Großbritannien - Der geheime Verlierer des 2. Weltkriegs!

Dieses Thema im Forum "Westeuropa" wurde erstellt von Nicolaus1209, 9. Mai 2010.

  1. Nicolaus1209

    Nicolaus1209 Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    meine frage ist relativ komplex. ich habe die these aufgestellt und muss nun ein vortag darüber halten. die these lautet:

    Großbritannien - Der geheime Verlierer des 2. Weltkriegs!

    Leider habe ich nicht nicht viel Informationen gefunden die meine These unterstreichen.
    Bin für jeden Vorschlag offen!
    1000 Dank,

    Nicolaus
     
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  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Frage: Wie bist du auf diese These gekommen? Thesen stellt man ja nicht einfach so ohne Hintergrundswissen auf.
     
  3. Gast

    Gast Gast

    ich musste 3 themen abgeben über die ich noch nicht sonderlich viel wissen habe. das hat den hintergrund,dass man sich mit neuen sachen beschäftigt und der lerneffekt größer ist. dann wurde mir eins der drei themen gegeben über die ein ca. 45 vortragen soll. und jetzt stelle ich fest, dass ich nicht vorankomme....
     
  4. Nicolaus1209

    Nicolaus1209 Neues Mitglied

    ich musste 3 themenvorschläge abgeben, am besten über sachen über die man sich bisher nur wenig gedanken gemacht hat. dann wurde mir eins der drei themen gegeben und jetzt muss ich einen 45 minutigen vortrag vorbereiten und ich komme nicht voran...
     
  5. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Das Gute an einer These ist ja, dass Du sie nicht belegen musst, sondern auch widerlegen kannst.

    Der einzige Anhaltspunkt für eine Argumentation, der mir spontan einfällt, wäre der Verlust des „Empire“, die Unabhängigkeitsbewegung der britischen Kolonien nach dem 2. WK.

    Ein Verlust an weltpolitischer Bedeutung ging sicher auch mit der dominanten Stellung der USA und UdSSR nach dem 2. WK einher.

    Warum GB eher Verlierer war, als das deutsche Reich, ließe sich höchstens mit der Unterstützung des Wiederaufbaus in Deutschland vor dem Hintergrund des kalten Krieges begründen.

    Britisches Weltreich ? Wikipedia

    So weit ein paar spontane Ideen für die Pro-Seite Deiner Argumentation, ohne dass ich damit zu Deiner These Stellung beziehen will.
     
  6. Nicolaus1209

    Nicolaus1209 Neues Mitglied

    danke für die antwort!
    ist der wirtschaftliche aspekt auch von bedeutung? das man noch weiter ausholt und sagt: england hat keinen aufbau wie deutschland erhalten und genau deshalb haben sie heute viel probleme mit der währung, mit der infrastruktur, etc....
     
  7. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Hallo Nicolaus1209,

    nenne uns doch einfach ein paar Gedankengänge, die Du zu diesem Thema entwickelt hast.

    Mir fallen nur zwei Gesichtspunkte ein:

    Mit der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans (1947) kündigte sich das Ende des "British Empire" an. Zwar begann desen Niedergang schon vor dem 2. WK. Während des 2. WK war die Not Großbritanniens aber so groß, dass Churchill in der "Atlantik-Charta" (1941), die eine nach dem Sieg über Deutschland zu errichtende neue Weltordnung umriss, "das Recht aller Völker" anerkennen musste, "ihre eigene Regierungsform zu wählen". Die Briten brauchten die Hilfe der Amerikaner. Die wiederum waren vor 150 Jahren selbst dem britischen Imperialismus entkommen und dachten nicht daran, gegen die Nazi-Sklaverei zu kämpfen, um den Briten ihr Kolonialreich zu erhalten.

    Ein anderer Gesichtspunkt betrifft die Atombombe. Während des 2. WK arbeiteten die USA und GB bei der Entwicklung der Atombombe zusammen. Wesentliche Elemente der Grundlagenforschung stammten aus britischen und kanadischen Labors. Am 01.08.1946 verabschiedete der US-Kongreß den McMahon Act, der die Weitergabe von Forschungsergebnisse - je nach Brisanz der Information - mit lebenslanger Haft oder sogar der Todesstrafe unter Strafe stellte. Eine Ausnahmeregelung für GB/Kanada enthielt das Gesetz nicht. Die Briten standen zunächst ohne Atombombe dar und mussten diese selbst entwickeln, was erst 1949 gelang.
    "England hat keinen Aufbau wie Deutschland erhalten"? Meinst Du den Marshallplan? Lies mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Marshallplan

    England hat im Rahmen des Marshallplans sogar mehr Geld erhalten als Westdeutschland. Dieses "Mehr" wurde als Ersatz für Reparationen angesehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Mai 2010
  8. Nicolaus1209

    Nicolaus1209 Neues Mitglied

    ich habe mir gedacht das die gliederung etwa so auszusehen hat:
    - lage großbritanniens um 1900, in bezug auf kolonien, wirtschaft (arbeitslosenzahl,
    haushalt, import, export,...) , einwanderer, polotischer einfluss.
    - lage großbirtanneins um 1939 (da vergleiche ich meine zahlen)
    - lage großbritanniens um 1945
    - lage gb um 1950
    - lage gb heute

    so in etwa, auf was ich alles eingehen soll ist mir frei überlassen, den punkt mit der atombombe finde ich sehr interessant.
    ich möchste auch gerne darauf eingehen, dass gb immer geld gezahlt hat und nach dem 2. weltkrieg selbst auf geld von den amerikanern angewiesen war...
     
