Kolonialismus in Schulbüchern: Die Geschichte der Sieger

Wurde eine Korrektur am 13. Längengrad von Frankreich überhaupt gefordert?
Weiß ich nicht mit Sicherheit. Wenn aber die französischen Kolonialbehörden seit den frühen 1950er Jahren Planungen der entsprechenden Bahnstrecke betrieben und gleichzeitig wussten, dass eine endgültige Klärung dieses Grenzverlaufs noch ausstand, würde es mich überraschen, wenn man nicht zummindest versucht hätte die Grenze mit der spanischen Seite so zu ziehen, die Bahnlinie mit weniger ingenieurtechnischen Herausforderungen hätte realisiert werden können.

Es hätte ja durchaus nahegelegen Spanien einen Gebietstausch und Anschluss an die Bahnlinie in Aussicht zu stellen, um um das Massiv herumbauen zu können, ohne eigenes Territorium zu verlassen.
 
Was hätte man denn zum Tausch anbieten sollen? Ein Stück mauretanischer Wüste im Tausch gegen einen Teil der Küstenregion?
 
Die Miferma wurde 1952 mit 51% französischem und 34% kanadischem Kapital gegründet. Von Anfang an war klar, dass man eine Eisenbahnlinie nach Port-Étienne (Nouadhibou) bauen wollte. Die Idee war 400km quer durch spanisches Gebiet.
Nachdem die Kanadier 1957 ausgestiegen waren, suchte man andere Investoren, die man u.a. mit Mannesmann und Thyssen fand.
Verhandlungen zwischen der Firma und den spanischen Behörden wegen der Eisenbahn begannen im Februar 1958. Im Dezember scheint es beinahe zu einer Lösung gekommen zu sein. Spanien verlangte eine Beteiligung an der Firma.
Im September 1959 meldete dann die Presse die Verhandlungen als gescheitert.

Miferma musste nun also 650 km Eisenbahn bauen.
Es ist mir nicht bekannt, woran diese Verhandlungen scheiterten, ob man wenigstens für die 4 km Umfahrung weiter verhandelte oder ob sich der französische Staat bei der Grenzkommission deswegen bemühte. Wahrscheinlich war es dafür zu spät.
Spanien hatte schließlich gar nichts davon, durfte aber sein Stück mauretanische Wüste behalten.

 
Was hätte man denn zum Tausch anbieten sollen? Ein Stück mauretanischer Wüste im Tausch gegen einen Teil der Küstenregion?
Wiso der Küstenregion?

Wir reden wenn die Kartendarstellung in #5 akkurat ist, für die Umgehung des Felsmassivs wahrscheinlich über 20-25 Km² in der mauretaischen Wüste. Dafür hätte man ausgleichend ein ähnlich großes Gebiet nen paar Km nördlich an der Grenze der selben beiden Kolonien anbieten können.
Dann hätte die Grenze da zwar eher wie tetris ausgesehen, als wie mit dem Lineal gezogen, aber ein großer Akt wäre das nicht gewesen.

Das Kolonialgtenzen neu gezogen und nachverhandelt wurden, hat es ja in der Kolonialgeschichte immer wieder gegeben, nen bekanntes Beispiel wäre der "Caprivi-Zipfel".
Wenn beide Kolonialmächte einigermaßen guten Willens gewesen wären, wäre ein Austausch von 20 Km² wirtschaftlich weitgehend uninteressanter Wüste gegen 20 Km² wirtschaftlich ebenfalls weitgehend uninteressanter Wüste an anderer Stelle wahrscheinlich kein großer Akt gewesen.
 
Zwischenfrage: taucht die verblüffende Bahntrasse exemplarisch in einem afrikanischen Schulbuch auf?
Die Frage stellte ich mir auch und suchte darum nach mauretanischen Schulbüchern.
Im "History Textbook - West African Senior School Certificate Examination" finde ich weder einen Niger entdeckenden Mungo Park noch mauretanische Eisenbahnen.

Es gibt eine Webseite, wo es arabische Bücher, auch Schulbücher, zu lesen gibt, wenn man arabisch kann.

Dabei das Buch "Modern Mauritania" von 2016. Es sieht aus wie ein Schulbuch, aber ich weiß nicht, ob es eins ist. Jedenfalls gibt es darin eine Karte mit eingezeichneter Eisenbahn und Randbemerkungen, die möglicherweise interessant sind.

Screenshot 2026-04-14 194848.png
 
Wahrscheinlich ist es ein früher frz. Entwurf ,der die Bahnstrecke von den nördlichen Erzabbaugebieten die Strecke runter an Atar vorbei(die gleichnamige Region ,nicht die heutige Stadt gekennzeichnet durch kleinen Kreis ) zur nächsten frz. Festung in Chinguetti (lesbar) führt und dann Richtung Westen zum Atlantik zur Küste vor/gegenüber der Halbinsel .

