muheijo
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Wieso nicht?Neuschwanstein sieht nicht wie eine mittelalterliche Burg aus. Die Marksburg, Burg Sooneck und Burg Katz auch nicht.
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Wieso nicht?Neuschwanstein sieht nicht wie eine mittelalterliche Burg aus. Die Marksburg, Burg Sooneck und Burg Katz auch nicht.
Besagter Sean Connery hat übrigens mal Agamemnon in Time Bandits (1981) gespielt, aber vielleicht sagt da auch einer "Neeeeiiin, seine Gesichtsform war nicht mediterran genug!"Wie sieht man denn nordostmediterran aus? Gehört es zu den allgemeinen Sehgewohnheiten, sofort "aha, nordostmediterran" zu erkennen, und zwar in den Maß, wie man sofort einen Sean Connery in der Rolle von Martin Luther King mehr als nur befremdlich fände? Ich wittere da keine Doppelstandards - mir kommt dieses wittern eher als Pseudoargument vor.
Du wirst aber wohl nicht ernsthaft behaupten wollen, dass Diane Kruger von einer mykenischen Griechin optisch ebenso weit entfernt ist wie eine Schwarzafrikanerin? (Brad Pitt war für die Rolle zu alt, aber wenigstens die Haarfarbe stimmte durchaus.)Dann nenne es halt "griechisch", denn darum geht es doch, das Lupita nicht "griechisch" aussieht. Nun sehen aber auch Sean, Brad und Diane nicht "griechisch" aus. Die Benennung ist mir um ehrlich zu sein, wumpe. Mich stören die doppelten Standards die angelegt werden.
Irgendwie habe ich auch bei Nolan den Eindruck, dass er mit der Odyssee nichts anfangen kann, dass er daraus auch keine große Erzählung machen kann.
Das fängt ja schon mit der Auswahl der Übersetzung an.
In Englisch gilt im Allgemeinen die Übersetzung von Robert Fitzgerald als der Goldstandard etwa so wie die deutsche Übersetzung von Heinrich Voss man könnte auf die Übersetzung von D. H. Lawrence zurückgreifen, die auch sehr poetisch ist. Nolan aber sucht sich ausgerechnet Emily Wilson als Übersetzerin und entscheidet sich für eine woke-feministische Variante in einfacher Sprache, die Übersetzerin ist der Ansicht, es handele sich um eine "old world comic version of a super-hero who fights the bad guys and witchy woman" und kommt mit pseudo-feministischen Phrasen um die Ecke das Homer keine weiblichen Perspektiven abbildet-
Ich schrieb es schon: Ich hätte Lupita Nyong'o auch nicht ausgewählt. Aber Nolan hat es nun mal getan und wird sich da vielleicht sogar etwas dabei gedacht haben. Es sind und bleiben doppelte Standards, die da angelegt werden. Zumindest hat Nolan eines geschafft: Der Film ist in der Diskussion.Es gibt doch nicht nur schwarz und weiß (in dem Zusammenhang eine blöde Formulierung, aber mir fällt keine bessere ein; das Wortspiel ist ungewollt), sondern auch Abstufungen. Nur weil Diane Kruger nicht mediterran aussieht, bedeutet das nicht, dass man Helena ebensogut von jeder beliebigen Schaupielerin, die noch viel weniger nach Griechin aussieht, spielen lassen kann. Ein kleineres Übel ist allemal noch kleiner als ein großes Übel; ein mittelmäßiger optischer Unterschied geringer als ein gewaltiger Unterschied.
(Gäbe es in Hollywood Alien-Schauspieler und würde Helena von einem kleinen grauen oder grünen Männchen gespielt, würden das manche vermutlich auch noch verteidigen und darauf hinweisen, dass Frau Kruger aber doch auch nicht mediterran aussähe ...)
