Nationalismus und Konservatismus in der deutschen Restauration

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von danden51, 10. November 2011.

  1. danden51

    danden51 Neues Mitglied

    Hallo sehr geehrte Forumsmitglieder,

    ich habe folgendes Anliegen:
    Ich habe an meiner Schule (Stufe 13) ein Internal Assessment (History) nach den geltenden IB-Krieterien (International Baccalaureate) zu schreiben.
    Es geht im Grunde um eine detaillierte Quellenbewertung und -einschätzung.
    Meint Thema ist Deutschland 1815-48. Ich bin frei in der Quellenauswahl.
    Nun würde ich gerne zwei konträre Primärquellen unter die Lupe nehmen, die beide dasselbe Ereignis oder dieselbe Situation thematisieren, aber halt aus verschiedenen Perspektiven die Sachlage beleuchten. Meine Arbeit wäre demnach den Inhalt der Quellen wiederzugeben und die Vor- und Nachteile der Quellen anzugeben sowie Fragen derer Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit etc. zu beantworten.
    Von IHNEN erwünsche ich mir Hilfestellungen oder Ratschläge, was die Quellensuche sowie -auswahl anbetrifft und den zu untersuchenden Aspekt.
    Meine erste Idee wäre die Rede des Journalisten Siebenpfeiffer (1789 bis 1845) auf dem Hambacher Fest 1832 (beschwört Freiheit des Volkes, einen Völkerbund und ein Gesamtdeutschland ohne Zölle) und den Brief des Kultusminister Karl Friedrich von Eichhorn an den preußischen Innenminister Grafen von Arnim (7. Juni 1844), in dem er sich gegen den Liberalismus ausspricht und um dem konservativen Regierungsstandpunkt besser Geltung zu verschaffen, die Gründung einer subventionierten Zeitung vorschlägt.
    die internetquellen hierzu sind: GHDI - Document - Page
    und http://www.demokratiegeschichte.eu/f...enpfeiffer.pdf

    Vielen Dank im Voraus,
    danden51
     
  2. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @danden51

    Hier findest Du eine Quellenedition der BBAW, und zwar die Protokolle des preußischen Staatsministeriums, die auch im Internet veröffentlicht sind.

    http://www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/preussen_protokolle/de/blanko.2005-05-19.0608513453

    Diese Protokolle kannst Du im Vorfeld bzw. Nachgang zu wichtigen Ereignissen Deines Uz durchsuchen und als Quelle verwenden.

    Den Siebenpfeifer würde ich nicht nehmen, weil das Thema und die Person sehr bekannt sind.

    Wenn Du magst, kannst Du hier gerne Deine Zwischenschritte zwecks Durchsicht und weiterer Hilfestellung, wie Vorschläge etc., einstellen.

    M.
     
  3. danden51

    danden51 Neues Mitglied

    Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Melchior,

    ich habe mir die von Ihnen angebotene Quelle angesehen. Die Protokolle sind viel zu weitreichend für meine Arbeit. Diese hat nämlich eine Wortgrenze von 2000 Wörtern. Es wäre sehr freundlich von Ihnen, wenn Sie mir eine präzisere Hilfestellung geben könnten, bezüglich der Quellenauswahl und Fragestellung.
    PS. Obwohl Siebenpfeiffer sehr bekannt ist, sei es trotzdem empfehlenswert ihn zu nehmen, betonte mein Lehrer gestern.
    danden51
     
  4. danden51

    danden51 Neues Mitglied

    Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Melchior,

    ich habe mir die von Ihnen angebotene Quelle angesehen. Die Protokolle sind viel zu weitreichend für meine Arbeit. Diese hat nämlich eine Wortgrenze von 2000 Wörtern. Es wäre sehr freundlich von Ihnen, wenn Sie mir eine präzisere Hilfestellung geben könnten, bezüglich der Quellenauswahl und Fragestellung.
    PS. Obwohl Siebenpfeiffer sehr bekannt ist, sei es trotzdem empfehlenswert ihn zu nehmen, betonte mein Lehrer gestern.
    danden51
     
  5. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @danden51

    "Herr Melchior" klingt ja ganz witzig aber hier im Forum verwenden wir die zweite Person Singular. :winke:

    O.k. wenn Dein Lehrer die Rede Siebenpfeifers Dir empfiehlt, wirst Du wohl nich darum herum kommen.

    Bleibt eine konservative Quelle. Hier würde ich Dir Rede von Bismarck am 2. April 1848 vorschlagen:

