Hannibals Raffinesse

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von Cornelius Nepos, 12. Dezember 2010.

  1. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Im Verhältnis was an Personal und Material für die Offensive gegen Sizilien aufgewendet wurde, war es im Verhältnis gesehen bescheiden.
     
  2. tela

    tela Aktives Mitglied

    Dass Hannibal aber lieber auf Belagerungen verzichtete, kann man dann an seinem Handeln in Italien feststellen.

    Die Frage, welches Verhältnis Hannibal zu Belagerungen allgemein hatte, wird ja nicht umsonst in der Forschung diskutiert.
     
  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Stichwort dürfte hier wohl Sagunt sein.
     
  4. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Noch einmal zum Cuncator

    Mir ist da noch eine interessante Annekdote zum Cuncatator eingefallen.
    Als Hannibal und Quintus Fabius Maximus den Austausch von Gefangenen vereinbart hatten, lieferte Hannibal deutlich mehr Römer als abgemacht. Hannibal erwartete von der Gegenseite entsprechendes Lösegeld. Der römische Senat, stur un starrköpfig wie so häufig, lehnte vehement ab Der Cuncatator seinerseits betrachtete diese Frage als Ehrensache und zahlte aus eigener Tasche. Damit geriet er einmal mehr ins Kreuzfeuer der römischen Kritik.
     
  5. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    Natürlich war es überspitzt formuliert, bewusst überspitzt. Ich wollte eben verdeutlichen, dass die Karthager im Fall der Fälle eben nicht alles auf eine Karte setzten und im Zweifelsfall wirtschaftlichen Interessen den Vorrang gaben. Aber gerade das war in einem Konflikt mit Rom fatal.

    Jap, aber es waren zu wenige und es war zu spät.

    Ewig konnte Rom ja auch keiner Schlacht aus dem Weg gehen, gerade dann nicht, hätte das Bundesgenossensystem richtig zu wanken angefangen. Hannibal musste ja Teile seines Heeres in der eroberten Städten zurücklassen, die Verstärkungen wären da mehr als hilfreich gewesen. Wer weiß was passiert wäre, wenn Hannibal es geschafft hätte durch noch massivere Verheerungen der Landschaft die Bundesgenossen zum Abfallen zu zwingen. Und nicht zu vergessen, wäre dies auch ein psychologisches Signal an die Römer und alle Bundesgenossen gewesen
     
  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Nicht umsonst wollte sich Hasdrubal mit seinem Heer mit dem Hannibals vereinen.
     
  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Zu geringer Nachschub für Hannibal

    Schon im 4.Kriegsjahr hat der Rat der Stadt Karthago beschlossen gehabt, eine Expeditionsstreitmacht nach Sardinien, dort tobte gerade ein Aufstand, zu schicken. Des Weiteren sollte Hasdrubal in Spanien unterstützt werden. Hannibal wurde ein, im Verhältnis betrachtet, kleiner Verband, 4.000 Numider und 20 Elefanten und 1000 Talente Silber, bewilligt. (1)


    Mir diesen Verstärkungen ging Hannibal dann gegen Nola vor. Die karthagischen Hoffnungen Sardinien wiederzugewinnen mussten noch im Jahre 215 v.Chr. zu Grabe getragen werden, da die karthagischen Truppen den Römern unterlagen. Diese Truppen wären in Italien, genauso wie die später auf Sizilien eingesetzten, besser bei Hannibal verwendet worden.


    (1) Livius 23,13,7 und Livius 23,32,5-7
    Zonares 9,3,7
    Eutrop 3,11,3-5
     
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  8. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Man muss sich bei der ganzen Geschichte allerdings schon fragen, woher die Informationen über die Beschlüsse des karthagischen Rates eigentlich gekommen sein sollen, egal, ob sie nun von Livius oder einem anderen Autor Jahrhunderte später zitiert wurden. Man kann davon ausgehen, dass hier etliche schriftstellerische Freiheiten in Anspruch genommen wurden.
     