Wieso sechs? Ein paar Worte sind undeklinierbar im Lokativ erstarrt aus dem Indoeuropäischen (das eine große Zahl an Kasus hatte) erhalten geblieben, wie οἴκοι zuhause, aber abgesehen davon gibt es neben den vier aus dem Dt. bekannten Fällen nur den Vokativ (der stets entweder der reine Stamm oder mit dem Nominativ ident ist, im Pl. stets der Nom.).Griechisch sechs Fälle,
(außerdem den sächsischen Genitiv father's day etc)im modernen Englischen hast du praktisch nur einen Fall (auch wenn mir Grammatiker jetzt widersprechen müssen)
Den Dual gibts im Altgr. auch, erst nachklassisch verschwindet er, Homer verwendet ihn.im Arabischen etwa gibt es neben Singular und Plural noch den Dual
Diese „doppelten Standards“ sehe ich eben nicht. Deine diesbezügliche Kritik wäre verständlich, wäre Helena in „Troja“ von einer Chinesin verkörpert worden (ohne Proteste) und jetzt von einer Schwarzafrikanerin (mit Protesten). Aber sie wurde in „Troja“ (aus ignoranter Beliebigkeit) mit einer Schauspielerin, die zwar nicht mediterran, aber wenigstens europäisch aussah, besetzt, und jetzt (bewusst) mit einer Schauspielerin, die optisch von einer Griechin maximal entfernt ist.Es sind und bleiben doppelte Standards, die da angelegt werden.
Helena von einer Schwarzafrikanerin spielen zu lassen, ist aber ein bewusstes "Statement", eine gewollte Provokation oder zumindest Kalkül (damit der Film "divers" genug wird).
das passt zusammen.Zumindest hat Nolan eines geschafft: Der Film ist in der Diskussion.
hm...die alten Griechen reden also wie unsere heutigen schneidigen Tatortkommissare, die spätestens seit Ikone Schimanski ihren Wortschatz inflationär mit "ficken/fucking" und "Scheiße" flutenDer Anachronismus der mich am meisten gestört hat, war, als Odysseus zu seinen Leuten sagt: "We have been staying 10 years on this fucking beach, let's sail home!" Bzw. Telemachos beim Jagen mit Menelaos "What the f...?"
nein, nach wie vor nicht, nicht mal bei meinem Burgen-Beispiel.Es sind und bleiben doppelte Standards, die da angelegt werden.
Nun, wenn du den Film (dann in ca. anderthalb Jahren im Free TV) siehst, wirst du merken, dass sich das allein an der Causa Lupita Nyong'o aufhängt: In dem Film sind unter Freiern und der Mannschaft Odysseus' alle Hautschattierungen zu sehen. Eurylochos wird z.B. von dem britischen Schauspieler Himesh Patel verkörpert.Diese „doppelten Standards“ sehe ich eben nicht. Deine diesbezügliche Kritik wäre verständlich, wäre Helena in „Troja“ von einer Chinesin verkörpert worden (ohne Proteste) und jetzt von einer Schwarzafrikanerin (mit Protesten). Aber sie wurde in „Troja“ (aus ignoranter Beliebigkeit) mit einer Schauspielerin, die zwar nicht mediterran, aber wenigstens europäisch aussah, besetzt, und jetzt (bewusst) mit einer Schauspielerin, die optisch von einer Griechin maximal entfernt ist.
trotz oder wegen der sprachlichen Kapriolen, die du hieraber der Film funktioniert.
erwähnt hast - und die mich einerseits amüsiert haben, aber zu mehreren Gründen für mich zählen, nicht in den Film zu gehen.als Odysseus zu seinen Leuten sagt: "We have been staying 10 years on this fucking beach, let's sail home!" Bzw. Telemachos beim Jagen mit Menelaos "What the f...?"
