Hätte die Weimarer Republik unter einem Präsidenten Hans von Seeckt ebenfalls den zweiten Weltkrieg ausgelöst?

*Gerade mal kurz aus der Versenkung auftauch*
Prima!
...ooooch menno
Ich würde v. Seeckt den Wunsch zu einem Revanchekrieg zwar durchaus zutrauen,
das ging mir auch durch den Kopf
aber der hätte zum einen weit bescheidenere Ziele verfolgt, als die Ideen Hitlers und wäre sehr wahrscheinlich konzeptionell weit weniger umfassend gewesen.
und da kann ich den Verdacht nicht ausblenden, dass so etwas zum Flächenbrand werden kann.
Seeckt hätte möglicherweise ein grundlegendes Interesse an einem Revanchekrieg gehabt, ich bezweifle aber, dass eine etwas autoritär umgestrickte, aber grundsätzlich noch intakte Weimarer Republik mit mehr Ähnlichkeit zum Kaiserreich, als zum NS zeintnah in die Lage gekommen wäre einen solchen Krieg aussichtsreich führen zu können.
nach den Anfängen im Verborgenen sprudelten doch nach und nach die Mittel, und Seeckt war in den 20er Jahren federführend beim wiederaufrüsten - allerdings zeitnah, z.B. bis 1927 (da hörte dann die IMKK auf), war das unter den argwöhnischen Augen der alliierten Kontrolle nicht realisierbar.
 
Interessanter dürfte allerdings die Frage sein, ob eine irgendwie überlebende Weimarer Republik, wenn auch mit konservativ/autorotärer Führung überhaupt dazu in der Lage gewesen wäre in, dem NS-Reich vergleichbarer Weise aufzurüsten.

-
Damit ein Reichspräsident "von Seeckt" in der Rüstung und der Politik einen ähnlichen Kurs wie unter Hitler hätte einschlagen können, müßten die politischen Verhältnisse vorhanden sein. Die Verhältnisse wären sicherlich andere gewesen. Auch stellt sich die Frage einer überhaupt möglichen Diktatur. Ich sehe hier keine Möglichkeit in dem Maße zu agieren, wie es dem NS-Regime schließlich gelungen ist.
 
@Mittelalterlager 1919-26 tat sich in Sachen Umgehen und Brechen des Versailler Vertrags einiges, trotz der alliierten Kontrolle. Einerseits die Schwarze Reichswehr – Wikipedia und ähnliche Verbände, andererseits Seeckts "großer Plan":
Unklar ist, inwiefern die zwei Rüstungsprogramme auf einem streng geheimen Plan aus dem Jahre 1925 basierten. Schon 1923 ließ Seeckt als Chef der Heeresleitung von einer kleinen Gruppe mit 18 Mann wichtige Eckpunkte für ein kriegsverwendungsfähiges Heer mit 102 Divisionen und 3 Millionen Mann erstellen.[10] Laut Wolfram Wette ist der verblüffende, aber nur schwerlich zufällige Tatbestand an diesem „Großen Plan“, dass am 1. September 1939 das deutsche Heer mit genau diesem projektierten Volumen bereitstand.[11]
Zwar kam 1926 die Entlassung Seeckts, sodass seine Nachfolger die Fäden für die Rüstung inne hatten (und es flossen dann mehr und mehr Mittel siehe Link Wiederaufrüstung in #1) aber dennoch war er ab ovo maßgeblich in der Konzeption der Wiederaufrüstung.
 
@Mittelalterlager 1919-26 tat sich in Sachen Umgehen und Brechen des Versailler Vertrags einiges, trotz der alliierten Kontrolle. Einerseits die Schwarze Reichswehr – Wikipedia und ähnliche Verbände, andererseits Seeckts "großer Plan":

Zwar kam 1926 die Entlassung Seeckts, sodass seine Nachfolger die Fäden für die Rüstung inne hatten (und es Flossen dann mehr und mehr Mittel siehe Link Wiederaufrüstung in #1)
Ja, das ist mir alles bekannt, aber man muß hier doch auch einmal den Ausgangspunkt der Rüstung anschauen. Im Prinzip hatte die Reichswehr nichts. Gepanzerte Fahrzeuge mußten neu entwickelt werden, ebenso wie Flugzeuge, Motoren, automatische Waffen, Panzerabwehr usw.
Das Niveau, mit dem die Aufrüstung und die Entwicklung neuer System begann, war sehr niedrig.

