Österreichische Kolonie auf den Nikobaren

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Eise, 22. Januar 2007.

  1. Schiller

    Schiller Neues Mitglied

    Österreich auf allen Meeren

    So ist es.

    Nahezu bizarr ist es zu sehen, daß Ö-U während des Boxeraufstandes eine sehr intensive Rolle gespielt hat, obwohl es nun wirklich keinerlei Interessen dort zu vertreten hatte.
    In Folge sieht man auch einen starken Anstieg der Popularität der Kriegsmarine in Ö-U, es werden selbst Ö-U Dreadnoughts gebaut (Viribus Unitis) und ein Österreichischer Flottenverein gegründet, die Matrosenanzüge der Wiener Sängerknaben stammen exakt aus der damaligen Begeisterung für alles nautische.

    Erzherzog Franz Ferdinand ward er größte Unterstützer der Flotte, letzten Endes stellte die Donaumonarchie die bedeutendste Flotte im Mittelmeer.

    Unterm strich lässt sich an der Ö-U Marinepolitik ablesen, daß Wien das Gebahren einer Kolonialmacht an den Tag legte, ohne tatsächlich Kolonien zu besitzen.
    Klingt seltsam, gibt aber einen hervorragenden Einblick in das Denken der damaligen Zeit.
     
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  2. Undine

    Undine Gast

    Woher nimmst Du die Grundlage dieser Behauptung?

    Die k.u.k. Marine war weder Bedeutender als die italienische Marine oder gar als die französische Marine im Mittelmeer.

    Einfaches Beispiel, die italienische Marine erbaute bis zum 1.WK 6 Großkampfschiffe die schneller und stärker bewaffnet waren, als die 4 Stück der k.u.k. Marine.

    Dabei müsste man noch den Zeitraum betrachten, so war bis ca. 1912 die britische Marine im Mittelmeer neben der französischen, stärkste Partei.
     
  3. Schiller

    Schiller Neues Mitglied


    Das ist nicht ganz richtig. Zwar muß ich mich korrigieren (hatte das etwas anders in Erinnerung), es schaut wie folgt aus:

    Die Kriegsflotten im Mittelmeer, Stand Sommer 1914

    Ö-U
    15 Schlachtschiffe, 2 Panzerkreuzer, 4 leichte Kreuzer, 48 Zerstörer / Torpedoboote

    Das Deutsche Reich
    0 Schlachtschiffe, 1 Panzerkreuzer, 1 leichte Kreuzer, 0 Zerstörer / Torpedoboote

    Italien
    12 Schlachtschiffe, 9 Panzerkreuzer, 8 leichte Kreuzer, 59 Zerstörer / Torpedoboote

    Frankreich
    20 Schlachtschiffe, 7 panzerkreuzer, 1 leichter Kreuzer, 84 Zerstörer / Torpedoboote

    England
    0 Schlachtschiffe, 7 Panzerkreuzer, 4 leichte Kreuzer, 16 Zerstörer / Torpedoboote

    (Quelle: Basch-Ritter, Österreich auf allen Meeren. Geschichte der k. (u.) k. Kriegsmarine von 1382 – 1918, Graz, Wien, Köln, 1987, S. 133)

    Und das ist doch nun wirklich erstaunlich!

    Noch erstaunlicher, eigentlich tatsächlich bewundernswert, ist die Leistung tegetthoffs bei der Schlacht von Lissa, zu der die Italiener die damals modernste Mitelmeerflotte stellöten und blamabel untergingen (im wahrsten Sinne des Wortes).
    Gleichwohl war es die letzte Schlacht, in der die "klassische" Rammtechnik eingesetzt wurde.

    Vergleiche auch:
    - Höbelt, Lothar, Die Marine, in: Wandruzka, Adam, Urbanitsch, Peter (Hrsg.), Die Habsburgermonarchie 1848 – 1918, Bd. V, Wien, 1987.

    - Sokol, Anthony E., Seemacht Österreich. Die kaiserliche und königliche Kriegsmarine 1382 – 1918, Wien, 1972.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. März 2009
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  4. Undine

    Undine Gast

    Schlachtschiff ist nicht gleich Schlachtschiff, vor allem 1914 gab es da erhebliche Unterschiede des technischen Standes der Ausrüstung von Schlachtschiffen. Fakt ist, das die k.u.k. Marine nur 4 Großkampfschiffe besaß, die annähernd die Kampfkraft der italienischen, französischen und britischen Schiffe besaßen
    Die aufgeführte Liste von Dir hinkt insofern, dass hier alles als Schiff einer Klasse gezählt wird, unabhängig des alters dieses Schiffes.
    Siehe hier:

    Liste der Schiffe der k.u.k. Kriegsmarine ? Wikipedia

    Von den 14 angegeben Schlachtschiffen ist eines ein Segellinienschiff und die anderen Schiffe haben Baujahre noch weit vor 1900. Der Kampfwert dieser Schiffe ist also absolut zu vernachlässigen.

    Die Deutschen waren übrigens nicht mit einem Panzerkreuzer vertreten, sondern einem Schlachtkreuzer (SMS Goeben).

    Die Schlacht bei Lissa 1866, war mehr Glück für Tegetthoff das italienische Panzerschiff gerammt zu haben. Dies war zum einem darauf zurückzuführen, das es noch keine klare Strategie für den Einsatz von Panzerschiffen gab und zum anderen war die italienische Marine mit schlecht ausgebildeten Mannschaften auf ihren Schiffen, nicht in der Lage, den Vorsprung moderner Technik ihrer Schiffe optimal auszunutzen.
    Kein Rühmlicher Sieg für die österreichische Marine also.
     
