wir sind inzwischen mehr bei Sagen als bei den Spartanern.
Hier paar Infos zu Sparta
Drei-Klassen-Gesellschaft
Wesentlicher Inhalt der spartanischen Verfassung war eine festgeschriebene Drei-Klassen-Gesellschaft. Den Spartiaten wurde zu Beginn durch Los ein Stück Ackerland zugeteilt, das nicht verschenkt oder verkauft werden durfte. Wann genau das geschah, ob es vielleicht eine Regelung der Großen Rhetra war, wissen wir nicht. Sie hatten in der Volksversammlung Stimmrecht, was sie von den Periöken, den Bewohnern des Umlandes unterschied. Diese waren frei, aber Sparta gegenüber zinspflichtig und stellten zusammen mit den Spartiaten im Kriegsfall den Kern des Heeres. Die dritte, unterste Klasse bestand aus den Heloten, Leibeigene, die die Landarbeiten verrichteten und im Kriegsfall als Trossknechte mitzogen oder auch als Leichtbewaffnete mitkämpften.
Die besiegten Messenier wurden als solch drittklassige Heloten eingestuft, was natürlich die ständige Gefahr eines Aufstands nach sich zog. Der Zweite Messenische Krieg, der immerhin etwa 30 Jahre dauerte (650 bis 620 v. Chr.) war die logische Folge. So ist es nachvollziehbar, dass die Spartiaten den Heloten jedes Jahr förmlich den Krieg erklärten. Wer als Helot nicht brav blieb und sich verdächtig machte, lebte aufgrund dieses Kriegsrechts dann nicht mehr lange. Bei einem Verhältnis von fünf Heloten auf einen Spartiaten mag dieses Misstrauen begreiflich sein. In der Hochzeit Spartas schätzt man die Bevölkerung auf 40.000 Spartiaten, 120.000 Periöken und 200.000 Heloten.
An der Spitze des Staates standen zwei Könige, die gleichzeitig auch Richter und Hohepriester waren. Das Königtum war innerhalb von zwei Familien jeweils erblich. Sie wurden durch die Gerusia, den Rat der Alten, d.h. der über 60-jährigen, und die Volksversammlung (Apella) unterstützt. Später wurde noch das Ephorat mit fünf leitenden Beamten geschaffen, deren Macht über die Jahre zusehends wuchs. Ephor konnte jeder Spartiat werden – immer nur für die Dauer eines Jahres. Insofern bot dieses Institut jedem Bürger die Möglichkeit, in die Machtelite aufzusteigen. Es wäre aber übertrieben, hier zu sehr auf eine demokratische und durchlässige Ausrichtung der lykurgischen Verfassung zu deuten.
Sparta - und sonst nichts
Gravierender und sehr verschieden zu anderen Städten und Staaten inner- und außerhalb Griechenlands war der hohe Grad an Selbstbezogenheit der Spartaner. Der Lebenszweck jedes einzelnen Spartiaten war, dem Staat zu dienen. Dem hatte sich alles andere unterzuordnen. Die körperliche Ertüchtigung der Jugend war ein wesentliches Ziel, um als Staat immer hinreichend kampfbereit zu sein. Jagd, Sport und Religion hatten einen erheblich höheren Stellenwert als gewerbliche Tätigkeiten wie Schifffahrt oder Handel. Die Gesetze schrieben ausschließlich eiserne Münzen vor, um eine persönliche Bereicherung durch Handelsaktivitäten zu unterbinden. Sparta lebte somit sehr autark und isoliert, Auslandsreisen waren nur mit ausdrücklicher Erlaubnis möglich. Und auch im täglichen Leben achtete der Staat darauf, dass alles seine Ordnung hatte und sich keine Individualität und Hierarchien innerhalb der Spartiaten entwickelte. Sie nannten sich selbst ganz ausdrücklich homoioi, was »Gleichgestellte« bedeutet. Bau und Einrichtung von Häusern, Kleidung, Musik, alles wurde reglementiert, um Verweichlichung zu vermeiden und die Kraft des Staates zu erhalten. So ist es nicht verwunderlich, dass wir aus der vielfältigen griechischen Geistesgeschichte eigentlich keinen einzigen Menschen aus Sparta finden, der ihr wesentliche Impulse gegeben hat. Schwächliche oder behinderte Kinder von Spartiaten wurden zu den Periöken geschickt, andererseits konnten Kinder von Periöken oder sogar Heloten bei entsprechenden Voraussetzungen von Spartiaten adoptiert werden und die Klassengrenze überwinden.
