Marx und Kolonialismus

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von werzel125, 16. August 2009.

  1. werzel125

    werzel125 Gast

    Karl Marx sah einerseits im Kolonialismus die weltweite Ausbreitung des Kapitalismus. Diese Entwicklung wurde von ihm zeitweilig positiv bewertet, galt doch der Kapitalismus mit seinen Errungenschaften als Ausgangspunkt für die sozialistische Revolution.
    Andererseits kam den eingeborenen Völkern der Kolonien keine aktive Rolle bei der Revolution zu. Er meinte, diese sei ausschließlich Aufgabe der entwickleten, kapitalistischen Länder Europas.

    Aber ist das nicht ein Widerspruch?
    Warum sollten einerseits die Voraussetzungen für die Revolution weltweit geschaffen werden, andererseits die Revolution aber nur Aufgabe der europäischen Völker sein?
     
  2. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Mich würden zu allererst die Quellen interessieren, die Du Deiner Einschätzung zu Grunde legst.

    Denn obgleich ich nicht wirklich bewandert im Marxschen Kosmos bin, habe ich hier eine Stelle gefunden, die Deiner Aussage entgegenzustehen scheint:

    Marx, Karl/Die künftigen Ergebnisse der britischen Herrschaft in Indien - Zeno.org
     
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  3. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Leider kommt hier nichts mehr...


    Dennoch sehe ich micht gezwungen, nochmals (und auf mich selbst) zu antworten:

    Könnte es sein, dass Marx einen "entwickelten" Kapitalismus als Basis der dann stattzufindenden Revolution, getragen durch ein - im Falle der Kolonien durch die Kolonisatoren erst zu schaffendes - Proletariat als einzig möglichen Ursprung seiner Revolutionsutopie angesehen hat?

    Vielleicht lässt sich auf diesem Weg die Marxsche Einschätzung der Bedeutung der Rolle der kolonisierten Länder für seine Theorie klären?
     
  4. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Das liegt mit dem Entwicklungsgedanken von Marx aber auch ganz allg. der damiligen Zeit zusammen.
    Man ging zumeist von einer Stufenlehre aus, bei der die Gesellschaftsformen wie folgt strukturiert wurden:
    Wildheit - Barbarei - Zivilisation
    Vrgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionismus
    Da aber auch für Marx die Zivilisation (also die westl. Welt) den Kapitalismus erreicht hatte, konnte auch nur sie ihn wieder überwinden.
    Die indigen Völker wurden zumeist bei diesem Schema in Wildheit oder Barbarei eingeordnet und konnten somit, da sie die höchste Stufe der Entwicklung noch nicht erreicht hatten auch nicht den Kapitalismus überwinden.
    Vrgl.
     
  5. Simon

    Simon Neues Mitglied

    Um DerGeist in einigen Punkten vllt noch zu ergänzen:
    Marx betrachtete die Welt dialektisch, das heißt er sah dessen Entwicklungsdynamik in den sozialen Antagonismen. Eine Gesellschaft war für ihn eine Klassengesellschaft, mit sich in ihren Interessenslagen grundsätzlich(und diese Einschränkung ist angesichts seiner Fetischismusausführungen notwendig) widersprüchlich gegenüberstehenden "Hauptklassen". Diese Klassen bilden These & Antithese, der Klassenkampf inkl. geglückter Revolution ergibt die Synthese(die letztendlich wieder zur These wird).
    Das Proletariat sollte aber, nach marx, die klassenlose Gesellschaft errichten. Womit es keinen Klassenantagonismus mehr geben würde, und keinen Klassenkampf. => "Ende der Geschichte".
    Das Proletariat gibt es nur im Kapitalismus, bzw spielt nur im Kapitalismus eine entscheidende Rolle. Der Kapitalismus wird also zwangsläufig zur Basis jeder sozialistischen Revolution.
     
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