Nero war mit einem kleinen Jungen verheiratet!??

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Barbie, 17. August 2012.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Wenn ich mich recht besinne, hat es nicht mal Nero oder Caligua gewagt, eine Vestalin zu schänden, und nur bei Nero erinnere ich mich explizit an eine Stelle, bei der erwänt wird, dass er versuchte mit der Vestalin Rubia anzubandeln. Beim finsteren Kaiser Domitian wa es sogar umgekehrt: Domitian zeigte in einem Vestalinnenprozess altrömische Gesinnung und wiederbelebte die drakonischen Strafen der Vergangenheit, um das Ansehen des Vesta- Kultes wieder zu stärken.

    Sich an die Vestalinnen heranzumachen, war ein Sakrileg, der auch abgebrühte Zyniker zurückschrecken ließ, und es wurden die drakonischen Strafen gegen Vestalinnen und ihre Liebhaber in der fast 1000 jährigen Geschichte des antiken Roms nur wenige Male vollstreckt. Selbst Nero, der sich, laut Sueton, rühmte vor ihm habe noch kein Princeps sich soviel herausnehmen können wie er, schreckte vor so einem Frevel zurück. Als Elagabal mit einem Fetisch in Rom einzog und bekundete sich in einer Art unio mysthica mit einer Vestalin zu verheiraten, rief das einen Sturm der Entrüstung hervor.
     
  2. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Sueton, Nero 28,1: "auch der Vestalischen Jungfrau Rubria tat er Gewalt an", das klingt nach mehr als nur dem Versuch, anzubandeln.

    Aber es ist gut, daß Du einen Einspruch anmeldest. Demandt schreibt zwar, daß Caracalla und Elagabal Vestalinnen verführten, bleibt aber an der Stelle den Quellennachweis schuldig. Vielleicht steht das an den anderen Stellen, die er angibt, aber die kann ich gerade nicht nachprüfen.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Caracalla: Cassius Dio 78,16

    Elagabal heiratete sie sogar: Herodian 5,6; Cassius Dio 80,9; Historia Augusta, Elagabal 6
    Bei Elagabal kann kein Zweifel an der Wahrheit der Geschichte bestehen, immerhin gibt es sogar Münzen von ihr als Kaiserin.
     
  4. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Na gut, das wäre eine. Demandt schreibt aber undeutlich von einer Mehrzahl.
     
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    aus purer und gewiß verdammenswerter Neugier: was war das? (ich erinnere mich nur, dass irgendwo Elagabals unmäßiger Fleischverzehr (beim fressen!) erwähnt worden sein soll)
     
  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Elagabal war Priester des Gottes Elagabal in Emesa in Syrien. (Der Kaiser hieß eigentlich nicht Elagabal, sondern Varius Avitus Bassianus, und als Kaiser nannte er sich Marcus Aurelius Antoninus. Elagabal wurde er erst posthum genannt.) Als Kultbild des Gottes fungierte in dessen Tempel ein schwarzer Stein. Als Elagabal Kaiser wurde, nahm er den Stein nach Rom mit und ließ ihn dort in einem für den Gott errichteten Tempel aufbewahren. Nach der Ermordung des Kaisers wurde der Stein nach Emesa zurückgebracht.
     
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    @Ravenik: danke!
    ist sowas ein Fetisch oder ein Götzenbild oder eine Art Götterstatue?
     
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Keine Ahnung, welcher Quelle er das entnehmen will.

    Bei Caracalla schreibt Cassius Dio, dass er vier Vestalinnen hinrichten ließ, wobei er sich aber an einer von ihnen selbst vergriffen hätte.
    Herodian erwähnt die Verbrennung mehrerer Vestalinnen wegen Unkeuschheit, schreibt aber nichts davon, dass sich Caracalla selbst an einer vergangen hätte.
    In der Historia Augusta habe ich nichts dazu gefunden.

