Mythos Gotenschlacht

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von BerndHH, 26. Mai 2013.

  1. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Er wollte sicher, wie jeder Schriftsteller seinen Roman auch möglichst in großer Zahl verkaufen. Man schreibt doch nicht so einen Wälzer um ihn dann nur an ein paar Bildungsbürger zu verkaufen. Warum sollte einPprofessor nicht auch ganz gern eine Mark mehr verdienen wollen. auch heutige Schriftsteller schreiben nicht nur aus Edelmut.
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    dennoch bezweifle ich, dass Dahn 1876 eine Marktanalyse gemacht hat, hierbei "oho, der Trend heuer heisst: es völkelt und deutschtümelt" ermittelte und sodann in seinem Schriftstellerstübchen die so ermittelte Bedarfsdeckung literarisch betrieb :winke: - da hätte er eher gloriose Novellen über den damals jüngsten Feldzug schreiben können :still:
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Mein Lieblingswerk Dahns ist eigentlich die lange Erzählung "Die Finnin". Manche heutige Leser werden sich zwar an der - verglichen mit den Wikingern - negativen Schilderung des finnischen Volkes stören, aber trotzdem handelt es sich um eine packende Erzählung über eine unattraktive Finnin, die für den Wikingerfürsten, den sie liebt, alles tut und opfert und von ihm trotzdem nur Ablehnung und rassistisch motivierte Verachtung erfährt, dabei aber überaus besitzergreifend-rachsüchtig-zerstörerisch wird. Ein Happy End darf man sich natürlich nicht erwarten.
    Heutigen Lesern wird das aber schon deswegen nicht gefallen, weil das einmal etwas ganz anderes ist als heutige Romane über starke unabhängige attraktive Frauen im Mittelalter, die sich ihre Liebhaber selbst auswählen und dominieren.

    Mit solchen Historienromanen lag er aber immerhin im Trend der Zeit. Erwähnenswert (und auch heute noch lesenswert) sind z. B. Ernst Wicherts Romane "Heinrich von Plauen" und "Der Bürgermeister von Thorn" vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Deutschem Orden und Polen.
     
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    auch "die Ahnen" von Gustav Freytag (übrigens auch mit edlen Germanen und feig-heimtückischen Welschen)
     
  5. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Eine Marktanalyse brauchte er sicher nicht. Vielleicht las er auch selbst gern Bücher, die in dieser Art geschrieben waren. Aufgewachsen ist er sicher mit den Heldensagen, wie Dietrich von Bern und dem Niebelungenlied. Sicher haben diese Bücher auch erst sein Interesse an der germanischen Geschichte geweckt. Romane sollten auch lehrreich sein und die Tugenden seiner Helden waren sicher die, die er vermitteln wollte.
    Vielleicht besaß er neben wissenschaftlichen Interesse auch eine Vorliebe fürs fabulieren. Das macht ihn mir eigentlich sympatischer als einen staubtrocknen Wissenschaftler ,der nichts niederschreibt was nicht verbürgt ist.
    Wer sich ernsthaft über Geschichte informieren möchte sollte ohnehin zu anderer Lektüre als zur Belletristik greifen.
     
  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Der einzige Historienroman in der Betriebsbücherei an meinem Arbeitsplatz nennt sich "Die Rose von Salerno" und es geht - richtig: Um eine starke unabhängige Frau im Rom und normannischen Süditalien des 11. Jhdts., die gegen Konventionen verstößt und ihren Liebhaber selbst wählt.
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das sollte auch gar keine Kritik an weiblichen Hauptfiguren sein. Es fällt mir nur auf, dass in jedem Buchlanden fast sämtliche historischen Romane mit "Die" beginnen und auf "....in" enden.
     
  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    gewiß, auch Talent dazu - ebenso aber hatte er wohl auch andere Vorlieben:
     
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    oh ja, Zeugs dieser Sorte ist auf seine Weise ebenfalls unerträglich, dabei sprachlich und formal sowie erzähltechnisch dem deutschtümelnden Dahn doch unterlegen... :D:D
     
  10. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Sag ich ja, er war ein Kind seiner Zeit.
     
  11. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Da stimme ich Dir zu. Es wird das heutige Frauenbild einfach in andere Epochen gequetscht. Wohl auch nicht so historisch korrekt.
     
  12. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Von Fakten, Assoziationen und Zeitgeist

    Dahn soll mehrfach gezögert haben, einige historische Romane zu veröffentlichen. Ich glaube auch den „Kampf um Rom“. Dahn teilte sicher die Germanenbegeisterung seiner Zeit und forschte mit seinen Mitteln seriös in historischen Schriften. Diese Germanenbegeisterung sieht man bei fast allen seiner Zeitgenossen, was sich nicht einmal auf Deutschland beschränkte, sondern in mehreren modernen Nationen zeigte, die sich als „germanisch“ fühlten – so teils auch in England! Im Roman bleibt übrigens der Römer Cethegus weitgehend die Hauptfigur und ist Anfangs auch nicht unsympathisch, bis er seinen politischen Zielen rücksichtslos alles opfert, auch wenn sie undurchführbar werden. Denn sie basieren allein darauf Goten und „Byzantiner“ erfolgreich gegeneinander auszuspielen, wobei er zumindest Zeitweise auf beiden Seiten die wichtigsten Entscheidungen beeinflussen kann!

