Komponisten des Barock - Wer kennt sich aus?

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Philipp August, 11. Juli 2004.

  1. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Also eine Kurzbiographie suchen kann ich schon selbst, danke. :king: Kennst Du irgendwelche gute Kompositionen von ihm?
     
  2. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Zitat Louis le Grand :

    Jean-Baptiste Lully muss wohl als einer der bedeutensten Komponisten des Barock errachtet werden. Das eben nicht nur weil er der Hofkomponist Louis XIV. war. Alle die mit ihm und nach ihm lebten orientierten sich weitestgehend an diesem. Seine Organisation des Orchesters, das von ihm erfundene Menuett und seine Art und Weise der Koreographie waren für alle Stilbildend. Seine Musik für Molieres Stücke, als Ballett-Komödien bezeichnet, erregten großes Erstaunen im Europa des 17. Jhr. Sogar seine Art und Weise die Stücke mit einem Taktstock zu dirigieren wurde von allen anderen übernommen. Ohne jede Frage, Lully war der vielleicht bedeutenste Komponist des 17. Jahrhunderts.
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    Hallo Louis,
    Deine Begeisterung für Lully finde ich toll. Musikhistorisch interessant ist für Dich vielleicht
    noch eine stilistische Einordnung Lullys auch hinsichtlich seiner enormen Wirkung in der damaligen Welt, die nicht unbedingt die seiner Bedeutung für die Entwicklung der Oper
    entspricht.

    Verglichen mit der zeitgenössischen venezianischen Oper (die Lully kannte), repräsentiert die von ihm geschaffene französische National-Oper einen stilistischen Rückschritt. Die Venezianer hatten den Gebrauch des Rezitativs mehr und mehr eingeschränkt, hatten die Arie vom Rezitativ abgehoben und damit dem Gesang zu höherer Geltung verholfen. Lully kehrte zu einer streng deklamierenden Gesangsweise zurück, deren Charakter sich im Rezitativ und in der Arie wenig ändert. Die der Diktion dienenden häufigen Taktwechsel erinnern an das "senza battuta "(ohne Schlag) Monteverdis. Lully »ahmte« zwar nicht wie jener die »natürliche« Sprechweise »nach«, sondern die getragene Deklamation der französisch-klassischen Tragödie. Gesang sei nichts anderes als »erhöhte Deklamation«, wie Ch. Perrault, der erste anerkennende Kritiker der französischen Oper, das (1692) tut; und daß die Vokalmusik ihr Vorbild in der Sprache fände ,derenTonfall, (Akzente, Seufzer,) an die beliebte Schäferwelt der französischen tragédie lyrique erinnert. Den Genuß beeinflußt das natürlich nicht, und seine Bedeutung im 17.Jahrhundert ist singulär
    bon jour, cher Louis :)
     
  3. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Sehr interessant. Zur tragedie lyrique habe ich noch keine musikhistorische Einordung gefunden. :) Dank dir.
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Bach: keine Frage die Brandenburgischen Konzerte und davon Konzert Nr. 5 als erstes Klavierkonzert der Musikgeschichte
    Vivaldi: Il cimento dell'armonia e dell'inventione
     
  5. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Hie und da landen auch die Symphonien von William Boyce in meinem CD-Player...

    Ein sehr bekanntes Barockwerk ist auch "Zadok the Priest" aus den Coronation Anthems von G.F. Händel, auch wenn es den wenigsten bewußt ist... ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juli 2004
  6. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Kenn ich, danke. ;)
     
  7. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

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    Hallo Lili ,

    das 5. Brandenburgische Konzert wird immer wieder als erstes "Klavierkonzert" bezeichnet.
    Korrekt ist aber, daß dieses Konzert für Cembalo geschrieben ist, und sich der Solopart
    hier für das Instrument von seiner bisherigen Generalbaßrolle lößt, um virtuos und ausgiebig
    seine Möglichkeiten hören zu lassen. Es stellt also ein erstes Cembalo-Konzert dar.
    Die Cembalosaiten werden angerissen (Zupfinstrument); beim Hammerklavier,als dem Vorläufer unseres heutigen Klavier ,werden die Saiten mittels Hämmerchen angeschlagen.
    (Schlaginstrument). Die daraus resultierende Klangwelt ist wie Du weißt grundverschieden.
    Leider übernehmen auch Auskunfteien wie Wikipedia diesen Nonsens vom Klavierkonzert.
    J.S.Bach war von den ersten Hammerklavieren gar nicht begeistert ,er fand sie zu schwach im Ton und schwer spielbar. Später, als die Instrumente weiterentwickelt waren, sah er das anders,aber da waren die Brand. Konzerte längst geschrieben.
     
  8. hyokkose

    hyokkose Gast

    Dann hat Bach wohl auch sein "Wohltemperiertes Klavier" nicht korrekt bezeichnet?
     
