Hephaistion Leben und Tod

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Gast, 13. April 2008.

  1. tensh_iie

    tensh_iie Neues Mitglied

    Das kann gut sein, vielleicht wollte er auch einfach nur sagen, "Seht, er war treu, er war immer an meiner Seite... wenn IHR genauso seit, könnte euch die selbe Genugtuung wieder fahren", vielleicht wollte er sie damit ermutigen... vielleicht auch nicht. Es ist schade das man sowas heute nicht mehr nachvollziehen kann :/
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich denke, dass diese Argumentation einleuchtend ist, zumal von anderen antiken Herrschern ähnliche Dinge berichtet werden.

    Zunächst einmal bietet sich das Vorbild des Achilleus an, der Alexanders Lieblingsheld und mysthischer Urahne war. Achilleus und Patroklos das war ein Mythos, den Alexander bereits beschwor, als er über den Hellespont setzte und den angeblichen Schild des Achilleus dem Heer vorantragen ließ. Wenn Achilleus Patroklos mit Wagenrennen, Totenspenden, Opfergaben und sogar mit Menschenopfern feierte, konnte Alexander nicht gut Hephaistion ein Staatsbegräbnis 3. Klasse ausrichten, wie es Franz Joseph I. dem ermordeten Erzherzog Franz Ferdinand stiftete.

    Von Augustus ist eine ähnliche Form des Trauerkultes überliefert, anlässlich des Untergangs der Rheinarmee des Quintilius Varus, dessen Jahrestag zum Volkstrauertag erklärt wurde.

    "Ja, es heißt, seine Verzweiflung sei so groß gewesen, dass er monatelang Haar und Bart sich wachsen ließ (bei den Römern Zeichen der Trauer wie bei den Griechen das scheren der Haare) und oft seinen Kopf gegen die Tür stieß mit dem Ausruf: Quintilius Varus, gib mir meine Legionen zurück!"

    (Sueton, Augustus kap 23)

    Später ehrte der Kaiser Hadrian seinen Geliebten Antinous, der unter mysteriösen Umständen im Nil ertrunken war mit erlesener Totenverehrung und der Gründung einer Stadt die Antinous Namen trug.

    In Rom errichtete ein dankbarer Freigelassener seinem Herrn Caestius die einzige Pyramide Europas.

    Es war die öffentliche Bekundung der Trauer, nicht nur persönlicher Ausdruck eines Herrschers,sondern es wurde eine solche öffentliche Bekundung geradezu von einem Herrscher erwartet, und es hat sich z. B. Tiberius äußerst unbeliebt gemacht, als er den myteriösen Tod seines Neffen Germanicus recht gefasst aufnahm und den Trauerfeierlichkeiten fernblieb.
     
  3. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Vor allem wollte Alexander, dass man sich an Alexander erinnert. Fast alles was er seit seinem Herrschaftsantritt getan hat wurde von irgendeiner Art Inszenierung begleitet.
    So etwas wie "Showtrauern" hatte in Griechenland schon länger Tradition und ist deshalb nicht auszuschließen, und in Verbindung mit Alexanders Selbstdarstellungstrieb sogar eher wahrscheinlich.
     
  4. Tashunka

    Tashunka Gesperrt

    El Quijote [​IMG]
    Nicht unbedingt, dass er die Trauer vorgetäuscht hat. Aber dass er seine Trauer so öffentlich gemacht hat = Showtrauern.

    Das ist auch meine Meinung. Alexander wollte Achilles nicht nur mit seiner Tapferkeit und seiner Liebe zu Hephaistion übertreffen, sondern auch mit seiner Trauer.
    Und das Alexander zu guten schauspielerischen Leistungen fähig war, steht kaum außer Frage... siehe Meuterei seiner Soldaten.
     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Da er mit Hephaistion lange Jahre auf das engste zusammengearbeitet hat, sollte man Alexander schon eine echte Trauer zubilligen. Dass diese Trauer bis zur Errichtung eines Stufentempels in Babylon und andere eher verwunderliche Gesten reichte, hat niemand von ihm erwartet, und so war die Trauer meines Erachtens echt - zudem sie unter seinen erdverbundenen Makedonen vermutlich eher Befrenden denn Bewunderung ausgelöst haben muss.
     

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