    Bei Elagabal erwähnt Cassius Dio nur die Vestalin Aquilia Severa.
    Herodian erwähnt ebenfalls nur, dass er eine heiratete.
    Auch die Historia Augusta erwähnt nur eine Vestalin.
    Die Epitome de Caesaribus erwähnt ebenfalls nur seine Ehe mit einer Vestalin.
    Anmerken möchte ich noch, dass nicht aus allen Quellen hervorgeht, dass er sie tatsächlich heiratete. Dies ist durch Münzen mit der Beschriftung "Iulia Aquilia Severa Aug[usta]" aber unzweifelhaft.

    Die Historia Augusta sagt nur allgemein, dass er beim Essen ein ziemlicher Feinschmecker mit ausgefallenen kulinarischen Gelüsten war.
     
  9. alekis

    alekis Neues Mitglied

    Edward Champlin hat eine sehr interessante Biografie über Nero geschrieben. Nero meinte einen Nachteil gegenüber seinen Vorfahren gehabt zu haben, nämlich denjenigen, dass er keine Erfahrung als ein Armeeoffizier mitbrachte als er zum Kaiser gewählt wurde. Dafür glaubte er, dass er sonst als Künstler, besonders Zytherspieler, der grösste aller lebenden Künstler war. Er wollte aber seine Kaiserdynastie nach dem Vorbild der Seleukiden oder Ptolomäer fundieren. Diese asiatischen Herrscher führten Dreierbeziehungen. Sie waren als Frau mit einem Mann verheiratet und heirateten daneben auch eine Frau. So viel ich mich erinnern mag, hatte Nero einen griechischen Prätorianer als Frau geheiratet. Daneben war er scheint's auch mit einer Frau aus dem römischen Patriziat verheiratet. Den Knaben nannte er ironischerweise aber "Sporus" (was soviel wie männlicher Same auf lateinisch heisst), obwohl er ihn kastrieren liess, liess ihn die Kleider der Poppea tragen und die übrigen Hofleute mussten ihn Poppea nennen. Zum Geburtstag soll ihm der Knabe einen Ring mit einer Camae geschenkt haben, worauf die Proserpina abgebildet war, wie sie von Neptun in die Hölle entführt wird und Nero betrachtete dies scheint's als ein schlechgtes Omen. Er nahm den Knaben mit zu den olympischen Spielen nach Griechenland wo er als Zytherspieler, Sänger, Herold und Wagenlenker mehrere Kränze gewann. Dies war seine erste und einzige Auslandreise, da er die Griechen vor allen Völkern liebte, gewährte er ihnen dabei auch die Steuerfreiheit und wollte danach weiterreisen nach Asien und dort einen Feldzug gegen die Parther organisieren um dort die fehlenden Siegerkränze im militärischen Feldzug zu gewinnen. Allerdings brach kurz darauf ein Aufstand in Lugdunum aus und sein Präfekt musste nach Griechenland reisen um ihn davon zu überzeugen, zurück nach Rom zu reisen um die Situation im Reich zu konsolidieren. Er glaubte, dass er dabei leichtes Spiel hätte, doch dann brach auch ein Aufstand in Spanien los und die germanischen Legionen riefen ihren General als Gegenkaiser aus und die Hölle brach aus, auch der Senat getraute sich endlich, ihn als "Landesverräter" zum Tode zu verurteilen nach einer antiken Tradition, in der man den Verurteilten nackt durch die Strassen Rom's trieb wo er vom Pöbel zu Tode gepeitscht würde. Das machte ihm scheint's zu viel Angst und deshalb entschied er sich zum Selbstmord.
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Falls "Vorgänger" gemeint sind: Caligula und Claudius konnten auch auf keine Militärlaufbahn zurückblicken, als sie Kaiser wurden.
    Im Übrigen wurde Nero nicht gerade "gewählt".

    Schreibt das Champlin? Wo hat er das her?

    Prätorianer war Sporus nicht.

    Nicht Neptun, sondern Pluto.

    Vitellius wurde erst nach Neros Tod zum Kaiser ausgerufen.
     
    Carolus gefällt das.

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