Neue archäologische Entdeckungen

Mit neuen Technologien wurden in Pompeji alte Graffiti wieder sichtbar gemacht:



Hier noch ein weiterer Artikel, inhaltlich aber etwas abweichend, zu dem Thema:

 
Das Wissenschaftportal "Spektrum der Wissenschaften" berichtet über den Fund von 5 Skeletten in Dijon, welche vermutlich aus der La Tene-Zeit stammen. Die Personen wurden in einer Art Hockerstellung bestattet. Bereits im Jahr 2024 waren 13 weitere Gräber in der Nähe aufgedeckt worden, welche in einer Reihe bestattet worden waren. Alle Skelette aus 2024 waren männlich und zwischen 40 und 60 Jahre alt. Die Untersuchung zeigte, dass die Personen zu Lebzeiten gut versorgt waren und wohl alle eines gewaltsamen Todes gestorben sind. Die Bestatteten wurden (bis auf eine Ausnahme) ohne Beigaben beerdigt. Die Ausnahme trug einen steinernen Armreif, welcher um 300 vuZ datiert wurde. Es gibt insgesamt aus dem gallischen Raum bereits 12 bekannte Fundstellen mit ähnlichen Gräbern. Es wurde die These aufgestellt, dass es sich bei den Bestatteten um Druiden handeln könnten, welche nahe von Heiligtümern und Herrschersitzen begraben wurden.

Grabung in Frankreich: Gräber hockender Gallier entdeckt
 
Neuere Untersuchungen des Book of Kells deuten auf den Ursprung des Manuscripts in Portmahomack und nicht wie bisher angenommen aus Iona.



mfg
schwedenmann
Man hat archäologisch nachgewiesen, dass in Portmahomack eine entsprechende Werkstatt bestand. Ein solcher Nachweis steht für Iona aus. Dass das Book of Kells aus Iona stammt, steht aber laut Artikel in den dokumentarischen Quellen. ("It added that Portmahomack had physical evidence, while Iona's was largely documentary evidence.")
Dass das Book of Kells in Portmahock entstanden ist, ist damit nicht nachgewiesen und auch die experimentalarchäologischen Arbeiten, die das jetzt untersuchen sollen, sind nicht geeignet, den Beweis dafür zu erbringen.
Tatsache ist, dass Iona (563 - 795/802) und Portmahomack (ca. 550 - ca. 800) eine ähnliche Geschichte haben, will sagen, in etwa gleich alt sind und zu etwa derselben Zeit durch Wikinger zerstört wurden. Angeblich soll ja Columban von Iona aus die Pikten christianisiert haben (in diesem Zusammenhang bändigte er das Monster vom Fluss Ness, dann wäre Portmahomack ggf. eine Art Filialkloster von Iona.
 
Bestattung einer Frau germanischer Abstammung aus dem frühen 5. Jh. n. Chr., in einem Grab in Spanien:

Ich wurde durch einen archäologischen Artikel in El País aufmerksam, der die Bedeutung des Fundes herausstellte, der aber leider hinter einer Bezahlschranke liegt.

Hier also der Abschlussbericht im Original:

"Es werden die Ergebnisse der Untersuchungen zu einer Bestattung vorgestellt, die bei den archäologischen Ausgrabungen im Jahr 1992 an der Fundstätte Hostalot (Vilanova d'Alcolea, Castelló) entdeckt wurde, die als „Mansio Ildum“ identifiziert wurde. Diese umfassten eine paläoanthropologische Analyse, die Radiokarbondatierung, die Untersuchung der DNA
Die Ergebnisse bestätigen, dass es sich um die Überreste einer Frau germanischer Herkunft handelt, die der Elite angehörte und vermutlich zwischen dem späten 4. Jahrhundert und dem ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts auf der Via Augusta ums Leben kam."

