Marienerscheinungen

Ist das noch mehr als bloße Blödelei?
Bleib cool! Ich erinnere an Johannes Maria Höcht [1], der einen engen Zusammenhang zwischen Fatima und Russland hergestellt hat, und er war wahrlich nicht der Einzige.

[1] »Maria rettet das Abendland. Fatima und die "Siegerin in allen Schlachten Gottes" in der Entscheidung um Rußland«, Wiesbaden 1953.
 
Unstrittig ist: Pius VI. wollte die traditionellen Werte – wozu sicher auch die Marienverehrung gehörte – gegen den »Ungeist der Gegenwart« verteidigen.
Ja. Meine erste Annahme, dass Papst Pius VI. und sein Umfeld zu beschäftigt waren mit der Wahrung des Vorhandenen und kein Interesse hatten, mit neuen Wundern und Heiligen das aufgeklärte Europa zu brüskieren, muss ich revidieren. Zum Wunder der augenrollenden Madonnabilder 1796 in Rom gab es eine umfangreiche Untersuchung und schließlich die Anerkennung 1797. Das "Decretum Approbationis" vom 28.2.1797, vom Generalvikar von Rom unterschrieben, lässt sich auch leicht finden, so wie die vom Papst erteilte Concessio für ein Stundengebet zum Gedenken an dieses Wunder.

In Ermangelung einer gescheiten deutschen Information dazu, hier die italienische Wiki:
 
kurze Zwischenfrage: gab es ausser Papst Johannes Paul II. einen Papst, der sich intensiver mit Marienerscheinungen beschäftigt hat?
 
Das klingt, als habe es gute Gründe gegeben, harmlose wehrlose Pilger mit Bajonetten anzugreifen, und 8jährige Kinder in eine Art Gefängnis zu sperren.
Klingt das so? Ich kann das nicht nachvollziehen.
Ansonsten:
Der Anstand hätte es geboten, solch eine Verteidigung des Bayonett.angriffs erst gar nicht zu schreiben.

Ich werde das später noch zitieren.
Ich werde das später noch zitieren.
Du wolltest doch einen Beitrag zitieren, in dem ein Bajonettangriff auf Pilger gutgeheißen wird.
Und warum nicht sofort?
den nachfragen schließe ich mich an. Ich bin sensationslüstern genug, um sehr gerne den ominösen Beitrag, der Bajonettangriffe auf Pilger gutheißt, lesen zu wollen!! (leider befürchte ich, dass ein solcher unauffindbar ist - eher scheint mir, dass @Linde irgendwas in den falschen Hals bekommen oder missverstanden hat)
 
Am 16.1.1878 gab es im preußischen Landtag eine Debatte zu dem Vorfall. Staatsminister Friedenthal bestätigte dabei, dass es Verletzungen durch Bajonette und einen Armbruch gegeben hatte.

Berathung des Antrages der Abgeordneten Bachem und Genossen betreffend die Polizeimaßregeln gegen die Gemeinde Marpingen in
Stenographische Berichte. Haus der Abgeordneten, 46. Sitzung 16.1.1878

Es geht aus der Debatte hervor, dass die Soldaten die Trommelsignale unterschiedlich interpretierten. Ein Sergeant gab in einer Zeugenaussage an, er hätte das Signal zum "Schwärmen" gehört.

Abgeordneter Bachem:

Staatsminister Friedenthal:
Vielen Dank! Daraus geht also nicht hervor ob es selbst damals gutgeheissen wurde, nur dass eine Aktion befohlen wurde, aber im Rahmen der Untersuchung festgestellt wurde, dass verschiedene Militaerangehoerige den Befehl verschieden interpretiert haben. Man kann also aus diesen Quellen von menschlichem Versagen, mit erschreckenden tragischen Folgen ausgehen?
 
kurze Zwischenfrage: gab es ausser Papst Johannes Paul II. einen Papst, der sich intensiver mit Marienerscheinungen beschäftigt hat?
In erster Linie ist natürlich an Pius IX. zu denken, sicher auch an Pius XII.
Johannes Paul II. ist aber derjenige, der am stärksten in die Weltgeschichte eingegriffen hat. Ich erlaube mir, dazu etwas weiter auszuholen mit Bezug auf den Historiker Hesemann [1], dessen Darstellung auch das Thema Marienerscheinungen berührt.

