@Mittelalterlager &
@Ravenik
Ihr habt mich missverstanden. Ich hatte nicht für die eine oder die andere Form des Gedenkens plädiert, sondern nur vorschlagen wollen, dass man das Konzept der Stolpersteine einer Form des Gedenkens zuordnen könnte, die manchen Deutschen fremd sein mag. In Ermangelung eines besseren Begriffs würde ich, ganz wertfrei, von performativem Gedenken sprechen. Die Stolpersteine und das Holocaust-Mahnmal rechne ich dazu.
Ich sage es ganz offen: Das Ehrenmal des Warschauer Ghettos hat mich tief bewegt, ebenso die Schuhe am Donauufer in Budapest. Ersteres ein klassisches Mahnmal, dessen Plastik rohe Emotionen erzeugen will, dem Grauen angemessen, Letzteres eine Verlusterfahrung als Installation.
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin hingegen hat mich kaltgelassen.
Am ehesten beeindruckt der Entwurf noch durch seine Größe, aber er ist für meinen Geschmack, mehr noch, für meine Begriffe zu steril, zu abstrakt. Wäre das Mahnmal kleiner, man könnte es für eine ordinäre Installation halten, so austauschbar wie der ganze prätentiöse Müll, den die in Deutschland herrschende Verpflichtung zu Kunst am Bau überall wie Pilze aus dem Boden schießen lässt.
Die Stolpersteine halte ich für eine gute Sache, sie funktionieren meiner Meinung nach aber nur aus einem Grund als Instrument des Erinnerns: Weil die Namen der Opfer darauf vermerkt sind. Man könnte durchaus auch namenlose Steine verlegen; die Interessierteren würden dann wissen, hier lebten soundsoviele Menschen, die von Hitlers Schergen getötet wurden; aber der Hauptzweck des Projekts wäre bereits wieder verfehlt. Ein Mahnmal muss für meine Begriffe eine eigene innere Kraft haben, es darf nicht darauf angewiesen sein, ob sich der Betrachter damit befassen will.