    Sprünge durch die Jahrtausende:
    Bei der legendären Schlacht an den Thermophylen traten die Kämpfer nicht bewusst an um sich zu opfern, sondern um bessere Ausgangsbedingungen für den weiteren Krieg zu erkämpfen. Auch die 6. Armee in Stalingrad, für deren Opfergang „Der Dicke“ (Goering) eine Radioansprache mit Bezug zu der Schlacht an den Thermophylen in das Mikro plärrte, sollte ja ursprünglich nicht etwa geopfert, sondern entsetzt werden. Waren die Chancen noch so Bescheiden. Ebenso verhielt es sich mit den französischen Truppen im Indochinakrieg. Bei beiden modernen Kriegen war es eine Folge von dramatischen Fehleinschätzungen des Gegners, welche zu einer ausweglosen Situation auswuchs! Bei den Thermophylen dagegen ging es ganz bewusst um Zeitgewinn gegen einen übermächtigen Gegner.
    Auch bei der Gotenschlacht am Mons Lactarius ging es wohl um Zeitgewinn, weil Teja nach seiner Einsetzung als Gotenkönig recht überstürzt nach Süden aufgebrochen war, um eine belagerte Festung zu entsetzen. Dies scheiterte und er ließ sich vereinfacht gesagt auf eine leicht zu verteidigende Stellung „zurückfallen“, bis das Geschehen am Mons Lactarius eskalierte. Trotz seiner kleineren Armee sah er sich gut versorgt durch eine Flotte, mit welcher er sich wohl bei Bedarf auch über das Wasser glaubte zurückziehen zu können. Die scheinbar so gut gewählte Stellung wurde zur ausweglosen Falle, als der gotische Flottenkommandant vom Feind bestochen mit seinen Schiffen überlief, nachdem der Landweg längst abgeschnitten worden war. Hier wäre also wieder eine Parallele zum Verrat an den Thermophylen, als dem Perserkönig ein Weg gezeigt wurde, über welchen er Truppen hinter die Stellungen der Griechen senden konnte – und die Spartaner blieben in der Todesfalle zurück, den Rückzug deckend.
    Ähnliche Überlegungen wurden auch im 2. Weltkrieg den deutschen Landsern impliziert um die Niederlage von Stalingrad auf das Versagen der eigenen Alliierten (Rumänen, Ungarn, dann die Italiener) zu reduzieren. Die Flankendeckung der 6. Armee hatten rumänische Armeen leisten sollen, wo die russischen Umfassungen begannen . Auch während des Entsatzes von Stalingrad („Wintergewitter“) kam scheinbar erst das endgültige Ende der Operation, als weiter im Norden die Donfront zusammenbrach: Zuerst die Ungarn; dann die Italiener. So mussten Entsatztruppen abgezogen werden, um Schlimmeres zu verhindern. Dabei war der Fehlschlag längst abzusehen gewesen. Görings Rede konnte auch im Kessel gehört werden, was die dortigen Landser besonders ergrimmte: Hörten sie doch ihre eigene „Leichenrede“, obwohl sie noch ums Überleben kämpften und wohl auch noch hofften. Sie fühlten sich ohnehin von Görings Luftwaffe nicht selten verlassen, ungeachtet der opfervollen Einsätze und fehlender Grundlagen!Unstrittig sind diese Überlegungen falsch gewesen und belasteten enorm das Verhältnis Deutschlands zu seinen Verbündeten, rettete aber für einige Zeit vielleicht die „Moral“ in der Wehrmacht?…

    @Mons Lactarius & die Dichtung:
    Der genaue Schauplatz des Kampfes kann nicht näher bestimmt werden. Die heute als Monte Lattini bezeichnete Gegend ist kein Berg, sondern ein lang gezogener Bergrücken. Ein Fortsatz des Apennin in Richtung auf das Meer und bildet quasi die „Wurzel“ der Halbinsel von Sorrent . Touristisch gesprochen grob im Dreieck zwischen Sorrent, Stabia(e)/Pompeij und Amalfi in einer landschaftlich herrlichen Lage! Das hier ohne eine Flotte ein Entkommen gegen überlegene Truppen nicht mehr möglich war, ist offensichtlich.
    Die Kämpfe der Goten wurden zu einem zunehmend aussichtloseren und verzweifelten Kampf, der nicht einmal mit dem Schlachtentod ihres Königs sofort endete! Im Gegensatz zu früheren Niederlagen der Goten konnten sie sich nun nie wieder neu unter einem eigenen König formieren. Es folgten noch jahrelange Kämpfe, angeheizt durch fränkische Einfälle…
    Interessanterweise wurde der Roman „Ein Kampf um Rom“ 1876 veröffentlicht – im gleichen Jahr, wie die Uraufführung der „Götterdämmerung“ von Richard Wagner, mit welcher der Komponist seinen Zyklus um den „Ring des Nibelungen“ abschloss. Besser ist der Zeitgeist kaum zu kommentieren. Wagners Geschichte endet anders als die deutsche Heldensage um die Nibelungen. Der Ausgang der Sage und das Ende der Goten haben mehr direkte Parallelen miteinander.
     
