Medea - Euripides / Historischer Hintergrund?

Diese Tragödie wurde mal in einem Film erwähnt und hat mich noch eine Weile beschäftigt.
Doch konnte ich bisher nicht den Titel herausfinden. Daher meine Frage.
Danke Teresa für deine Antwort.

lg Monika

EDIT:

Ich hab jetzt etwas gefunden über diese Tragödie. Hab zwar mal zu forschen versucht, aber wahrscheinlich i-wie verpeilt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_bekränzte_Hippolytos
 
Zuletzt bearbeitet:
Eine recht eigenwillige Version des Medea-Stoffes bot der spätantike, im Vandalenreich lebende lateinische Dichter Dracontius in einer etwa 600 Hexameter umfassenden Dichtung:
Es geht schon damit los, dass Iason gleich nach seiner Ankunft in Kolchis festgenommen wird; seine Kameraden ergreifen einfach die Flucht. Medea ist hier (wie sonst Iphigenie in Tauris) eine Priesterin der Diana (Artemis), die den Fremden der Göttin opfern soll. Die Göttin Iuno (Iasons Beschützerin) veranlasst jedoch Venus, ihren Sohn Amor/Cupido zu beauftragen, dafür zu sorgen, dass sich Medea in Iason verliebt. So kommt es auch. Sie fliehen aber nicht sofort, sondern leben vier Jahre lang zusammen in Kolchis, wo Medea ihre beiden Söhne gebiert. Erst dann fliehen sie mitsamt dem Goldenen Vlies, kommen aber nicht (wie sonst) nach Korinth, sondern nach Theben. Dort verliebt sich die Tochter von König Kreon, Glauke, in Iason und setzt eine Heirat durch. Medea rächt sich, indem sie Glauke, Iason, Kreon und ihre beiden Kinder tötet. Dann flieht sie auf einem Drachenwagen.

Es weichen also nicht nur die Ereignisse in Kolchis von den verbreiteteren Versionen des Mythos ab, sondern auch das Ende: Normalerweise kommen Iason und Medea nach Korinth zum dortigen König Kreon. Bei Dracontius hingegen ist es (der aus den Sagen um Oidipus und Antigone bekannte) Kreon in Theben.

Ansonsten fällt auf, dass Frauen die treibenden Gestalten sind: Nicht nur Medea, sondern auch Glauke, die aktiv ihre Heirat mit Iason betreibt. Iason selbst hingegen ist recht passiv: Medea heiratet er, um seiner Opferung zu entkommen, und Glaukes (und Kreons) Willen fügt er sich eher als dass er wirklich selbst diese neue Verbindung wünscht. Lediglich bei der Abreise aus Kolchis ist er die treibende Kraft.

Eine weitere Besonderheit ist, dass in dieser Fassung Diana (Artemis) nicht nur, wie auch bereits früher manchmal, mit der Mondgöttin Luna (Selene) gleichgesetzt wird, sondern auch mit der Unterweltsgöttin Proserpina (Persephone) und obendrein klare Züge von Hekate trägt.
 
Was genau? Die Mythen? An ihre Götter?

Bei den Mythen waren sie sich schon bewusst, dass von den Dichtern vieles ausgeschmückt wurde. Es gab auch Versuche, sie zu "rationalisieren", also allzu fabelhafte Dichtungen rationaler darzustellen. (Z.B. dass der Minotauros in Wahrheit bloß ein Feldherr des Minos namens Tauros gewesen sei, dem die Athener junge Männer und Frauen als Sklaven schicken mussten.) Aber im Kern hielten sie sie für historisch.
Z.B. leiteten viele Adlige ihren Ursprung von Göttern oder berühmten Sagenfiguren ab, was sinnlos gewesen wäre, wenn ohnehin niemand an deren Existenz geglaubt hätte. (Man stelle sich vor, heute würde ein Politiker ernsthaft behaupten, er stamme vom Drachentöter Siegfried oder gar von Batman ab.)
Wie ernst die Mythen genommen wurden, zeigt ein Beispiel beim Reiseschriftsteller Pausanias: In einem Tempel auf Zypern wurde das (angebliche) Halsband der Harmonia gezeigt. (Harmonia war in der Mythologie die Ehefrau von Kadmos, dem Gründer Thebens. Ihr Halsband wurde berühmt, weil es jeder Besitzerin oder deren Umfeld Unglück brachte.) Pausanias hielt es für unecht. Damit hatte er höchstwahrscheinlich recht. Abgefahren war aber seine Begründung: Das im Tempel gezeigte Halsband sehe nicht so aus wie von Homer beschrieben! Pausanias bezweifelte die Authentizität also nicht deshalb, weil es Harmonia und ihr Halsband wahrscheinlich nie gab, sondern nahm im Gegenteil sogar Homer als Quelle ernst. (Das hatte er übrigens mit Strabon gemein, der sich auch gerne auf Homer berief.)

Ähnlich bei den Göttern: Zumindest gebildetere Köpfe waren sich schon darüber im Klaren, dass vieles, was die Dichter schrieben, ausschmückende erdichtete Fabeleien waren. Aber das betraf nicht die Existenz der Götter im Kern.
 
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