Das Wirken dieses Papstes ist, jedenfalls bis 1991, eng verbunden mit dem von Gorbatschow. Die Initiative ging vom Papst aus: Am 25.4.1984 vollzog er »die Weihe Russlands und der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens. [...] Innerhalb eines Jahres [nach dem Weiheakt] kam es zu einer Wende im Osten, [...] die letztendlich zum völligen Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen des Warschauer Paktes führte. Der ›gottlose Kommunismus‹ war innerhalb von sieben Jahren besiegt.« (S. 185). Der Kommunist Gorbatschow war hierbei das »Werkzeug Gottes«. [2]

In die Zeit von Glasnost und Perestrojka fällt auch die Marienerscheinung in Hruschiw vom 26.4. bis Mitte Mai 1987 (S. 187 ff.). »Und, was Hruschiw von Fatima unterschied: Hier sah nicht nur [das 12-jährige Bauernmädchen] Marina, hier sah etwa die Hälfte der Pilger die Gottesmutter mal deutlicher, mal als schattenhafte Erscheinung, und einige hörten sogar ihre Botschaft:
0 meine Tochter Ukraine, ich bin zu dir gekommen, denn du hast am meisten gelitten, und während all deiner Leiden hast du den Glauben an das Allerheiligste Herz bewahrt. Ich bin zu dir gekommen, damit du hingehst, um Russland zu bekehren. Bete für Russland! Bete für diese verlorene russische Nation! Denn wenn Russland Christus, den König, nicht annimmt, ist der Dritte Weltkrieg unvermeidlich.« (S. 187)​

Präsident Putin freilich, der am 5.6.2000 zu Besuch in den Vatikan kam (S. 259), war zwar ein »aufrichtiger Gläubiger und kirchlicher Mensch«
[3], gehörte aber der russisch-orthodoxen Kirche an. Dies wirkte sich sogleich hemmend aus: »Selbst Präsident Putin wagte es nicht bei seinem Besuch im Vatikan, Johannes Paul II. [zu einem Gegenbesuch] einzuladen, weil der [orthodoxe] Patriarch dies nicht wollte. Die Begründung war immer dieselbe: Ein Treffen der Kirchenführer könne erst stattfinden, wenn interne Probleme zwischen den Konfessionen vorher aus dem Weg geräumt würden.« (S. 298). Bis zum Tode des Papstes konnte kein Fortschritt mehr erzielt werden.


[1] Michael Hesemann, »Das letzte Geheimnis von Fatima. Marienerscheinungen, der Papst und die Zukunft der Menschheit. Mit einem Vorwort von Joachim Kardinal Meisner und einem Nachwort von Kurt Kardinal Koch«, Rottenburg: Kopp Verlag, 2. Aufl. 2021
[2] So die auf S. 201 zitierte Aussage eines litauischen Kardinals. (Noch 1986 war G. von Helmut Kohl mit Goebbels verglichen worden.)
[3] Nach Aussage des Moskauer Patriarchen Kyrill.
 
In Fatima hat Maria doch gesagt, man solle beten, damit Russland sich bekehre.
Das ist schon wieder so eine Aussage, die das ganze (a) die Marienerscheinung an sich und b) die Russlandaussagen) als Faktum darstellt.
Wie sagte mein sehr religiöser Mathematiklehrer immer, wenn jemand sagte "Ich glaube, das Ergebnis ist XY."?
"Der Glaube gehört in die Kirche!"
Wir können hier nicht diskutieren, was die Jungfrau María zu Sor Lúcia gesagt hat, dann bewegen wir uns außerhalb des Rahmens des Historikers! Wir können darüber diskutieren, was Sor Lúcia überliefert hat, was die Jungfrau Maria zu ihr gesagt habe und dies in den historischen Kontext einordnen.