  9. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Es ja bekannt, das im Zuge der dritten militärischen Auseinandersetzung zwischen Karthagern und Römern, die Stadt Karthago im Jahre 146 v.Chr., durch die römische Raserei, auch für antike Verhältnisse außerordentlich brutal, restlos zerstört worden war und eben damit ging natürlich erhebliches Quellmaterial verloren. Es bleibt aber kaum etwas anderes übrig, als auf die verbleibenden antiken Gewährsleute zurückzugreifen, um ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

    Aus diesem Grunde ist es sicher hilfreich eben verschiedene Quellen zu nutzen, Quellenkritisch vorzugehen etc.etc.. Zonares steht beispielsweise sicher nicht unbedingt im Verdacht, den Karthagern Negatives nachsagen zu wollen. Polybios hingegen ist ein ausgesprochener Fan der Römer; kein Wunder bei seiner Biograhie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. März 2011
  10. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Es sollte uns aber klar sein, dass es wohl schon in der Antike keine Primärquellen gab. Die Archive wurden zerstört, man hört auch nichts mehr darüber. Außerhalb der Archive dürften die Karthager den Römern kaum ihre Ratsentscheidungen mitgeteilt haben. Daher ist anzunehmen, dass praktisch alle Aussagen der Autoren darüber ihrer Fantasie entspringen. Egal wie Zonaras eingestellt war, er lebte 1300 Jahre nach den Ereignissen. Viel mehr als sich auf die bekannte römische Geschichtsschreibung zu beziehen, blieb ihm doch auch nicht.
     
  11. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Dann sind Werke über die karthagische Geschichte, beispielsweise Werner Huss sein Buch "Die Karthager", in denen u.a eben auch Ratsentscheidungen vorgestellt werden, Fantasyromane?:grübel:

    Interessant in diesem Kontext ist, das beispielsweise Poybios oder auch Livius den römischen Annalisten und Senator Quintus Fabius Pictor als Quelle verwendet haben. Pictor hatte aktiv im 2.Punischen Krieg gegen Hannibal gekämpft. Es darf bezeifelt werden, ob seine Darstellung der Punischen Kriege dann aucgh nur halbwegs objektiv war und auf seine Darstellung fußt das Werk von Polybios, der während des 3.Punischen Krieges sich im Stabe von Scipio befand und der restlosen Zerstörung Karthagos beiwohnte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. März 2011
  12. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Wieso das denn? Huss versucht an Hand der vorhanden Quellen eine Geschichte der Karthager zu schreiben. Er ist sich aber der unsicheren Quellenlage bewusst, was er auch des öfteren betont.
     
  13. Schwan

    Schwan Neues Mitglied

    Kann mir jemand vielleicht die Frage kurz und direkt beantworten warum Hannibal keine Verstärkung aus Karthago bekam? Ich habe auch gelesen das der Senat eher Truppen nach Spanien schickte, anstatt Hannibal zu untersützen - Warum?
    Danke :)
     
  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine kurze und direkte Antwort dazu gibt es nicht, weil wir kein Protokoll einer Sitzung des karthagischen Senats vorliegen haben, in der über diese Frage diskutiert und entschieden worden wäre. Man kann letztlich nur spekulieren. Hypothesen gibt es mehrere, z. B. dass etliche der karthagischen Aristokraten dem Hannibal feindlich gesinnt waren und daher sein Scheitern in Italien nicht ungern sahen, oder dass sie lieber Truppen nach Spanien schickten, um die dortigen Silberminen zu sichern. Aber beweisen lässt sich keine dieser Annahmen.

    Im Übrigen stimmt es gar nicht, dass er keine Verstärkung bekam. Ihm über den Seeweg Verstärkung zu schicken, war aber auch gar nicht so einfach, da die Römer die Seeherrschaft hatten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juni 2011
  15. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Zwei Ideen:

    In Italien war man zwar in der Offensive, aber in Spanien lag das wichtigste überseeische Herrschaftsgebiet, das Karthago damals kontrollierte. Die Kontrolle dieser Ressourcen waren für den Bestand der karthagischen Herrschaft ungemein wichtig.

    Auch war es riskant, neue Truppen nach Italien zu schicken; der Seeweg war immer noch von den Römern beherrscht, und der Landweg war lang; v.a. aber bestand hier die Gefahr, dass das Entsatzkorps von den Römern angegriffen und vernichtet wurde, bevor es sich mit Hannibal vereinigen konnte.
     
