Hygiene und Körperbewußtsein im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Leopold Bloom, 13. April 2004.

Schlagworte:
  1. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Ich erlaube mir, erstmal Schini zu zitieren:

    "Auch denke ich nicht, dass das Mittelalter per se körperfeindlich war. Im Gegenteil, die körperliche Wahrnehmung und die Anwesenheit von Körpern waren von großer Bedeutung. Wir sollten uns nicht von asketischen Überlieferungen täuschen lassen, sie betreffen nur eine bestimmte Schicht und nicht die Mehrzahl der Menschen. Auch dürfen wir nicht dem Trugschluß erliegen, unser heutiges Urteil auf die Vergangenheit anzuwenden und Menschen verdammen, die sich für Gott am Körper kasteien (schon gar nicht ein ganzes Zeitalter...). Tun wir dies denn mit all dem jungen Mädchen, Frauen und Männern, die an Magersucht leiden? Legen wir dies auf unser ganzes Zeitalter um? Natürlich tun wir dies nicht, da wir ein umfassenderes Wissen über die Gegenwart haben; wir sollten es aber auch nicht tun, wenn wenige Quellen existieren. "


    Und nun schnell Arcimboldo:

    "Die leibfeindliche Vorstellung der kath.Kirche aus diesen Mißverständnissen heraus ,wirkt meiner Meinung nach bis heute nach, oder nicht ? "


    Und Mercy sagt:

    "Die angebliche Leibfeindlichkeit des Mittelalters ist eine Erfindung der frühen Neuzeit und der Aufklärung (woher rührt denn "das finstere Mittelalter"?).
    Das scheint mir aber ein grundsätzlicheres Thema, das wir nicht hier bei der Frage nach den Bedingungen der Menstruation im MA erörtern sollten."



    Und aufgrund Mercys Schlußsatz szehn wir nun hier....
     
  2. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

  3. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Zu Arcomboldos Aussage bzgl. der Leibfeindlichkeit stell ich mal eine ganz provokante These daneben: Da hat das victorianische Zeitalter mehr dazu beigetragen als das Mittelalter.
     
  4. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ---------------------------------------------------------------------------
    ....jetzt muß ich mir mal ein paar Tage freinehmen, um die Links alle angemessen zu würdigen, vielen Dank. :p
    ..... heiße übrigens Arc i mboldo......zu viel Zeit muß sein :motz:
     
  5. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Mea Culpa....Ich hoffe du siehst mir dies nach zumal i und o direkt nebeneinander liegen. Und nun geh ich mich in Sack und Asche hüllen :engel: :trost: :fs:
     
  6. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    .....dass ist wiederum nicht nötig, Leopild... :king:
     
  7. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich nehme mal an, daß es hier ebenso um das Wahrnehmen des eigenen Körpers und um das Umgehen mit ebenjenem im Mittelalter geht.

    Zunächst möchte ich Leos These/Aussage bekräftigen, aber nicht weil er hier Moderator ist, sondern weil da wirklich was dran ist. Darüberhinaus möchte ich ergänzen, daß - ersichtlich auch, wenn man sich die Linksammlung bzw. die verlinkten Inhalte genau durchliest - die "unhygienische Zeit" eher die Frühe Neuzeit (Renaissance, Barock) denn das Mittelalter ist.

