Planeten, Götter und die Wochentage...

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von Carolus, 3. Juni 2021.

  1. Kochant

    Kochant Aktives Mitglied

    Und das kann man auf die deutschen Wochentagsnamen übertragen?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Meinst du meinen Beitrag?

    Wenn dem so ist: Es ging mir nur darum zu zeigen, dass "jüngster Beitrag in der Forschungsdiskussion schlägt alle älteren Beiträge" eben kein Automatismus ist. Der Forschungsstand wird nicht durch einen einzelnen Beitrag definiert, sondern dadurch, dass eine Mehrheit der Forscher eine Theorie aufgrund ihrer soliden Datenbasis und stimmigen Argumentation als "wahr" akzeptiert, solange, bis die nächste Theorie, welche diese ablöst, als "wahr" akzeptiert wird.

    In der Sache habe ich mich nicht dazu geäußert, ob der Erstach von Ares oder von Arius oder von einem zum Arius umgedeuteten Ares kommt.

    Wenn ich mich aber dazu äußern würde, dann würde ich annehmen, dass der nach einer Person benannte Tag wohl eher unwahrscheinlich ist und der Gottesname vorzuziehen ist. (Und das sind außersprachwissenschaftliche Argumente.) Des Weiteren würde ich noch mal Sepiolas Hinweis berücksichtigen:

    Die Umlautung aus dem Germanischen (und damit auch der ins Germanische eingegangenen Lehnworte vor der Umlautung) von anlautendem <a-> in <e-> ist einigermaßen normal. Wir finden das in Attila > Etzel, in Astnide > Essen, in asinus > asellus > Esel, acetum > Essig...
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du nennst z.T. keltische Götternamen die überliefert sind, die Treverer waren auch Kelten, keine Germanen.
    Natürlich ist davon auszugehen, dass nahöstliche, griechische, römische, keltische, germanische etc. Göttervorstellungen vor allem über die Identifikation der jeweiligen Aufgaben und/oder Attribute miteinander verschmolzen. Insofern wäre es überhaupt nicht abwegig anzunehmen, dass - so wie das aus dem Griechischen positiv belegt ist (Erstag/Pfinztag) - auch aus dem Keltischen Götternamen (wobei dies natürlich nur für Ers- < Ares nicht für Pfinz- < pente gilt) oder Begriffe zumindest in das Südwestgermanische (sprich in die Vorgängersprachen des Deutschen eingegangen wäre).

    Nun haben wir

    Dtsch. - Engl. - Niederl. - Dän./Norw. - Schwed.
    Sonntag - sunday - zondag - Søndag - söndag
    Montag - monday - maandag - Mandag - måndag

    Dienstag - tuesday - dinsdag - Tirsdag - tisdag
    Mittwoch - wednesday - woensdag - Onsdag - onsdag
    Donnerstag - thursday - donderdag - Torsdag - torsdag
    Freitag - friday - vrijdag - Fredag - fredag

    Samstag - saturday - zaterdag - Lørdag - lördag

    Angesichts der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Wochentagen (ich habe Färöisch und Isländisch als archaisch-konservative Sekundärdialekte und Scots als vom Englischen halbwegs abgekoppelten angelsächsischen Dialekt mal ausgelassen) fällt doch vor allem auf, dass die Wochentage weitestgehend identisch sind.
    Es fallen im Deutschen und Niederländischen der Thingstag heraus, sind aber inschriftlich (interpretatio romana) mit Mars verbunden und der Marstag der romanischen Sprachen fällt mit dem Týrstag der germanischen Sprachen zusammen. Dann im Deutschen der einzige wirklich sprechende Wochentag (Am Sonntag schien die Sonne, am Montag kam Herr Mohn, am Dienstag hatte Herr Taschenbier Dienst, Mittwoch ist Mitte der Woche, das war sowieso klar, am Donnerstag donnerte es und am Freitag hatte Herr Taschenbier frei. Und am Samstag kam das???), der aus der Reihe tanzt, wie am Samstag der Sabbaton mit dem eingeschobenen Gleitlaut -m- (Samstag < Sambstag < sambaton < sabbat), dagegen ebenfalls aus der Reihe tanzend, weil den lateinischen Gott wählend, die englische und niederländische Namensvariante. Sonntag und Montag wahrscheinlich Lehnübersetzungen von dies solis und dies lunae.

    Angesichts einer solcher weitestgehender Gemeinsamkeit verstehe ich die Zweifel nicht.

    Ich bin ja eigentlich kein Freund von allzu positivistischen Herangehensweisen, aber das ist mir dann doch zu negativ.

    Auch Donnerstag als fünfter Tag der Woche (griechisch pénte 'fünf', pémpti 'Donnerstag') ist absolut plausibel, einschließlich hochdeutscher Lautverschiebung, womit der Pfinztag vor derselben in einen Teil der südgermanischen Dialekte p>pf eingegangen sein muss. Man denke auch an Pfingsten (pentekostes, 50. tag nach der Auferstehung).
     
  4. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied


    Hatte ich nicht intendiert oder gesagt. Das gotische Christentum war homöisch geprägt, die nicht zutreffende Gleichsetzung mit 'Arianismus' geht vielfach auf germanozentrische/germanophile Deutungen seit dem späten 19. Jh. bis weit nach 1945 zurück. Die Germanen/ostgermanischen Goten hatten demnach (zufällig) eine von Rom unabhängige bzw. nicht römisch-katholische, sondern speziell für Germanen geeignetere Form des Christentums rezipiert. Doch selbst schon Heussi, Kompendium der Kirchengeschichte, 1960, S. 119, Abschnitt i, mit den Anspielungen auf die geistige Stufe der Goten, nennt das gotische Bekenntnis homöisch (rechnet es allerdings noch zum Arianismus).

    Siehe die breite, neuere wissenschaftliche (Foschungs-)Lit., die ich vor wenigen Jahren bei Tante Wiki bei den Stichwörtern Wulfila (auch Abschnitt Lehre) oder Arianismus (dort besonders Abschnitt Heterousianer, Homöer und Homöusianer) vorsichtig eingearbeitet habe.
     
    Maglor und Kochant gefällt das.
  5. Kochant

    Kochant Aktives Mitglied

    Welche Version/Ausgabe des Heliand ist das? Ich habe versucht, die Stellen zu finden, aber es ist mir nicht auf Anhieb gelungen.

    Gruß
    Kochant
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

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