  9. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Dankeschön :bussi:
    Nur frage ich mich jetzt echt, welches Klavierkonzert von Bach ich jetzt bis zum Umfallen üben musste.... :D
     
  10. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Doch, Bach hat es richtig bezeichnet mit "Wohltemperiertes Clavier ". Das C statt dem K
    für Klavier macht für mich den,wenn auch etwas haarspalterischen Unterschied.
    Das "Klavier " assoziiert unser heute bekanntes Klavier mit seiner regelmäßig temperierten Stimmung, wohingegen das Clavichord oder das Cembalo der Bachzeit in der sog.
    Werckmeister - oder Kirnberger 3 Stimmung seine Klangwelt erschließt. Nun, für den Kenner und Liebhaber sinds nun mal Welten. Genaueres zur Stimmung alter Instrumente hier :

    http://www.hib-wien.at/leute/wurban/physik/stimmungen/bach_stimmung.html

    Die oft im 19.Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung "Clavierkonzert" hat dann mit der italienischen Schreibweise von Musikstücken und Vortragszeichen ,wie Vivace statt lebhaft
    zu tun ,als daß dies ein bestimmtes hist. Instrumentarium meint.
    Also nur ein anderer Buchstabe für eine "korrekte" Schreibweise. Wie gesagt,haarspalterisch. :yes:
     
  11. hyokkose

    hyokkose Gast

    Als Experte für Haarspaltung möchte ich darauf hinweisen, daß der genannte Link dieser Aussage widerspricht:

    "Auch die gelegentlich von Musikhistorikern ins Auge gefasste Stimmung Kirnberger 3 kommt wegen klanglicher Unreinheiten in einigen Tonarten nicht in Frage."

    Und um noch ein Haar zu spalten: Werckmeister selbst hat (als erster?) die gleichstufige Stimmung als "gute und richtige Temperatur" gelobt.
    (http://www.fres.ch/bd/content/music/bach.html)
     
  12. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Hallo hyokkose,

    sehr interessanter Link von Dir. Übersteigt aber meinen Horizont in der Sache.
    Wird etwas dauern um mich schlauer zu machen . Mal sehen .ob noch mehr zu Spalten ist.
    Einstweilen vielen Dank für die "Erschütterung"
    ;)
     
  13. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Als alter Lullist würde ich natürlich einige CD's des Oberhofmeisters der Musik des Königs empfehlen, wie z.B.

    "L'Orchestre du Roi Soleil"
    (Concert des Nations - Jordi Savall)
    "Les Comedies Ballets"
    (Les Musiciens du Louvre - Minkowski)
    "Armide"
    (Chapelle Royale - Collegium Vocale - Herreweghe)
    Eigentlich kann man bedenkenlos (fast) jede Einspielung empfehlen, ganz besonders die Reihe "Lully, ou le musicien du Soleil" mit der Simphonie du Marais - Reyne.

    Unbedingt sollte man zusehen die "Simphonies pour les Soupers du Roi" von Michel Richard Delalande in der Gesamteinspielung der Simphonie du Marais zu bekommen!
    Guillaume Dumanoir "Suites d'Orchestre" Concert des Nations - Savall
    Orchester und Ballettmusik um 1650 für den französischen Hof.
    "Tous les matins du Monde" (im deutschen die Siebente Saite genannt)
    Der Soundtrack sowie der Film mit G.Depardieu sind ein absolutes Muß!

    J.P. Rameau: "Platée" Les Musiciens du Louvre - Minkowski
    eines der Besten Werke Rameaus
    J.P. Rameau: "Les Boreades"
    English Baroque Soloists - Gardiner
    Auch wenn diese Oper Rameaus letztes Werk ist und nie im 18. Jh. aufgeführt wurde ist diese Tragèdie ein Meisterwerk!

    Italienischer Musik :

    Unbedingt sollte man die drei Monteverdi Opern gehört haben,
    aber ganz besonders zu empfehlen wäre
    "La Calisto" von Francesco Cavalli
    (Concerto Vocale - René Jacobs)
    Vielleicht noch die "Concerti" von Evaristo Felice dall'Abaco 1675-1742
    mit dem Concerto Köln
    Wenn es Aufnahmen gäbe würde ich noch einige Opern von Marc Antonio Cesti empfehlen, aber leider ist bisher nur Orontea eingespielt worden und diese Oper ist nicht mehr zu bekommen :motz:
    "Arias for Farinelli" Vivica Genaux Akademie für alte Musik Berlin - Jacobs
    Absoluter Wahnsinn so singen zu können!

    Österreich /Deutschland:
    Unbedingt haben muß man "La Margarita" von Johan Heinrich Schmelzer 1620-1680 Hofkomponist Leopold I. Nette Auswahl an Sonaten und Balletti für den Wiener Hof.
    Heinrich Ignaz Franz von Biber "Violinsonaten"
    Ensembel Romanesca - Manze
    Georg Philipp Telemann "Orpheus" Akademie für alte Musik Berlin - Jacobs.
    Eine ganz besondere Barockoper.
    Georg Philipp Telemann "die Tafelmusik" Musica Antiqua Köln, barocke Orchester- und Kammermusik vom Feinsten.

