  14. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Haber war Jude. 1933 ging er nach England, da am Kaiser-Wilhelm-Institut, dessen Leiter er war, aufgrund des Arierparagraphen Juden entlassen wurden. Eine Ironie der Geschichte ist, dss er in den 1920er Jahren an Giften zur Schädlingsbekämpfung forschte - eines davon war Zyklon B.
     
  15. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Zwei Dinge werden hier diskutiert. Einerseits das "Erfinder - Verwendung" Thema, andererseits der Einsatz von Giftgas.

    Nobel hat sein Geld und seine Ruhm mit etwas gemacht, das nachträglich dazu führte, dass Tausende, wenn nicht Millionen Menschen getötet wurden, ja das Personen einfach aufhörten zu exisiteren.
    Andererseits hat er es dafür aber nicht entwickelt, und ohne Dynamit wäre der Eisenbahnbau in den USA nicht möglich gewesen, der Bergbau bedeutend schwerer und gefährlicher...

    Wir verteufeln heute Giftgas. Aber warum? Weil es ohne Unterschied tötet, verstümmelt und verkrüppelt, das sterben mitunter ausgesprochen qualvoll ist und das Leid maßlos.
    Zudem ist der Einsatz unberechenbar, wie auch die Folgen.

    Nicht zu vergessen dahinter ist aber die weitere Anwendung (bekannteste Höhepunkte sind die "Entlaubungsmittel" in Vietnam und Saddams Angriff auf einen kurdischen Ort). Auch wenn gerne anderes behauptet wird, noch heute ist Giftgas im Einsatz, und in den Arsenalen der Mächte lagern außer chemischen Waffen auch biologische Dinge, von den Atombomben, welche derzeit auch in "Bunkerknacker"-Variante geplant sind ganz zu schweigen.

    Die Ächtung war m.E. einfach ein vorletzter Versuch, ein wenig humanes im Krieg zu bewahren.
    Der letzte Versuch war wohl die Ächtung der Land - und Personenmine, die so wirklich gar nichts gebracht hat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2005
  16. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich möchte noch einmal zur Haager Landkriegsordnung zurückkommen.
    Ist es nicht erschreckend, das fast jeder Artikel seit deren Bestehen von den unterzeichnenden Ländern verletzt wurde? Ja, wozu schafft man erst so ein Werk? Um Nachts ruhiger schlafen zu können? Das war ja nicht mal das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde.
    Hier ist sie zu lesen.
    http://www.daserste.de/derersteweltkrieg/folge_2.asp
    Ihr könnt ja die Artikel mal durchgehen. Ihr werdet sehen, das im laufe von verschiedenen Kriegen jeder Artikel verletzt wurde.Und das macht mich einfach nur wütend.
     
  17. KFdG

    KFdG Neues Mitglied

    Ich glaube, dass Giftgas im 1 Wekltkrieg eingesetzt wurde, weil man versuchte Wege zu finden, den Stellungskrieg zu beenden. Als es dann nichts gebracht hat, versuchte man es weiter und verbesserte es noch um den Durchbruch zu erzwingen.
     
  18. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Sieh es von der anderen Seite flo. Derartige Verträge und Beschlüße haben in der Vergangenheit immerhin ein wenig die Lage verbessert. Nicht überall, nicht immer, aber wenigstens ein paar mal. Ich finde schon, dass diese Verordnungen, wenn sie nur ein paar hundert Leben bewahrt haben, den Aufwand wert waren.
    Heute regen wir uns darüber auf, wenn Kriegsgefangene einfach exekutiert werden oder als Sklaven verkauft und mißbraucht, wenn Verletzte einfach liegen gelassen werden oder die Ärzte sich weigern, Feinde zu behandeln.
    In der Antike war solches gar nicht mal selten, im Mittelalter will ich einfach mal Jerusalem als grausiges Beispiel hervor heben.

    Krieg gab es und wird es immer geben. Die Versuche diese ins Detail zu regulieren sind löblich aber wenig erfolgreich.
    Das es diese gibt und die wenigen Erfolge rechnen es aber auf. Leider gibt es jetzt schon seit einigen Jahren keinerlei solche Bestrebungen mehr, jedenfalls keine mir bekannten.
     
  19. M.A. Hau-Schild

    M.A. Hau-Schild Premiummitglied

    Was solche bestrebungen angeht fällt mir spoantan das Landminen verbot ein.
    Ist zwar auch schon ein par jährchen her aber noch relativ aktuell
     
  20. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Und, hindert das Verbot irgentjemandem Landmienen zu legen? Nein. Die Dinger werden noch hergestellt und auch benutzt.
    Makaber ist auch, das in der Welt mehr Geld zum töten ausgegeben wird, als zum erhalten des Lebens
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2005

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