  9. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Langsam, langsam. Möchtest Du wirklich die wirtschaftliche Entwicklung Großritanniens von 1945 bis 2010 skizzieren?
    Die These ist ja noch arbeitsintensiver und gewagter als Deine erste.

    Zu der Unterstützung beim Wiederaufbau:
    Marshallplan ? Wikipedia
    und
    Britisches Weltreich ? Wikipedia
     
  10. Nicolaus1209

    Nicolaus1209 Neues Mitglied

    das ist auch ein wenig das problem, ich hätte nie gedacht was für einen umfang das thema haben kann. wo soll ich denn am besten einsteigen?
     
  11. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Vielleicht solltest Du Dich auf einen Vergleich zwischen GB vor dem 2. WK (1930/39) mit GB nach dem 2. WK (1945/1955) beschränken. Niemand wird von Dir bei dem Thema "Geheimer Verlierer des 2. WK" einen Vortrag über die britische Geschichte von 1900 bis heute erwarten (bitte tue das Deinen Zuhörern nicht an!).

    Beim "Niedergang des Kolonialreichs" stellt sich die Frage, ob dieser erst durch den 2. WK ausgelöst wurde oder durch den 2. WK lediglich bechleunigt wurde. Hier könnten etwaige Verfallserscheinungen aus der Zeit vor 1939 eine Rolle spielen.

    Die Zeit nach 1945/55 ist auch unter dem Gesichtspunkt interessant, dass die britische Sicherheit von amerikanerischer Hilfe abhängig blieb. Insofern teilten die Briten das Schicksal Westeuropas. Geistig immer noch dem Empire verhaftet, begannen sich die Briten zu einer europäischen Macht zu entwickeln.
    Den Satz verstehe ich nicht.:S
     
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  12. Nicolaus1209

    Nicolaus1209 Neues Mitglied

    ich meinte damit, dass gb nie auf fremde hilfe angewießen war. sie hatte immer volle kassen und das änderte sich...
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Beschränkung ist sicher sehr sinnvoll.
    Nur am Rande: bzgl. der Ursachen macht man damit bereits ein Faß auf, bei dem (nur) der Bodensatz Kriegsfolgen wohl unbestritten ist. Über die weiteren Ursachen hier zB eine "Streitschrift" (der man nicht unbedingt folgen muss, die aber einen Einblick in die Diskussionen bietet) mit einigen interessanten Daten:
    British Economic Performance 1945-1975
    British economic performance, 1945-1975 - Google Bücher
     
  14. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    1945 - 1955 waren die wirtschaftlichen Probleme freilich auch für die Briten riesig:
    1. Die enormen Auslandsschulden gegenüber den USA sowie der Prozess der Dekolonialisierung führten letztlich zur Ablösung des Pfundes als Leitwährung der Welt durch den Dollar.
    2. Die Umstellung von der Kriegswirtschaft auf eine Friedenswirtschaft..
    3. In der britischen Zone musste die deutsche Bevölkerung versorgt werden. Gleichzeitig wurden deutsche Industrieanlagen demontiert. Mit diesen Reparationen wuchs der Hilfsbedarf der deutschen Bevölkerung und auf die Insel wurde letztlich doch nur der mehr oder weniger letzte Stand der Technik transportiert.
    4. Die Suche nach neuen Märkten wurde durch den Prozess der Dekolonialisierung zusätzlich belastet
    5. Die eigene Bevölkerung hatte auch Bedürfnisse, die dringend befriedigt werden mussten: Wiederaufbau der Städte/Wohnungsbau, Integration der zurückkehrenden Soldaten in die Wirtschaft.
     
  15. Nicolaus1209

    Nicolaus1209 Neues Mitglied

    das sind gute punkte, 1000 dank dafür!
    versuche gerade mehr zahlen zu finden um alles zu belegen.
     
  16. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die Suez-Krise hat den Briten gezeigt, was sie durch den Krieg verloren haben. Sowohl wirtschaftlich (die USA drohten mit der Veräußerung von britischen Schulden, was das Pfund in große Schwierigkeiten gebracht hätte) als auch politisch (mangelnder Rückhalt).

