Kreationismus

Ich sprach jetzt vom christlichen Kreationismus und um diesen ging es auch explizit in der Frage. Insofern war meine Aussage richtig.
Das war auch nur eine Vorbemerkung von mir. In welcher Hinsicht Deine Aussage falsch ist, hast Du ja nun zu Protokoll gegeben. Inwieweit der Schöpfungsbericht als "wahr" akzeptiert wird, welche Aussagen "bildlich" und welche "wörtlich" geglaubt werden sollen, ergibt sich nicht aus der Bibel, sondern aus der (kreationistischen) Lehre, die vorgibt, wie die Aussagen zu interpretieren sind.


Mir ist klar, dass es Atheisten gelegen kommt der Bibel so ein Weltbild zu unterstellen. Trotzdem ist es biblisch nicht haltbar:

Niemand "unterstellt" der Bibel ein Weltbild. Dieses Weltbild ergibt sich sehr klar aus den biblischen Aussagen - wenn man sie so nimmt, wie sie dastehen und nicht versucht, sie so lange umzuinterpretieren, bis sie zu einem moderneren Weltbild passen (die symptomatischen Klimmzüge um den raqia-Begriff sind mir bekannt).
Die Graphik in meinem Beitrag stammt übrigens von der Website eines evangelischen Pfarrers (ich hätte auch eine Graphik "katholischer Herkunft" verlinken können, die auf dasselbe herausläuft).
Mir ist völlig schnuppe, was "Atheisten gelegen kommt". Wenn Du hier ein Feindbild aufbauen möchtest, bist Du bei mir an der falschen Adresse.


Die "Fenster des Himmel" in 1.Mose 7 kann man natürlich wörtlich nehmen, wenn man der Bibel unbedingt eins reinwürgen will. Näherliegend ist aber eine bildhafte Beschreibung für starken Regen.

Quod erat demonstrandum.
Du verwahrst Dich vehement gegen eine wörtliche Interpretation und versteigst Dich dabei in unangemessene Polemik. Nichts läge mir ferner, als der Bibel "eins reinzuwürgen".

Was in der Bibel wörtlich genommen werden soll und was "bildhaft" interpretiert werden soll, hängt von der Lehre ab, die zum Maßstab der Bibel erklärt wird.
Je nach Lehre werden die sechs Schöpfungstage als Zeiteinheit von 24 Stunden verstanden. Bei den Zeugen Jehovas wird gelehrt, diese Tage könnten auch als lange Zeiträume verstanden werden, man hat gegen ein Erdalter von mehreren Milliarden Jahren nichts einzuwenden. Ansonsten wird auch hier die übliche kreationisische Polemik gegen die Evolutionstheorie verfochten, auch wenn die Wachtturmgesellschaft sich verbal vom "christlichen Kreationismus" abzugrenzen bemüht.

(Vielleicht kommen wir ja doch noch irgendwann auf die historischen Wurzeln des Kreationismus und die Entwicklung seiner verschiedenen Spielarten zu sprechen.)
 
Das kommt daher, dass von ziellosen Naturprozessen eigentlich nicht zu erwarten ist, dass sie mehrfach unabhängig zum gleichen Ergebnis führen. Deshalb hatte man auch früher erwartet, dass sie äußerst selten sein müssten. So schrieb Gould 1989:

"Spulen Sie das Band des Lebens zurück zu den Anfängen des Burgess -Schiefers; lassen Sie es von einem identischen Ausgangspunkt aus erneut ablaufen, und die Chance, dass etwas wie menschliche Intelligenz die Wiederholung zieren würde, wird verschwindend gering." (https://hiskingdom.us/wp-content/uploads/2019/02/Gould-WonderfulLife.pdf I Seite 14)
Gould hat eine Hypothese aufgestellt, die du hier zitierst. Andere Evolutionsbiologen haben ihm widersprochen. Jedenfalls ist es Unsinn, dass die Evolution nicht mehrfach zum gleichen Ergebniss geführt hat. Konvergente Evolution ist allgegenwärtig.