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  13. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    In Prokops Gotenkrieg steht allerdings auch das wahre Ende von Tejas Tod:
    „Einige Römer steckten seinen Kopf auf eine Stange und zeigten ihn beiden Heeren, den Römern, um sie noch mehr anzufeuern, den Goten, damit sie in Verzweiflung den Kampf aufgäben.“

    Das hätte im Roman dem heroischen Ende aber einen gewaltigen Dämpfer gegeben. Daher ignorierte Dahn dieses und ließ Haralds Flotte auftauchen.

    In Italien nimmt die Stadt Angri für sich in Anspruch, die entsprechende Lokalität gewesen zu sein. Nun liegt Angri aber nicht unmittelbar am Mons Lactarius, wie ich selbst gesehen habe. Zumindest heute nicht. Dass die Schlucht nicht so einfach zu finden ist, dürfte verständlich sein. Immerhin hat in den letzten 1400 Jahren auch mal hin und wieder dort die Erde „gewackelt“ und der Sarno wird seinen Verlauf auch schon mal geändert haben.
     
  14. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Kleine Korrektur = Monti Lattari :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Mai 2013
  15. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ich weiß - ich fand nur keinen Link mit dem Text (der Dahnroman ist stattdessen mehrmals auffindbar), sonst hätt ich den daneben gestellt :yes:
     
  16. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    auch Tom Sawyer erschien in diesem Jahr, in welchem auch der Nordseekanal eröffnet wurde :):):)
     
  17. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Dann ist der Mississippi wohl nur eine Metapher ?:grübel:
     
  18. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    :):):):)

    oh Schreck... nicht nur der Wagner, auch der Dahn hat eine "Walküre" gedichtet (immerhin hat der Dahn die nicht auch noch vertont)
    ...soll ich auch noch, als Pendent zur Götterdämmerung, "Hagens Sterbelied" komplett zitieren? Felix Dahn - Hagens Sterbelied
    :rofl::rofl::rofl:
     
  19. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Ja, italienische Mehrzahlbildung: Eben kein Berg, sondern Berge
     
  20. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Der Kampfgeist und das Heldentum König Tejas, wie von Prokop beschrieben, muss die feindlichen Zeitgenossen wie Byzantiner und Römer sehr beeindruckt haben. Denn Prokop war in diesem Fall nicht vor Ort, wie zuvor in anderen Jahren des Gotenkrieges unter Belisar. Er kannte die Begebenheiten also nur aus Erzählungen, aus zweiter Hand.

    Vermutlich gibt es deshalb auch einige Ungereimtheiten. Zunächst heißt es, die Goten hätten sich auf den Mons Lactarius in unwegsames Gelände zurückgezogen; dann suchten sie anschließend den Tod in offener Schlacht. Teja stand dabei mit wenigen Begleitern vor der Phalanx und wurde gezielt von den tapfersten der Feinde angegriffen. Und was machte die Phalanx inzwischen (fragt auch schon Delbrück)? Dichtes Kampfgetümmel rundherum oder Abstand vom kämpfenden König, so dass genau gezählt werden konnte, wie viele Speere im Schild steckten?

    Im Vergleich zu Dahn erzählt Prokop also von einer offenen Schlacht.

    Dahn ließ die letzte Schlacht gar nicht am Mons Lactarius spielen, sondern verlegte sie an den Vesuv.
    6. Kapitel Teja: „ … noch mehr als unserer, denn wir können fallen allüberall -: der Goten Frauen eingedenk, kor ich zur letzten Walstadt: --- den Vesuvius!“ Das erinnert dann ein wenig an das Geschehen nach der Schlacht von Vercellae: die Frauen verübten Selbstmord, nachdem die Kimbern geschlagen waren, um der Sklaverei zu entgehen.

    Und auch Syphax springt mit der Leiche des Cethegus in den Vesuv.

    Dahn schrieb von einer Keilformation im Gegensatz zur Phalanx. Das passte dann besser in die Gelände-Begebenheiten am Vesuv.

    Ich habe auch eine, allerdings aus der Neuzeit. Gib es bei ars mundi als Reduktion der Fibel aus dem Nürnberger Museum.

    Julius
     

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