Hexe: Abgeleitet von Hagazussa oder Hekate?

Unter Vorbehalt zu bleiben ist besser, als Unsicheres zu behaupten.
Bei dem User Mfelix habe ich mehr und mehr den Eindruck: dem ist ständig langweilig. Entweder antwortet er auf alte Beiträge - wo aber von seiner Seite nichts neues kommt. Oder er zeigt sich Erklärungen gegenüber lernresistent und stellt weiter seine Fragen
 
Zeitgenössisch wird zwischen Hexen und Hexern bzw. Zauberern unterschieden. In einer Handvoll Gebiete des mittelalterlichen Europas zielte die sogenannte Hexenverfolgung eher auf Männer als auf Frauen ab.

Es gab zwischen protestantischen und katholischen Regionen da ein gewisses Gefälle bei der Hexenverfolgung. Bei den Protestanten war die überwältigende Mehrheit der Prozessopfer Frauen. Aus dem Stegreif würde mir auch keine oder kaum eine Verfolgungswelle in protestantischen Gegenden einfallen, bei denen auch Männer betroffen waren.

Bei vielen Verfolgungswellen in katholischen Regionen waren fast immer auch einige Männer betroffen. In Bamberg und Würzburg waren unter den Opfern Ratsherren, Apotheker und Beamte. Der zweite Bürgermeister Junius fiel dem Hexenwahn zum Opfer, und zuletzt ein guter Teil des Stadtrats und des Kriminalgerichts.

Auch in der kleinen Hansestadt Lemgo in Westfalen wurden immer wieder auch Männer Opfer des Hexenwahns. Es war ein junger Lehrer darunter, den vielleicht ein derber Schülerstreich das Leben kostete. Es erschien eines Tages ein anonymer Bericht über dubiose nächtliche Treffen, der Lehrer wurde eingezogen, gefoltert und gestand alles, was man von ihm wollte.

Bei einigen Prozess- und Verfolgungswellen waren sogar mehrheitlich Männer betroffen. ich bin nicht so bewandert was einige rheinische Fürstentümer betrifft, meine mich aber zu erinnern, dass bei einigen Verfolgungen in Kurtrier, Kurköln Männer fast ein Viertel der Opfer ausmachten.

Bei einer der letzten Verfolgungen in Österreich, bei den sogenannten "Zauber-Jackl"-Prozessen im Salzburger Land war das Verhältnis der Geschlechter sogar umgekehrt. Bei dieser Hexenverfolgung waren gut 80 % der Prozessopfer Männer.
 
In Island waren von den "Hexen"-Verfolgungen sogar fast ausschließlich Männer betroffen.
...und mag es auch auf Island einen Tick rustikaler als auf dem nordischen Festland zugegangen sein: denen unterstellte man eher selten "Zaunreiterinnen" zu sein (flacher Jokus, weil vor längerem die Bedeutung von tunriderske angezweifelt worden war) ;)
 
Bei einer der letzten Verfolgungen in Österreich, bei den sogenannten "Zauber-Jackl"-Prozessen im Salzburger Land war das Verhältnis der Geschlechter sogar umgekehrt. Bei dieser Hexenverfolgung waren gut 80 % der Prozessopfer Männer.

80% waren es nicht ganz, sondern knapp über 70% (Das gilt auch, wenn man die Beschuldigten, nicht nur die Hingerichteten rechnet):

"Interessant und ungewöhnlich ist auch die Feststellung, die sich aus dem Vergleich ergibt, welche Malefikanten männlichen und welche
weiblichen Geschlechts waren. Dabei kommt man zu der erstaunlichen Beobachtung, daß 95 Malefikanten, also mehr als zwei Drittel, männlich waren, dagegen nur 38 der 133 hingerichteten Delinquenten weiblich."
 
Bei dieser Hexenverfolgung waren gut 80 % der Prozessopfer Männer.

Die überwältigende Mehrheit der Prozess-Opfer waren männlich, aber es waren keine Männer, sondern Jugendliche, ja Kinder noch. Die jüngsten Beschuldigten waren zwischen 3 und 7 Jahren alt. Den mutmaßlichen Anführer, den Schinder- oder Zauber-Jackl hat die Obrigkeit meines Wissens nie erwischt. Diese Prozesswelle im Salzburger Land sollte auch noch Nachwirkungen zeigen. In einigen angrenzenden Regionen kam es ebenfalls zu Ermittlungen und Verfolgungs-Wellen von jugendlichen Vaganten. In der Steiermark, in Tirol und Kärnten kam es ebenfalls zu Verfolgungen. Im Bistum Freising kam es zu einer Folge von Kinderhexen-Prozessen, die in zwei Wellen in den Jahren 1715-17 und 1719-21 noch eine Reihe von Opfern forderten.

 
Die überwältigende Mehrheit der Prozess-Opfer waren männlich,
zwar eine Tatsache, aber ohne irgendeine Relevanz bezüglich der Fragestellung zur Etymologie von Hexe.