@Ravenik hätte dieser Nolan den provokanten Mut gehabt, die Nebenrolle (Helena in der Odyssee) mit Woopy Goldberg (Oscar und Grammy!!!) zu besetzen, dann würde ich mir die Kinokarte kaufen und dazu zwei Flaschen Flens in die Vorstellung mitnehmen!Deine diesbezügliche Kritik wäre verständlich, wäre Helena in „Troja“ von einer Chinesin verkörpert worden (ohne Proteste) und jetzt von einer Schwarzafrikanerin (mit Protesten). Aber sie wurde in „Troja“ (aus ignoranter Beliebigkeit) mit einer Schauspielerin, die zwar nicht mediterran, aber wenigstens europäisch aussah, besetzt, und jetzt (bewusst) mit einer Schauspielerin, die optisch von einer Griechin maximal entfernt ist.
@El Quijote Mag sein, offenbart aber die Doppelstandards. Brad Pitt und Diane Kruger...
Ja, der Film funktioniert, wie auch Diane Kruger als Helena, Pierre Briece als Winnetou, John Wayne als Dschingis Khan und Elizabeth Taylor als Kleopatra funktionierten (aber auch Kritik einstecken mussten, mWn auch schon in ihrer Zeit). Wenn eine laotische Grundschule die Odyssee auf die Bühne bringt, funktioniert auch ein zwölfjähriger Südostasiate als Priamos. Nur sieht es halt in den Augen mancher... suboptimal aus, in differenzierten Abstufungen, und unter Berücksichtigung der Produktionsbedingungen... Eine Hollywood-Produktion hat halt nicht die Ausrede "ging nicht anders", die ich der Grundschule jederzeit abnehme...In dem Film sind unter Freiern und der Mannschaft Odysseus' alle Hautschattierungen zu sehen. Eurylochos wird z.B. von dem britischen Schauspieler Himesh Patel verkörpert.
Ich hätte den Cast wahrscheinlich genauso klassisch ausgesucht, wie du das getan hättest, aber der Film funktioniert. Die Besetzungsliste hat beim Schauen des Films praktisch keine Bedeutung.
Ich weiß nicht, ob das irgendwer aus der Besetzungsliste dieses Films gemacht hat. Wir leben in Zeiten von Fake News, gerade auf Twitter und Grok.und Brad Pitt hat zumindest sich auf die Rolle vorbereitet, hat im Fitnessstudio gepumpt, hat Kampf-Choreographie trainiert, hat sich mit der Vorlage vertraut gemacht. Brad Pitt Pitt hat auch nicht durchblicken lassen, dass sie das eigene Projekt und die Vorlage verachten, sie haben nicht jeden Dünnschiss, der ihnen gerade in den Sinn kam, von sich gegeben.
nehmen.
Ein Vorwurf gegen Wilson war, dass sie manipulativ vorgeht, dass sie die Vorlage so stark verändert, dass sich das Original kaum noch erkennen lässt. Richard Whittaker machte Wilson den Vorwurf, "the big problem with Wilson´s heterodox approach of the characters in the Odyssey is that she can sustain it only by distorting and misreprensenting what the Greek text says." She (Wilson) makes no effort, to overcome her obvious and personal, but anachronictical biases."Fun fact: Emily Watson stimmt dir darin zu, dass Nolans Film schlecht ist. Sie findet es aber gut, dass durch den Film vielleicht ein paar mehr Leute angeregt werden, mal wieder zu lesen.
Was nun die Übersetzungen angeht: Homers Text ist ca. 2.700 bis 2.800 Jahre alt. Der ist halt alt. Übersetzungen können gut altern und können schlecht altern. Ich kenne jede Menge Übersetzungen alter Texte aus dem 19. und 20. Jhdt., die verdammt schlecht gealtert sind.
Dass Emily Watson den Text als "woke-feministische Variante in einfacher Sprache" gebracht habe, kann man wohl nicht so sagen, mal abgesehen davon, dass ich nicht weiß, warum man sich immer dieser Kampfbegriffe befleißigen muss. Bleiben wir doch mal sachlich.
