Hexenverbrennungen

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Necron, 19. November 2019.

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  1. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Die Antiketzergesetze von 1224 von Friedrich II, welche vom Papst genehmigt wurden und für Ketzer den Feuertod vorsahen, kamen noch ganz ohne Zauberei aus, ebenso deren Vorläufer, die Ketzergesetze von Peter II von Aragon von 1198. Auch dort wird mit dem Feuertod gedroht, aber von Magie ist keine Rede. Dass in der Antike / Spätantike Magier verbrannt wurden, ist nach meinem Empfinden kein Hinweis, da der Feuertod in jener Epoche auch für andere Verbrechen angewandt wurde.

    Dass mit der Verbrennung von Schadens-Zauberer (nur diese wurden hingerichtet, nicht die "guten" Zauberer und Hexen) Wiedergänger verhindert werden sollten, sehe ich zum Mindesten für das Mittelalter nicht gegeben - auch wenn das eine spannende Idee von George Martin für die Regionen jenseits der Mauer in "Game of Thrones" ist -:)
    Ich sehe hier eher die Vorstellung von der "reinigenden Kraft" des Feuers am Werk - so etwa auch im Umstand, dass auch Verstorbene, welche posthum in den Verdacht der Ketzerei gerieten, wieder ausgegraben und nachträglich verbrannt wurden. Was hier auf den ersten Blick als ein Auswuchs des Wiedergänger-Aberglaubens ausgelegt werden könnte, wurde hautpsächlich von Inquisitoren angeordnet, welche eines Aberglaubens zum Mindesten dieser Richtung völlig unverdächtig sein dürften.

    Da ich, wie weiter oben ausgeführt, die Hexenprozesse als erweiterte Ketzerprozesse (in welcher die Zauberei als Beweismittel für Teufelsanbetung diente) interpretiere, gehe ich davon aus, dass die theologische Begründung für den Feuertod von Ketzern eben auch auf die Hexen angewandt wurde. Jedenfalls ist es offensichtlich, dass im Mittelalter die Hinrichtungsart des Verbrennens bei lebendigem Leib, abgesehen von Urkunde- und Münzfälschern, ausschliesslich Ketzer und Hexen betraf. Und Ketzerei wurde eben durch den Feuertod geahndet, von Katharern und Waldensern über Jan Hus zu Giordano Bruno. Als Gregor X 1231 die Inquisition zur einer päpstlichen Institution gemacht hatte, verkündete er: „Die durch Kirche Verurteilten überlassen wir dem weltlichen Gericht, um sie der rechtmässigen Strafe, das heisst dem Feuertod zu unterwerfen. Wenn irgendein Ketzer nach seiner Überführung zur
    Kirche zurück kehren will, soll er als würdige Strafe lebenslänglich in den Kerker geworfen werden.“ Der Abschnitt des Johannes-Evangeliums, den muck oben zitiert „Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt" taucht meines Wissens in Inquisitonsakten als Begründung für den Hinrichtungart des Feuertodes auf (muss ich jetzt suchen) und bezieht sich eben nicht auf Zauberei sondern auf Ketzerei. Und wie gesagt, ich bin mucks Ansicht, dass Hexerei als schlimmste Form der Häresie angesehen wurde und als solche von den "normalen" Zauberei-Prozessen zu trennen ist.

    Hinrichtungsmethoden, bei denen Feuer oder Wasser eine Rolle spielten, besassen stets einen reinigenden Charakter - und dies galt meiner Meinung nach nicht nur für Ketzer sondern auch für Hexen. Im Inquisitonsbuch von Bernard Gui wird geäussert, dass Unbussferige (Ketzer) verbrannt werden sollen, da es besser sei, wenn der sterbende Körper dem irdischen Feuer anheim fällt als die unsterbliche Seele der Hölle. Auf einem Holzschnitt des späten 15. Jahrhunderts (also zu einer Zeit, als die "klassische" Hexenverfolgung bereits im Gange war)
    ist dargestllt, wie ein Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrennt und seine Seele, symoblisiert durch ein Kleinkind, von einem Engel in den Himmel gebracht wird. Auch in diesem Zusammenhang passt die Gleichsetzung der Hinrichtungsmethode von Ketztern und Hexen. Ich gebe allerdings zu, dass die Idee des reinigenden Feuers höchstens im entferntesten Sinn als tehologische Begründung gelten kann, auch wenn sie von Bernard Gui angesprochen wird.

