Karikatur Interpretation

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Gregor24, 23. Mai 2016.

Schlagworte:
  1. Gregor24

    Gregor24 Neues Mitglied

    Hallo,

    ich habe eine interessante Karikatur aus dem "Kladderadatsch" entdeckt,

    Kladderadatsch (72.1919)

    welche aus dem Mai 1919 stammt. Ich frage mich aber, was mit den worten ara, ala, aquila gemeint ist.
    Meine Idee wäre, dass verdeutlicht werden soll, dass die Bevölkerung noch nicht bereit war die Demokratie anzunehmen (Ebert), da noch altes monarchistisches Denken in den Köpfen vorherrschte. Kann noch mehr hinein interpretiert werde?
    Es ist ja auch noch eine Kuh im Hintergrund, hat diese Bedeutung?
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    ara, ala, aquila: Latein verweist auf ein gutbürgerliches Gymnasium, würde ich sagen; einer Klasse Arbeiterkinder in einer Volksschule wurde das nicht beigebracht...

    ara = Monarchie, ala = Militär, aquila = Nation. So würd ich die drei Begriffe hier inhaltlich auslegen.

    Der Kuh scheint die Reaktion der Klasse zu gefallen*, wie auch immer man das interpretieren will... ;)

    EDIT
    * Im Gegensatz zu Ebert
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Die lateinischen Ausdrücke ara, ala und aquila und der Begriff Quarta (entspricht dem 7. Schuljahr) deuten auf ein Gymnasium hin.

    Ara (Altar), ala (Flügel) und aquila (Adler) würde ich nicht zu weit interpretieren. Wahrscheinlich wurden sie benutzt, weil sie alle mit "a" anfangen. Mit der Kuh kann ich so auch nichts interpretatorisch anfangen. Wohl nur zur Dekoration.

    Symptomatisch ist, dass nach Entfernung der Hohenzollernbilder (Kaiser Wilhelm II) in der Schule der Geburtstag des Präsidenten Ebert begangen wird und man - wie auch schon früher - die inoffizielle Hymne des Kaiserreiches "Heil Dir im Siegeskranze" singt. Das erregt natürlich den Verdruß des Lehrers und des Reichspräsidenten.
    Nationalfeiertag war allerdings nicht der Geburtstag des Präsidenten, sondern der 11. August https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungstag_(Weimarer_Republik). Im Kaiserreich war aber der Geburtstag des Kaisers Feiertag (https://de.wikipedia.org/wiki/Kaisers_Geburtstag_(Deutsches_Kaiserreich))
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wahrscheinlich ist eher an dieses Lied zu denken:

    Der Kaiser ist ein lieber Mann — Liederlexikon


     
  5. Goldkrone

    Goldkrone Mitglied

    Die Bildüberschrift und -unterschrift weist schon drauf hin, dass die Karikatur sich über die Ersetzung des Kaisers durch Ebert in den Klassenzimmern lustig machen will würde ich sagen.

    Aber sieht es am unteren Rand nicht so aus, als würde da noch ein Bild sein? Also ein kleiner "Comic" praktisch? Ohne die weiteren Bilder dürfte eine Interpretation dann nämlich recht schwierig sein... :confused:

    Gruß
    Goldkrone
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Es sind genau zwei Bilder.
    Man kann sich die ganze Seite anzeigen lassen.
    Vorher hatte ich den untersten Bildrand nicht im Blick.

    Da steht ja tatsächlich "Heil dir im Siegerkranz".
    Mein letzter Post war also Quatsch.
     
  7. hatl

    hatl Premiummitglied

    Ich erlaube mir Thane zu einem ähnlichen Thema zu zitieren:
     
  8. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Darum ist auch die Kuh so begeistert, btw...
     
  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    .. und die sonstigen Rindviecher.
    :D
     
  10. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Ich habr wohl ein Brett vor dem Kopf, aber wieso genau? :confused:
     
  11. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Nun, sie ist der einzige Beobachter, der sich über den reaktionären Gesang (doppeldeutig ftw...) der Klasse zu freuen scheint, und gleichzeitig nicht an weltanschauliche Vorgaben (Lehrer = Staat, Ebert erklärt sich von selber) gebunden ist. Das kann man als Preisgabe der Meinung der Redaktion verstehen: Alle anderen schmunzeln über das Lied (und die implizierte Ideologie). Das würde passen, bedenkt man die Haltung dieser Redaktion nach dem Einwurf von hatl respektive thanepower.

    Dass es sich nun ausgerechnet um ein Rindviech handelt kann man als Schuss ins Knie auffassen, aber ich hab keine Ahnung, inwiefern das anachronistisch wäre...
     
  12. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Damke. Eben due Frage s stellte sich für mich. Warum ausgerechnet eine Kuh, vor allem, weil die Zeitung ja in Weimar gegen rechts tendierte. Ich habe sa kejemme !ofiachen Zusammenhang gefunden und sehe ahch noch keinen so richtig.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei Karikaturen würde ich rein methodisch nie etwas als Dekoration abtun.
    Außer vielleicht mal einen Grashalm oder etwas Geröll an einem Abgrund.

    Im vorliegenden Fall würde ich davon ausgehen, dass zwar die Bilder ausgetauscht wurden, aber nicht die - der Zeigestock im ersten Bild zeigt darauf - Unterrichtsinhalte. Die sind immer noch die alten, vielleicht auch deshalb Altphilologie anstatt etwa Mathe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Mai 2016

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