Bzgl. der Russlandangaben.

Sor Lúcia berichtet von einer Marienerscheinung, die sie am 13. Juni 1929 gehabt haben will.

Anschließend sagte mir Unsere Liebe Frau:​
– Es ist der Augenblick gekommen, in dem Gott den Heiligen Vater auffordert, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen. Er verspricht, es durch dieses Mittel zu retten. So viele Seelen werden von der Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden verdammt, die gegen mich begangen werden, so dass ich um Sühne bitte: Opfere dich in dieser Meinung auf und bete.​
Ich berichtete das meinem Beichtvater, der mir auftrug, niederzuschreiben, was Unsere Liebe Frau wünschte. Viel später beklagte sich U. L. Frau mittels einer intimen Mitteilung:​
– Wollten sie meiner Bitte kein Gehör schenken? Wie der König von Frankreich, werden sie bereuen, aber es wird zu spät sein. Russland wird seine Irrlehren über die Welt verbreiten, Kriege und Verfolgungen der Kirche hervorrufen. Der Heilige Vater wird zu leiden haben.“​

1929 litt die Sowjetunion bereits am stalinistischen Terror, das wird auch (oder gerade) an einer Nonne nicht vorbei gegangen sein.
1941 beschreibt dann Sor Lúcia in ihrer 3. Erinnerung, dass die Jungfrau ihr bereits 1917 eine russlandbezogene Forderung gestellt habe - nur die ergibt im Juni 1917 noch überhaupt keinen Sinn, denn sie lag noch vor der Oktoberrevolution. 1941 hingegen befinden wir uns mitten im WKII:
  • am 22. Juni überfiel das Deutsche Reich die Sowjetunion
  • am 26. Juli forderte der Bischof Lúcia auf, ihre dritte Erinnerung zu verfassen
  • am 3. August wird die dritte Erinnerung von Lúcia veröffentlicht
Hier werden also Dinge zurückdatiert, die 1917 noch gar nicht Thema waren. Vor 1929 ist keine russlandbezogene Äußerung Sor Lúcias dokumentiert. Die erste die die angebliche Offenbarung von 1929, die sich in den Folgejahren dann häufen, bis dann in der dritten Erinnerung von 1941 eine russlandbezogene Offenbarung auf 1917 zurückprojiziert wird.
 
Wir können hier nicht diskutieren, was die Jungfrau María zu Sor Lúcia gesagt hat, dann bewegen wir uns außerhalb des Rahmens des Historikers! Wir können darüber diskutieren, was Sor Lúcia überliefert hat, was die Jungfrau Maria zu ihr gesagt habe und dies in den historischen Kontext einordnen.
Unser beider Beiträge haben sich überlappt. In dem erwähnten Buch von Hesemann/Meisner/Koch spielt Lucia die Hauptrolle. Ich wollte meinen Beitrag nur nicht noch weiter aufblähen, obwohl die von Lucia erstrebte »Weltweihe« von 1942 (durch Pius XII.) auch sehr interessant ist.
 
Vielen Dank! Daraus geht also nicht hervor ob es selbst damals gutgeheissen wurde, nur dass eine Aktion befohlen wurde, aber im Rahmen der Untersuchung festgestellt wurde, dass verschiedene Militaerangehoerige den Befehl verschieden interpretiert haben. Man kann also aus diesen Quellen von menschlichem Versagen, mit erschreckenden tragischen Folgen ausgehen?
Meines Erachtens war das Militär mit der Situation überfordert.
Damals sah das Zentrum aber Bösartigkeit und die Mehrheit des Landtages korrektes Vorgehen des Militärs. Die Anträge des Zentrumspolitikers Bachem wurden abgelehnt. Das Vorgehen also gutgeheissen.
 