Wenn in diesem Faden allerlei anderes thematisiert wird, sollte die Moderation ihn umbenennen oder die themenfremde Beiträge unter einer passenden Überschrift auslagern.
 
Wenn man jeden Thread auslagern und umbenennen wollte, der etwas vom Thema abschweift, dann hätte die Moderation einiges zu tun.
Dann wäre der Thread aber auch ganz schnell am Ende, würde jedenfalls nicht 9 Seiten schaffen.
 
etwas vom Thema abschweift
in den Jahren 1715-17 und 1719-21
;)
Die in den westgerm. Sprachen bezeugten Formen ahd. hazus, hazussa (10. Jh.), hazas(sa), hazis(sa), hagazussa (11. Jh.), mhd. hecse, hesse, mnl. haghetisse, -tesse, nl. heks, aengl. hægtesse, hegtes, engl. hag zeigen in ihrer unterschiedlichen Lautgestalt offensichtlich affektisch bedingte Veränderungen und Verkürzungen.
 
zwar eine Tatsache, aber ohne irgendeine Relevanz bezüglich der Fragestellung zur Etymologie von Hexe.

...ich komme hier nicht mehr mit... ob man sich nun über ein Schreckgespenst namens "Zaunreiter/in" (tunriderske, tūnriða etc. nachweislich in quellen und etymologisch. Wörterbüchern) aufregt oder "Aufhocker/innen" in Sagen, Märchen und gar Hochliteratur (Gogol) feststellt: beides trägt nichts zur Ausgangsfrage bei, ob Hexe von hagazussa oder Hekate herzuleiten sei.



oder in Verdis Aida (letzter Akt) "vedi di morte angelo" tragen auch nichts zur Etymologie von Hexe bei.


Du monierst, dass die Beiträge von anderen Diskussionsteilnehmern nichts beitragen, keine Relevanz haben, für die Eingangsfrage. Die beantwortest aber auch du nicht, und deine Beiträge tragen tragen dazu auch nicht mehr dazu bei, als dass du sagst, dass andere Beiträge nichts beitragen.


Die Eingangsfrage ist auch im Grunde beantwortet. Die Linguisten im Forum, @El Quijote, @Sepiola und andere haben, wie ich finde recht überzeugend, ausgeführt, weshalb nur die "hagazussa" nicht aber "Hekate" in Frage kommt.

Was nicht so ganz klar ist, dass ist die Frage, wie man überhaupt auf den Begriff von der "Zaunreiterin" kam, was für Eigenschaften Angewohnheiten man der Zaunreiterin zuschrieb, und welche Parallelen es mit anderen Unholden, Ungeheuern, mit Aufhockern, Vampiren, Ghoulen gibt in der europäischen Kultur und in anderen Kulturen.

Bei den Beiträgen handelt es ich aber zumindest um Beiträge, die Bezug zum Thema Hexerei, Aberglauben, Hexenprozesse hatten.

Den kann ich aber bei Verdis Aida und bei Heinrich Heine nicht erkennen. Ich würde auch die These wagen, dass Baba Jaga zur Etymologie nchts beiträgt zur Etymologie
 
und deine Beiträge tragen tragen dazu auch nicht mehr dazu bei, als dass du sagst, dass andere Beiträge nichts beitragen.
zu den ältesten aufgezeichneten Überlieferungen gehört die altengl. haegtessa (z.B. in den metrical charms: haegtessan geweorc) - hat denn das altengl. Wort auch die Bedeutung Eidechse?

und genau das macht mich stutzig!

Ohne jetzt gelehrsame Lautverschiebungen aufzulisten und zu diskutieren, gehe ich einfach davon aus, dass die altengl. Variante hægtesse und die althochdeutschen Varianten hagazussa, hagzissa sprachlich-etymologisch miteinander verwandt sind. Ich weiß es nicht sicher, aber die altenglische Variante scheint bzgl. der Quellenlage die älteste schriftlich vorliegende zu sein.

Vereinfacht und abgekürzt: die altenglische hægtesse, die im heidnischen altenglischen Zauberspruch Wið færstice auftaucht, ist eine magisch-religiöse Frauengestalt, die mit Vorsicht zu genießen ist... (man sollte sich laut Zauberspruch durchaus mit einem Lindenschild bewehren, wenn man mit solchen zu tun hat). Verräterisch in diesem Zauberspruch ist, dass hægtessan geweorc mit laut daherbrausenden mihtigun wif gleichgesetzt wird. Eine altenglische hægtesse ist also ein mihtigun wif, mit welchem nicht gut Kirschen essen ist... ;)

Verblüffend in diesem Kontext heidnischer Überlieferungen dieser Art (also vorchristliche bzw. heidnische "Hexen"), deren detaillierte Bedeutung für uns heute wohl (leider!) nicht vollumfänglich zu erschließen ist, sind weitere altenglische Quellen aus diesem Bereich: ein altenglisches Glossar teilt mit, dass vælcyrean und wiccan als venefica, parca (!), herbaria zu verstehen seie. Also dass "Walküren" und "Hexen" sowas wie Parzen und Giftmischerinnen seien (dieses Glossar ist aus klerikalem Umfeld und wertet heidnische Angelegenheiten entsprechend negativ (Giftmischerinnen) - aber interessant sind die verwendeten altenglischen Vokabeln!)