Vorweg: Ich kenne weder die Übersetzung von Fitzgerald noch die von Wilson. Ob Fitzgerald 'Goldstandard' ist, kann ich dementsprechend nicht beurteilen.
Da ich nun mal Spanisch studiert habe, hatten wir im sprachpraktischen Teil des Studiums auch Übersetzung und in Übersetzung haben wir natürlich auch über die Theorie des Übersetzens diskutiert.
Du kannst keinen komplizierten Text perfekt übersetzen
- weil ein Großteil der Worte im Lexikon einer Sprache nicht 1:1 das sind, was das mehrsprachige Wörterbuch vorgibt. Sie unterscheiden sich oft um Nuancen.
- Im Rumänischen z.B. ist das Wort für Neffe und Enkel dasselbe. Was machst du da als Übersetzer? Du musst mehr Worte benutzen, als da in der Originalsprache stehen, um in der Zielsprache präzise das anzugeben, was in der Originalsprache steht.
- Grammatik ist ein ganz schweres Thema:
- Kasus: Griechisch sechs Fälle, im modernen Englischen hast du praktisch nur einen Fall (auch wenn mir Grammatiker jetzt widersprechen müssen)
- Numerus: im Arabischen etwa gibt es neben Singular und Plural noch den Dual
- Genus: in manchen Sprachen gibt es zwei Geschlechter, in anderen drei und womöglich in weiteren mehr, in anderen weniger.
- in einigen asiatischen Sprachen gibt es getrennte Sprachen für Frauen und Männer (ich meine Vietnamnesisch und Japanaisch)
- Artikel: Es gibt Sprachen mit und ohne Determinanten: die slawischen Sprachen kommen z.B. - mit Ausnahme der bulgarisch-mazedonischen Kleingruppe - ohne Artikel auf, dafür hat die bulgarisch-mazedonische Gruppe die komplizierten Kasus aufgegeben.
- Zeiten: die semitischen Sprachen haben z.B. nur Perfekt (abgeschlossene Handlung) und Imperfekt (nicht abgeschlossene Handlung). Anderen Sprachen haben sechs oder sieben Zeiten: Präsens, Imperfekt, Perfekt, Futur, Futur II, Plusquamperfekt.... (im Spanischen gibt es neben dem plusquamperfecto noch das perfecto anterior)
- Periphrasen sind oft nicht von einer Sprache in eine andere übersetzbar.
Sachtexte sind i.d.R. einfacher zu übersetzen, als literarische Texte, Texte, die sich an kein Versmaß halten leichter, als lyrische Texte.
Emily Wilson hat sich für eine Übersetzung entschieden, bei der sie die Anzahl der Verse bei Homer beibehielt, hat das Epos aber eben auch in Reimprosa gelassen. Weil im Englischen der jambische Fünfheber (Pentameter) die lyrische Form der Wahl ist, hat sie den daktylischen Sechsheber (Hexameter) in den jambischen Fünfheber übertragen. Sie hat die Syntax vereinfacht. Das ist kein Simple English. Einfache Sprache ist weitaus mehr, als nur eine einfache Syntax zu verwenden.
Man kann darüber streiten, ob die Übersetzung für sich in Anspruch nehmen kann, eine wissenschaftlich brauchbare Übersetzung zu sein. Die Übersetzung eines Gedichts, das sich in der Originalsprache reimt in ein sich reimendes Gedicht in der Zielsprache, ist i.d.R. unmöglich, ohne Manipulation am Inhalt. Wenn man aber den Inhalt möglichst originalgetreu darstellen will, kann man sich eben nicht an Versmaß und Reimschema halten.
Ob Emily Wilson "woke-feministisch" ist, wie ihr vorgeworfen, weiß ich nicht. Sie selbst sagt, dass sie Sklaverei sichtbar macht, die in älteren Übersetzungen verschleiert worden sei. Sie kritisierte, dass ältere Übersetzungen der Odyssee ins Englische durch christliche und viktorianische Sprache überdeckt worden seien.
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