    Obwohl - und jetzt muß ich gleich wieder relativieren - man für das Mittelalter wiederum in den verschiedenen Zeitepochen, zumindest aber zwischen Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter, differenzieren muß.
    Im frühen Mittelalter, welches v.a. durch die Umbruchs- und Aufbruchszeit nach der Völkerwanderung (ich meine die ab 375) geprägt ist, sind viele Menschen im westlichen Europa noch "im Barbarischen verwurzelt", wie es ein arabischer Chronist bspw. vom Hof Karls d. Gr. noch an den Khalifen Harun ar-Raschid berichtete. Er beklagte sich wohl unter anderem auch darüber, daß "bei Hofe die Männer in zerrissene Lumpen gehüllt" herumliefen (auch wenn das sicherlich eine etwas überzeichnete Wortwahl des Orientalen war), sich selbige Edelmänner "während des Mahls den Abort aufsuchten... sich danach nicht die Hände wuschen..." und "nach dem Essen ein jeder kräftig in die herumgereichte Wasserschale schneuzte". Auch wenn - wie schon erwähnt - der Bericht sicherlich nicht ganz wertfrei ist, so verdeutlicht er doch folgendes: die hygienischen/körperpflegenden Errungenschaften des Imperium Romanum waren schon einigermaßen in Vergessenheit geraten.
    Nach und nach aber kamen durch den Kontakt mit der östlichen Welt (Byzanz, Orient - das aber bereits VOR dem 1. Kreuzzug von 1096!!!) wieder etwas gesittete Verhältnisse nach Europa. So dürfen folglich die noch für das Frühmittelalter geschilderten "Verhältnisse" für die Zeit des Hochmittelalters keinesfalls mehr als gesetzt angenommen werden. Zu dieser Zeit (Hochmittelalter) "kehren" die bereits vergessen geglaubten Dinge der Römerzeit wie Bäder, Latrinen, Hospitäler,... "zurück" (Anm. d. Verf.: Die "Rückkehr" der Hospitäler haben wir dabei v.a. einem Ritterorden zu verdanken, den Johannitern :cool::yes:;)).
    Leider bringt das Spätmittelalter - vereinfacht gesagt - einen Rückschlag, und zwar durch: 1347 Aufkommen der Pest ("Schwarzer Tod"). Daraus resultierte u.a. die Schließung von Badehäusern u.ä., wodurch sich ein erneuter Rückgang im "Hygienebewußtsein" (falls der Begriff so Sinn macht) ergab, der dann in Renaissance und Barockzeit schließlich darin gipfelte, daß das Wasser als Überträger von Krankheiten im allgemeinen und der Pest im besonderen angesehen wurde. Das soll jetzt allerdings nicht als Diffamierung der frühen Neuzeit verstanden werden, sondern ist eine Tatsache.

    Neben dem zeitlichen Aspekt gibt es natürlich noch eine gesellschaftliche Differenzierung: ein Adliger im Hochmittelalter verwendete durchaus einiges auf Körperpflege, die adligen Damen der damaligen Zeit noch einiges mehr. Bei einer Krankheit oder Verletzung in "fachgerechte" medizinische Behandlung zu gelangen, war aber selbst für Adlige nicht unbedingt gegeben - auch wenn sie bspw. eher Mittel und Möglichkeiten hatten, in ein Hospital der Johanniter zu kommen. Wir kennen schließlich alle einige überlieferte Fälle, wo selbst Könige durch die "Behandlung" eines Pfuschers verstarben!

    Doch diese angesprochene Differenzierung wollte ich lediglich in Grundzügen ansprechen, und selbst das ist schon wieder viel Text geworden. Meines Erachtens nach müßte man das Thema an der Stelle noch viel mehr vertiefen...

    In diesem Sinne

    Timo
     
  8. Livia

    Livia Mitglied

    Auch im Spätmittelalter wurde noch viel und gern gebadet. Es gab zwei Möglichkeiten zu baden: in der Badewanne oder im Dampfbad, also allein oder in Gesellschaft. Das häusliche Bad wurde im Schlafzimmer bereitet, in der Nähe des Feuers, auf dem das Wasser erwärmt wurde. Zu den obersten Pflichten der Gastfreundschaft zählte, dem Gast ein Bad einzurichten.
    Der wohlhabende Bürger badete in der Privatheit seines Heims. Ins Badewasser mischte man gern aromatische Kräuter. Galen empfahl, den Badenden mit Rosenblättern zu bestreuen, und genau das berichtet der Held in einem höfischen Epos von Ulrich von Lichtenstein aus dem späten 13. Jahrhundert.

    Auf dem Land war das Baden ebenso verbreitet wie in der Stadt. Man badete vornehmlich im Haus, aber auch im Freien. Der Badende kauerte sich in eine mit heißem Wasser gefüllte Wanne, die mit einem straff gespannten Tuch bedeckt wurde, um den Dampf nicht entweichen zu lassen. Manchmal badeten zwei oder mehr Personen gemeinsam, aus Gründen der Geselligkeit oder der Gastfreundschaft. So gab es das Bad nach der Weinlese und das Bad, das Braut und Bräutigam am Vorabend der Hochzeit getrennt nahmen - er mit seinen Jugendfreunden, sie mit ihren Jugendfreundinnen.