Ich kann es nicht beweisen, das gleich vorab, aber ich habe Eindruck, dass die überlieferten altenglischen Begriffe hægtesse, vælcyrea, wicca einerseits aus demselben heidnisch-religiösen Kontext stammen und zugleich andererseits im Kontext der klerikalen Überlieferung des Frühmittelalters (!) negativ konnotiert werden.

Möglicherweise gehören magische Gestalten wie die idisi des althochdeutschen Merseburger Zauberspruchs ebenfalls in diesen heidnischen Kontext.

Verblüffend sind Parallelen zu deutlich späteren altnordischen Überlieferungen:
vælcyrea - zu den zahlreichen Walküren a la Brynhild muss man wohl nicht viel sagen ;)
idisi - Disen - Parzen ist eine recht vernünftige frühmittelalterliche Gleichsetzung (im Sinne magischer Schicksalsfrauen)
idisi - herfjöturr (Heerfessel) eine Walküre, die laut altnord. Überlieferung ein Heer lähmt (fesselt) - nichts anderes sollen die via Zauberspruch angeflehten Idisen des Merseburgers tun
hægtesse - mihtigun wif (mit sehr walkürigem Auftreten im genannten altenglischen Zauberspruch)

Ich habe den Eindruck, dass diese freilich sehr lückenhafte, bruchstückhafte und mehrmals gebrochene Überlieferung von Begriffen, die in verschiedenen germanischen Sprachen des Früh- bis Hochmittelalters auftauchen, einen kleinen Einblick in heidnisch religiöse Vorstellungen andeuten - leider nur andeuten, weil der realen Überlieferung nicht daran gelegen war, unserem heutigen Interesse an exakten Definitionen und Wortbedeutungen entgegen zu kommen. Die erwähnten Begriffe erscheinen insgesamt als negativ konnotiert, diese Konnotation hat ihren Ursprung in der Heidenmission, die selbstredend heidnische Vorstellungen als verfehlt (dämonisch, hexenhaft etc) bezeichnen bzw. werten musste.

Vor diesem Hintergrund (bruchstückhafte Überlieferung heidnischer west- und nordgermanischer Vorstellungen) erscheint mir die Herleitung hægtesse - Eidechse sehr verwunderlich, und das aus dem einfachen Grund, dass das harmlose Tier "Eidechse" eigentlich nirgendwo im Umfeld germanischer heidnischer Vorstellungen prominent auftaucht... (nicht einmal Wagners Lindwurm Fafner eignet sich dafür, als Eidechse bezeichnet zu werden... :D ...:still:...)

:D:D:D für englisch sozialisierte: LOL (laughing out loud)
Du gibst dich einerseits schamhaft zartbesaitet (es fiel dir züchtigem Kommentator unangenehm auf), doch andererseits entsprudeln dir höchst unkeusche Männerfantasien (rot markiert) - aus welchem etymologischen Wörterbuch nimmst du das? Wie dem auch sei: deine widersprüchlichen Impressionen klären weder etymologische noch lückenhaft überlieferte heidnische Vorstellungen. Die "Zaunreiterin" taucht tatsächlich altnordisch auf (fett markiert) :

...von gespreizten Reitbewegungen, was auch immer das sein mag, vermelden die etymologischen Wörterbücher nichts - du musst dich also nicht in deiner Sittsamkeit unangenehm berührt fühlen ;)
...dann werter @Scorpio verzeihe mir gnädig die zitierten Beiträge, die ja so gar nichts nichts beigetragen haben...;);)

Bei den Beiträgen handelt es ich aber zumindest um Beiträge, die Bezug zum Thema Hexerei, Aberglauben, Hexenprozesse hatten.

Den kann ich aber bei Verdis Aida und bei Heinrich Heine nicht erkennen. Ich würde auch die These wagen, dass Baba Jaga zur Etymologie nchts beiträgt zur Etymologie
...du verzeihst, dass ich auf Beiträge ablehnend reagiert hatte? Lies sie einfach nach:
Reaktion auf #151:
ist eine russische Märchengestalt, bei uns so richtig berühmt durch Mussorgskis Zyklus "Bilder einer Ausstellung"; ihre Eigentümlichkeit ist das durch die Luft reiten auf einem Mörser. Zur Etymologie von Hexe trägt sie nichts bei.
Reaktion auf #154
oder in Verdis Aida (letzter Akt) "vedi di morte angelo" tragen auch nichts zur Etymologie von Hexe bei.
Mein Tipp wäre: erst lesen und Kontext miteinbeziehen, dann meckern.

...aber ich kann auch vom Thema abschweifen, nämlich: im Festungsbau kommen Hexen kaum vor, aber im so genannten Hextenturm, einem Turm der Stadtmauer in Rotenburg an der Fulda, war mal eine eingesperrt.
 
Zurück
Oben