    Eine Verbindung zwischen der Anwendung des Feuertodes bei Hexen und Ketzern sehe ich beispielsweie in der von Gregor IX erteilten Bevollmächtigung an Konrad von Marburg, "Teufelsanbeter" ohne Prozess zu verbrennen. Zwar wurden die von Marburg entdeckten "Luziferianer" als Ketzer eingestuft - der Bezug zur späteren Klassifizierung von Hexen als Teufelsanbeter oder "Teufelsbuhlen" scheint mir aber augenscheinlich. Die Verbindung zwischen Ketzerei und Hexerei und deren einheitliche Ahndung durch den Feuertod geht im Übrigen auch aus dem oben angesprochenen Sachsenspiegel hervor (Artikel 13/7) "Swilch christen man ungeloubic ist oder
    mit zcoubere umme get oder mit vergifinisse, unde des verwunden wirt, den sal man uf der hurt burnen" - wer vom christlichen Glauben abfällt und mit Zauberei (noch nicht Hexerei) nachweisbaren Schaden anrichtet, muss mit dem Feuertod rechnen. Hier wird also bereits der Zusammenhang mit Ketzerei und Zauberei (der Begriff "Hexerei" taucht meines Wissens erst 1419 bei einem Prozess in Luzern auf) deutlich - ein Zusammenhang, den ich den Scholastikern (insbesondere Thomas von Aquin) mit ihren wissenschaftlichen Begründungen
    des Dämonen- und Zauberglaubens unterstelle. Und weil die Teufelsanbetung (inkl. Teufelsbuhlschaft und Teufelsbündnis) wie bei gewöhnlicher Ketzterei den Abfall vom Christentum beinhaltet, wurde Hexerei eben auch von der Inquisition (und nicht nur von weltlichen Gerichten) verfolgt und dementsprechend mit dem für die Ketzerei vorgesehenen Feuertod bestraft. Auch das Verfahrens zum Schuldnachweis - Denunziation, Befrgaung, Befragung unter Androhung der Anwendung von Folter, Zeit zur Reue, "peinliche Befragung" usw. - ist im Übrigen bei Hexen und Ketzern daselbe. Der Feuertod für Hexerei ist derselbe Feuertod wie bei der Ketzerei und die Begründung ist ebenfalls dieselbe.

    Thomas von Aquin meint in seiner Summa theolgica: "Was die Ketzer anlangt, so haben sie sich einer Sünde schuldig gemacht, die es rechtfertigt, dass sie nicht nur von der Kirche vermittels Kirchenbannes ausgeschieden, sondern auch durch die Todesstrafe aus dieser Welt entfernt werden. Ist es doch ein viel schwereres Verbrechen, den Glauben zu verfälschen, der das Leben der Seele ist, als Geld zu fälschen, das dem weltlichen Leben dient. Wenn also Falschmünzer oder andere Übeltäter rechtmässigerweise von weltlichen Fürsten sogleich vom Leben zum Tode befördert werden, mit wieviel größerem Recht können Ketzer unmittelbar nach ihrer Überführung wegen Ketzerei nicht nur aus der Kirchengemeinschaft ausgestossen, sondern auch billigerweise hingerichtet werden."

    Interessant ist hier vor allem, dass im Mittelalter nicht nur Hexen und Ketzer, sondern auch Münzfälscher auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurden. Aufgrund des Vergleichs von Thomas von Aquino ?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Was genau sollte da gereinigt werden?

    Für den Ursprung der Feuerstrafe für Hexerei wird das kaum einen Beleg bieten - es sei denn, es würde dort eine theologische Autorität vergangener Zeit zitiert. (Interessieren würde mich der genaue Wortlaut der Begründung aber auf jeden Fall - vielleicht wirst Du ja noch fündig.)

    Das würde ich gern im Original und im Zusammenhang nachlesen, hast Du da mal die genaue Stelle parat?
    So wie Du es formulierst, würde das ja bedeuten, dass die Seele des unbußfertigen Ketzers nicht in die Hölle kommt, wenn nur sein Körper verbrannt wird?