    In ländlichen wie städtischen Gebieten gab es öffentliche Bäder, die mitunter von der Gemeinde verwaltet wurden. Einige dienten nicht nur der Reinigung, sondern auch therapeutischen Zwecken; die antike Tradition des Badens in heißen Quellen lebte an Orten fort, deren Quellen für ihre Heilkraft berühmt waren. Im 15. Jh. kamen Thermalkuren in Mode, so in Teinach im Schwarzwald, wo das Wildbad 1476 den Sachsenherzog Wilhelm samt Leibarzt anzog, oder Hall in Tirol, wo Botschafter Agostino Patrizi 1471 auf dem Wag nach Regensburg Station machte und eine Beschreibung der kunstvollen Installationen anfertigte.:fisch:

    Lit.: Philippe Ariès und Georges Duby (Hg.), Geschichte des privaten Lebens. Bd.2:Vom Feudalzeitalter zur Renaissance, Frankfurt a. M. 1990. S.559-561.
     
  9. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    An der Stelle ein kleiner Vorschlag meinerseits, da ich mit der Betrachtung der Zeitabschnitte angefangen hatte...

    Etwas willkürlich gezogen die Einordnung - sehr grob und für Historiker auch zu undifferenziert, aber zumindest als Orientierung tauglich:
    Frühmittelalter 500-1000
    Hochmittelalter 1000-1300
    Spätmittelalter 1300-1500

    Soll nicht mehr als ein Konsens sein, um Mißverständnisse o.ä. zu vermeiden.

    In diesem Sinne

    Timo

    PS: Sorry for being off topic!
     
  10. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Aber nicht doch...

    Solch eine Klarstellung ist sehr hilfreich!
     
  11. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Danke, Schini. Aber wie schon erwähnt ist das eine sehr grobe Gliederung, die wissenschaftlich nicht ganz exakt ist, sondern lediglich die Jahrhundertwenden als Orientierungspunkte setzt.

    Zurück zum Thema: ich möchte noch etwas zur Körperhygiene abhängig vom Stand hinzufügen.

    Daß im Gegensatz zum Adel das sog. Gemeine Volk - oder euphemistischer: die einfache Bevölkerung - im allgemeinen weniger Wert auf übertriebene Körperpflege legte, dürfte wohl für jede(n) nachvollziehbar sein. Allerdings gab es auch einen weiteren gesellschaftlich recht angesehenen Stand, nämlich die Geistlichkeit - hier sind besonders die Mönche (insbes. in den Bettelorden) besonders zu betrachten.
    Entsprechend den grundsätzlichen Gelübden galt nämlich auch das Baden als schädlich im Übermaß und eine Sache, die als "zu weltlich" angesehen wurde. Daraus wurde der Schluß gezogen, daß ein Mönchsbruder nur zweimal im Jahr ein Bad zu nehmen hatte.
    Wer sich diesen Kontext in ausführlicherer Form zu Gemüte führen möchte, sei nochmals auf die von Leo eingestellten Links verwiesen (war mindestens einer dabei, worin dies u.a. behandelt wurde).