Ohne die stillschweigende Billigung der Reichsregierungen wird das in dem ausgeführtem Maße auch schwierig möglich gewesen sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
"Im Beschaffungsprogramm vom 25.3.1929 Nr. 1105/29 gKdos waren folgende Kostenansätze vorgesehen:
Sf Tak 14 RM 280.000
Pivots und Panzer 138 RM 138.000
Raupenaggregate 70 RM 350.000
Panzerkraftwagen 36 RM 3.600.000 4 Probestücke
Großtraktor 17 RM 3.400.000 6 Probestücke
Leichttraktor 14 RM 1.700.000

Daneben noch 24 Klkw (Dixi) mit 80.000 Mark

Für die folgenden Jahre wurden als Ansatz im Haushaltsplan für die In 6 (K) Kosten für Beschaffungen wie folgt festgelegt:
1930= RM 2.727.730
1931= RM 3.488.811
1932= RM 4.212.732 "

Auszug aus" Die Panzer-Kampfwagen I und II und ihre Abarten"

Zur weiteren Erklärung, es geht hier um gepanzerte Fahrzeuge als SFL-PAK, gepanzerte Aufklärungsfahrzeuge sowie um leichte und mittlere Panzer.

Die Aufstellung betrifft keine anderen Entwicklungen (z.b. Halbkettenzugmaschinen)

Insgesamt sind die Summen, im Vergleich zur NS-Rüstung noch niedrig und im Rahmen einer Neuausrüstung noch "moderat.
 
Bevor ich mich hier eventuell ins "falsche Licht" setze, ich will keinesfalls die Wiederaufrüstung gutheißen, ich möchte lediglich die in der WR und die im NS-Reich in die richtige Relation rücken, man muß ja auch die dazu nötige Finanzierung betrachten.
 
Sagen wir so: man werkelte schon in den frühen 20er Jahren daran herum, so lange die IMKK tätig war im Verborgenen, das alles mehrte sich peu a peu, wenn auch anfangs in noch geringem Maß.
 
Ja, dem war so, es ging den Militärs/der Politik allerdings auch darum, nicht den technischen Anschluß zu verlieren. Natürlich impliziert dies eine für die nähere Zukunft geplante Aufrüstung.

Flugzeuge, Panzer, Maschinenwaffen, Fernmeldegeräte, usw. lassen sich nicht vom Reißbrett weg bestellen und bauen ohne irgendwelche praktischen Versuche. Auch die Produktion in bestimmten Bereichen der Rüstung ( z.B. Drehkränze) erfordert Erfahrung. Wollten die Militärs/Politiker der WR den Anschluß nicht verlieren, führte an der Heimlichkeit kein Weg vorbei. Das ist natürlich kein "Persilschein" für das unterlaufen der Rüstungsbeschränkungen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bevor ich mich hier eventuell ins "falsche Licht" setze, ich will keinesfalls die Wiederaufrüstung gutheißen
Was hat denn das damit zu tun sich ins "falsche Licht" zu setzen?

Maßnahmen zur Wiederaufrüstung im gewissen Maße gingen gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrags, aber es war ja auch unter den demokratisch en Regierungen Deutschlands, selbst unter den SPD-geführten Regierungen geübte Praxis die Bestimmungen über die Abrüstung zu unterlaufen oder zu umgehen.

Ich würde auch meinen, dass das insofern eine gewisse Berechtigung hatte, dass die 100.000 Mann-Reichswehr, die Deutschland zugestanden war nummerisch kleiner war, als die belgische Armee vor dem 1. Weltkrieg.
Damit war keine Grenze, schon gar nicht die lang gestreckte Ostgrenze zu verteidigen.

Und hinzu kommt, dass sich mit der zunehmenden Konsolidierung der Sowjetunion Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre die militärischen Gewichte/Potentiale auf dem Kontinent weiter verschoben.