Da sind mehrere Dinge interessant:
Der Fundort ist an einer Raststation, einer Mansio.
Ildum ist einer der Orte auf den Silberbechern von Vicarello, die als Itinerar ("Navi") vermutlich aus dem Besitz von Händlern aus der Gegend von Cádiz als Weihegabe für das Apolloheiligtum in Vicarello / Italien gestiftet wurden:

Ich habe jetzt zu Ildum nur eine Seite auf katalanisch vorliegen:

  • Hostalet / Ildum ist an der spanischen Mittelmeerküste, in etwa auf der geographis̀chen Breite von Mallorca, und eine Mansio an der Via Augusta. Die Frau wird also vermutlich den Weg über Mosel, Saône und Rhône genommen haben.
  • Während im römischen Germanien schon ein großer wirtschaftlicher Niedergang war, hat diese Frau eine römische Infrastruktur und ein dort in Gallien und Spanien noch intaktes Verwaltungs- und Wirtschaftssystem bereist.
  • Wenn sie aber als Braut unterwegs war, folgte diese Frau einem Germanen in römischen Diensten? Oder eine Verheiratung um Stammesverbindungen aufrecht zu erhalten? Oder ist das Ganze im Rahmen der westgotischen Landnahme?
  • Ist die Frau also speziell für diese Reise aus Germanien gekommen, oder gehörte sie zu einer schon in Hispanien ansässigen Gruppe z.B. von Foederati?


Zu den genetischen Untersuchungen:
"Die beiden größten identifizierten genetischen Komponenten (PC1 und PC2) wurden in einem Diagramm dargestellt, das eine gewisse genetische Variabilität aus Europa und dem Nahen Osten zeigt (Abb. 17). Die Positionen der analysierten Person deuten auf eine genetische Abstammung hin, die derjenigen heutiger mitteleuropäischer Populationen nahekommt, wobei die [DNA der] Tschechen oder Ungarn [DNA, die] enger mit der unseres Individuums verwandt ist. Folglich liegt die genetische Position der Probe weit entfernt von denen aktueller iberischer Populationen, was auf eine genetische Abstammung hindeutet, die sich von der dieser Populationen unterscheidet. Vergleicht man unsere Position mit anderen zeitgenössischen Proben, wie beispielsweise denen aus der archäologischen Fundstätte Pla de l'Horta in Girona (Olalde et al. 2019), so lässt sich beobachten, dass sie an einer Position liegt, die vielen von ihnen ähnelt und ebenfalls in Richtung nord- und mitteleuropäischer Positionen verschoben ist. Die genetischen Marker dieses Individuums
2019), zeigt sich, dass diese an einer Position liegt, die vielen von ihnen ähnelt und ebenfalls in Richtung nord- und mitteleuropäischer Positionen verschoben ist. Die genetischen Marker dieser Person weisen daher auf eine germanische Herkunft und eine Abstammung hin, die sich von der dieser Populationen unterscheidet."

Die Grabbeigaben und das persönliche Eigentum sind hochwertig:
  • Goldene Haarnadeln
  • Die Frau hielt einen Glasbecher rheinischen Typs aus der ersten Hälfte des 5. Jh. n. Chr. In der Hand. Nächster vergleichbarer Fund in der Gegend von Girona. Besonders hochwertige Gefäße waren keine typische Reiseutensilien, aber auch schon in der Bronzezeit Brautausstattung.
  • Bestattung direkt an der Mansio.
  • Guter Zahnstatus,
  • an den Knochen keine Zeichen harter Arbeit.

Zu den Wirren jener Zeit, in denen kulturelle Blüte und immer noch prosperierende Handelsverbindungen im Wechselspiel mit neuen Machtverhältnissen waren:





Ich habe die Wikipedia-Artikel nur angegeben, um die Facetten dieser Zeit zu zeigen, der Grabfund zeigt ja zunächst nur die hohe Mobilität jener Zeit.
 
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Nein, das Ding ist nicht neu, sondern laut einem der Berichte schon in der Frühzeit der Geschichte der Archäologie im regnerischen Nordwesten Spaniens bekannt:
Castro Valente.

Neu ist aber, dass es nicht so alt ist wie gedacht: Es stammt nicht aus der Eisenzeit, sondern aus dem 5. bis 7. Jh. n. Chr. Und damit aus einer Zeit, in der germanische Invasoren (eher Westgoten / Visigotes als "Suevos") die Kontrolle übernahmen und die einheimische Bevölkerung sich schützen musste.

Für die Eisenzeit unübliche Strukturen im LIDAR führten zu archäologischen Prospektionen mit Nachweis von römischen Ziegeln und frühmittelalterlichem Mauerwerk.