    In diesem Sinne

    Timo
     
  12. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Das Bild von der schmutzstarrenden Stadt des Mittelalters beruht auf archäologischen Feststellungen des 19. Jh. Und da ist was dran.
    Die pax romana existierte nicht mehr. Daher erfüllte die mittelalterliche Stadt neben vielen Funktionen auch die einer Großburg. Das führt zu räumlicher Enge und zwingt zur Autarkie im Konfliktfall. Wasserzuleitung von außerhalb verboten sich. Die Stadt (jedenfalls nördlich der Alpen) hatte die Aufgabe, Unabhängigkeit nach außen und Rechtssicherheit nach innen zu gewährleisten. Weite Bereiche der Daseinsvorsorge blieben Privatsache oder Angelegenheiten von Stiftungen oder kirchlichen Institutionen. Erst im 14. Jh. beansprucht die Ratsobrigkeit alleinige und umfassende Kompetenzen für die innerstädtischen Lebensbedingungen.
    Die Wasserversorgung der Stadt nutzte das Grundwasser. Im Bereich der Münchner Dienerstraße ist belegt, dass im 15. Jh. 54 % der Haushalte eigene Brunnen hatten. Zu Beginn des 19. Jh. wurden in München 2000 Hausbrunnen gezählt. Sie reichten selten über 20 m tief.
    Die Trinkwassergewinnung in dieser Zeit war eine häufige Ursache für Infektionskrankheiten. Das ist auf die damalige Praxis der Abfall- und Abwasserbeseitigung zurückzuführen. Die Beseitigung von Abfällen und Fäkalien war Privatangelegenheit. Die Beseitigung mußte ohne Belästigung der Nachbarn auf eigenem Grundstück erfolgen. Das hat zu der Annahme geführt, dass es vor und im dem 16. Jh. in den Privathäusern kaum sanitäre Einrichtungen gegeben habe. Die Beseitigung durch Ausschütten auf die Straße sei die Regel gewesen. Das ist widerlegt. Häusliche Abfallgruben und Latrinenschächte werden als besonders wichtige Fundstätten bei Altstadtgrabungen erfasst. Abzugsrinnen und -gräben sind seit dem 12. Jh. belegt (Goslar, Konstanz). Aus dem 14. Jh. sind Kostenrechnungen für die Reinigung solcher Gräben überliefert. Es gab Grabenmeister und Grabenfeger, was auf Professionalisierung hindeutet. Ergiebig sind die Amtsaufzeichnungen des Nürnberger Stadtbaumeistrs Endres Tucher aus den Jahren 1464 - 1470. Tucher ließ solche Gräben im Bezirk der Juden erstmals seit 18! Jahren wieder räumen. Er war verpflichtet, dafür zu sorgen, dass keine Aborte in die Rinnen geleitet wurden.
    Nach den Vorschriften mittelalterlicher Stadtrechte mussten die Abortgruben von Zeit zu Zeit geräumt werden. Dem widersprechen ungestörte Fundfolgen aus Jahrhunderten in archäologisch untersuchten Latrinen. Trotzdem hat es Grubenreinigungen nachweislich gegeben. In Köln machten das die mundatores latrinae, in Frankfurt die heymelichkeit-fegere. In Basel waren die Totengräber, in Augsburg die Henker zuständig (unehrliche Berufe). In Nürnberg waren die Grubenräumer geschworene Handwerker. Aus Tuchers Aufzeichnungen und den Abrechnungen der Kölner und Nürnberger Patrizierhaushalte ersieht man: Eine Abortanlage bestand aus einem "heimlichen Gemach", das durch eine Röhre mit dem "Kasten" verbunden war, einem unterirdischen Gewölbe, oft unter dem Wohnhaus. Er musste vollstängig unter der Erde liegen, wegen des Geruchs. Deshalb durften die Gruben nur im Winter und in den nahen Fluss geleert werden.
    Mit dieser Grubeneinrichtung wurde natürlich das Grundwasser verunreinigt. Tucher schreibt über eine überfällige Grubenreinigung, dass die Räumer 300 Schaff herausgetragen hätten, bis sie 2 m unter der Kellersole aufs Grundwasser gestoßen seien. Tucher notierte, dieser Kasten sei ein alter Brunnen gewesen. Das große Ausmaß dieser Kästen erlaubte Abstände der Grubenräumung von 30 Jahren. Sie waren bis zu 8 m tief und fassten bis zu 30 m³. Die Brunnen gingen nach der Länge der Brunnenseile zu schließen, auch nicht viel tiefer.
    Im 14. Jh. beginnt eine städtisch organisierte Müllabfuhr auch für Bauschutt und gewerbliche Problemabfälle. Die Säuren und Beizen der Nürnberger Metallhandwerker kamen in die Pegnitz. Die Rückstände der Augsburger Färberei kamen in den Lech. Auch Aas und Tierkörperabfälle wurden im Fluss versenkt (Funde im Haddebyer Moor).
    Fraglich ist, ob man sich über den Wasserkreislauf im Grundwasser im Klaren war. In München, Straßburg und Nürnberg wurden Isolierungen für die Abortgruben verlangt. Dass eine zu enge Nachbarschaft zwischen Latrine und Brunnen den Brunnen verdirbt, war bekannt. Es wurde auch über den Zusammenhang von Wasserqualität und Krankheit spekuliert. Ein Durchbruch in dieser Richtung gelang nicht. In Lübeck mündete nahe den Schöpfwerken für die Wasserversorgung die Ableitung für Schlachthausabfälle in die Wakenitz.
    So kam es zum Infektionskreislauf Mensch - Abfallentsorgung - Wasser - Mensch. Einer realistischen Kausalitätsbetrachtung stand die Miasma-Theorie entgegen.

    Fingalo
     
  13. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Hallo nochmals,

    das Thema ist, denke ich zumindest, doch komplexer als es den Anschein hat :cool:

    Der Punkt der Körperpflege wurde schon angesprochen - einer der Links zeigt auch darauf -, und in einem anderen Thema hier ging es ebenfalls um Körperbehaarung bzw. den Umgang damit.