  16. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Unstrittig ist aber, das die Verstärkung aus Karthago, gemessen an den Möglichkeiten dieser Metropole, als sehr gering zu veranschlagen ist. Man hat lieber Nebenkriegssschauplätze auf Sardinien und Sizilien eröffnet, anstatt erst einmal den übermächtigen römischen Gegener zu besiegen. Und das war nun einmal nach lage der Dinge eben nur in Italien zu bewerkstelligen.
     
  17. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    "Besiegen" ist relativ. Auf dem Schlachtfeld hatte man die Römer in Italien mehrmals besiegt, jetzt stellten sie sich in Italien nicht mehr zur Schlacht. Die Frage, ob ein direkter Angriff auf die Stadt Rom erfolgversprechend gewesen wäre, wurde (auch in diesem Forum) schon öfters kontrovers diskutiert (und ich sage: Vermutlich nicht). Sehr wohl zur Schlacht stellten sich die Römer in Spanien, das sie den Karthagern abzunehmen versuchten. Die Karthager konnten jetzt also weitere Truppen nach Italien schicken, damit sie dort mit Hannibal nutzlos herumhingen, während die Römer ihnen Spanien wegnahmen, oder sie konnten versuchen, Spanien zu halten und dort die Römer "auszubluten", sowie ihnen ihre Provinzen wegzunehmen. Spanien war immerhin ein wichtiges Rekrutierungsreservoir für Söldner und auch finanziell wegen seines Silbers wichtig, um die Söldner bezahlen zu können.
    Also ganz so sinnlos erscheint mir die karthagische Strategie nicht. Letztlich konnten sie nur auf Zeit setzen und hoffen, dass die Römer irgendwann doch kriegsmüde werden und einen Vergleichsfrieden schließen würden. Ein römisches Scheitern in Spanien und der Verlust von Sizilien und Sardinien hätten diese Kriegsmüdigkeit bestimmt gefördert.
     
  18. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ich denke, dir ist klar, was ich mit besiegen meine.

    Ich will jetzt keine neue Diskussion, ob ein Angriff auf Rom nach dem grandiosen Sieg Hannibals bei Cannae erfolgsversprechend gewesen wäre oder nicht, eröffnen. Ich teile da eher deine Meinug. Klar ist aber auch, das es Hannibal zu dem fraglichen Zeitpunkt an Personal und vor allem Material für ein so großes Unternehmen wie der Belagerung Roms fehlte. Hier wäre die Heimatstadt gefragt gewesen. Auch wäre interessant zu wissen, in was für einem Zustand die Befestigungsanlagen Roms 216 v.Chr. sich befanden.
     
  19. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ehrlich gesagt, nein.

    Je mehr Personal, umso größer die Probleme, es versorgen zu können. Mit seinem vergleichsweise kleinen Heer zog Hannibal schon ständig in Süditalien hin und her, wohl auch, weil die Gegenden bald leer gesogen waren. Da wäre es umso schwieriger gewesen, ein noch wesentlich größeres Heer während einer vielleicht jahrelangen Belagerung vor Rom zu versorgen. Abgesehen davon sind Söldnerheere ohnehin denkbar schlecht für langwierige mühsame Belagerungen geeignet.
     
  20. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Hmmh, ist das denn so schwer.:confused:

    Mit Besiegen meine ich, das Rom um die Bedinungen für einen Frieden nachfragt. Das war nach den bis dahin gültigen der Maßstäbe der Antike üblich.

    Nur die Römer ließen sich eben nicht mit den althergebrachten Maßstäben messen. Für sie gab es nur Sieg, und zwar dergestalt das mit diesen diktieren konnte oder schlicht Untergang. Nach den verheerenden Niederlagen gegen Hannibal, hätten die Römer eigentlich kapitulieren müssen. Aber die Römer setzten lieber alles aufs Spiel und gewannen.

    Diese Mentalität, die dürfte Hannibal ganz gewaltig unterschätzt haben.

    Nichtsdestortrotz reichts Hannibals Heer nicht aus. Mir ist leider noch keine Untersuchung bekannt, ob die Truppen der Karthager während der belagerung zumindest unter5stützend aus Karthago und Spanien hätten versorgt werden können, denn die Seehoheit lag ja auf römischer Seite.

    Das Söldnerherr hat aber vor Sagunt seinen Job, trotz schwieriger Rahmenbedingungen, erledigt.
     

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