Unser beider Beiträge haben sich überlappt. In dem erwähnten Buch von Hesemann/Meisner/Koch spielt Lucia die Hauptrolle. Ich wollte meinen Beitrag nur nicht noch weiter aufblähen, obwohl die von Lucia erstrebte »Weltweihe« von 1942 (durch Pius XII.) auch sehr interessant ist.
Hesemann mag studierter Historiker sein, in seinen Publikationen changiert er zwischen UFOlogie und Katholizismus. Dass das zitierte Buch im völkischen und verschwörungsaffinen Kopp-Verlag erschienen ist, spricht nicht gerade für es.
 
Nun ja, es geht nicht speziell um Putin, sondern um das post.kommunistische Russland allgemein. Das gibt’s schon länger als die Tagespolitik.
Die Frage um das post-kommunistische Russland im Rahmen der Religion halte ich fuer ein durchaus interessantes geschichlichtes Thema, aber Putin ist Tagespolitik. Ich denke, dass es hier im Rahmen des Forums Grenzen gibt und es interessanter ist die Marienerscheinungen in der Zeit in der sie erschienen sind zu erforschen und in einen Kontext zu stellen.

Vielleicht waere es sinnvoll einen Thread zum Thema "Gorbachev" und Religion zu eroeffnen? Das meine ich bitte ohne Vergleich zur Tagespolitik. @Linde?
 
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Die Frage um das post-kommunistische Russland im Rahmen der Religion halte ich fuer ein durchaus interessantes geschichlichtes Thema, aber Putin ist Tagespolitik. Ich denke, dass es hier im Rahmen des Forums Grenzen gibt und es interessanter ist die Marienerscheinungen in der Zeit in der sie erschienen zu erforschen.

Vielleicht waere es sinnvoll einen Thread zum Thema zu eroeffnen?
Putin sollte nur ein Beispiel sein, und die Frage eine versteckt.witzige Kritik an der Botschaft Marias. Ich dachte, in dieser Form seis erlaubt.
Kann’s leider nicht mehr löschen.
Der ganze Thread hier geht ja um Marien.Erscheinungen. Und auch in ihrer Zeit.
 
Es wurde die Vermutung aufgestellt, dass der Mensch vielleicht eine Art Bedürfnis nach polytheistischen Glaubenspraktiken hätte, sei es von Natur aus, sei es, dass dieses im Zuge des Übergangs vom Poly- zum Monotheismus irgendwie überdauert hätte. In diesem Zusammenhang wies ich darauf hin, dass sich die frühe Kirche mitunter tatsächlich bemühte, den Polytheisten eine Brücke zum Monotheismus zu schlagen—zum Beispiel dadurch, dass man heidnischen Göttern gewidmete Feiertage, also Elemente der polytheistischen Religion, übernahm und bloß mit christlichem Anstrich umdeutete.

Welcher heidnische Feiertag soll denn nachweislich (und gar noch vom Klerus beabsichtigt) übernommen und umgedeutet worden sein?

Was den Brief Gregors betrifft, hatte ich bereits klargestellt:


Wie Du richtig schreibst, geht es nur um zwei Dinge: Heidnische Tempel sollen in christliche Kirchen umgewandelt werden (wobei mir die Formulierung "Schritt für Schritt" nicht recht verständlich ist), und als Ersatz für Opferfeste, bei denen man Ochsen zu schlachten pflegte, soll am Tag der Kirchweih oder am Patrozinium ein Schlachtfest gefeiert werden. Weder sollen bestimmte Heilige als Ersatz für bestimmte Götter herhalten noch sollen heidnische Feiertage in christliche Feiertage umgemünzt werden.

Kirchweih ist ein lokales Fest, der Jahrtag der Kirchweihe, und das Patrozinium ist üblicherweise kein "(neuer, zusätzlicher) christlicher Feiertag", sondern der Tag, der als Gedenktag des jeweiligen Heiligen begangen wird (in der Regel der Todestag). Du müsstest also einen Beleg dafür bringen, dass irgend ein bestehender heidnischer Feiertag neu und zusätzlich in den christlichen Kalender eingefügt wurde oder zumindest werden sollte.

Hast Du dafür einen Beleg?
 
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