    Anmerkend möchte ich zu dem in betreffender Verlinkung gebrachten Zitat

    einen weiteren Beleg nennen, wobei diese Quelle nicht europäisch, sondern arabisch ist.

    In einem Bericht des Usama ibn Munqid aus dem ersten Jahrhundert der Kreuzzüge (d.h. 12. Jh.) schildert ein Araber, in dessen Welt Haarentfernung aus kosmetischen oder hygienischen Gründen wohl gang und gäbe war, daß ein "fränkischer" Ritter und dessen Dame ganz begeistert davon waren und diese Praxis übernahmen.
    Die Übersetzung kann nachgelesen werden in:
    Francesco Gabrieli
    Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht
    Bechtermünz Verlag
    Augsburg 1999

    Wollte ich noch hinzugefügt haben.

    In diesem Sinne

    Timo
     
  14. Tangua

    Tangua Neues Mitglied

    Hygiene im Mittelalter

    Hallo,
    warum ging es im Mittelalter so unhygienisch zu?
    Im alten Griechenland und Rom hatte die Hygiene doch einen hohen Stellenwert und sonst hat das Mittellter doch auch so viel von diesen beiden Kulturen übernommen.
    War es überall so, oder nur in den großen Städten?
     
  15. William Wallace

    William Wallace Neues Mitglied

    Der Adel, und die Geistlichen, hatten sich auf jeden Fall mehr gewaschen, als die "unteren" Menschen.
    Über die Bauern weiß ich nichts genaueres, ich nehme aber an, dass sie zu wenig Zeit hatten, um sich zu pflegen.
    Und wie es in den Städten zugegangen ist weißt du vermutlich.
     
  16. Mercy

    Mercy unvergessen

  17. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Das "finstere Mittelalter" hieß ja so, weil viel Wissen der Antike verlorengegangen ist, sich quasi der Schleier der Dunkelheit darüber gebreitet hat.

    Hierzu gehören auch Errungenschaften der Zivilisation, so z.B. die Wasserleitungen, Kloaken, fließendes Wasser in Gebäuden.

    Wenn man nur eine Viehtränke hinter der Hütte hat wäscht man sich natürlich anders als mit einer guten Wasserversorgung mittels Leitungen. In den Städten waren diese Verhältnisse natürlich noch schlimmer und haben so nicht umsonst zur Verbreitung von Seuchen beigetragen.

    Grüße

    Jacobum
     
  18. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Wie an so vielen Stellen neigen wir heute auch bei diesem Thema dazu, allzu schnell Halbwahrheiten und klischeehafte Aussagen zur Wahrheit zu erheben.
    Richtig ist, daß es im europäischen Mittelalter unhygienischer war als zuvor in der griechischen und römischen Antike. Was v.a. auch damit zusammenhängt, daß sich der bedeutende Teil der späteren abendländischen Welt auf den "Trümmern" des im Zuge der Völkerwanderung untergegangenen Weströmischen Reiches gründet.
    Richtig ist aber auch, daß wir zum einen von der Hygiene im Mittelalter nicht verallgemeinert sprechen können, weil es gewisse Unterschiede zwischen den Ständen gab, wir zum anderen aber auch bedenken müssen, zumindest zwischen Früh-, Hoch- und Spätmittelalter als Epochen zu unterscheiden...

    Übrigens hatten wir vor etwas mehr als einem Jahr dazu ein ähnliches Thema: http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=520
     
  19. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Die Zähne faulten jedoch bei allen.
     
  20. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Noch ein Klischeebild, das so nicht stimmt.

    Erstens sind Zahnerkrankungen wie Karies v.a. auch dadurch bedingt, daß zunehmend Süßspeisen bzw. Speisen mit höherem Zuckergehalt konsumiert wurden. Dies ist jedoch weniger bereits im Mittelalter verbreitet, sondern erst später - etwa ab der Frühen Neuzeit.
    Zweitens ist die Annahme irrig, daß es im mittelalterlichen Europa keine Zahnpflege gegeben habe. Diese gab es sehr wohl, wenngleich höchstwahrscheinlich nicht für die einfache Bevölkerung, sondern eher für die adligen Kreise.

    Eine Abhandlung bzw. Sammlung dazu findet sich unter http://turba-delirantium.skyrocket.de/medizin/dentalhygiene.htm
    Anm.: Auch sonst ist die Seite von Turba Delirantium überaus empfehlenswert... :fs:
     

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