Zu deinemLeidwesen ist die Biologie schon sehr vielweiter. Dank Sequenzierung und Vergleichen können Genetiker anhand den Genen heute lebender Wesen deren Verwandtschaft bestimmen.

Allerdings muss ich dir in einem recht geben: Natürlich kann es sein, dass Gott die Welt vor 6.000 Jahren oder wann auch immer geschaffen hat, mit allen Anzeichen, das sie viel, viel älter ist, und die von Biologen, Geologen, Archäologen etc nun gefunden werden. Keiner kann eine solche Behauptung widerlegen, da sie keine falsifizierbaren Voraussagen macht, die von denen der Evolutionsbiologen (oder Plattentektoniker etc) abweichen würden.

Daher nun die Offenbarung für alle Unwissenden: Die Welt wurde vorletzten Dienstag erschaffen, um 9:30 vormittags. Dabei hat es der allmächtige Schöpfer so eingerichtet, dass sie viel älter wirkt, inkl der Erinnerungen an die vergangenen Jahre, die wir zu haben glauben; alles am vorletzten Dienstag aus dem Nichts geschöpft. Und diese Aussage stimmt zu jedem beliebigem Zeitpunkt der Ewigkeit: Die Welt wurde immer und zu jeder Zeit am vorletzten Dienstag erschaffen...
 
Hm, und die Atomphysik, komisch, die widerspricht doch der Erschaffung vor 6000 Jahren?!;)

Es gibt da einen lustigen SF-Roman über Planetengestalter, die einfach just vor fun unmögliche Artefakte in die Gesteinsschichten einbetten;)
 
Strata von Terry Pratchett.

Und keine Physik der Welt kann die Behauptung widerlegen, die Welt sei zwar nur 6.000 Jahre alt, aber sähe nach allen denkbaren Kriterien so aus, als sei sie weit älter; gleiche Voraussagen, keine Falsifikation möglich. Einem allmächtigen Gott, der schummelt, kommt auch die Wissenschaft nicht bei... Ganz davon abgesehen, dass die Schöpfung ja erst neun Tage her ist...
 
Zuletzt bearbeitet:
Strata von Terry Pratchett.

Und keine Physik der Welt kann die Behauptung widerlegen, die Welt sei zwar nur 6.000 Jahre alt, aber sähe nach allen denkbaren Kriterien so aus, als sei sie weit älter; gleiche Voraussagen, keine Falsifikation möglich. Einem allmächtigen Gott, der schummelt, kommt auch die Wissenschaft nicht bei... Ganz davon abgesehen, dass die Schöpfung ja erst neun Tage her ist...
D.h. radioakive Zerfallsreihen, Halbwertszeiten, die zunehmende Entfernung des Mondes von der Erde und und wäre dann wohl leider schnöder Betrug;)
 
Verdammte Ketzer und Häretiker... Welcher anspruchsvolle Gott würde sich ausgerechnet den Donnerstag für die Weltschöpfung aussuchen? Wo ist die verflixte Inquisition, wenn man sie mal braucht?

(Tatsächlich wußt ich nicht, dass die Idee auch schon jemand hatte... Danke für den Link!)

D.h. radioakive Zerfallsreihen, Halbwertszeiten, die zunehmende Entfernung des Mondes von der Erde und und wäre dann wohl leider schnöder Betrug;)
Wie will man was anderes nachweisen, wenn der Fälscher per definitionem perfekt arbeitet?
 
Doch, dem ist genau so. Die Empiere kann sich definitionsgemäß nur mit dem Beschäftigen, was wiederholt gegenwärtig beobachtbar ist.
Empirie ist Wissen, dass auf Erfahrung beruht oder durch Beobachtung (gegebenenfalls auch im Rahmen eines Experiments) gewonnen wurde.

Es ist jedoch nicht notwendig, dass diese Beobachtungen sich jederzeit wie bei einem Experiment, dass sich z. B. auf ein physikalisches Naturgesetz bezieht, wiederholen lassen.

