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Ich hänge eine kleine Gemeinheit an: wer Wanderhuren & Co. schätzt, wird von France, Brecht (Caesar), Zamjatin (Priskos & Attila) heillos überfordert und enttäuscht sein...
Tut mir leid, Dekumatland, dass ich diese "Gemeinheit" nicht ernst nehmen kann, aber dann müsste ich mit Büchern von France, Brecht oder Zamjatin heillos überfordert sein.
Persönlich halte ich Iny Lorentz bzw. Iny Klocke und Elmar Wohlrath inzwischen für besser als ihr Ruf vermuten lässt. Einige Bücher von ihnen wie "Die Goldhändlerin", "Die Tochter der Wanderhure" (mit Einschränkungen) oder "Das Mädchen von Agunth" haben mir gut gefallen, auch wenn das sicher keine Nobelpreislektüre ist. Bei Büchern wie "Die Widerspenstige" oder "Ritter Constance" hat mich ihre Darstellung des historischen Hintergrunds im Vergleich zu meisten anderen Büchern, die zurzeit am deutschsprachigen Buchmarkt zu finden sind, wesentlich mehr überzeugt.
Seltsamerweise habe ich mich aber mit einem Buch wie "Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar" von Berthold Brecht keineswegs überfordert gefühlt. Ich war auch von Hilary Mantel begeistert, die sicher keine leichte Lektüre bietet. Allerdings bietet sie mit ihrer Trilogie um Thomas Cromwell eine neue, hoch interessante und glaubwürdige Sicht auf eine historische Figur und ihr Umfeld. Gelesen habe ich "Die häßliche Herzogin" und "Die Jüdin von Toledo" von Lion Feuchtwanger, "Vor dem Sturm" und "Grete Minde" von Theodor Fontane, "Vittoria Accorombona" von Ludwig Tieck und "Der Freihof von Aarau" von Heinrich Zschokke sowie "Jürg Jenatsch" von Conrad Ferdinand Meyer.
Außerdem habe ich eine ganze Reihe von Island Sagas (Weltliteratur aus dem Mittelalter, die allerdings durchaus als Vorläufer des historischen Romans gesehen werden kann) gelesen, den Simplicissimus und die Courasche von Grimmelshausen, eine ganze Reihe von Romanen von Sir Walter Scott, der immerhin als Begründer des "Historischen Romans" gilt, von Benedicte Naubert etc. und Daneben noch eine ganze Reihe Romane aus dem 19. Jahrhundert (Louise Otto Peters, Gottlob Heinrich Heinse, Hermann von Schmid etc.), die allerdings zum Teil damals als Trivial- oder Unterhaltungsromane galten bzw. umstritten waren und es vielleicht noch immer sind .
Weitere Bücher, die schon länger zurückliegen, an die ich mich aber noch gut erinnern kann, waren zum Beispiel: "Kristin Lavranstochter" und "Olav Audunson", beide von Sigrid Undset, "Wald der Erwartung" von Hella Haasse oder mehrere Romane von James A. Mitchener, Helle Stangerup, Jeannine Meighörner oder Dorothe Zürcher, um noch einige weitere Beispiele anzuführen.
Da ich diese Bücher alle tatsächlich gelesen habe und auch mit anderen Menschen seinerzeit über einige von ihnen diskutieren konnte, war ich doch nicht mit ihnen überfordert.
PS:
Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass ich mit Rebecca Gable und Sabine Ebert nichts anfangen kann. Bei beiden ist für mich nicht nachvollziehbar, dass sie angeblich bestens recherchiert hätten. Deshalb wurde ich auf Facebook vor einigen Jahren fertig gemacht, da ich dumm genug war, meine Zweifel an der Qualität ihrer historischen Recherche anzudeuten. Zumindest müssen die beiden nach dem dortigen Publikum verkannte Nobelpreisträgerinnen sein, deren Bücher sogar zur Unterrichtslektüre empfohlen werden.