    Sie wurden halt auch im Früh- und Hochmittelalter verbrannt.
    Beispiele nach Joseph Hansen:

    Im Jahre 1090, zu einer Zeit, wo infolge eines Bischofsstreits die öffentliche Gewalt in Freising fehlte, wandte sich im Dorfe Vötting bei Freising die Leidenschaft des Volkes gegen drei arme Weiber, die als "veneficae" und "perditrices frugum" berücktigt waren. [...] man peitschte die Frauen wieder, ohne daß sie gestanden, und verbrannte sie trotzdem lebendig am Ufer der Isar. Dieser Vorfall trägt durchaus die Züge der Lynchjustiz an sich, die auch in Köln 1075, allerdings weniger bestimmt, hervortreten, und diese Volksjustiz erklärt sich aus der Schwerfälligkeit des ordentlichen gerichtlichen Verfahrens von selbst. Die Leichen der Frauen wurden durch einen Priester und zwei Mönche später im Atrium der Kirche von Weihenstephan beigesetzt.

    Im Mai 1128 erkrankte der Graf von Flandern, Dietrich von Elsaß, "an Herz und Eingeweiden", und man schrieb die Krankheit einem Weib zu, das ihn beim Überschreiten der Deule bei Lille unter Beschwörungsformeln mit Wasser besprengt haben sollte. Die Leute des Grafen ergriffen das Weib, banden es und verbrannten es lebendig auf einem Scheiterhaufen.
    Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozess im Mittelalter und die Entstehung der grossen ... : Joseph Hansen : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive
     
  3. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Reinigung der Sündenlast - die Ketzer-/Hexenverbrennung als irdische Variante des Fegefeuers

    Ja, aber nicht ausschliesslich. Agnes Bernauer wurde der Hexerei angeklagt, aber ertränkt.
    In der Lex Salica werden Giftmörder, welche die Entschädigungszahlung nicht bezahlen können, verbrannt.
    Der Pactus Alamannorum und die langobard. Gesetzesammlung Rotharis verbieten die Verbrennung von Zauberern..
    Die verbrannten Zauberinnen von Freising im Jahr 1090 hast Du erwähnt.
    Im Sachsenspiegel (s. oben) erscheint Ketzerei und Hexerei und die Ahndung als Feuerstrafe bereits im Zusammenhang, ebenso im Schwabenspiegel.
    Die Lex Baiuwariorum ahndet Schadenszauber überhaupt nicht mit der Todesstrafe.
    1296 werden Zauberinnen in Bozen verbrannt.
    Die Westgotische Gesetzgebung ahndet Zauberei nicht durch Verbrennen sondern durch Auspeitschung und Kerkerstrafen.
    Die Lex romana Raetica verbrennt ebenfalls keine Hexen, sondern schneidet ihnen Nasen und Zungen ab.

    Die Ahndung von Schadenzauber im Früh- und Hochmittelalter war also nicht einheitlich, und wurde nicht überal l durch den Feuertod vollstreckt. Erst als die Scholastik resp. vor allem die Scholastik die Verbindung zwischen Zauberei und Ketzerei herstellte, wurden Hexen überall (Ausnahmen gab es in der Neuzeit ab 1550) - entsprechend den Ketzern (zum Mindesten seit 1198, Peter II von Aragon) - zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

    Wolfgang Behringer, Mit dem Feuer vom Leben zum Tod, Hexengesetzgebung in Bayern, als PDF (Überblick ab Seite 21)
    https://www.google.ch/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwi_0oTyhrbmAhWay8QBHa6UAjcQFjABegQICRAC&url=https://publikationen.sulb.uni-saarland.de/bitstream/20.500.11880/23624/1/W.Behringer.Mit.dem.Feuer.vom.Leben.zum.Tod.1.pdf&usg=AOvVaw0SMeIS-8BLfVaEczZmRzAB
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die Sündenlast wurde sicher nicht gereinigt. Du meinst wohl "Reinigung von der Sündenlast" - und die Frage lautet in diesem Fall: Was sollte da von der Sündenlast gereinigt werden? Die Seele des Delinquenten?