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Finde ich doch.

    Es wird die ewige Streitfrage sein, ob Bayern Fussballmeister wird, weil sie besser wie die anderen sind, oder ob die anderen nur schlechter sind.
    Die Meisterschale bekommen sie in beiden Fällen.:devil:

    Ein Sieg (und es war einer, kein errechneter wie Skagerrak) über die nominell deutlich stärkere Flotte kann man in der Sprache des 19. Jahrhunderts schon als "ruhmreich" bezeichnen.
     
  6. Undine

    Undine Gast

    Sicherlich ein Sieg, aber ein rühmlicher war es m.E. nicht, denn hier wurde von Tegetthoff ein Taktik gewält, die den Schiffen damilger Zeit nicht entsprachen und mehr an eine Verzweiflungstat erinnern. Durch das verwirrte italienische Geschwader und die sich auflösenden Formationen der Schiffe ergab sich nun die Möglichkeit, die Schiffe zu Rammen. Dies wurde von den Österreichern mit so einer Hingabe versucht, dass auch Schiffe mit dem Heck in der Drehung gerammt wurden.
    Zudem entstand hier der Mythos der Rammtaktik, der schon damals durch steigende Qualität der Geschütze und ihrer Reichweiten genauso überschätzt wurde, wie dieser Sieg.

    Das erinnert nicht an ein schönes Fussballspiel, mehr an ein Mann gegen Mann Rugbyspiel...
     
  7. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Ach was, Lissa war ein großartiger Sieg!
    Hätte Romako sonst ein so beeindruckendes Bild davon gemalt:
     

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  8. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    PS: für etwaige preissische Trockenschwimmer & Badwannenkapitäne:
    Vorsicht, Ironie....
    ;-)
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Natürlich!
    Die Österreicher haben wenigstens ein paar Seesiege aufzuweisen.
    Die Preußen einen einzigen. (an dem sie sich nicht lange erfreuen konnten...)

    Warum habt Ihr Öschis 1866 auch gegen die Malefizpreussen verloren?
    Wir wären doch viel lieber mit Euch gegangen, und die Rheinpreussen gleich mit (glauben wir einfach mal dem Conny)
    Das bißle katholisch sein, hätten wir Euch sogar nachgesehen....:pfeif:

    Und wir könnten heute noch Karfiol kaufen und Mehlspeis essen, die Krombiere wäre Sauenfutter...:scheinheilig:
    und Hans Moser der Nationalheld...


    Tja, wenn Onkel nur Brust hätte....
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. März 2009
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  10. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Und selbst die Preussen wären wahrscheinlich lieber Preissn blieben....
    Wir hätten einen hatscherten Deutschen Bund - und alle wärn zufrieden.

    Und wegen was der ganze Schmarrn? Weil der Bismarck sichs einbildet und sich bei uns der Franzl sowas mit seine Generäle verhaut hat.
    :D

    Naja, wenigstens hamma jetzt die EU...
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Du meinst, das wäre immerhin schon mal ein "Brustansatz":D
     
  12. mos256

    mos256 Neues Mitglied

    unglaublich. da tut sich ja plötzlich was in diesem thread!

    beim boxeraufstand schiffernakelte übrigens ein entfernter verwandter von mir bei den schinesen rum. leider gibt es da keine dokumente mehr.

    ist hier jemand an röntgenaufnahmen der zarin alexandra interessiert? wenn ja, stelle ich sie gerne rein.

    mir ist lediglich bekannt, dass sie 1898 gemacht wurden, nicht aber unter welchen umständen. unfall dürfte dem ganzen keiner vorangegangen sein, sie trägt ring und armreifen, außerdem gibt es vom zaren auch eine aufnahme.

    kann jemand weiterhelfen unter welchen umständen diese aufnahmen entstanden??
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. März 2009
  13. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Das war weniger "das Gebahren einer Kolonialmacht" als vielmehr praktizierter Navalismus wie er auch bei den Verbündeten und Feinden der Donaumonarchie verbreitet und üblich war.

    Nebenbei, Österreich-Ungarn besass zu diesem zeitpunkt bereits eine Kolonie, Bosnien-Herzegowina

    Die königliche-italienische Marine war tatsächlich größer als die k.u.k.-Marine, aber nicht automatisch stärker.

    Aber weniger gepanzert, was in den Schlachten gegen andere Schlachtschiffe sich als wichtiger erwies als höhere Geschwindigkeit.

    Eine andere, bessere Aufzählung der Schiffe der k.u.k.-Marine.
    http://www.rotary-bochum-hellweg.de/vortraege/Vortrag-Fasol-2003.pdf

    Eine informative Seite über das maritime Wettrüsten der Andriamächte:
    Trenches on the Web - Timeline: 1870-1914 - The Austro-Italian Naval Race
     
  14. Großfürst Pavel

    Großfürst Pavel Neues Mitglied

    Es ist nicht wirklich seltsam, wenn man berücksichtigt, dass der Aufbau und Unterhalt einer zeitgemäßen Marine damals das war, was später Flugzeuge und Großraketen wurden; ein Quelle für Prestige im In- und Ausland, eine Notwendigkeit für überseeische Machtpolitik und Indikator für den Leistungsstand einer Macht.
    Kriege dieser Zeit (Japans Angriffskrieg gegen Russland und die Angriffskriege Italiens und Griechenlands gegen das Reich der Osmanen) machten die Bedeutung und Folgen maritimer Überlegenheit noch weiter deutlich und rechtfertigten die aus heutigter Sicht überhöhten Marineausgaben.
     

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