    Vielleicht besteht noch Interesse an Orchestermusik im Stile Lullys:

    Johann Sigismund Kusser "six Ouvertures de Thèâtre"
    Musica Aeterna - Les Menus Plaisirs
    Agostino Steffani - "Suites Théatrales"
    Sanatori de la Gioiosa Marca

    Für englische Musik würde ich vorerst nur zwei Bühnenwerke Henty Purcells 1659-1695 nennen:
    "The Fairy Queen" und "King Arthur" beide von den Les Arts Florissants unter W.Christie.

    Tum Schluss noch drei Werke Händels:
    Rinaldo - Freiburger Barockorchester - Jacobs
    Guilio Cesare - Concerto Köln - Jacobs
    Alcina - Les Arts Florissants - Christie

    Im allgemeinen kann ich jede Einspielung von Jordi Savall und seinen diversen Orchestern empfehlen, er sucht nicht nur interessante Werke aus, er interpretiert sie auch mit großer Phantasie und Sorgfalt.
    Ich hoffe ich konnte mit meine Empfehlungen hilfreich sein.
     
  14. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Halleluja. Sei willkommen. Wir haben viel zum unterhalten. :bussi:
     
  15. collo

    collo Aktives Mitglied

    dieser pfad ist zwar schon etwas älter, aber ich bin erst heute drauf gestossen. wie konnte man bloss henry purcell (1659-1695) vergessen, DEN englischen barockkomponisten, der leider viel zu früh verstarb. am bekanntesten dürfte sein "trumpet voluntary" sein:
    http://www.barocktrompeter.de/cd-zfb.php#mp3

    ups, den beitrag weiter oben habe ich doch glatt übersehen, sorry
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. März 2005
  16. parago

    parago Neues Mitglied

    Der Gute ist doch gar nicht vergessen worden - scroll doch nochmal zwei Beitraege weiter hoch. Da isser naemlich (zwar mit Fehler aber dennoch praesent!).
     
  17. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Also wirkliche Meisterwerke von Purcell sind seine Bühnenwerke, die berühmtesten:

    King Arthur

    The Fairy Queen

    Dido and Aeneas

    Die ersten beiden Werke sind "Maskenspiele", eine besondere Form der englischen Oper.
    Dido ist die einzig echte Oper des wohl größten englischen Komponisten.

    Für alle Werke würde ich die Einspielungen von William Christie und "Les Arts Florissants" empfehlen. Hab ich zwar schonmal genannt, aber was soll's.

    Wenn man "Blut geleckt" hat sollte man auch die sakrale Musik und seine Oden und Songs endecken - es lohnt sich!
     
  18. collo

    collo Aktives Mitglied

    sorry, dass ich deinen beitrag vom 19.12. nicht vollständig gelesen habe, soleil royal.

    vor jahren habe ich in der kölner philharmonie eine konzertante opernaufführung erleben dürfen (ich meine es war dido und aeneas, ist schon 17 jahre her) und bin seitdem hin und weg. den trumpet voluntary hab ich als "ohrwurm" eingestellt, den wirklich fast jeder kennt.
     
  19. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Hallo Collo,

    ich glaube ich muß Dir eine kleine Illusion zerstören :p

    Das berühmte "Trumpet Voluntary" stammt nicht von Purcell, auch wenn es des öfteren so deklariert wird.
    Eigentlich heißt das Stück "The King of Denmark's March" und stammt vom Jeremiah Clarke 1674-1707

    Es gibt noch weitere solcher "Irrtümer" da beläßt man aber die Zuschreibung weil sich sonst niemand mehr für die Werke interessiert.
    Das berühmte "Adagio" von Albinoni - hat er niemals verfasst, es war ein Komponist namens Remo Giazotto der erst in 90er Jahren des letzten Jahrhunderts starb so viel ich weiß, seine genauen Lebensdaten habe ich nicht im Kopf.

    Dann das berühmteste Orgelstück der Welt: "Toccata & Fuge d-moll" als BWV 565 deklariert, also ein Werk des Thomaskantors Johann Sebastian Bach, ist vielleicht gar nicht von ihm, aber hier hab ich das Gefühl einer "Vertuschung" weil wenn es herauskäme, dass es nicht von Bach ist, würde es erheblich an Wert verlieren :fs:

    Ein weiteres Beispiel sind die Triosanaten von Pergolesi, die sich Stravinsky zum Vorbild für sein Ballett "Pulichinella" nahm.
    Sie stammen von dem italiener Domenico Gallo (Mitte des 18. Jahrhunderts) - dann die "Pergolesi - Concerti" deren Verfasser eigentlich der Graf von Wassenaer (1692-1766) gewesen ist.
    Tja die Liste ließe sich noch weiter vortsetzen, aber gerade diese "Ohrwürmer" brauchen einen bekannten Namen, und wenn das nicht der Fall ist, dann dichtet man halt...
     
  20. collo

    collo Aktives Mitglied

    kannst du die quelle(n) nennen, die die urheberschaft bachs an der toccata anzweifelt?
     

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