Im Alter von sieben Jahren wurden alle Jungen den Familien entzogen und die nächsten 23 Jahre gegliedert nach Altersklassen von jungen Erwachsenen trainiert und erzogen. Das Lagerleben endete mit dem 30. Lebensjahr. Aus dieser sehr militärischen Erziehung der Jugend resultierte ein Ethos, bei dem Tapferkeit, Selbstaufgabe und Heldenmut im Mittelpunkt standen. Wer feige war oder schien, war unten durch und nicht mehr Mitglied der Gesellschaft. Von den 300 Spartanern, die 480 v. Chr. am Thermopylen-Pass unter Führung von Leonidas (reg. 489 bis 480 v. Chr.) gegen die Perser kämpften, überlebte einer, der dann allerdings alle Bürgerrechte verlor und sozial geächtet wurde. Das Überleben einer solchen Kampfes war ein klares Zeichen von Feigheit. Das berühmte Zitat des Simonides von Keos (557/556 bis 468/467 v. Chr.), dessen Urheberschaft allerdings zumindest strittig ist, das auf einem Gedenkstein an den Thermopylen gestanden haben soll und in der Übersetzung von Friedrich Schiller lautet
"Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest
Uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl",
gibt einen schönen Einblick in Ethos und Denkweise der Spartaner.
Durch die Konzentration der Jungen auf die militärische Ausbildung war es Aufgabe der Frauen, die Haushalte zu führen und für die Einnahmen zu sorgen, die die Familien, das Militär und der Staat benötigten. Wir müssen in unserer Zeit nicht weit zurück oder heute über wenige Landesgrenzen hinweg schauen, um Staaten zu finden, denen die spartanische Grundhaltung einer absoluten Entindividualisierung nicht nur unsympathisch sein dürfte. Allerdings hat es dort dann schnell seine Grenzen, die Staatsführer kämpfen nicht mehr selbst und das mit den Eisenmünzen … lassen wir das.
Außenpolitisch ging es grundsätzlich erfolgreich weiter, auch wenn es eine zähe und langwierige Geschichte blieb. Nach Messenien unterwarf Sparta um 550 v. Chr. Arkadien in der Mitte des Peloponnes. Auch Argos im Nordosten wurde 546 v. Chr. vernichtend geschlagen, blieb aber ein ständiger Rivale. Das spartanische Gesellschaftsmodell war sicherlich keines, was aus sich heraus attraktiv war. Aufgrund der sehr auf Machterhalt und den militärischen Sektor konzentrierten Politik hatten Spartas Erfolge keine massiven Folgen für die umliegenden Städte und Länder. Man konzentrierte sich auf die Region des Peloponnes, die man beherrschen wollte und deren Städte man nach dem Erfolg über Arkadien und Argos im Peloponnesischen Bund zusammenband.
Mit ihrer radikalen Philosophie hatten die Spartaner zunächst Erfolg. Wir werden bei den Perserkriegen noch sehen, welche Bedeutung die spartanischen Hopliten, so nannten sich die Soldaten, für die Freiheit Griechenlands bekommen sollten. Und auch im Peloponnesischen Krieg (431 bis 404 v. Chr.) gelang es Sparta, letztlich auch Athen zu unterwerfen und zur unangefochtenen Führungsmacht in Griechenland zu werden, eine Rolle, mit der sie dann allerdings wenig anfangen konnten.
Aber bereits 464 v. Chr. stand das Menetekel an der Wand. Die messenischen Heloten nutzten ein schweres Erdbeben zum Aufstand, der sich wiederum viele Jahre hinzog. Die Aufständischen hatten sich auf den 800 Meter hohen Berg Ithome zurückgezogen, wo sie von den Spartanern nicht besiegt werden konnten. Sogar die Athener wurden von Sparta zur Hilfe geholt, aber bald auch wieder nach Hause geschickt, da man ihnen und ihren demokratischen Ideen nicht so recht traute. Eine Entscheidung, die in Athen wenig Begeisterung auslöste und mit ein Grund für den Streit der kommenden Jahrzehnte werden sollte. Letztlich einigte man sich mit den Heloten auf dem Berg auf einen freien Abzug. Die unsichere Basis der spartanischen Herrschaftsform wurde jedoch mehr als deutlich.