    Solwac
     
  17. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Mangelnder Rückhalt kann man so nicht sagen. Immerhin gingen die Briten gemeinsam mit den Franzosen (und Israelis) gegen Ägypten vor. In den vergangenen Zeiten des europäischen Kolonialismus hätte das vollkommen ausgereicht, um - ich schreibe mal aus europäischer "Kolonialherrensicht" - das "rückständige Ägypten" in die Schranken zu verweisen.

    In der Suez-Krise zeigte sich jedoch, dass die USA den Prozess der Entkolonialisierung ernsthaft einforderten und dass GB und Frankreich gegen den Widerstand der SU und der USA nichts ausrichten konnten. Das Betreiben einer eigenständigen Großmachtpolitik war "nicht mehr drin". GB und Frankreich mussten sich an die USA aussenpolitisch anlehnen.
     
  18. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Mit mangelnder Unterstützung meine ich nicht nur die USA. Die CSSR und später andere Ostblockländer haben sogar Waffen an Ägypten geliefert, die UNO hat eine Resolution gegen zwei Vetomächte verabschiedet und Saudi-Arabien hat ein Erdöl-Embargo gestartet, welches von anderen europäischen Ländern nicht unterlaufen wurde.

    Solwac
     
  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    In den politischen Folgen - Verlust der Großmachtstellung und Auftreten der "Supermächte" - sind wir uns völlig einig. Zugespitzt könnte man die These vertreten, dass dieses bereits mit Kriegsausbruch, spätestens nach der französischen Niederlage vorprogrammiert war: entweder in dem Durchschlagen eines verheerenden Krieges, der Ende 1940 theoretisch nur das Deutsche Reich als europäische Hegemonialmacht und globale Macht hervorbringen konnte, oder der alternativ unter riesigen ökonomischen und menschlichen Opfern den Sieg der Allierten bringen konnte (letzteres eigentlich nur mit dem Eingreifen der USA). Ebenso wie im 1. WK ergaben sich riesige Importüberschüsse in GB aufgrund der Kriegslieferungen der USA. Die Länge des Krieges kumulierte hier die Probleme.

    Die wirtschaftlichen Folgen würde ich differenzieren.
    Von der Liste in #14 treffen 2, 3 und 5 auch auf die USA zu (mit Ausnahme der Bombenschäden im Heimatland)

    Aspekt Nr. 1 müßte man ökonomisch bewerten, zum Vorkriegsstand (Bedeutung des $, Verschuldung, Härte der Währung GBP). Die Bedeutung des Finanzplatzes London blieb jedenfalls im Niveau erhalten (das Problem "Leitwährung" fand sich in der Vorkriegswelt bereits im Goldstandard und den Problemen des GBP mit drastischen Abwertungen 1932 im Zuge der Weltwirtschaftskrise wieder), wurde jedoch durch den US-Dollar relativ abgehängt. Der Sterlingblock der 1930er wurde durch die politischen Umwälzungen nach dem Krieg gesprengt. Ebenso verlor man den im Zuge der Weltwirtschaftskrise kreierten und erhärteten Commonwealth-Wirtschaftsraum als geschützten Wirtschaftsraum.

    Aspekt 4 ist eine Folge des politischen Machtverfalls. Wenn Du einmal die Export-Statistiken aus dem link oben anschaust, könnte man sogar die USA als relativen Verlierer der globalen Märkte (gemessen in Welt-Marktanteilen) über die folgenden 2,5 Jahrzehnte ansehen. Hier ist aber die relative Stabilität Frankreichs erstaunlich, möglicherweise aber wieder gut erklärbar.

    Das sind allerdings nur grobe Überlegungen zu der britischen Wirtschaftsentwicklung 1945-1970.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Mai 2010
  20. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    @solwac:

    Verstehe mich bitte nicht falsch. Dein Hinweis auf die Suez-Krise (# 16) war exzellent. Mit meinem Beitrag (# 17) wollte ich diesen nur etwas ergänzen.
    Hierzu folgendes:

    Es war ja nicht nur so, dass die amerikanische Unterstützung fehlte. Die USA übten aktiv Druck auf London/Paris aus, sich wieder zurück zu ziehen. So drohte z.B. Washington mit dem Verkauf von Pfundreserven, was die britische Währung hätte einbrechen lassen. Es waren die USA, die mit sowjetischer Unterstützung die Generalversammlung einschalteten (Grund: dort gibt es kein Vetorecht). Schliesslich drohten die USA sogar für den Fall einer sowjetischen Intervention (die wegen der zeitgleichen Ungarn-Krise eher unwahrscheinlich war) damit, die Briten/Franzosen vom amerikanischen nuklearen Abwehrschirm auszunehmen!

    Unter diesem masiven Druck mussten sich die Briten/Franzosen zurückziehen. Diese Demütigung zeigte, dass die Briten/Franzosen (trotz eigener A-Bombe) keine Weltmächte mehr waren, auf die Unterstützung der USA angewiesen waren und diese nicht bereit waren, alles mitzumachen, was britische/französische Macht-/Wirtschaftsinteressen zu Gute kam. Nun beschleunigte sich der Prozess der Dekolonialisierung.
     

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