Mit den relativ schwachen Polen als Nachbarn war die Situation mit dem 100.000-Mann-Heer vielleicht noch irgendwie tragbar, aber nach dem polnisch-sowjetischen Krieg und den daraus reultierenden Grenzstreitigkeiten durfte man ja durchaus unterstellen, dass sich die Sowjetunion früher oder später auf den Kurs einer Westexpansion begeben würde um zummindest die baltischen Staaten und "Ostpolen" bei Zeiten wieder einzusammeln.
Wäre das passiert, hätte man schlimmstenfalls als schwaches, wenig bewaffnetes Deutschland in einer ähnlichen außenpolitischen Lage gesteckt, wie 1914.

Ich würde von dem her sagen, dass eine mäßige Aufrüstung Deutschlands (natürlich nicht das, was Hitler tat), der Stabilisierung Europas zwischen den Weltkriegen durchaus sogar zuträglich hätte sein können, weil ohne sie die Sowjetunion sich durch das relative Machtvakuum in Zentraleuropa zur Expansion hätten eingeladen fühlen können.
Mäßige Aufrüstung bei Wehrpflicht hätte möglicherweise auch den Staat nach innen stabilisiert, weil es die Reichswehr zu einem bedeutenderen Machtfaktor gemacht hätte, gegenüber dem die paramilitärischen Verbände an Bedeutung verloren hätten.

Bei Wiedereinführung der Wehrpflicht, hätte sich ggf. auch der Charakter der Armee verändert, weil sich dann wieder mehr der Querschnitt der Bevölkerung in den Kadern wiedergefunden hätte. Kürzere Dienstzeiten und laufende Personalwechsel hätten das mehr durchmischt und für eine heterogenere Struktur gesorgt. Das heißt die Armee wäre wahrscheinlich weniger ein "Staat im Staate" und tendenziell verfassungstreuer gewesen.
 
So ganz sicher wäre ich da nicht:

(aus dem Wikipedia Artikel, der in #1 verlinkt ist)
Seeckt gelangte nie in die Position, einen Angriff auf Frankreich einleiten zu können - aber das hätte er wohl gerne: und das hätte einen Flächenbrand auslösen können.
Bewährt als sehr fähiger Militär in WWI war er 1919 Leiter der militärischen Sachverständigenkommission bei der deutschen Friedensdelegation zum Versailler Vertrag: zu sehen, in welchem Ausmaß das dt. Militär gestutzt wurde, ohne da lindern zu können, dürfte ihn sehr gekränkt haben - kein Wunder, dass er mit Elan die geheime Wiederbewaffnung organisierte.
Das lässt mich an der Spekulation, unter Seeckt wäre es nach 1933 nicht zum Krieg gekommen, zweifeln.

Das überzeugt mich weniger: Weder im Entwurf des Regierungsprogramms (1923) noch beispielsweise in "Zukunft des Reiches" (1929) positioniert sich von Seeckt so dahin gehend, dass man ihm unterstellen könnte, er hätte auf jeden Fall (möglichst zügig) für eine Revanche oder Revision einen erneuten (großen) Krieg riskiert.

Und die Anm. 2 des Wiki-Artikel referiert lediglich Haffners Aussagen aus einem Interview zw. Knopp und Haffner zu "Anmerkungen zu Hitler".
 
Das überzeugt mich weniger: Weder im Entwurf des Regierungsprogramms (1923) noch beispielsweise in "Zukunft des Reiches" (1929) positioniert sich von Seeckt so dahin gehend, dass man ihm unterstellen könnte, er hätte auf jeden Fall (möglichst zügig) für eine Revanche oder Revision einen erneuten (großen) Krieg riskiert.
plausibler Einwand!
Mich hatte diese (spekulative?) Überlegung
Bewährt als sehr fähiger Militär in WWI war er 1919 Leiter der militärischen Sachverständigenkommission bei der deutschen Friedensdelegation zum Versailler Vertrag: zu sehen, in welchem Ausmaß das dt. Militär gestutzt wurde, ohne da lindern zu können, dürfte ihn sehr gekränkt haben - kein Wunder, dass er mit Elan die geheime Wiederbewaffnung organisierte.
sozusagen befürchten lassen, dass Seeckt hinter den Kulissen mit "Rache" geliebäugelt hatte während seiner Tätigkeit bei der Friedensdelegation und während seiner geheimen Aufrüstungspläne.
 
Zurück
Oben