    Das Breviarium Alarici (6. Jahrhundert) zitiert allerdings auch die von mir oben erwähnten Paulussentenzen, wonach Magier lebendig verbrannt werden sollen:
    MDZ-Reader | Band | Lex Romana Visigothorum / Haenel, Gustav Friedrich [Herausgeber] | Lex Romana Visigothorum / Haenel, Gustav Friedrich [Herausgeber]
    Siehe dazu auch das von mir schon weiter oben zitierte PDF von Wolfgang Behringer: "Spätere spanische Gesetzgebungen schließen an die 'Lex Romana Visigothorum' an, beispielsweise die Bestimmungen des Königs Ramiro I. von Aragon aus dem Jahre 1050" (der Zauberer mit dem Feuertod bestrafte).

    Dass solche Verbote erlassen werden, bedeutet ja, dass es entsprechende Praktiken gab, die man hier und dort zu unterbinden gedachte - während sie anderswo weiter praktiziert wurden.

    Belege für die Feuerstrafe für Häretiker setzen dagegen erst viel später ein - der erste und für lange Zeit einzige belegte Fall war die Ketzerverbrennung von Orléans 1022.
    Da liegt die Annahme doch nahe, dass man die altbekannte Feuerstrafe für Zauberer hier erstmals auf Ketzer übertragen hat - und nicht umgekehrt.
     
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  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das mit der "reinigenden Kraft des Feuers" habe ich schon verschiedentlich gelesen - es erklärt nur leider nichts. Warum bedürfen Zauberei, Ketzerei und Falschmünzerei der Reinigung, und andere Übeltaten wie Mord, Diebstahl und Ehebruch bedürfen dieser Reinigung nicht?
     
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  6. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Das ist mir auch nicht klar. Geklärt ist aber auch nicht, zum Mindesten nicht im Einzelnen, wie die verschiedenen mittelalterlichen Hinrichtungsarten für die unterschiedlichen Verbrechen begründet wurden. Feuertod (Ketzerei, Hexerei, Urkunden- und Münzfälschung), Enthaupten (Raub, Totschlag, Bigamie, Verrat, Entführung, Blutschande), Hängen (Diebstahl, Mordbrennerei, aber auch wiederum Münzfälschung), Rädern (Mord, Kirchendiebstahl, aber auch wiederum Raub und Brandstiftung) Etränken (Abtreibung, Kindsmord, Vergewaltigung), Pfählen und Spiessen (ebenfalls Totschlag, Kindsmord, Hochverrat und Inzest), etc. - Falschmünzerei wurde nicht nur durch Verbrennen sondern auch durch Sieden bestraft.
    Mittelalterliche Körperstrafen waren häufig "Spiegelstrafen", bei der sich in der Hinrichtungs- oder Verstümmelungsart das Delikt spiegelte: Der Vergewaltiger wurde gepfählt oder kastriert, dem Hausfriedensbrecher hackt man den Fuss, dem Meiniedigen Hand oder Schwurfinger ab, und dem Verleumder durchbohrte man die Zunge mit einem Nagel.

    Die spiegelnden Strafen entsprachen in vollem Umfang dem Schuld-und-Sühne-Verständnis des Mittelalters, das dem des Alten Testaments vergleichbar ist, also: Auge für Auge, Zahn für Zahn. Für eine Kindstötung, welche im Mittelalter immer wieder vorkam hiess das eine ertränkte Mutter für ein ertränktes Kind. Ebenso konnte einem Dieb die Hand abgeschlagen werden, mit der er den Diebstahl begangen hatte, einem Verleumder die Zunge herausgerissen werden, mit der er verleumdet hatte. Die Ordnung, so empfand man, war damit wieder hergestellt, das Gleichgewicht wiedererlangt.

    Wie jetzt das Verbrennen - das reinigende Feuer - für Hexen und Ketzer in dieses Prinzip der Spiegelstrafen passen soll, kann ich auch nicht nachvollziehen. Wenn man aber davon ausgeht - die von Dir angesprochene Idee der Übertragung des Feuertodes für Magie auf Häresie überzeugt mich aufgrund der erwähnten unterschiedlichen Hinrichtungsarten für Zauberei nicht (prominentes Beispiel Agnes Bernauer) - dass sich erst im Zusammenhang mit Ketzerei die Feuerstrafe für Hexerei durchsetzte, hätte ich eine Erklärung. Ich sehe hier wiederum die Teufelsanbetung und den Teufelpakt als ursächlich an - d.h. erst als die Kirche (u.a. wieder die Scholastik) die Verbindung zwischen Zauberei und Dämonologie hergestellt (die früh- und hochmittelalterliche Kirche hielt Zauberei für Aberglaube) hatte, unterstellte man den Ketzern eine Verbindung zum Teufel resp. zu dämonischen Kräften. Und mit dem Feuertod sollte der vom Teufel Besessene gereinigt werden - eine Art Teufelsaustreibung. Dies wäre zum Mindesten ein Erklärungsversuch. Ich komme darauf, weil im Mittelalter auch Sodomie mit dem Feuertod bestraft wurde. Sodomie galt ebenfalls als Ketzerei, und der "vichunrainer" wurde häufig zusammen mit dem Tier auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Durch das Mitverbrennen der Tiere wurden diese nicht bestraft, sondern wegen irhes ihnen anhaftenden Makels der Schändung einfach beseitigt. Mit dieser Beseitigugn glaubte man, den Dämon leibhaftig zu vernichten, womit Analogien zum Teufelsaustreibungsprozess bei Menschen einhergingen.