Da der Hafen von St. Etienne erst im nachhinein der Gründung von MIFERMA entstandt ,ist die Karte in den 1950er oder dieser Entwurf in den späten 40er gekritzelt worden.

Interessant ist ein zweites Abbaugebiet in Akkjoujt( ? schwer lesbar) bzw. eine zweite Bahnstrecke die nördlich, der von Nouakchott(kenntlich gemacht mit kleinen Kreis und "Haupstadt" in Klammern geschrieben ) beginnt und die Erzbahnstrecke mündet.
 
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So dumm/absurd ist es eigentlich nicht, dafür zu sorgen, dass die eigene Infrastruktur im eigenen Einflussbereich liegt, wenn man dem jeweiligen Nachbarn nicht unbedingt besonders vertraut.
Ich glaub, der Unterschied im Denken, den man hier ausmachen kann, liegt weniger darin, ob es klug ist, die eigene Infrastruktur im eigenen Einflussbereich zu haben. Das ist aus Sicherheitsgründen jedem ersichtlich. Die Frage ist eher, ob man eine imaginäre Linie im Wüstensand als ausreichende Be- bzw Abgrenzung des eigenen Einflussbereichs ansieht, der zB einen Schutz der eigenen Infrastruktur auch tatsächlich gewähren kann.

Unter den Bedingungen der europäischen diplomatischen Gepflogenheiten der Kolonialmächte war das (hinreichend oft) der Fall. Unter anderen Bedingungen vermutlich nicht so wirklich...
 
Zum Entwurf der verworfenen zweiten Trasse:

"Die Kupfervorkommen des Gebietes waren bereits im Mittelalter bekannt*, 1940 wurden sie von Geologen entdeckt. Während der französischen Kolonialzeit lag hier eine Fort Repoux genannte Garnison. Eine Siedlung wurde 1970 gegründet, als die Bergbaugesellschaft Société Minière de Mauritanie (SOMIMA) in der unmittelbaren Nähe mit dem Abbau der einzigen Kupfererzvorkommen des Landes begann. Eine Kupfermine befindet sich am Guelb Moghrein, einem Hügel fünf Kilometer nördlich des Ortes. 1975 wurde die Firma verstaatlicht, wegen fehlender Rentabilität wurde der Abbau im Mai 1978 jedoch eingestellt und ein Teil der Bewohner wanderte ab. Ein Grund dafür war der seit 1974 stetig gesunkene Kupferpreis auf dem Weltmarkt."(Wiki dt.)

*Wiki engl."Archeologists have discovered that as early as 1000 BC, copper smelting and mining was occurring in Akjoujt."
 
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Die offiziellen Schulbücher Mauretaniens aller Stufen können beim "Institut Pédagogique National" eingesehen werden.
Zwischenzeitlich dachte ich, die seien vielleicht in französischer Sprache, doch sie sind arabisch.
Jenes zur Geschichte für die 6. Klasse enthält ein Firmenschild der Miferma, aber keine Karte. Ich gehe davon aus, dass im Text mehr darüber steht.
 
Ob in den Schulbüchern auch die Geschichte objektiv beigebracht wird ?
Denn Theoretisch gibt es ja keine Grenze zwischen Mauretanien und Marokko ,zwischen beiden Ländern liegt das "Niemandsland" das von der Polisario kontrolliert wird.

Einst unter der Führung des "Blauen Sultan" kämpften die Truppen von Maalain als Allierte gegen Franzosen und Spanien und nach dem Ruckzug beider wendenten sich gegen Mauretanien und Marokko.Und es kam zu Guerilla Angriffen auf die diskutierte Bahnstrecke und auf die Posphat Anlage .Um sich dagegen zu schützen baute man die längste Wehranlage* (nach der chinesischen Mauer) .

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berm.jpg


Im Grunde sollte die Wehranlage ,die einzige nicht europäisch gegründete Stadt Smara, die beiden Häfen und die Posphatanlage schützen "Die Phosphatminen von Bucraa wurden 1947 vom spanischen Geologen Manuel Alía Medina zur Zeit der spanischen Sahara entdeckt. Um Phosphat zum Hafen von El Aaiún (El Marsa) zu transportieren, bauten die Spanier das größte Förderband der Welt."(wiki sp.)

bou_craa.jpg
Bou-Craa-Worlds-Longest-Conveyor-Belt-System-edit-black.jpg
(Material aus der Anlage lassen es aus der Luft erkennen )

* entlang der Anlage sind auch Minen verlegt also auch das längste Minenfeld der Erde
 
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