Bis dahin aber Schäden durch Forststraßenbau, Gefährdung durch die Anlage von Windrädern (wie bei uns: Zerstörung der historisch gewachsenen Landschaft und der Bodendenkmäler) und Planung von Strommasten, und v.a. durch die planerische Inkompetenz der zuständigen Behörden.




"In ihrer Studie „Auf der Suche nach einer frühmittelalterlichen Burg inmitten der Vegetation“ stellt er fest, dass der Castro de Valente entgegen dem ersten Eindruck tatsächlich eine beeindruckende frühmittelalterliche Festung (5. bis 7. Jahrhundert) ist, die über 30 Türme, eine 1,2 Kilometer lange Mauer und eine Fläche von 10 Hektar verfügte. Die Türme waren ersten Untersuchungen zufolge mit Dächern bedeckt, ähnlich wie die der römischen Stadtmauer in Lugo (2,2 Kilometer lang), die seit 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört."

Auf jeden Fall eine schöne LIDAR-Aufnahme, präsentiert wie ein Schmuckstück.
 
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Da mich Logistik und Fernhandel interessieren:
Ein Pompej unter Wasser, oder wer hat beim Fondue das Brotstückchen im Topf verloren?

Ein römisches Schiffswrack im größten Schweizer Binnensee (429 m über dem Meerespiegel), mit komplett erhaltener Ladung:

Was für ein Fund! Und vor allem, welche Ansätze jetzt für die wissenschaftliche Analytik in Metallurgie, Archäobotanik des Gefäßinhaltes, und der Analyse der Handelsverbindungen.
Gefäße aus dem Schweizer Mittelland? Heißt das dann, auf dem Seetransport nach Süden? Das würde bedeuten, dass die spanischen Amphoren an Bord über Rhône, Saône, Mosel und Rhein, oder über die Burgundische Pforte in die Schweiz gekommen sind.

Und Räder von Fahrzeugen an Bord? Also Direktnachweis eines kombinierten Schiff-Landtransportes?

Was mich erstaunt ist, dass diese hervorragend erhaltenen Funde erst jetzt gemacht wurden, 84 Jahre nachdem Hans Hass das Freitauchen mit dem Bathyscaph erfunden hatte.

Und ich erinnere mich, wie ich als kleiner Junge von ihm im Fernsehen im Nachmittagsprogramm über Unterwasserarchäologie erfahren habe: Damals live, mit einem strahlenden Lächeln und mit dem mir ganz ungewohnten österreichischen Tonfall.
 
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Da mich Logistik und Fernhandel interessieren:
Ein Pompej unter Wasser, oder wer hat beim Fondue das Brotstückchen im Topf verloren?

Ein römisches Schiffswrack im größten Schweizer Binnensee (429 m über dem Meerespiegel), mit komplett erhaltener Ladung:

Was für ein Fund! Und vor allem, welche Ansätze jetzt für die wissenschaftliche Analytik in Metallurgie, Archäobotanik des Gefäßinhaltes, und der Analyse der Handelsverbindungen.
Gefäße aus dem Schweizer Mittelland? Heißt das dann, auf dem Seetransport nach Süden? Das würde bedeuten, dass die spanischen Amphoren an Bord über Rhône, Saône, Mosel und Rhein, oder über die Burgundische Pforte in die Schweiz gekommen sind.

Und Räder von Fahrzeugen an Bord? Also Direktnachweis eines kombinierten Schiff-Landtransportes?

...
In einem Zeitungsbericht im STANDARD wurde nur der Fund von Waffen erwähnt. Der Standard zeigt ein schönes Bild eines Gladius mit Waffenscheide. Die Archäologen gehen davon aus, dass aufgrund der gefundenen Gladii der Transport von römischen Soldaten begleitet wurde. Was mich jedoch irritiert:

Wenn das Schiff untergeht auf dem ich mich befinde, dann schnalle ich nicht nur den Gladius ab. Mir wäre das Ablegen der Lorica segmentata allemal wichtiger gewesen. Und wenn der Schiffsuntergang sich sehr schnell vollzogen hätte, müsste man dann nicht zumindest die Helme der Soldaten finden? Nach derzeitiger Auslegung des Befundes legten die Soldaten ihre Waffen ab, dann verschwanden sie mit Lorica segmentata und Galea? Ist für mich ähnlich dubios wie die spanischen Olivenölamphoren, die man von Norden nach Süden transportiert.