    "Ich bin einer der wenigen, welche gegen die Adresse stimmen werden, und ich habe um das Wort nur deßhalb gebeten, um diese Abstimmung zu motiviren und Ihnen zu erklären, daß ich die Adresse, insoweit sie ein Programm der Zukunft ist, ohne Weiteres acceptire, aber aus dem alleinigen Grunde, weil ich mir nicht anders helfen kann, – nicht freiwillig, sondern durch den Drang der Umstände getrieben, thue ich es; denn ich habe meine Ansicht seit den sechs Monaten nicht gewechselt; ich will glauben, daß dies Ministerium das einzige ist, welches uns auch aus der gegenwärtigen Lage einem geordneten und gesetzmäßigen Zustande zuführen kann, und aus diesem Grunde werde ich demselben meine geringe Unterstützung überall widmen, wo es mir möglich ist. Was mich aber veranlaßt, gegen die Adresse zu stimmen, sind die Aeußerungen von Freude und Dank für das, was in den letzten Tagen geschehen ist. Die Vergangenheit ist begraben, und ich bedauere es schmerzlicher als viele von Ihnen, daß keine menschliche Macht im Stande ist, sie wieder zu erwecken, nachdem die Krone selbst die Erde auf ihren Sarg geworfen hat. Aber wenn ich dies, durch die Gewalt der Umstände gezwungen, acceptire, so kann ich doch nicht aus meiner Wirksamkeit auf dem Vereinigten Landtage mit der Lüge scheiden, daß ich für das danken und mich freuen soll über das, was ich mindestens für einen irrthümlichen Weg halten muß. Wenn es wirklich gelingt, auf dem neuen Wege der jetzt eingeschlagen ist, ein einiges deutsches Vaterland, einen glücklichen oder auch nur gesetzmäßig geordneten Zustand zu erlangen, dann wird der Augenblick gekommen sein, wo ich dem Urheber der neuen Ordnung der Dinge meinen Dank aussprechen kann, jetzt aber ist es mir nicht möglich.«
    Ich wollte mehr sagen, war aber durch innere Bewegung in die [33] Unmöglichkeit versetzt, weiter zu sprechen, und verfiel in einen Weinkrampf, der mich zwang, die Tribüne zu verlassen.
    Wenige Tage zuvor hatte mir ein Angriff einer Magdeburger Zeitung Anlaß gegeben, an die Redaction derselben das nachstehende Schreiben zu richten, in welchem ich eine der Errungenschaften, das stürmisch geforderte und durch die Aufhebung der Censur gewährte »Recht der freien Meinungsäußerung«, auch für mich in Anspruch nahm, nicht ahnend, daß mir dasselbe 42 Jahre später würde bestritten werden.


    »Euer Wohlgeboren
    haben in die heutige Nummer Ihrer Zeitung einen ›Aus der Altmark‹ datirten Artikel aufgenommen, der einzelne Persönlichkeiten verdächtigt, indirect auch mich, und ich stelle daher Ihrem Gerechtigkeitsgefühl anheim, ob Sie nachstehende Erwiderung aufnehmen wollen. Ich bin zwar nicht der in jenem Artikel bezeichnete Herr, welcher von Potsdam nach Stendal gekommen sein soll, aber ich habe ebenfalls in der vorigen Woche den mir benachbarten Gemeinden erklärt, daß ich den König in Berlin nicht für frei hielte, und dieselben zur Absendung einer Deputation an die geeignete Stelle aufgefordert, ohne daß ich mir deshalb die selbstsüchtigen Motive, welche Ihr Correspondent anführt, unterschieben lassen möchte. Es ist 1) sehr erklärlich, daß jemand, dem alle mit der Person des Königs nach dem Abzug der Truppen vorgegangenen Ereignisse bekannt waren, die Meinung fassen konnte, der König sei nicht Herr gewesen, zu thun und zu lassen, was er wollte; 2) halte ich jeden Bürger eines freien Standes für berechtigt, seine Meinung gegen seine Mitbürger selbst dann zu äußern, wenn sie der augenblicklichen öffentlichen Meinung widerspricht: ja nach den neuesten Vorgängen möchte es schwer sein, jemand das Recht zu bestreiten, seine politischen Ansichten durch Volksaufregung zu unterstützen; 3) wenn alle Handlungen Sr. Majestät in den letzten 14 Tagen durchaus freiwillig gewesen sind, was weder Ihr Correspondent noch ich mit Sicherheit wissen können, was hätten dann die Berliner erkämpft? Dann wäre der Kampf am 18. und 19. mindestens ein überflüssiger und zweckloser gewesen und alles Blutvergießen ohne Veranlassung und ohne Erfolg; 4) glaube ich die Gesinnung der großen Mehrzahl der Ritterschaft dahin aussprechen zu können, daß in einer Zeit, wo es sich um das sociale und politische Fortbestehen Preußens handelt, wo Deutschland von Spaltungen in mehr als einer Richtung bedroht ist, wir [34] weder Zeit noch Neigung haben, unsre Kräfte an reactionäre Versuche oder an Vertheidigung der unbedeutenden uns bisher verbliebenen gutsherrlichen Rechte zu vergeuden, sondern gern bereit sind, diese auf Würdigere zu übertragen, indem wir dieses als untergeordnete Frage, die Herstellung rechtlicher Ordnung in Deutschland, die Erhaltung der Ehre und Unverletzlichkeit unsres Vaterlandes aber als die für jetzt alleinige Aufgabe eines jeden betrachten, dessen Blick auf unsre politische Lage nicht durch Parteiansichten getrübt ist.
    Gegen die Veröffentlichung meines Namens habe ich, falls Sie Vorstehendes aufnehmen wollen, nichts einzuwenden. Genehmigen Sie etc.
    Schönhausen bei Jerichow, 30. März 1848"

    Bismarck, Otto von, Gedanken und Erinnerungen, Erstes Buch, Zweites Kapitel, 2. - Zeno.org

    Konservativer geht es nicht. Leg beide Reden nebeneinander und dann vergleiche die Aussagen im Hinblick auf nationalstaatliche Einigung, Vorherrschaft des Adels, bürgerliche Gleichheit etc.


    M.
     
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