    Zur theologischen Begründung des Feuertodes für Ketzerei liegt, meine ich, muck mit Johannes richtig ("Wer nicht in mir bleibt, wird hinausgeworfen wie der Rebzweig und verdorrt. Man liest sie zusammen und wirft sie ins Feuer").
    Also sollen Ketzer verbrannt werden - zudem kommt der Feuertod auch dem kirchlichen Gebot entgegen, dass Kleriker kein Blut vergiessen dürfen. Es scheint (ich finde die Stelle im Internet nicht), dass Poliakov behauptet, die Inquisition hätte sich im Zusammenhang mit dem Feuertod auf Joh. berufen.
     
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Jedenfalls hat man sich für die Hinrichtungsarten wohl kaum einer theologischen Begründung bedient. Dabei wäre man in der Bibel sehr wohl fündig geworden, da wird nämlich für verschiedene Delikte die Steinigung angeordnet. Zum Beispiel:
    "Wenn ein Mann oder Weib ein Wahrsager oder Zeichendeuter sein wird, die sollen des Todes sterben. Man soll sie steinigen" (3. Mose 20.27)

    Und dem Ketzer schnitt man die Zunge ab.

    Wir sind hier im 11. Jahrhundert. Da gab es noch keine allgemeinen Rechtsvorschriften für Hinrichtungen von Ketzern.
    1051 ließ Kaiser Heinrich III. in Goslar mehrere Menschen als Ketzer verurteilen. Sie wurden erhängt. Also haben wir hier auch für Ketzerei noch unterschiedliche Hinrichtungsarten.

    Durchgesetzt hat sich dann jedenfalls die Feuerstrafe, wie der Sachsenspiegel dann eindeutig belegt:
    "Ist ein Christ oder eine Christin ungläubig und beschäftigt sich mit Zauberei oder mit Giftmischerei und werden (sie) dessen überführt, die soll man auf dem Scheiterhaufen verbrennen."

    Ich verstehe überhaupt nicht, warum eine Hinrichtungsmethode eine theologische Begründung braucht. Das habe ich bereits in diesem Beitrag geschrieben. Du hast mit einem Zitat von Thomas von Aquin "geantwortet" - nur macht der sich leider auch keine Gedanken über die Hinrichtungsmethode, geschweige denn, dass er eine theologische Begründung dafür liefert.

    Wenn Du also der Meinung bist, dass es eine theologische Begründung gab, dann such doch bitte mal nach Belegen für eine theologische Begründung.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    El Quijote gefällt das.
  9. schaf

    schaf Neues Mitglied

    Capitulatio de partibus Saxoniae – Wikipedia
    6. Todesstrafe erleidet der, der vom Teufel getäuscht, nach heidnischer Sitte wähnt, irgendein Mann oder eine Frau sei Hexe und Menschenfresser und sie deshalb verbrennt oder deren Fleisch verzehrt bzw. zum Verzehr weitergibt.

    Verbrennen war wohl schon vor der Christianisierung üblich.
     
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  10. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Mich würde wirklich interessieren, was Gui wörtlich geäußert hat. Den Text der Practica Inquisitionis gibt es hier:
    Practica Inquisitionis heretice pravitatis : Bernardus Guidonis, Bishop of Lodève, 1261 or 62-1331 : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive
    Ich bitte nochmals um eine Stellenangabe.

    Wie gesagt: Falls Du fündig wirst, würde mich auch das interessieren.
     

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