Ausgezeichnet erhaltene römische Fundstücke in Schweizer See entdeckt
 
Natürlich waren die begleitenden Soldaten allesamt Bataver, die neben ihrer bekannten Rachenkrankheit ¹ sich durch ihre Fähigkeit auszeichneten, in Rüstung schwimmend das Ufer zu erreichen.
Im Ernst: Eine Feinprospektion mit wasserdichtem Metalldetektor ² wäre bei diesen Erhaltungsbedingungen lohnend.

Das mit dem Transportweg der spanischen Amphoren ist meine Mutmaßung, war nicht im Bericht enthalten.

Aber Du kennst meine Marotte, Strecken mit dem (Fußgänger-)Navi auszumessen und auf ihre Wirtschaftlichkeit auch hinsichtlich der erforderlichen Höhenmeter zu prüfen:
  • Lyon - Neuenburger See: 272 km, 1.995 m im Aufstieg, 1.693 m im Abstieg.
  • Besançon - Neuenburger See über Pontarlier und Yverdons-les-Bains (geringste Steigung): 96 km, 1.180m im Auf- und Abstieg
  • Augusta Raurica [Kaiseraugst] - Laténium (Museum am Neuenburger See): 104 km, 611 m im Auf- und Abstieg (Strecke über Solothurn und Biel/Vienne = geringste Höhenmeter), aber zuzüglich der Ochsenpassage zwischen oberer Saône und Mosel.

Den Reichtum der Wein- und Tuchhändler an der Mosel hat mir schon mein Lateinlehrer anhand des Remagener Weinschiffs und des Igeler Grabmals in meinem Lateinbuch Fundamentum latinum erklärt.






¹ vulgo: niederländisch
² so es dies denn gibt
 
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Die Archäologen gehen davon aus, dass aufgrund der gefundenen Gladii der Transport von römischen Soldaten begleitet wurde. Was mich jedoch irritiert:

Wenn das Schiff untergeht auf dem ich mich befinde, dann schnalle ich nicht nur den Gladius ab. Mir wäre das Ablegen der Lorica segmentata allemal wichtiger gewesen. Und wenn der Schiffsuntergang sich sehr schnell vollzogen hätte, müsste man dann nicht zumindest die Helme der Soldaten finden? Nach derzeitiger Auslegung des Befundes legten die Soldaten ihre Waffen ab, dann verschwanden sie mit Lorica segmentata und Galea?
Ich würde eher vermuten, dass die Soldaten nicht in voller Montur unterwegs waren. Man befand sich schließlich nicht in Feindesland, und Piraten wird es auf dem See auch nicht gegeben haben, also war die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs wohl gering. Wenn es wirklich eine militärische Eskorte gab, dann vermutlich eher nur zur Abschreckung von Kriminellen, die sich an den Waren vergreifen, o.ä.

Oder es gab gar keine militärische Eskorte, und die Schwerter waren Teil der Fracht. Oder sie waren zwar nicht Teil der Fracht, wurden aber von Besatzungsmitgliedern getragen.
 
Ich würde eher vermuten, dass die Soldaten nicht in voller Montur unterwegs waren. Man befand sich schließlich nicht in Feindesland, und Piraten wird es auf dem See auch nicht gegeben haben, also war die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs wohl gering.
Alles richtig, trotzdem, auch wenn die schwere Lorica nicht angelegt war, sie sollte doch zumindest auf dem Schiff gewesen sein.
 
Warum? Wenn die Soldaten nicht verlegt wurden (und sich nicht auf einem Feldzug oder in Feindesland befanden), sondern nach ihrem Geleitdienst in ihr Lager zurückkehren sollten, wieso sollten sie dann ihre gesamte Ausrüstung mitschleppen, auch wenn kein Einsatz erwartet wurde?
Soldaten wurden z.B. auch für den Straßenbau eingesetzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie da immer ihre gesamte Ausrüstung mit dabei hatten.
 
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