Man kann z. B. einen Kometen eine Zeit lang beobachten, wenn er in der Nähe der Sonne ist und dabei empirische Erkenntnisse gewinnen. Wenn der Komet wieder weiter weg von der Sonne ist, ist das nicht mehr möglich.

Sie kann methodisch bedingt nichts über Ursprung und Entstehung aussagen. Die Rekonstruktion der Vergangenheit ist nur möglich, wenn man eine Grundannahme über den Ursaprung vorausetzt, aus der sich gewisse Erwartungen ableiten lassen und dann nach bestätigenden Befunden ("smoking guns") in der Empiere zu suchen.
Man kann aus der Empirie im Rahmen der normalen wissenschaftlichen Methode durch Induktion Theorien über die Entstehung von Arten, von Gebirgen, von Sternen oder von Galaxien bilden, daraus durch Deduktion Vorhersagen treffen und dann versuchen, diese empirisch, also durch Beobachtungen zu bestätigen, sei es, durch das Graben nach Fossilien oder anatomische oder genetische Untersuchungen, durch den Bau von großen Teleskopen, die man ins All bringt, um weit entfernte Sterne oder Galaxien zu beobachten usw..


Um Konvergenzen von Homologien zu unterscheiden, muss erst ein Evolutionsverlauf vorausgesetzt werden, um dann zu schauen wo sich die wenigsten Konvergenzen ergeben. Wenn aber Evolution vorausgesetzt werden muss, um Homologien zu bestimmen, können sie kein unabhängiger Evolutionsbeleg sein und wer sie so verwendet, argumentiert zirkulär.
Man muss hier unterscheiden zwischen dem Verwenden von Homologien zum Erkennen von Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Organismen und dem Verwenden von Homologien als Beleg für Evolution.

Wenn man jetzt versucht, die Verwandtschaftsbeziehungen z. B. zwischen unterschiedlichen Wirbeltiergruppen aufzuklären, nimmt man die Evolution natürlich als gegeben hin, genauso wie ein Ingenieur, der einen Motor konstruiert, dabei nicht ständig die Newtonschen Gesetze hinterfragt, sondern diese einfach anwendet. Der funktionierende Motor ist dann natürlich wieder eine Bestätigung für die Gesetze.

Ein Bsp. aus der Praxis findet sich bei der Rekonstruktion der evolutionären Verwandschaftsbeziehungen zwischen Eulen und anderen Vögeln. Diese sind nicht widerspruchsfrei rekontruierbar und Brown & Mindell folgern daraus:
Was für Widersprüche soll es da geben? Die erwähnten Konvergenzen treten immer wieder auf. Bei nah verwandten Arten kann die Abgrenzung von Homologien und Analogien bzw. Konvergenzen schwierig sein und manchmal hat man auch nicht genug Informationen, um eine sichere Entscheidung zu treffen. Dann muss man weiter forschen. So ist das in der Wissenschaft.

Völlig sicher ist aber z. B. dass die Augen der Tintenfische und der Wirbeltiere sich unabhängig voneinander entwickelt.

Ebenso sicher ist, dass die Lungen der Lungenfische, die Schwimmblasen der Knochenfisch und die Lungen der Landwirbeltiere Homologien sind und einen gemeinsamen Ursprung haben.

Genauso wie die Vorderbeine von Reptilien und Säugetieren (unsere Arme) und die Flügel der Vögel.
 
Falsch... Wissenschaft an sich (als Methode) schätzen wir als ein Werkzeug, um Gottes Schöpfung zu erforschen. Was wir kritisieren, ist die Evolutionstheorie. Die ET ist eben so wenig "die Wissenschaft", wie der Kreationismus. Beides sind Modelle basierend auf der selben wissenschaftlichen Methode aber unterschiedlichen Grundannahmen.
Das passt nicht, das würde bedeuten, die "Kreationisten" haben eine andere "Wissenschaft", eine die andere Parameter benutzt, eine " Wissenschaft" die nicht die selben Methoden anwendet.
Welche Grundannahmen sind denn andere? Gott als alles Erschaffender? Bei der Grundannahme brauche ich keine wissenschaftlichen Methoden mehr. Wozu?
 
Zurück
Oben